Table Of ContentJoachim Wolf, Anne Rohn, Klaus Macharzina
Forschungsleistung in der
deutschsprachigen Betriebswirtschaftslehre
GABLER EDITION WISSENSCHAFT
Joachim Wolf, Anne Rohn, Klaus Macharzina
Forschungsleistung in der
deutschsprachigen
Betriebswirtschaftslehre
Konzeption und Befunde einer empirischen
Untersuchung
Deutscher Universitats-Verlag
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1.AuflageFebruar2006
Alle Rechte vorbehalten
© Deutscher Universitats-Verlag/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2006
Lektorat: Brigitte Siegel / Stefanie Loyal
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Umschlaggestaltung: Regine Zimmer, Dipl.-Designerin, Frankfurt/Main
Druck und Buchbinder: Rosch-Buch, ScheSlitz
Gedrucktauf saurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier
Printed in Germany
ISBN 3-8350-0264-3
Vorwort
In den vergangenen Jahren sind wiederholt empirische Untersuchungen iiber die For-
schungsleistungen wissenschaftlicher Institutionen ver6ffentlicht worden, von denen
einige den Bereich der Betriebswirtschaftslehre betreffen. Die Mehrzahl dieser Unter
suchungen bezieht sich auf relativ kurze Erhebungszeitraume und vermag deshalb nur
schlaglichtartige Momentaufnahmen der Realitat bereitzustellen. Weiterhin sind viele
Untersuchungen fragwtirdig, weil sie - wie z. B. die bekannten Auswertungen des
CHE - nahezu sSmtliche in Literaturdatenbanken nachgewiesenen Publikationen be-
riicksichtigen und daher Gefahr laufen, einen in der „B^ckerblume" erschienenen Bei-
trag Oder ein in einem dubiosen Verlag veroffenthchtes Buch gleich zu werten wie ein
Artikel in „Administrative Science Quarterly*' oder in der „Zeitschrift fiir betriebswirt-
schaftliche Forschung".
Im vorliegenden Projekt sollen diese Hauptmangel vieler verfiigbarer Untersuchungen
einerseits dadurch iiberwunden werden, dass es sich auf den sehr langen Zeitraum von
20 Jahren bezieht. Anderseits berucksichtigt die vorhegende Untersuchung ausschlieB-
lich ABWL-Zeitschriften, weil um diese sSmtliche Wissenschaftler der Betriebswirt
schaftslehre konkurrieren und nicht nur jene, die zu einer funktional oder institutional
ausgerichteten Teilgruppe gehoren. Und schlieBlich wurden ausschlieBlich VerOffent-
lichungen erfasst, die in jenen deutschsprachigen ABWL-Zeitschriften erschienen
sind, denen die deutschsprachigen BWL-Professoren in anerkannten Zeitschriftenran-
kings (Hufner/Rau 1989; Schlinghoff/Backes-Gellner 2002; Hennig-Thurau/
Walsh/Schrader 2003) eine hohe Gesamtqualitat attestiert haben. Die Datengnmdlage
der vorliegenden Untersuchung ist also genau das, worauf sich die deutschsprachige
Fachgemeinschaft der BWL verstandigt hat.
VI Vorwort
Der vorliegende kleine Sammelband umfasst drei Beitrage, in deren Rahmen nicht nur
einfache Leistungsauszahlungen, sondem daruber hinaus weitergehende Zusatzanaly-
sen durchgefuhrt werden. Behandelt warden differenziertere Forschungsfragen wie:
- Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Tatigkeitsort der Herausgeber von
Zeitschriften und dem Tatigkeitsort der in diesen Zeitschriften publizierenden Au-
toren?
- In welchem MaBe unterscheiden sich die Zeitschriften hinsichtlich des Konzentra-
tionsgrads von Autoren?
- Verandert sich die Publikationsleistung von Personen nach ihrer erstmaligen Er-
nennimg zum Professor?
- Wie wirkt sich der Wechsel von Professoren an eine andere wissenschaftliche
Hochschule auf deren Publikationsleistung aus?
- Unterscheiden sich die betriebswirtschaftlichen Institute im Hinblick auf den An-
teil der Veroffentlichungen, die vom wissenschaftlichen Nachwuchs vorgelegt
wurden und wie hat sich der Anteil dieser Publikationen iiber die Zeit hinweg ver
andert?
- An welchen betriebswirtschaftlichen Instituten hat sich die Forschungsleistung der
zu ihnen gestoBenen Wissenschaftler positiv, an welchen negativ verandert?
Wir gehen davon aus, dass der vorliegende Band und die in ihm prasentierten Befunde
kontrovers diskutiert werden. Wir sehen den bevorstehenden Diskussionen mit Freude
entgegen und wiirden es sehr begriiBen, wenn sich - z. B. tiber die E-Mail-Adresse
[email protected] - ein intensiver Dialog entwickelte.
Joachim Wolf
Anne Rohn
Klaus Macharzina
Inhaltsverzeichnis
Klaus Macharzina/Joachim Wolf/Anne Rohn
Zur Forschungsleistimg der Betriebswirte im deutschsprachigen Raum -
Eine personen- und institutionenbezogene Langsschnittanalyse
Joachim Wolf/Anne Rohn/Klaus Macharzina
Veranderungen im Publikationsverhalten von Betriebswirten - Gemessen an
Veroffentlichungen in fiihrenden deutschsprachigen Fachzeitschriften 35
Joachim Wolf/Anne Rohn/Klaus Macharzina
Institution und Forschungsproduktivitat - Befunde und Interpretationen aus der
deutschsprachigen Betriebswirtschaftslehre 65
Klaus Macharzina/Joachim Wolf/Anne Rohn
Zur Forschungsleistung der Betriebswirte im deutschsprachigen Raum -
Eine personen- und institutionenbezogene Lftngsschnittanalyse
Zusammenfassung
Die im vorliegenden Beitrag vorgestellte Untersuchung verwendet den Forschungsout-
put in sechs ftihrenden deutschsprachigen betriebswirtschaftlichen Fachzeitschriften
als Indikator ftir die Forschungsleistung. Sie stutzt sich auf eine quantitative Analyse
der Veroffentlichungen im Rahmen einer Vollerhebung uber einen Zwanzigjahreszeit-
raum von 1982-2001. Unter anderem zeigt sich, dass das Leistungsniveau der Univer-
sitatsprofessoren erheblich streut und dass die PrSsenz von Praktikem in den Zeit-
schriften im Untersuchungszeitraum erheblich zuriickgegangen ist. SchlieBlich kann
fur fast alle Zeitschriften festgestellt werden, dass sowohl der Zusammenhang zwi-
schen Herausgeber- und Autorenschaft als auch das AusmaB der Dominanz einzelner
Autoren deutlich zuruckgegangen sind.
Professor Dr. Dr. h.c. Klaus Macharzina, Lehrstuhl fur Untemehmensfiihrung, Organisation und Personaiwesen
und Leiter der Forschungsstelle fiir Export- und Technologiemanagement (EXTEC), Universitat Hohenheim,
Stuttgart; Professor Dr. Joachim Wolf, Lehrstuhl fur Organisation, Dipl.-Psych. Anne Rohn, Doktorandin am
Lehrstuhl ftir Organisation, UniversitUt zu Kiel.
MacharzinaAVolf/Rohn
1 Forschungsoutput als SteuerungsgroBe des Hochschulmanagements
In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind im deutschsprachigen Einzugsbereich viel-
faltige Konzepte und MaBnahmen zur Beurteilung der Forschungsleistung von Univer-
sitaten oder deren Einrichtungen entwickelt und diskutiert worden (Daniel 1988a, S.
93; Daniel 2000, S. 2). Derartige Bemuhungen erscheinen trotz hin und wieder geau-
Berter kritischer Einwande sinnvoll, weil die Universitaten in ein marktliches Umfeld
eingebettet sind und weil die universitare Forschung mehrheitlich durch die offentliche
Hand finanziert wird, die ihrerseits dem Steuerzahler gegeniiber Rechenschaft iiber
ihre Mittelverwendung ablegen muss. Eine Evaluation der Leistungen von Universita
ten erscheint aber auch deshalb angemessen, weil der Wissenschaftsbereich in der jiin-
geren Vergangenheit drastische Finanzmittelkiirzungen zu verkraften hatte. Ein ziel-
strebiger Mitteleinsatz erscheint also mehr erforderlich denn je. Hinzu kommt, dass die
deutschsprachigen Lander zu den wissensbasierten Gesellschaften gehoren, die in be-
sonderem MaBe von der Hervorbringung neuer Erkenntnisse abhangig sind (Campbell
2000, S. 7).
Angesichts dieser Argumente verwundert es nicht, dass zahlreiche Institutionen und
Gruppen an derartigen Leistungsbeurteilungen mitwirken. Auf diesem Gebiet sind ei-
gens dafiir eingerichtete Evaluierungskommissionen, professionelle Evaluierungsagen-
turen, Wirtschafts- und politische Magazine, Studierende sowie die Wissenschaftler
selbst tatig. Eine ahnliche Heterogenitat kennzeichnet den Kreis der Adressaten der
Leistungsbeurteilungen. Untemehmen wollen jene Ausbildungseinrichtungen identifi-
zieren, welche die besten Kandidaten fiir ihren Ftihrungsnachwuchs bereitstellen. Poli-
tiker streben nach einer effektiven Zuweisung verfiigbarer Ressourcen. Schulabsolven-
ten erwunschen Transparenz hinsichtlich der Ausbildungsqualitat moglicher Studien-
orte, und Nachwuchswissenschaftler sind auf der Suche nach Universitaten mit einer
herausragenden Forschungsleistung (Btittner/Kraus/Rincke 2002, S. 23). SchlieBlich
zeigen die Universitaten selbst ein groBes Interesse an derartigen Evaluationen, weil
diese die Einwerbung von Drittmitteln sowie eine faire Mittelverteilung zwischen den
Fakultaten, Fachbereichen und Instituten erleichtem. Da diese Interessen durchweg als
legitim anzusehen sind, ist die Evaluation akademischer Leistungen nicht nur ange-