Table Of ContentMinisterium für Landwirtschaft,
Naturschutz und Umwelt
Fische in Thüringen
Die Verbreitung der Fische, Neunaugen,
Krebse und Muscheln
Impressum
Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft,
Naturschutz und Umwelt herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlwerbern oder Wahlhelfern wäh-
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ten Beschränkungen gelten unabhängig davon, wann, auf welchem Weg und in welcher Anzahl diese Druckschrift dem
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Herausgeber: Thüringer Ministerium für Landwirtschaft,
Naturschutz und Umwelt
Referat Europa, Öffentlichkeitsarbeit
Beethovenstraße 3
99096 Erfurt
Tel.: 0361 3799-922
Fax: 0361 3799-950
http://www.thueringen.de/tmlnu
[email protected]
Bearbeiter: Karl-Heinz Bock, Themar - Fische und Rundmäuler
Dr. Ulrich Bößneck, Vieselbach - Muscheln
Ralf Brettfeld, Bockstadt - Fische und Rundmäuler
Roland Müller, Siegritz - Fische und Rundmäuler
Uwe Müller, Stedten - Fische und Rundmäuler
Dr. Wolfgang Zimmermann, Gotha - Krebse
Zeichnungen: Silvio Müller, Neuhaus am Rennweg
Fotografien: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: Titel, S. 22, 32, 34, 36, 38, 40,
42, 44, 46, 48, 50, 52, 54, 58, 60, 64, 66, 70, 72, 74, 76, 78, 80, 82, 84, 86,
88, 92, 94, 96, 98, 100, 102, 104, 106, 109
Karl-Heinz Bock: S. 12
Ralf Brettfeld: S. 2 (2), 4
Frank Julich: S. 125, 127, 129, 133, 134, 137
Dr. Wolfgang Klemm: S. 18
Roland Müller: S. 7 (2), 8, 9 (2), 10, 11, 14 (2), 15, 20, 121 (3)
Uwe Müller: 3. Umschlag
Dr. Wolfgang Zimmermann: Titel, S. 112, 114, 117, 118
Dr. Ulrich Bößneck: Titel, S. 123, 131
Druck: Weimardruck GmbH
3. überarbeitete und stark erweiterte Auflage, 2004
Danksagung:
Für die Überlassung von Untersuchungsergebnissen sei R. Amberg (Milz), H. Baade (Altenburg), R. Bellstedt
(Gotha), T. Haase (Schleusingen), A. Hirsch (Saalfeld), M. Jessat (Altenburg), R. Kleemann (Nordhausen),
W. Klemm (Gera), J. Krause (Meiningen), A. Morawe (Erfurt), F. Nixdorf (Gießübel), K. Schmidt (Barchfeld),
H. Uthleb (Langenroda), U. Viertel (Gotha), M. Wagner (Niedersachswerfen) sowie vielen Ungenannten für
weitere Informationen recht herzlich gedankt.
Fische in Thüringen
Die Verbreitung der Fische, Neunaugen,
Krebse und Muscheln
Vorwort
Die 3. Auflage der Broschüre „Fische in Thüringen“
beruht auf den Ergebnissen landesweit durchge-
führter Erhebungen über Vorkommen und Gefähr-
dungen der Fische in unseren Thüringer Gewäs-
sern.
Neue Kenntnisse über historische Vorkommen
sowie die aktuelle Bestandssituation der heimi-
schen Fische, Neunaugen, Krebse und Muscheln
ergänzen die bisherigen Daten und runden das
Bild über die Fischlebensgemeinschaften in den
fließenden und stehenden Gewässern Thüringens
ab.
Die Thüringer Landesregierung betrachtet die mit tungen und Behörden als eine Entscheidungshilfe
dieser Broschüre vorgelegte detaillierte Bestands- bei Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der
aufnahme der Fische, Neunaugen, Krebse und Bestandsituation unserer heimischen Fischarten.
Muscheln einerseits als Bestätigung und anderer-
seits als eine Herausforderung. Bestätigung dafür, An dieser Stelle möchte ich den Autoren, Sachver-
dass in den letzten Jahren in der Gewässerreinhal- ständigen und insbesondere auch den Mitgliedern
tung und im Fischartenschutz beträchtliche Fort- der Angelvereine Thüringens, die im Rahmen der
schritte erzielt wurden. Herausforderung deshalb, Datenerhebung umfangreiche und sachkundige
weil noch viel zu tun bleibt, um alle Thüringer Ge- Zuarbeit geleistet haben, danken.
wässer in den gemäß der EU-Wasserrahmenricht-
linie geforderten „guten Zustand“ zu versetzen.
Insbesondere wird auch die Schaffung der Gewäs-
serdurchgängigkeit ein ganz besonderer Beitrag
zur Verbesserung und Stabilisierung unserer hei-
mischen Fischbestände sein.
Diese Broschüre soll den Angelfischern, Berufs-
fischern und Naturschutzinteressierten Ansporn
und Anlass sein, sich näher mit den Besonderhei- Dr. Volker Sklenar
ten der Fischfauna, die ein Teil unserer Thüringer Thüringer Minister für Landwirtschaft,
Kulturlandschaft ist, zu befassen. Sie gilt Verwal- Naturschutz und Umwelt
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Inhalt
Allgemeiner Teil
Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Gewässer in Thüringen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Lebensraum Gewässer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Gestern und Heute . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Gefährdung und Schutzmöglichkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Zusammenfassung der Ergebnisse der Fischartenkartierung . . . . . . . . . . 16
Spezieller Teil I
Fische und Neunaugen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Spezieller Teil II
Krebse und Muscheln in Thüringen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
Literaturhinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142
Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147
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Die Fischerei, Radierung von Jost Amman
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Einführung
Die systematische Erfassung von Fischarten reicht Eine Neuerung für Deutschland war die Integration
für das heutige Thüringen (ehemalige Bezirke Er- der Muschel- und Krebskartierung in die Veröffent-
furt, Gera und Suhl, sowie einige Kreise der Bezirke lichung. Hiermit wurde ein weiterer wesentlicher
Halle und Leipzig) bis in das Jahr 1982 zurück. Die Schritt zur Zusammenarbeit von Fischerei- und
vorhandene Datenbank stützt sich also auf eine Naturschutzbehörden unternommen.
mehr als zwanzigjährige Erfahrung und Feldarbeit Das System der 1996 vorgelegten Arbeit war rich-
in Thüringer Gewässern. tungsweisend und wurde nachfolgend von vielen
Die erste Zusammenfassung der vorhandenen Bundesländern übernommen.
Funddaten erfolgte 1993 in der Broschüre „Fische Seit der 2. Auflage der „Fische in Thüringen“ sind
in Thüringen“. Gleichzeitig wurde der Versuch nun wieder 8 Jahre vergangen und das Bild der
unternommen, die autochthone Fischfauna Thü- Thüringer Fischfauna hat sich erneut gründlich ge-
ringens zu rekonstruieren. Es wurde festgelegt, ändert.
welche Arten zukünftig als einheimisch gelten sol- Die Rote Liste konnte positiv überarbeitet werden,
len und welche nicht. Im gleichen Jahr wurde auch die Anzahl der ausgestorbenen Arten und Unterar-
die Rote Liste der Fische und Neunaugen Thürin- ten hat sich von ehemals 16 auf 8 reduziert. Die po-
gens erarbeitet. sitive Tendenz beruht in erster Linie auf Erkennt-
Bereits drei Jahre später, im Frühjahr 1996, er- niszuwachs. Neben weiterer Feldarbeit wurde nun
schien die zweite, wesentlich überarbeitete Auflage erstmals das gesamte Wissenspotential der Fi-
der inzwischen vollständig vergriffenen Broschüre. schereiverbände genutzt. Während 1995/96 kaum
Die in der Zwischenzeit fortgeführte Feldarbeit, Interesse an einer Mitarbeit bestand, muss die
sowie die Auswertung verschiedener anderer wis- Zusammenarbeit heute ausdrücklich als konstruk-
senschaftlicher Gewässeruntersuchungen haben tiv eingeschätzt werden.
die Datenbank auf 4100 Datensätze anwachsen Die vorliegende Broschüre ist also das Ergebnis
lassen. Weiterhin wurde ein umfangreiches literari- eines zwanzigjährigen Monitorings und einer über
sches Quellenstudium betrieben. In dessen Ergeb- mehr als zehn Jahre währenden Literaturauswer-
nis konnte eine über vierhundert Fundstellen um- tung. Und trotzdem kann auch diese Studie nur
fassende Bibliographie zum Thema Fische in Thü- eine Momentaufnahme sein. Die Erfahrung der
ringen erarbeitet werden. Das Bild der Thüringer letzten Jahre zeigt, dass gerade bei der Entwik-
Fischfauna hatte sich damit abgerundet und es klung der Fischpopulationen sehr viel Dynamik
waren erstmals fundierte Aussagen über die Ich- herrscht. Die Arbeit soll Grundlage für Entschei-
thyozönosen eines der neuen Bundesländer mög- dungen von Fischereibehörden sein, aber auch Fi-
lich. schereiverbände und Naturschützer zum Nach-
denken anregen.
Ein Aland aus der Werra bei Meiningen Die erste in Thüringen wieder gefangene Nase
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Gewässer in Thüringen
In Thüringen sind die Ober- und Mittelläufe von So ist z. B. der Steinkrebs in seinem Vorkommen in
Fließgewässern sowie deren Auen die von Na- Thüringen auf die Mainzuflüsse beschränkt und
tur aus charakteristischen Gewässerlebensräume. von der Nase liegen historische Daten nur aus dem
Große Ströme oder Flussunterläufe sowie natürli- Werragebiet und den Mainzuflüssen vor. Ähnliches
che Stillgewässer fehlen weitgehend. gilt für die Verbreitungsmuster zahlreicher fließge-
Die Bergbäche des Thüringer Waldes, des Harzes wässergebundener Wasserinsekten. Eine weitere
und der Rhön sind von Natur aus schnellfließend, Differenzierung der Fließgewässerlebensgemein-
blockreich, klar und kalt. Sie durchfließen Kerb- schaften erfolgte aufgrund der Vielfalt der geomor-
und Kerbsohlentäler. Das Wasser ist überwiegend phologischen und klimatischen Bedingungen
weich und nährstoffarm. Nur die Rhönbäche füh- sowie der natürlichen Mannigfaltigkeit der Vegeta-
ren aufgrund des basaltischen und kalkhaltigen tionsdecke der thüringischen Landschaften. Diese
Untergrundes basisches Wasser. In den Bächen ge- Faktoren führten zur Herausbildung von bestimm-
deihen nur Algen und Moose, höhere Wasserpflan- ten naturraumtypischen Fließgewässerökosyste-
zen sind meist nicht vorhanden. Charakteristische men mit charakteristischen Vergesellschaftungen
Fischarten sind die Bachforelle und die Groppe. In von Tieren und Pflanzen.
den niederen Lagen kommen Bachneunauge, El- Aus der natürlichen Vielfalt von Gewässerbiotopen
ritze und Schmerle hinzu. ergibt sich die potentielle Verbreitung der Fische
Die Flüsse Thüringens sind morphologisch über- und Neunaugen, der Krebse und Muscheln Thü-
wiegend stark beeinträchtigt und die Auen intensiv ringens, die jedoch durch menschliche Einflüsse
genutzt und besiedelt. Trotzdem kann man in allen und Nutzungen überlagert wurden und werden, so
Regionen Thüringens intakte Flussabschnitte fin- dass wir heute ein verändertes Artenspektrum vor-
den. In solchen Bereichen sind bis zu 15 Fischarten finden.
anzutreffen, darunter gefährdete Arten wie Barbe, Folgt man den historischen Schilderungen zum
Äsche, aber auch Hasel, Hecht, Döbel und Elritze. Vorkommen der Fischarten in Thüringen, fällt auf,
Thüringen hat Anteil an drei großen Flusssystemen dass die klassische Gliederung der Bäche und
Deutschlands: Flüsse in fischereiliche Zonen (Forellen-, Äschen-,
1.Ostthüringen und Teile Mittel- und Nordthürin- Barben- und Bleiregion) nur bedingt auf die ehe
gens (etwa zwei Drittel der Landesfläche) ent-
wässern nach Nordosten über Unstrut, Saale,
Weiße Elster und Pleiße in die Elbe.
2.Teile Mittel-, Süd- und Nordthüringens (etwa ein
Drittel der Landesfläche) entwässern über die
Werra und Leine nach Nordwesten in die Weser.
3.Teile Südthüringens (das Südthüringer Grabfeld
und der Südabfall des Hohen Schiefergebirges)
entwässern über Mainzuflüsse in den Rhein.
Eine ausgeprägte Wasserscheide ist der Kamm des
Thüringer Waldes, der das Elbegebiet im Nord-
osten vom Wesergebiet im Südwesten trennt. Im
östlich anschließenden Thüringer Schiefergebirge
markiert der Dreistromstein am Rennsteig zwi-
schen Siegmundsburg und Friedrichshöhe das Zu-
sammentreffen von Elbe, Weser und Rhein in die-
sem Raum.
Die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Flusssy-
stemen ist tiergeographisch von besonderer Be-
deutung, da diese nacheiszeitlich unterschiedlich
besiedelt wurden. Die „Vesser“, ein Bergbach des Thüringer Waldes
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Description:gebiet des Main etwas für diese Art getan werden. Aland. Leuciscus Familien Margaritiferidae, Flussperlmuscheln und Unioidae, Flussmuscheln