Table Of ContentHarald Seehausen
Familie. Arbeit. Kinderbetreuung
Harald Seehausen
Familie. Arbeit.
Kinderbetreuung
Berufstiitige Eltem
und ihre Kinder
im Konfliktdreieck
+
Leske Budrich, Opladen 1995
ISBN 978-3-8100-1297-5 ISBN 978-3-322-92525-1 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-322-92525-1
© 1995 by Leske + Budrich, Opladen
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Satz: Leske + Budrich
Inhalt
Vorbemerkung ........................................................................................... 9
Vorwort .................................................................................................... 11
1. Die Aktualitat des Spannungsfeldes ............................................ 13
2. Kinderportrats aos Tagesstatteneinrichtungen .......................... 21
2.1 Petra: Die Zeit rur Petra bestimmt das Femmeideamt .................... 26
2.2 Susanna: Integrationsprobleme in der Kindertagesstiitte ................. 37
3. Der hessische ModeUversuch "Lebensraum Kindergarten":
Ziel und Anlage der Erkundungsstudie ...................................... .47
3.1 Weiterentwickiung des Situationsansatzes mit sozialokologischer
Perspektive .................................................................................... 50
3.2 Erforschung des Alltags ................................................................. 63
4. Zur Lebenssituation von Familien mit Kindem aos
Tageseinrichtungen ...................................................................... 71
4.1 Zum sozialen Milieu der befragten Familien .................................. 71
4.2 Zur Zeitsituation im Tagesablauf ................................................... 73
4.2.1 ,,1ch hechte dann zur U-Bahn, damit ieh piinktlich an der
Arbeitsstelle bin." - Zeitlicher Ablauf am Morgen ........................ 74
4.2.2 ,,1ch gehe nieht so geme mit den Kindem einkaufen."
- Zeitgestaltung am Nachmittag und Abend .................................. 78
4.3 Eitem zwischen Familie und Beruf ................................................ 84
4.3.1 "Und dann ist mir die Decke auf den Kopf gefallen.
Ich wollte raus." - Wiederaufnahme der Erwerbstiitigkeit ............. 84
4.3.2 ,;Uber die ganze Teilzeitarbeit habe ich friiher meine Nase
geriimpft." - Zeitflexibilisierung: Chancen und Risiken ................ 89
4.3.3 "Dann ist eben der Werktag der Sonntag." - Widerspriichliche
Schiehtarbeitszeiten ....................................................................... 93
4.3.4 "Schon wieder etwas mit dem Kind, schon wieder etwas mit dem
Kind." - StOrende Kinderkrankheiten ............................................ 97
4.3.5 "Aber in dieser Mannergesellschaft meines Betriebes bin
ieh eher ein Einzelfall." - Die "neuen Vater" kommen .................. 98
Einschub: "Auch Vater wollen nicht mehr die Trennung von
Arbeit und Familie." (Interview der Fachzeitschrift "Theorie
und Praxis der Sozialpadagogik") ................................................. 105
5
4.3.6 ,,Fragen mit Kindern interessieren die tiberhaupt nicht. Das ist
Privatproblem" - Familienfeindliche Arbeitswelt ........................ 108
4.4 Koordination der Arbeitszeit mit Offnungszeiten ......................... 112
4.4.1 "Standig gab es irgendwo so einen Druck. Die Nerven waren
vollig kaputt." - Friihe Offnungszeit ............................................ 113
4.4.2 "Diese Zwischenspielraume am frtihen Nachmittag verschaffen
mir Luft. Dann kann ich ein wenig an mich selbst denken."
- Bewegliche Offnungszeit tiber Mittag ....................................... 114
4.4.3 "Dann rase ich sehr schnell tiber die Autobahn, damit zeitlich
alles klappt." - Langere Offnungszeiten ...................................... 117
4.4.4 Praxisbeispiel: ,,Familiengerechte Offnungszeiten in der
Kindertagesstatte" (Renate Pitzke/Katja Ebert) ............................ 121
4.5 Wohnungsumgebung, Nachbarschaft und Freizeit ....................... 124
4.5.1 Gewachsene soziale Netzwerke von Eltern .................................. 125
4.5.2 ,,Ich mochte aus dem Haus heraus. Auf der anderen Seite steht das
Kind dazwischen." - Wahrnehmung sozialer Kontakte ................ 126
4.5.3 "Grundsatzlich ist es eine Erleichterung, wenn ein Kind bier ist."
- Soziale Netzwerke von Kindern ................................................ 128
4.5.4 Gestaltung von Freizeitaktivitaten mit dem Kind
wlihrend der Woche ..................................................................... 129
4.5.5 ,,Aber am Wochenende habe ich viel Zeit fUr das Kind."
- Familien-Wochenende in der GroBstadt .................................... 132
4.6 Elternrolle und Erziehungsverhalten ............................................ 136
4.6.1 "Die Kinder haben alles, was sie brauchen. Sie kriegen auch alles,
was sie wollen." - Materielle Verwohnung und Nachgiebigkeit ... 136
4.6.2 ,,Manchmal gehen mir die Kinder wirklich auf die Nerven. Und ich
mache dann: Pack, pack, pack - eins auf den Po."
- Autoritares Verhalten? .............................................................. 142
4.6.3 ,,Bevor sie zur Welt kam, haben wir sehr viel gemeinsam
gemacht.
Wir haben im Grunde genommen Vorrat geschaffen."
- Ausgeglichener Erziehungsstil .................................................. 143
4.7 Biographische Entwicklung von Kindern ..................................... 145
4.7.1 VieWiltige Formen der Betreuung im Kleinkindalter ................... 145
4.7.2 Selbstandigkeit und Sozialverhalten am Beispiel von
Ubergangssituationen .................................................................. 146
4.8 Elternhaus und Tageseinrichtung ................................................. 155
4.8.1 "Mit dem Schlafen - da muBte was im Kindergarten besser
abgesprochen werden." - Essens-und Schlafrituale ..................... 156
4.8.2 "Ich mochte vor allem nicht, daB er ein AuBenseiter wird."
- Soziales Lernen ........................................................................ 158
4.8.3 "Gut, daB es einen Programmstop gibt."
- VieWiltige Spiel-und Lernangebote ......................................... 160
6
4.8.4 ,,1ch habe gehort, was die einzelnen Kinder fUr Probleme machen.
Die MUtter haben so frei von sich erzahlt. Das finde ich gut."
- Treffpunkt und Kommunikation ............................................... 162
4.8.5 Praxisbeispiel: "Ein Schliissel zur Selbsthilfe" ............................. 172
5. Sozialpadagogiscbe oDd sozialpolitiscbe PerspektiveD ............. 177
5.1 Perspektive 1: Neue Formen des Dialogs ..................................... 178
5.2 Perspektive 2: Betriebliche Angebote fUr ArbeitszeitbedUrfnisse
von Eltem .................................................................................... 179
5.3 Perspektive 3: Flexiblere Offnungszeiten in
Kindertageseinrichtungen ............................................................ 181
5.4 Perspektive 4: Vielfliltige Formen von
Kinderbetreuungsangeboten ......................................................... 183
5.5 Perspektive 5: Die Entwicklung neuer Kooperationsformen
zwischen Eltem und Erzieherinnen ............................................. 185
5.6 Perspektive 6: Zur aktiven Beteiligung von Vlitem ....................... 187
5.7 Perspektive 7: Familiengerechte Tarif- und Sozialpolitik ............. 190
Resumee ................................................................................................. 193
6. Literatur ..................................................................................... 196
Der Autor ............................................................................................... 203
Die Graphikerin ...................................................................................... 203
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Vorbemerkung
Die Veroffentlichung dieses Buches hat eine gewisse Vorgeschiehte, auf die
ich kurz eingehen mOchte: Spatestens mit der Griindung des Arbeitskreises
BOrgerinitiativen Rhein-Main e.V. Anfang der 70er Jahre UiSt mich die
Themenstellung ,,Familie-Arbeitswelt-Kinderbetreuung" Dicht mehr los.
Mein kritischer Mentor Ernest Jouhy eroffnet mir aufregend neue Wege ei
ner aktivierenden Sozialforschung. Aktivierende Sozialforschung heiBt in
diesem Kontext der Versuch des Forschers, sieh nieht aus den politisch-pad
agogischen Verhliltnissen der betroffenen Eltem und deren Kinder heraus
zuhalten. Vielmehr ist ein Beitrag zur Veriinderung der Untersuchungssitua
tion selbst zu leisten, urn die sich daraus ergebenden Erfahrungen gezielt fUr
Prozesse der Selbstiindigkeit der beteiligten Familien einzusetzen. Eltern
haben ein Recht auf Authentizitiit ihrer Aussagen.
Dieses Buch entstand aus den Entwicklungsarbeiten des hessischen Pro
jekts ,,Lebensraum Kindergarten". Hier bot sich mir die Moglichkeit an,
junge erwerbstiitige Eltem zu ihrer Alltagssituation zu befragen. Anfang
1990 legte ieh die knapp 700 Seiten Interviewmaterial entnervt beiseite:
Neue Projekte standen vor der TOr; die kinderpolitischen Aktivitaten in der
"Landes wei ten Aktion: Kinder yom in Hessen" und in der JugendfuBballab
teilung SG BomheimlGriin-WeiB entpuppten sich als "Zeit-Diebe".
Ohne das Beharrungsvermogen und den Zuspruch meiner Frau Sabine
Prack-Seehausen ware das Interviewmaterial in der Schublade geblieben.
Sie hat auch die Illustrationen und Karikaturen zum folgenden Text erstellt.
Niemand schreibt ein Buch allein. Viele Menschen trugen dazu bei, daB
diese Veroffentlichung zustande kam. Die empirischen Materialien, auf die
sich das Buch stiitzt, waren ohne die Bereitschaft der Erzieherinnen und El
tern der Evangelischen Kindertagesstiitte der Heilands-Gemeinde in Frank
furt sowie der kommunalen Tageseinriehtung Am Rathaus in Erlensee nieht
zustandegekommen. Wertvolle Anregungen und Ideen erhielt ich in den
Diskussionen der Zukunftswerkstiitte "Vereinbarkeit von Familie und Be
rur'.
Traude Scheuerer-Nehmtow harte die zahlreichen Tonbandaufnahmen ab
und fertigte mit groBer Sorgfalt die Transkriptionen an. Sabine Heimsch
schrieb mit viel Geduld und Humor das vorliegende Manuskript. Herrmann
Schwarzer unterstiitzte mich mit vielen Hinweisen bei der redaktionellen
Uberarbeitung.
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Ich verbinde mit diesem Buch die Hoffnung, Anregungen und Impulse
zur verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu vermitteln. Es ist
erforderlich, daB im Jugendhilfebereich, bei Arbeitgebern und Gewerk
schaften alte, eingefahrene Gleise verlassen und neue sozialpolitische und
sozialpadagogische Weichen gestellt werden.
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Vorwort
Wie kaum irgendwo sonst in der Bundesrepublik lassen sich am Wirt
schaftsstandort Hessen, vor allem im Ballungsraum Rhein-Main, Entwick
lungstrends erkennen, von denen die Eigendynamik des marktwirtschaftli
che Systems mit ihren Auswirkungen auf Familie und Gesellschaft in der
Zukunft gepragt sein wird.
Enorme Rationalisierungsschiibe in den Unternehmen sorgen dafiir, daB
immer weniger Arbeitskrafte einen immer kostspieligeren technologischen
Apparat zu bedienen haben. Urn die Auslastung der technischen Anlagen zu
sichern, werden die Schichtarbeit ausgedehnt und neue Arbeitszeitmodelle
jenseits der Fiinf-Tage-Woche eingefiihrt. Unter diesen Bedingungen ver
scharft sich fiir erwerbstatige Eltern, insbesondere fiir Miitter, der Problem
druck in der Frage der Kinderbetreuung. Dem kannen sich auch die Betrie
be und Verwaltungen nicht Hinger entziehen. Denn Stress-Situationen im
Familienalltag beeintrachtigen die Arbeitsleistung. Sie fiihren zu Fehlzeiten
und zu unerwiinschter Personalfluktuation.
Der ungiinstige Altersaufbau der BevOlkerung laBt die Gruppe der Perso
nen im erwerbstatigen Alter in den nachsten Jahrzehnten stark schrumpfen.
Bereits in der derzeitigen Arbeitsmarktlage, die noch von einer hohen Ar
beitslosenquote bestimmt ist, gibt es - scheinbar paradox - in einigen Seg
menten des Marktes Arbeitskrafteknappheit. Sie stellt die Unternehmen vor
schwierige Personalgewinnungsprobleme. Alles deutet darauf hin, daB die
Frauenerwerbsquote nach oben schnellt. Diese Trends kannten sich langer
fristig verstarken. Schon aus akonomischen Griinden wird man es sich nicht
langer leisten kannen, das Erwerbspotential der Frauen brachliegen zu las
sen oder weiterhin auf minderqualifizierte Arbeitsplatze zu verdrangen. Wie
verschiedene Untersuchungen belegen, stellt die ungelaste Kinderbetreu
ungsfrage das Haupthindernis fUr Frauen dar, sich dem Arbeitsmarkt zur
Verfiigung zu stellen.
Der Faktor Humankapital gewinnt in der Unternehmensplanung zuneh
mend an Bedeutung. Personalgewinnung, Personalpflege und Personalmoti
vation werden eine ungleich graBere Rolle spielen. Zusammengenommen
begiinstigt dies eine vorausschauende betriebliche Personalplanung, die dem
Gesichtspunkt der Vereinbarkeit von Beruf und Familie starker als bisher
Rechnung tragt.
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Den Schnittstellen von Arbeitswelt, Farnilie und Offentlicher Kinderbe
treuung kornrnt sowohl in sozialpolitischer wie in untemehmenspolitischer
Hinsicht ein wachsender Stellenwert zu. Zwischen diesen Lebensbereiehen
Brucken zu schlagen, die fUr Kinder und Eltem tragfahig sind, ist eine zen
trale geselIschaftIiche Aufgabe. Die hessische Landesregierung tut das ihre,
urn von Seiten der Jugendhilfe kind- und familiengerechte Angebotsstruktu
ren entstehen zu lassen.
Mit erheblichem Mitteleinsatz treibt sie den Ausbau des Netzes der
Tagseinrichtungen voran und tragt zur Herstellung farniIienentIastender
flexibler Offnungszeiten bei. Sie fOrdert die Kooperation zwischen Unter
nehmen und Jugendhilfetragem in Sachen Kinderbetreuung. Und sie unter
stiitzt die wissenschaftliche Aufarbeitung von Praxisprojekten in Modellver
suchen. In deren Rahmen ist auch die vorliegende VerOffentIichung zustan
degekommen.
Die Untersuchung von Harald Seehausen belegt in eindrucksvollen Mo
mentaufnahmen, welchen Belastungen berufstatige Mutter und Vater samt
den Kindem ausgesetzt sind, wenn Betrieb, Familie und Kindertagesstatte
im All tag nieht zusarnmenspielen. Gleiehzeitig macht die Studie Mut, auf
einander zuzugehen. Sie zeigt Wege auf, die im Interesse aller Beteiligten
zu beschreiten sind. Das laBt hoffen, daB die Beobachtungen und SchluBfol
gerungen des hessischen Modellversuchs "Lebensraum Kindergarten" nieht
nur im sozialpadagogischen Praxisfeld ihre Wirkung zeigen, sondem Impul
se geben in Richtung auf eine kinder- und farnilienfreundlichere GeselI
schaft insgesamt.
Iris Blaul
Hessische Ministerin fUr Jugend, Farnilie und Gesundheit
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