Table Of ContentFORTSCHRITTE
DER BOTANIK
BEGRtlNDET VON FRITZ VON WETTSTEIN
UNTER ZUSAMMENARBEIT
MIT ZAHLREICHEN FACHGENOSSEN
UNO MIT OER
OEUTSCHEN BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
HERAUSGEGEBEN VON
ERWIN BUNNING ERNST GAUMANN
TOBINGEN ZORICH
VIERUNDZWANZIGSTER BAND
BERICHT tlBER DAS JAHR 1961
MIT 14 ABBILDUNGEN
SPRINGER-VERLAG
BERLIN· GOTTINGEN . HEIDELBERG
1962
Alie Rechte, insbesondere das der t.ibersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten
Ohne ausdriickliche Genehmigung des Verlages ist es auch nicht gestattet, dieses
Buch oder Teile daraus aufphotomechanischem Wege (Photokopie, Mikrokopie)
oder auf andere Art zu vervielfilltigen
© by Springer-Verlag OHG. Berlin· Giittingen· Heidelberg 1962
Softcover reprint of the hardcover 1st edition 1962
Library of Congress Catalog Card Number 33-15850
ISBN-13: 978-3-642-94845-9 e-ISBN-13: 978-3-642-94844-2
DO!: 10.1007/978-3-642-94844-2
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Annahme, daB solche Namen 1m Sinn der Warenzeichen- und Markenschutz
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werden diirften
Briihlsche Unlversitiitsdruckcrei GieBen
Inhaltsverzeichnis
A. Anatomie und Morphologie Seile
1. Morphologie und Entwicklungsgeschichte der Zelle. Von Professor Dr.
LOTHAR GElTLER, Wien III, Botanischer Garten, Rennweg 14 ....
2. Morphologie einschliel3lich Anatomie. Von Professor Dr. WILHELM
TROLL und Professor Dr. HANS WEBER, Mainz, Botanisches Institut der
Universitat. (Mit 2 Abbildungen). . . . . . . . . . . . . . . . . 10
3. Entwicklungsgeschichte und Fortpflanzung. Von Professor Dr. KURT
STEFFEN, Braunschweig, Pharmakognostisches Institut der Techn.
Hochschule, Pockelsstraf3e 4. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
4. Feinstruktur der Zelle. Von Professor Dr. KURT MUHLETHALER,
Ziirich 6, Institut fiir allgemeine Botanik der Eidgen. Techn. Hochschule,
Laboratorium fiir Elektronenmikroskopie, Universitatsstraf3e 2 . . . 46
B. Systemlehre und Pfianzengeographie
5. a) Systematik und Phylogenie der Algen. Von Professor Dr. BRUNO
SCHUSSNIG, Jena, Postfach 120. . . . . . . . . . . . . . . . 53
b) Systematik und Stammesgeschichte der Pilze. Von Professor Dr.
HEINZ KERN, Ziirich 6, Institut fiir spezielle Botanik der Eidgen.
Techn. Hochschule, UniversitatsstraJ3e 2. . . . . . . . . . . . 62
c) Systematik der Flechten1. Von Privatdozent Dr. JOSEF POELT,
Miinchen 19, Botanische Staatssammlung, Menzinger StraJ3e 67
d) Systematik der Moose. Von Privatdozent Dr. JOSEF POELT,
Miinchen 19, Botanische Staatssammlung, Menzinger StraJ3e 67. . 69
e) Systematik der Farnpflanzen. Von Kustos Dr. DIETER MEYER,
Berlin-Dahlem, Botanischer Garten und Museum, K6nigin Luise
StraJ3e 6. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
f) Systematik der Spermatophyta 1. Von Professor Dr. HERMANN
MERXMULLER, Miinchen 19, Institut fiir Systematische Botanik der
Universitat, Menzinger StraJ3e 67
6. PaIaobotanikl. Von Professor Dr. KARL M1i.GDEFRAU, Tiibingen, Institut
fiir spezielle Botanik der Universitat, WilhelmstraJ3e 5
7. Systematische und genetische Pflanzengeographie
a) Areal- und Florenkunde. Von Professor Dr. HELMUT GAMS, Inns-
bruck-Hatting, Botanisches Institut der Universitat. . . . 90
b) Floren-und Vegetationsgeschichte seit dem Ende des Tertiars. Von
Privatdozent Dr. BURKHARD FRENZEL, Freising-Weihenstephan,
Botanisches Institut der Techn. Hochschule Miinchen. . . . . . 101
8. Okologische Pflanzengeographie. Von Professor Dr. HEINZ ELLENBERG,
Ziirich 44, Institut fUr Geobotanik der Eidgen. Techn. Hochschule,
ZiirichbergstraJ3e 38 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123
9. Okologie. Von Professor Dr. THEODOR SCHMUCKER, Hann.-Miinden,
Institut fUr Forstbotanik und Forstgenetik der Universitat Gattingen,
Werraweg I. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140
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1 Der Beitrag folgt in Band XXV.
IV Inhaltsverzeichnis
c. Physiologie des Stoffwechsels
10. Physikalische und chemische Grundlagen der Lebensprozesse (Strahlen
biologie)l. Von Professor Dr. HELLMUT GLUBRECHT, Hannover, Institut
fiir Strahlenbiologie, Isotopenlaboratorium der Fakultat fiir Gartenbau
und Landeskultur der Techn. Hochschule, Herrenhauser StraBe 2
11. Zellphysiologie und Protoplasmatik1. Von Professor Dr. HANS JOACHIM
BOGEN, Braunschweig, Botanisches Institut der Techn. Hochschule,
HumboldtstraBe 1
12. Wasserumsatz und Stoffbewegungen. Von PJ;ofessor Dr. HUBERT
ZIEGLER, Darmstadt, Botanisches Institut der Techn. Hochschule,
RoBdorfer StraBe 140. (Mit 1 Abbildung) . . . . . . . . . . . . . lSI
13. Mineralstoffwechsel. Von Professor Dr. HANS BURSTROM, Lund (Schwe
den), Botanisches Institut der Universitat. (Mit 2 Abbildungen) . . . 169
14. Stoffwechsel organischer Verbindungen I (Photosynthese). Von Pro
fessor Dr. HELMUT METZNER, Tiibingen, Lehrstuhl fiir chemische
Pflanzenphysiologie der Universitat, Wilhelmstra13e 26. (Mit 2 Ab-
bildungen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178
15. Stoffwechsel organischer Verbindungen II
a) Kohlenhydrat- und Saurestoffwechsel. Von Dr. HANS REZNIK,
a
Grenoble (France), Professeur la Faculte des Sciences de Grenoble,
Institut de Botanique, 9, Place Bir-Hakeim . . . . . . . . . . 234
b) Sekundare Pflanzenstoffe1• Von Dr. HANS-BoTHO SCHROTER,
Halle a. d. Saale, Institut fiir Biochemie der Pflanzen, Weinbergweg
16. N-Stoffwechsel. Von Dozent Dr. ERICH KESSLER, Marburg a. d. Lahn,
Botanisches Institut der Universitat, Pilgrimstein 4, und Privatdozent
Dr. HORST KATING, Bonn, Pharmakognostisches Institut der Universi-
tat, NuBallee 2. (Mit 3 Abbildungen) . . . . . . . . . . . . . . . 254
17. Viren und Phagen
a) Phytopathogene Virenl. Von Dr. HEINz-GUNTER WITTMANN,
Tiibingen, Max Planck-Institut fiir Biologie, Abteilung Melchers,
Corrensstra13e 41
b) Bakteriophagen. Von Professor Dr. WALTER HARM, Koln-Linden
thaI, Institut fiir Genetik der Universitat, Abteilung Strahlen
biologie, Weyertal 115. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275
D. Physiologie der Organbildung
18. Vererbung
a) Genetik der Mikroorganismen. Von Professor Dr. REINHARD
W. KAPLAN, Frankfurt a. M., Institut fiir Mikrobiologie der Universi-
tat, Siesmayer StraBe 70 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 286
b) Genetik der hoheren Pflanzen. Von Professor Dr. CORNELIA HARTE,
Koln-Lindenthal, Institut fiir Entwicklungsphysiologie, Gyrhof-
stra13e 17. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 304
19. Cytogenetik. Von Privatdozent Dr. GERHARD ROBBELEN, Gottingen,
Institut fiir Pflanzenbau und Pflanzenziichtung der Universitat,
Von Siebold-StraBe 8 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 314
20. Wachstum1. Von Professor Dr. JAKOB REINERT, Berlin-Dahlem, Pflan
zenphysiologisches Institut der Freien Universitat Berlin, Konigin
Luise-Str. 1-3
21. a) Entwicklungsphysiologie1. Von Dr. ANTON LANG, Professor fiir
Biologie, Pasadena 4, California (USA), California Institute of
Technology
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1 Der Beitrag folgt in Band XXV.
Inhaltsverzeichnis v
21. b) Physiologie der Fortpflanzung und Sexualitat. Von Professor Dr.
HANSFERDINAND LINSKENS, Nijmegen (Holland), Botanisches
Laboratorium der R. K. Universitat, Driehuizerweg 200. . . . . 360
22. Bewegungen. Von Professor Dr. WOLFGANG HAUPT, Erlangen, Botani-
sches Institut der Universitat, SchloBgarten 4. (Mit 1 Abbildung) 377
E. Ausgewlihlte Kapitel der angewandten Botanik
23. a) Allgemeine Pflanzenpathologie. Von Dr. ROLAND ROHRINGER,
Winnipeg 1, Manitoba (Canada), Canada Department of Agriculture,
Research Branch, Box 6200 . . . . . . . . . . . . . . . . . 393
b) Virosen. Von Oberreg.-Rat a. D. Dr. ERICH KOHLER, Braunschweig,
BismarckstraBe 1. (Mit 2 Abbildungen) ............ 410
c) Bakteriosen. Von Oberreg.-Rat a. D. Dr. Dr. h. c. CARL STAPP,
Braunschweig, Magnitorwall 5 . . . . . . . . . . . . . . . . 420
d) Mykosen
IX) Mykosen, verursacht durch Archimyceten und Phycomyceten.
Von Reg.-Rat Dr. JOHANNES ULLRICH, Braunschweig, Institut fiir
Botanik der Biologischen Bundesanstalt, Messeweg 11/12. (Mit
1 Abbildung) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 428
fJ) Mykosen, verursacht durch Ascomyceten und Fungi imperfecti.
Von Dr. EMIL MULLER, Ziirich 6, Institut fiir spezielle Botanik
der Eidgen. Techn. Hochschule, UniversitatsstraBe 2 . . . . . 435
y) Mykosen, verursacht durch Basidiomyceten. Von Professor Dr.
KURT HASSEBRAUK, Braunschweig, Biologische Bundesanstalt
fiir Land- und Forstwirtschaft, Institut fiir Botanik, Messeweg
11/12. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 444
e) Nichtparasitare Pflanzenkrankheiten. Von Reg.-Rat Privatdozent
Dr. ADOLF KLOKE, Berlin-Dahlem, Institut fiir nichtparasitare
Pflanzenkrankheiten an der Biologischen Bundesanstalt, Konigin
Luise-StraBe 19. . . . . . . .. ............ 452
f) Pflanzenschutz. Von Oberreg.-Rat Dr. HERMANN FISCHER, Kiel,
Pflanzenschutzamt, Westring 383. . . . . . . . . . . . . . . 459
24. Holzkrankheiten und Holzschutz. Von Professor Dr. HERBERT ZYCHA,
Hann. Miinden, Biologische Bundesanstalt, Institut fiir Forstpflanzen
krankheiten, Kasseler StraBe 22. . . . . . . . . . . . . . . . . 465
25. Antibiotica. Von Privatdozent Dr. HANS ZAHNER, Ziirich 6, Institut fiir
spezielle Botanik der Eidgen. Techn. Hochschule, Universitatsstraf3e 2 471
26. Hydrobiologie, Limnologie, Abwasser und Gewasserschutz. Von
Professor Dr. OTTO JAAG, Ziirich 6, Eidgen. Anstalt fiir Wasserversor
gung, Abwasserreinigung und Gewasserschutz an der Techn. Hoch
schule, Physikstraf3e 5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 482
27. Pharmakognosie. Von Professor Dr. OTTO MORITZ und Dr. DIETRICH
FROHNE, Kiel, Institut fiir Pharmakognosie, Gutenbergstraf3e 76. . . 499
28. Angewandte Pflanzenphysiologie. Mineraldiingung. Von Dr. SIGMUND
REHM, Pretoria (South-Africa), Division of Horticulture, P. O. Box 994 508
29. Angewandte Mikrobiologie. Mikrobielle Kunststoffkorrosioni. Von
Dr. ADELHEID SCHWARTZ, Greifswald, Institut fiir Mikrobiologie der
Ernst-Moritz Arndt-Universitat, Ludwig J ahn-Straf3e 15
Sachverzeichnis ...... 515
Die Abschnitte A und B sind von E. GAUMANN und die Abschnitte C und D
von E. BUNNING und der Abschnitt Evon E. BUNNING und E. GAUMANN redigiert.
1 Der Beitrag folgt in Band XXV.
FORTSCHRITTE DER BOTANIK
BAND XXIV
A. Anatomie und Morphologie
1. Morphologie und Entwicklungsgeschichte der Zelle
Von LOTHAR GEITLER, Wien
Bakterien und Cyanophyceen. Eine lesenswerte Zusammenfassung
unserer Kenntnisse tiber den Zellbau der Bakterien und seine grund
siitzlichen Unterschiede gegentiber dem der in Kern und Cytoplasma
differenzierten Organismen geben STANIER u. VAN NIEL. Zuniichst wird
klargestellt, daB es keine Ubergiinge zwischen Viren und zelligen Organis
men gibt und geben kann. Dann wird, unter Zurlickgreifen auf die alten
Bezeichnungen CHATTONs, unterschieden zwischen Prokaryonten und
Eukaryonten und, unter Heranziehung physiologischer Gesichtspunkte,
gezeigt, daB die Bakterien (und Cyanophyceen) ihre Organellen nicht
in der Weise abgegrenzt ausbilden, wie dies den Eukaryonten wesentlich
ist, daB sie also keinen Kern mit einer Membran und keine Mitochondrien
bzw. auch keine Plastiden besitzen (liber diese vgl. auch GRANICK).
Dazu kommt, daB auch die GeiBel der Bakterien anders als die der
Eukaryonten gebaut ist - sie besteht nicht aus 9 + 2 Fibrillen, sondern
ist einfach (vgl. Fortschr. Bot. 16, 1) -, und anscheinend bilden die
Bakterien auch einen besonderen Membranstoff, niimlich ein Muco
peptid. SchlieBlich sind auch die Sexualvorgiinge der Bakterien grund
siitzlich anderer Natur (es gibt z. B. keine Zygote und keinen Zygoten
kern). Das alles ist nicht neu (vgl. z. B. ROBINOWS Ansichten, Fortschr.
Bot. 19, 2), doch vie1en oder den meisten Untersuchern ein spanisches
Dorf. - Gegen die Auffassung der Autoren, daB es keine Unterschiede
zwischen Bakterien und Cyanophyceen giibe - "we cannot in the last
analysis separate the bacteria sensu lato from the blue-green algae" -,
liiBt sich allerdings noch immer einwenden, daB eine "last analysis" flir
den Chromatinapparat der Cyanophyceen gar nicht vorliegt. DaB etwa
die Trichobakterien apochlorotische Cyanophyceen sind, ist eine reine
Hypothese (Fortschr. Bot. 21, 2). Sicher ist aber z. B. schon jetzt, daB
der Assimilationsapparat der photosynthetischen Purpurbakterien anders
als der der Cyanophyceen gebaut ist, und von einem Chromatinfaden oder
"Chromosom" nach Art der Bakterien ist bei Cyanophyceen nichts zu
bemerken. Es ist daher richtiger, an der alten Ansicht festzuhalten, die
E. G. PRINGSHEIM (1949) neu unterbaut hat, und die besagt, daB es
mehrere Gruppen prokaryonter Organismen gibt, z. B. Eubakterien,
Purpurbakterien, Chlorobakterien, Cyanophyceen, wie sich ja auch ver
schiedene Gruppen von Eukaryonten entwickelt haben.
Fortschritte der Botanik 24
2 Anatomie und Morphologie
Neue kritische Untersuchungen tiber den Chromatinapparat der
Bakterien bringen RYTER u. KELLENBERGER, SCHLOTE, sowie KLEIN
SCHMIDT U. LANG; in gtinstigen Fallen laBt sich der schon lange postulierte
Chromatinfaden unmittelbar nachweisen. Besonders eingehend unter
suchte "das Chromosom" der Bakterienzelle GIESBRECHT, der elektronen
optisch mehrfache Spiralisierung und weitgehende Ubereinstimmung des
Feinbaus mit den Chromosomen des Dinoflagellaten Amphidinium
elegans findet (vgl. das nachste Kapitel); vermutlich verlauft auch der
Formwechsel in beiden Fallen insofern ahnlich, als im "Ruhekern"
persistierende Prophase-Chromosomen vorhanden sind; manche friihe
ren Fehldeutungen des Chromatinapparats der Bakterien lassen sich
unter Berticksichtigung dieses Umstands vermeiden1. Dennoch empfiehlt
es sich nicht, den Chromatink6rper der Bakterien als "Chromosom" zu
bezeichnen, da auBer den oben er6rterten allgemeinen Gesichtspunkten
auch spezielle Befunde dagegen sprechen (RIS).
Der Cyanophyceenprotoplast erweist sich auch bei kritischer elek
tronenoptischer Untersuchung als "kernlos" und von grundsatzlich
andersartiger Organisation als der der Eukaryonten (HOPWOOD u.
GLAUERT, RIS U. SINGH). Er besitzt aber auch, wie schon erwahnt,
keine gr6Bere positive Ahnlichkeit mit dem der Bakterien; die Chromatin
struktur ist im iibrigen auBerst fixierungslabil, so daB bindende Schliisse
nicht immer leicht zu ziehen sind. Die Begriffe Centro- und Chromato
plasma wollen RIS u. SINGH eliminieren, weil beide Teile nicht klar von
einander abgegrenzt erscheinen; in Wirklichkeit sind sie aber wohl unter
scheidbar, wenn auch bei manchen A.rten das Centroplasma von hinein
ragenden Fortsatzen des Chromatoplasmas durchsetzt wird (Fortschr.
Bot. 21, 2): auch dann ist das Centroplasma als das vorhanden, was die
Autoren "nucleoplasm" nennen, d. h. als zentrales Areal, das die DNS
Strukturen enthalt und dem die Bestandteile des sonstigen Plasmas
fehlen. - Das Chromatoplasma besteht aus in sich geschlossenen Doppel
lamellen (MENKE; RIS SINGH), zeigt also den gleichen inneren Bau wie
U.
Plastiden.
Protisten. Uber die Mitosen verschiedener Pilze (Hefen, Basidio
myceten) mit, wie zu erwarten, durchaus typischem Verlauf, berichten
ausfiihrlich und iiberzeugend ROBINOW sowie PAVGI, COOPER U. DICKSON,
WARD u. CIURYSEK). Ihnen stehen Mitteilungen gegeniiber, denen zufolge
es keine Metaphasen, keine Chromosomen und iiberhaupt keine Mitosen
geben solI; diesen Autoren, deren Namen verschwiegen seien, ware
zu raten, erst einmal das Buch BELARs tiber Protistenkerne bzw. -mitosen
und ihre Tarnungen zu studieren; es wird in Zukunft auf solche anti
quierte, obwohl mit modernen Finessen durchgeflihrte Untersuchungen
nicht mehr eingegangen, ebensowenig auf die richtigen Angaben, die nur
der Widerlegung der falschen dienen.
Wie bei allen Dinoflagellaten sind auch bei A mphidinium die Chromo
somen im Ruhekern in einem prophasisch-kondensierten Zustand aus
gebildet. Elektronenoptisch laBt sich in ihnen ein hochgeordnetes drei-
1 Die wichtige Mitteilung GIESBRECHTs wie auch andere elektronenoptische
Untersuchungen kiinnen in diesem Rahmen nicht in extenso besprochen werden.
Morphologie und Entwicklungsgeschichte der Zelle 3
faches System von Schrauben erkennen (GIESBRECHT; einfache Spirali
sierung beobachteten schon GRELL u. WOHLFARTH-BoTTERMANN). -
Auch bei Micrasterias ist die Kernwand zweischichtig und von regel
maBig verteilten Poren durchsetzt [DRAWERT u. MIX 1961 (2)J; eine Ver
bindung zwischen ihr und dem endoplasmatischen Reticulum (Fortschr.
Bot. 23, 4, vgl. auch LORENZEN, SITTE) zeigte sich nicht. - Die Nucleolar
substanz ist bei Micrasterias je nach dem physiologischen Zustand der
Zelle verschieden ausgebildet: unter guten Lebensbedingungen er
scheinen mehrere Brocken, unter schlechten flieBen sie zu einem Nucleolus
zusammen [DRAWERT u. MIX 1961 (1)]. Bei Oedogonium soll nach UEDA
die bis zur Metaphase abgebaute N ucleolarsubstanz wahrend der Anaphase
im Aquator als fibrillare Masse reorganisiert werden, dann wieder ver
schwinden und in der Telophase neu entstehen; die Mitose verlauft, wie
bekannt, intranuclear, ihre Schilderung leidet unter der Unkenntnis
wichtiger Literatur (KRETSCHMER, TSCHERMAK-WOESS). - Bei Micra
sterias schwankt mit dem Lebenszustand (Zellteilung!) sehr stark die
Ausbildung der Feinstruktur des Chromatophors [DRAWERT u. MIX
1961 (3)J: von undeutlich vernetzt-lamellierten Strukturen bis zu solchen
mit klarer Granabildung gibt es alle Ubergange; die Untersuchungen,
wie die oben referierten der beiden Autoren, zeigen, wie wichtig es ist,
Strukturen von Lebewesen nicht rein statisch zu betrachten.
Bei Acetabularia zeigt sich in wachsenden Stielspitzen nach be
stimmter praparativer Vorbehandlung in dem hier dichten Plasma eine
charakteristische netzige Wachstumsstruktur, die sich wahrscheinlich
aus sauren Polysacchariden aufbaut (WERZ 1960); ihre Bildung steht
in deutlicher Beziehung zum Auftreten aktiver "morphogenetischer
Substanzen" im Licht, sie verursacht aber nicht das Wachstum; bei
verschiedenen Dasycladaceen ist die Struktur artspezifisch verschieden
(WERZ 1961). - Ein interessantes Wachstumsproblem ergibt sich fur
den Ascus der Ascomyceten: nach der Sporenbildung wachst der Ascus,
der dann nicht mehr den Charakter einer kernfUhrenden Zelle besitzt,
noch weiter [GEITLER 1961 (2)J; das uberlebende Plasma ist offenbar
noch einer Synthese, wenigstens von Substanz fur den Aufbau der
Ascuswand, fahig.
Die Bedeutung des feineren Baus der GeiBeln (Peitschen-, Flimmer
geiBeln u. a.) fUr die Systematik behandelt zusammenfassend BOURRELL Y ;
innerhalb der Chlorophyceen finden sich unerwartete Verschiedenheiten.
Eine ausfUhrliche zusammenfassende Darstellung des submikroskopi
+
schen Baus (9 2 Fibrillen, vgl. Fortschr. 16, 1) gibt FAWCETT. -
Kontraktile Vacuolen kommen bei Chlorophyceen entweder lokalisiert im
Vorderende zu zweien vor oder treten zu vielen verstreut im Protoplasten
auf; ETTL mochte dem groBe systematische Bedeutung zusprechen;
gegen die allgemeine Anwendung dieses Prinzips spricht aber der Um
stand, daB bei der gleichen Gattung beide Typen vorkommen konnen
(so besitzt Chlamydomonas pseudogigantea zahlreiche, andere Arten zwei
kontr. Vacuolen). - Bei der farblosen Chrysomonade Paraphysomonas
entsteht die kontr. Vacuole durch ZusammenflieBen mehrerer winziger
Vacuolen, die nur elektronenoptisch sichtbar sind [MANTON u. LEE DALE
1*
4 Anatomie und Morphologie
1961 (1)]; die (verkieselten) Schalenplattchen der Zelloberflache werden
im Innern der Zelle gebildet und gelangen erst nachtraglich nach auBen;
vermutlich gilt dies auch flir die Plattchen von Chrysochromulina
[MANTON u. LEEDALE 1960 (2)], sicher fur die der Volvocale Micromonas
(MANTON u. PARKE).
Zellteilung, Polaritat und inaquale Teilung. Die erste Teilung keimen
der Karpo- und Tetrasporen von Ceramialen liefert eine rhizoidale und
eine apikale Tochterzelle, die den Thallus weiter aufbaut. Die Polaritat
durfte nach den Untersuchungen WEBERs autonom sein, d. h. es bestehen
Beziehungen zur Lage im Sporangium - z. B. wird der basale Pol der
Carpospore zum Rhizoidenpol des Keimlings -, aber nicht zu AuBen
reizen, im allgemeinen auch nicht zum Licht; nur bei einer der unter
suchten Arten ubte das Licht einen schwachen modifizierenden EinfluB
auf die praformierte Polaritat aus. - Bei einem haarbildenden Oedo
gonium entsteht das einzellige Haar durch eine inaquale Cytokinese
[GEITLER 1961 (1)]. Der Chromatophor zieht sich, ohne daB er seine
Polarisierung vi:illig aufgibt, entgegen dem Polaritatsgefiille vom apikalen
Zellende zurlick, aber nicht so weit, daB bei der Apex-nahen Quer
teilung der Zelle nicht ein kleines Stuck von ihm abgeschnitten werden
kann. Die unmittelbare Voraussetzung des Ablaufs der inaqualen Zell
teilung ist die apikale Lage der Kernspindel, was aber nicht allein wesent
lich ist, weil die fast gleiche Lage auch bei jeder gewi:ihnlichen Zellteilung
eingenommen wird; in diesem Fall gleicht sich aber die Inaqualitat spater
aus, im Fall der Haarbildung nicht; die inaquale Chromatophorenteilung
ist eo ipso irreversibel. Der Tochterkern, der in die zunachst viel kleinere
und chromatophorenarme, aber plasmareiche Tochterzelle gelangt, bleibt
auf einem Telophasezustand, der auch bei einer gewi:ihnlichen Teilung
durchlaufen wird, stehen, oder genauer, behalt die kondensierte Struktur
dieses Zustands bei; dennoch, d. h. obwohl kein Arbeitskern im morpho
logischen Sinn entsteht, ist die Tochterzelle zu sehr betrachtlichem
Wachstum - zumindest der Membran - befahigt, was eine gewisse
Parallele zu dem oben erwahnten Fall des kernfreien Ascus ergibt. An
dere Oedogonium-Arten, die unter Umstanden mehrzellige Haare bilden,
machen eine ganze Reihe inaqualer Teilungen durch, die von der Gesamt
polaritat des Fadens gesteuert werden. - 1m Zuge der beiden inaqualen
Teilungen, die wahrend der Makrosporengenese von Encephalartos ab
laufen, wird die Masse der Starkeki:irner der uberlebenden (basalen)
Makrospore zugeteilt (DE SLOOVER).
1m cellularen Antherentapetum von Zea, dessen Zellen eine einzige
Mitose erfahren, laufen die Mitosen in Gruppen von Zellen ungefahr
synchron ab, die Zellgruppen befinden sich aber von der Basis der An
there nach oben in fortschreitenden Stadien. Dieser synchron-progressive
Typus stellt in gewissem Sinn ein Bindeglied zwischen der exakten
Synchronie im periplasmodialen Tapetum und der fehlenden Synchronie
im cellularen dar [CARNIEL 1961 (1)]. Sehr deutlich mechanisch bedingte,
d. h. aus der Gestalt der Mutterzelle folgende Spindelstellungen und
damit gesetzmaBig ausgerichtete Scheidewande und Anordnungen der
Tochterzellen zeigen sich bei der Bildung des sporogenen Gewebes und