Table Of Content:: .( :'
~ rr~
Unredigierte Mitgliederinformationsschrift
- Beiträge in ausschließlich wissenschaftlicher Verantwortung der
jeweiligen Autoren ~
[ Milleilungcn der Deutschen Bmknkundlichcn Gcscllschart, S2, 1-542 ( llJlJ7) I
1a hrestagung
der
Deutschen Bodenkundlichen
Gesellschaft
1997
KONSTANZ
«BELEBTE BöDEN ALS REGULATOREN IN DER UMWELT»
..
EXKURSIONSFUHRER
Redaktion und Layout:
H. Sticher
Institutfiir Terrestrische Ökologie ETHZ, Schlieren/Schweiz
-2-
VORWORT
Noch nie ist die Deutsche Bodenkundliehe Gesellschaft bei der Wahl des Tagungs
ortes so weit in den Süden vorgedrungen. Die Grenzstadt Konstanz bietet damit die
Chance, gewissermaßen Neuland zu betreten, bewegen sich doch die meisten der an
gebotenen Exkursionen im Bereich der quartärgeologischen Ablagerungen im Vor
feld von Alpen und Schwarzwald im Deutsch-Schweizerischen Grenzgebiet. Darü
ber hinaus eröffnet sich die Möglichkeit, die traditionell gut nachbarschaftliehen
Beziehungen zu Schweizer Bodenkundlern auszubauen und zu festigen. In diesem
Sinne wurde die Konstanzer Tagung als gemeinsame Veranstaltung der DBG und
der BGS (Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz) ausgeschrieben.
Die meisten Exkursionen sind speziellen Themen gewidmet. Wenn auch eine Boden
kunde-Exkursion ohne Systematik-Diskussion kaum denkbar ist, so geht doch der
Wunsch an die Teilnehmer, hierbei Maß zu halten und sich stattdessen an den
schwerpunktbezogenen Diskussionen mit den «Spezialisten», seien es Bodenchemi
ker, Bodenphysiker, Biologen, Ökologen oder andere, zu beteiligen. Im besonderen
Maße gilt dies für die Halbtagsexkursionen, welche mehrheitlich Rand- und Nach
bargebieten der eigentlichen Bodenkunde gewidmet sind und das Programm der
großen Exkursionen vor und nach der Tagung im Sinne der Blickfelderweiterung
ideal ergänzen.
Für die Vorbereitung und die Durchführung der Exkursionen zeichnen eine Reihe
von Instituten und Ämtern im Süddeutschen Raum und in der Schweiz verantwort
lich. Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Institutionen, welehe sich, oft
in Überstunden, in irgend einer Weise für.· das Gelingen des umfangreichen Unter
fangens eingesetzt haben, gilt unser herzlicher Dank. Besonderer Dank sei schließ
lich den Autoren der Allgemeinen Beiträge im Vorspann des Exkursionsführers
ausgesprochen. Sie haben eine große Arbeit auf sich genommen, ohne daß sie an der
Tagung persönlich in Erscheinung treten können. Mit ihren Beiträgen tragen ~ie
aber wesentlich zum Verständnis des Exkursionsgebietes und der vorgestellten Bo
denlandschaften bei.
Zürich, im Frühjahr 1997 Hans Sticher
Mitteilungen der Deutschen Budenkundlichen Gescllsch~lt H2 ..1 -1 (>(> ( I '.l<n)
Exkursionsführer
Allgemeiner Teil
Der Exkursionsraum im
Deutsch-Schweizerischen Grenzgebiet
Einführung
Inhalt Seite
H. Sticher: Vorwort 2
R. Hantke: Geologie und Landschaftsgeschichte des Bodensee-Raumes 5
K.-H. Pfeffer: Zur Genese der Landschaften und des Gewässernetzes
im Südwesten Deutschlands 21
F. Weller: Geschichte des Exkursionsgebietes 41
F. Weller: Landnutzung im Bodenseeraum 63
F. Weller: Standortsgliederung des Exkursionsgebietes 89
K. Stahr & K. Peyer: Böden und Bodenverbreitung 115
R. Bäcker & W. Konoid: Vegetation im Exkursionsgebiet 159
Mitteilungen der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, 82, 5-20 (1997)
Geologie und Landschaftsgeschichte des Bodensee-Gebietes
von
Rene Hantkei
Die Gestalt des Seeufers
Seit früher Kindheit zogen mich der Bodensee und seine Aussichtslagen in ihren Bann. Im
Obersee waren es die vorspringenden Landzungen von Romanshorn bis Kreuzlingen und
von Immenstaad bis Unteruhldingen, im Uberlinger, Gnaden- und Zeller See auffallend ge
radlinige Ufer, die nach Erklärung riefen. Am Untersee sind die Landzungen offenkundig:
Schuttfächer, welche Schmelzwässer im frühen Spätwürm von Seerücken und Schiener
berg in den See vorgetrieben haben und sichere Siedlungsplätze boten. Am Obersee wech
seln Molassesporne mit den Mündungsdelten von Argen und Schussen, zwischen Rar
schach und Bregenz neben jenen des Alten Rheins und der Bregenzer Ach die früheren
Rhein-Mündungen, bei Altenrhein und im Rohrspitz zwischen Wetter- und Harder Bucht.
Sodann ist der Verlauf der Flusstäler zu analysieren, die Molasse-Durchbrüche von Bregen
zer Ach, Goldach, Sitter und Thur, von Deggenhauser, Salemer und Mahlspürer-Stockacher
Aach.
Geologische Karten des Bodensee-Gebietes
Die Geschichte des Bodensee-Raumes gründet sich auf viele Publikationen und neuere,
teils als Nachdruck vorliegende geologische Detailkarten, welche Fakten zusammenfassen.
Auf deutscher Seite sind es - neben älteren, teilweise ergänzte Karten 1: 25000: BRÄU
HÄUSER (1915K, 1976K) Blatt Fliedrichshafen, SCHMIDT & MÜNST (1918K, 1978K und
1921K, 1976K) die Blätter Tettnang und Ravensburg, ERB (1934K, 1989K) Blatt Über
lingen-West/Konstanz-West und 1967K die zusammenfassende Karte des Landkreises
Konstanz, ERB, HAUS & RUTTE (1961K) Blatt Stockach, SCHREINER (1973K, 1979K,
1983K) die Blätter Singen, Neuhausen ob Eck und Gottmadingen, WERNER (1975K) Blatt
Messkirch und neu SZENKLER & ELLWANGER (1994K, 1995K) Pfullendorf und Heiligen
berg. Im Gegensatz zu den Schweizer Blättern beinhalten die deutschen auch bodenkund
liehe Hinweise.
Auf der Schweizer Seite haben sich HÜBSCHER (1961K) mit Blatt Diessenhofen, GEIGER
(1943K, 1968K) mit den Blättern Pfyn-Bussnang und Weinfelden, LUDWIG & SAXER mit
Blatt St. Gallen-Appenzell (1949K, 1960) und SAXER (1964K, 1965) mit Blatt Rarschach
verdient gemacht. HOFMANN bearbeitete vor den schaffhausisch/badischen Grenzblättern
Neunkirch (1981K) und Beggingen-S-Hälfte/Singen SE-Anteil (1996K) die Blätter Andel
fingen (1967K), Bischofszell (1973K) und Wil (1988K, 1993 ).
In Bayern kartierten in jüngerer Zeit SCHWERD ( 1986K) Blatt Lindau, SCHWERD & ZEH
(1986K) Blatt Kressbronn, VOLLMA YR & ZIEGLER (1976K) im Grenzgebiet gegen
Vorarlberg Blatt Weiler im Allgäu, HERRMANN & SCHWERD (1982K, 1983) Blatt Bregenz
und HERRMANN (1984K, 1985) Blatt Sulzberg. OBERHAUSER ( 1982K) bearbeitete die
BlätterSt. Gallen Süd-Dornhirn Süd und Blatt St. Gallen Nord-Dornhirn Nord mit Anteilen
von Bodensee und Bregenz (1994K).
I Glämischstraßc 3, CH-8712 Stäfa I Schweiz
-6-
Die Molasse-Schichtfolgen im Bodensec-Raum
Am Aufbau der Molasse des Bodenseeraumes sind beteiligt: Untere Süsswassermolasse
(USM), Obere Meeresmolasse (OMM) und Obere Süsswassermolasse (OSM).
In der äussersten NE-Schweiz bilden chattische Mergel und Kalksandsteine den Kern der
aufgerichteten, gegen NNW einfallenden Unteren Süsswassermolasse. Die aquitane Mo
lasse umfasst:
Die Kalksandsteine (oben) gehen nach einer letzten NagelBuhbank in mergelreiche Sedimente über.
Diese Iiessen in der Landschaft eine Flucht von Längstälern und Sätteln entstehen.
Im mittleren Abschnitt wird der Granitische Sandstein durch Kalksandsteine mit Kalknagell1uhbän
ken ersetzt.
Die tiefere aquitane USM besteht aus granitischen Sandstcinen, die im Appenzellerland noch von
bunten Nagellluhbänken durchsetzt sind, die gegen E zunehmend schmächtiger werden (unten).
In der USM von Sr. Margrethen hat sich bei einem Jahresmittel um I7°C ein Wald mit Campherbaum,
Avocado, Pappeln, Weiden, Myrica, Cornus - Hornstrauch und Rehderodendron, einem Sto
rax-Gewächs, ausgebreitet.
Die Obere Meeresmolasse tritt am Obersee über (lufgerichteter USM vom Rarschacherberg
bis Rheineck, bei Bregenz-Kennelbach und am Uberlinger See zutage. In der NE-Schweiz
lässt sich die OMM gliedem in (SAXER 1964K, 1965):
- Obere Grenznagellluh (oben),
Sandsteine und Schiefermergel des Helvetian,
Freudcnberg-Nagell1uh (2. Zyklus),
Burdigalc Plattensandsteine, durch 2-3 Seelaffen Muschelsandsteinbänke getrennt,
Kohlet1öz, einst ein Küstensumpf,
Basiskonglomerat (unten).
Im Wirtarobel im E von Bregenz belegt die Kohle einen Meeresspiegel-Abfall. P. HOCHULI (in JUNG,
ed. 1982) hat an thermophilen Elementen Pollen von Walnuss-Gewächsen, eines Buchen-Gewächses
und einer Myricacee, an intermediären Carya- Butternuss, an arktotertiären Wasserulme, Gräser und
Compositen, an Fazies-Elementen·Föhren und Sumpf-Zypressen nachgewiesen. Auch im Kesselgra
ben an der vorarlbergisch/bayerischen Grenze fanden sich um die Kohle Mikratloren eines sub
tropisch-warmgemässigten Klimas mit einem Jahresmittel von l9°C, an Thermophilen: Sporen von
Lygodium, ein Kletterfarn, eine Myricacee, Platycarya-ein Walnuss-Gewächs, an Intermediären: ei
ne Tanne und Butternuss, an Arktotertiären: Wasserulme, weitere Ulmen-Gewächse, ein erstmals im
Ottnangian auftretendes Gänsefuss-Ge~ächs, Polypodiaceen und Igelkolben.
Am Überlinger See besteht die OMM aus:
Bodman-Sanden mit basalem Geröll-Horizont (2. Zyklus), Haifischzähnen und Austern,
Sandschiefer mit Fischresten, Seeigelstacheln und Muscheln.
Heidenlöcher Schichten: Glaukonit-Sande und -Sandsteine, die der USM aulliegen und aus Mer
geln, Sandmergeln, Sanden und Sandsteinen bestehen. Lokal schalten sich Kohlen ein. Diese ha
ben im Osterholz bei Stockach einen Nashorn-Unterkiefer geliefert.
Die Graupensandrinne bildet in der OMM der westlichen Bodensee-Gegend eine bis 20 km
breite und gegen 50 m tiefe, NE-SW streichende Rinne. Durch austretende ältere Jura-Na
gelfluh greift sie bis in den Malm hinunter. Im NW ist die OMM als Randen-Grobkalk erhal-
ten. In der Rinne treten 2 Sedimenttypen rus Brackwassermolasse auf: .
Kirchberger Schichten (oben): kalkig-tonige Schluffe mit Cardien und Congerien; sie werden in
der Bodensee-Gegend von einer alpinen Geröll- und Sandfazies abgelöst. Diese beschränken sich
auf die Erweiterte und den S-Streifen der Eigentlichen Graupensandrinne.
Graupensande = Grimmelfinger Schichten (unten): schräggeschichtete Quarz-Feinkiese (Graupen)
mit hohem Feldspat-Anteil. Aufgrund von Lyditen stammen sie aus dem Osten (KIDERLEN 1931).
Südlich von Schaffhausen gehen sie in marine Sedimente über.
-7-
Mit dem Abfall des Meeresspiegels fiel der Meeresgrund trocken: es bildete sich ein Exsu
dationskalk. der Albstein-Knollenkalk. Auf ihm und auf marinen Kirchberger Schichten ru
hen Haldenhof-Mergel: sie werden von Glimmersanden. den Steinbalmensanden. iiberla
gert.
Im westlichen Bodensec-Gebiet besteht die 0/Jrrr Sii.,·s\\·'i/Ssernwlusse (OSM) vor allem
aus tluvialen muskowit-. quarz-und granatreichen Glimmersanden der E-W-Schiittung. die
als Sammehinne vom nördlichen bayerischen Molassebecken das Alpenvorland durchzog.
über Schienerberg und Seerücken die N-Schweiz erreichte und über Cholfirst-lr
chel-Wehntal sich zwischen Falten- und Tafeljura gegen W wandte. Eingelagert sind HOJi
zonte mit Mergelgalle11. PflanzenhäckseL ~chwemmholz und Knochenresten. Dann folgen
Ohninger Schichten. 20-50 m Mergel. im Ohninger Maarsee Siisswasserkalke. Die Glimmer
sande sind auf eine relativ schmale Rinne beschränkt. Am NW-Schienerberg stellt sich
dann eine mit Molasse vermischte vulkanische Tuftlage ein. die lokal als bentonitischer grü
ner Ton vorliegt. Sie enthält Triimmer von durchschlagenem Grund- und Deckgebirge. Gra
nitgrus. Gneise und mesozoische Kalke. an vulkanischen Mineralien: Magnetit. Hornblen
de. Diopsid, Apatit und Biotit (HOFMANN 1964 ). In der Konglomeratstufe stiess die Hörn
li-Schüttung zum Seerücken und zum Schienerberg vor.
Im distalen Hörnli-Fächer gliedet1 HOFMANN (1973K) die OSM in Anlehnung ans zentrale
Hörnli-Bergland wie folgt:
Tannenbcrg-Schichtcn: vorwiegend Mergel (oben)
Hömli-Schichten: meist Mergel
"KonglomeraL~tufe" (Tösswald-Schichten): imSE meist mcrgdig. mit Bentonit-Lagen, sauren
Glastuffen und basal Ramschwag-Nagell1uh -Ohningcr Schichten: meist Mergd mit Nagcllluhen
und Sandsteinen, ophiolithreiche Nagell1uh bzw. Sandsteine. Hotizont mit exotischen Geröllen
"Mittlerer Komplex" (Krinaucr Schichten): im E mergelig, gegen W wnehmend konglomeratiscb
Abtwiler/Degersheimer Kalknagelt1uh: Kalk!Dolomit-Nageltluh
"Basiszone" ( Lichtensteiger Schichten): meist mergelig (unten).
In der OSM der Pfänder-Schüttung wechseln bis 10m mächtige Nageltluhbänke mit Geröl
len von Flysch und Ostalpin, mit Landschnecken führenden Mergeln. Im E von Scheidegg
gehen die Nagelfluhen in Sandsteine über (VOLLMA YR & ZIEGLER 1976K. HERRMANN
& SCHWERD I982K. 1983, HERRMANN I984K, 1985).
In der tiefsten Pfänder-Schiirrung fand BLUMRICH (1930) ein Blatt von Clwmaerops - Zwerg- Fä
cherpalme und Cinnamomum-Blätter. Im Ruggbachtobel entdeckte S. FUSSENEGGER (in BLUM
RICH1936) den Stosszahn eines Mastodonten; beim Bau des Pfändertunnels wurden Skelettreste und
Zähne eines Gomphotherium angustidens angefahren (STEININGER et al. 1982). Aus Mergeln im S
des Pfänder bestimmte K.A. HÜNERMANN (in STEININGER et al. 1982) eine Fauna mit Ophisaums -
Blindschleiche, Galerix- Haarige!, Cotimus -Hamster, Prolagus oeningensis-Pfeilhase und Cervoi
dea -Hirschartige.
Am Gehrenberg-Höchsten liegt eine weitere, gesteinsmässig jener des Pfänder nabestehen
de Schüttung vor.
An Fossilien werden nur Blattabdrücke erwähnt. Dagegen liefem die Zapfensande von Ravensburg
(Lauratal, Höll) Säugcrrcste: Palaeomeryx -Zwerghirsch, Chalicomys und Dorcotheriwn - Hirsch
ferkel und Panzerfragmente von Trionyx - Schildkröte. Klcinsäuger-Zähne und Knochen waren
"ziemlich regelmässig zu finden" (SCHMIDT (1921, 1976).
Die umfassendste Flora und Fauna im Bodensee-Gebiet stammt von den Öhninger Fundstellen, aus
den 14,5 Ma alten Süsswasserkalken (HEER 1855-59, HANTKE 1964) und den Mergelabfolgen der
Sehratzburg (= Bohlinger Schlucht, HANTKE 1954, NÖTZOLD 1957).
Um den Öhninger Maarsee entfaltete sich ein bunter Laubmischwald mit Acer tricuspidatum - drei
lappigem Ahom, Populus mutabilis, P. larior und P. balsamaides -3 Pappel-Ar1en, Sa/ix -Weiden,
G/editsia Wasser-Gleditschien, Cinnamumumpolymorphum- Campherbaum und Pet:5ea- Avocado,
Sapindus - Seifenbaum, und lug/ans - Walnuss, an Nadelhölzem stockte G/yptostrobus - Was-
-8-
ser-Fichte. Tsuga - Hemlocktanne, Pinus -Föhre, Picea -Fichte und Abies -Tanne standen weiter
weg; sie sind nur durch Pollen belegt. Am Ufer des Maarsees wuchsen Typha - Rohrkolben,
Ph;ragmites-Schilf,.Arundo-Rohr und Iris; im See entfaltete sich Potamogeton-Laichkraut und eine
reiche Fischfauna. Uber dem See schwärmten Insekten; am Ufer bewegten sich Riesensalamander -
Andrias scheuchzeri, SCilliUCHZERs "betrübtes Beingerüst eines armen Sünders", zur Tränke
gekommene Mastodonten und weitere Grosssäuger. Das Jahresmittel bewegte sich um l6°C.
Am Schrotzburger Altwasser, belegt durch Salvinia - Wasserfarn und Ceratophyllum - Hornblatt,
standen Liquidambar -Amberbaum, Ulme, Platane, Populus latior und P. balsamaides -Breitblättrige
und Balsam-Pappel, Acer angustilobum - schmallappiger Ahorn, Campherbaum und Avocado bei
15°C JahresmitteL Die Fauna mit Fischen, Wasserkäfern und Fliegen war eher bescheiden.
In den Glimmersanden am Rodenberg bei Schlattingen (Thurgau) fanden sich Daphnogene ungeri, ein
ausgestorbenes Lorbeer-Gewächs, Veränderliche und Balsam-Pappel. Landschnecken .wurden ein
geschwemmt; Chara -Armleuchteralge, Posthorn-und Schlammschnecke -Planorbarius und Limnaea
belegen limnisches Milieu (WEGELIN 1904). R. JOST (in HÜNERMANN 1981) fand neben Fischen
Sumpf-Schildkröte, Ophisaurus, Krokodilreste, an. Säugern: Mastodon, Nashorn, Wildschwein,
Zwergböcklein, kleine Hirsche und Marder, Haarigd, Spitzmaus, 2 Pfeifhasen-Arten, Biber, Hörn
chen, Schläfer, Wühler, Hamster. Die Fauna lebte bei 17°C Jahresmittel in bewaldeter Flusslandschaft
mit Lichtungen; sie ist an die Grenze der Säugerzonen MN 5/6 zu stellen.
In Tägerwilen entfalteten sich Campherbaum,. Daphnogene, Balsam- und Veränderliche Pappel,
Zelkova-Wasserulme und Weide, eine ähnliche Flora wie am Rodenberg, aber als Besonderheit mit
Phoenicites, einer Fiederpalme, die jener auf Kreta nahesteht (WÜRTENBERGER 1906, HANTKE
1984).
Im jüngeren Uferwald von Berlingen-Loohalde wuchsen bei· 16°C Jahresmittel Breitblättrige und
Balsam-Pappel, Weiden, Campherbaum, Platane, Amberbaum, Ulme und Wasserulme und Was
ser-Gleditschie.
Im gleichaltrigen Altwasser von Kreuzlingen-Bernrain gediehen Wasserfarn und Armleuchteralgen.
Am Ufer standen bei l5°C Jahresmittel Platane, Amberbaum, Breitblättrige Pappel, Wasser
Gleditschie, Kastanienblättrige Eiche und Wasser-Fichte. An Säugern sind Hyotherium - ein Wild
schwein und Pliopithecus, ein Affe, belegt.
Bei Helsighusen am Seerücken fand BOLLIGER (1994) eine Flora mit Weide, Platane, Pappel und
Campherbaum und eine Auenwald-Fauna mit Paarhufern, Elefanten-Vorfahren und Nashörnern.
Sodann sind Hirsche, Bären, Schweine, Hirschferkel und Pliopithecus belegt. An Kleinformen
domihieren Land- und Wasserschnecken, Teich/Flussmuschel, Fische, Sumpfschildkröte, Ophi
saurus, Biber, Hörnchen, Pfeifhase und Hamster. BOLLIGER fügt die Funde in ein Landschaftsbild
ein. Als relatives Alter ergibt sich MN 7, 13,5 Ma. Die Fauna vom Grat am Hörnli (BOLLIGER 1992)
stellt er neu an die Basis von MN 8.
Um Biberach entfalteten sich bei 16°C Jahresmittel Floren mit Myrica, Nussbaum, Weide, Cam
pherbaum, Wasser-Gleditschie, Erle, Ulme und Veränderlicher Pappel sowie der Wasserpflanze
Limnocarpus (PROBST 1883, 1884). Säugerfunde belegen MN 6.
Die Jura-Nagelfluh-Schüttungen vom Schwarzwald
Aus dem Schwarzwald münden Rinnen, durch welche die Jura-Nagelfluhen geschüttet
wurden. Ihre Schüttung hat in der USM begonnen, ist in den Warmzeiten der OMM ausge
blieben und hat kurz vor der OSM erneut eingesetzt. Bei der Mündung der Emminger
Nagelfluh-Rinne in die Graupensandrinne enthalten die obersten Lagen der Jura~Nagelfluh
Faunenelemente der Kirchberg"er Schichten.
Die Jul"a-Nagelfluh wurde als Beleg für das Herausheben des Schwarzwaldes betrachtet
(SCHREINER 1965). S des Hochrheins verstärken sich die grobgerölligen Schüttungen und
lassen Zweifel aufkommen, ob Hebung, Versteilung des Reliefs, für ihre Bildung allein
genügt hat, oder ob nicht auch klimatische Einbrüche für die Wasseimassen. kühlzeitliche
Ausbrüche von Stauseen, verantwortlich sind (HANTKE 1986).
Description:teili~t \\Itren I'Oilt'ie- gen;/n({ch HOFMANN. 1973K. aus HANTKI:' 1991. 9 der klimagenetischen Geomorphologie die Voraussetzung für die Genese von gebirgsüberspannenden. Rumpfflächen mi intensiv verwitterten verschiedene Enziane, Ononis repens!Kriechende Hauhechel und 0. spinosa!