Table Of ContentErfolgsfaktor Innovation
Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH
Heinz-Kurt Wahren
Erfolgsfaktor
InnovatÎon
Ideen systematisch generieren,
bewerten und umsetzen
Mit 43 Abbildungen
und 4 Tabellen
Springer
Heinz-Kurt wahren
Dipl.-Betriebswirt
Vorstand der Corn Consult AG
RontgenstraBe 9
73431 Aalen
[email protected]
Buchenweg 6
73563 Mogglingen
[email protected]
ISBN 978-3-642-62063-8 ISBN 978-3-642-17033-1 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-642-17033-1
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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2004
Urspriinglich erschienen bei Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 2004
Softcover reprint of the hardcover Ist edition 2004
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rechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der
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SPIN 10926772 42/3130/DK-5 4 3 2 1 O - Gedruckt auf săurefreiem Papier
Vorwort
Was ist das faszinierende am Thema Innovation? Zum einen sind Innovatio-
nen nicht nur für Unternehmen, sondern auch für andere Organisationen bzw.
Systeme von zentraler Bedeutung. Zum anderen handelt es sich um ein viel-
schichtiges, komplexes, schwer durchschaubares, mitunter mysteriöses The-
ma, dessen Erkundung für Theoretiker und Praktiker eine große Herausforde-
rung darstellt. Wir, die BeraterInnen der ComConsult AG, beschäftigen uns
seit vielen Jahren sowohl theoretisch-wissenschaftlich als auch praktisch mit
Aspekten, die dem Bereich Innovation zuzuordnen sind. Mit Fragen der
Teamarbeit und Aspekten des kreativen Problemlösens in Gruppen, mit den
Themen organisationales Lernen und Wissensmanagement, mit Aspekten ei-
ner strategisch-zielorientierten Führung und der Veränderung von Unterneh-
menskulturen (Change Management). Unsere Erkenntnisse und Erfahrungen
in diesen Bereichen haben wir in diversen Veröffentlichungen festgehalten.
Mit der vorliegenden Veröffentlichung werden zwei Ziele verfolgt: Zum einen
sollen die Rahmenbedingungen beschrieben werden, die bei einer Intensivie-
rung, Beschleunigung und Optimierung von Innovationsprozessen zu berück-
sichtigen sind (Kapitel 1). Zum anderen soll möglichst konkret aufgezeigt
werden, was in der Praxis zu tun ist, dieses Vorhaben erfolgreich umzusetzen.
So werden in Kapitel 2 Aktivitäten beschrieben, die im Rahmen eines Innova-
tionsförderprogramms vollzogen werden sollten. In den Kapiteln 3 und 4 wird
dargestellt, wie Ideen in einer systematischen und effektiven Form angesto-
ßen, generiert, erfasst und bewertet werden. Was bei der Umsetzung von Ideen
zu berücksichtigen ist, wird in Kapitel 5 anhand ausgewählter Aspekte be-
schrieben und in Kapitel 6 das Thema Innovation noch kurz aus einer eher
nachdenklich-kritischen Perspektive beleuchtet. Für die Praxis wichtige Hilfs-
mittel sind in Kapitel 7 zusammengefaßt.
Die Intensivierung, Beschleunigung und Optimierung von Innovationsprozes-
sen setzt voraus, dass man verändernd in Organisationen eingreift. Beschäftigt
man sich mit Fragen zur Funktionsweise bzw. Veränderung von Organisatio-
nen, kommt es darauf an, aus welcher Perspektive, mit welchem Hintergrund-
wissen und mit welchen Intentionen dies getan wird1. Betrachtet man Organi-
1 Die möglichen Perspektiven einer Betrachtung von Organisationen und die hieraus resultieren-
den Auswirkungen sind in ausführlicher Form dargestellt in den Veröffentlichungen von Gareth
Morgan (1997 und 1998).
VI Vorwort
sationen als „Maschine“, wird man zu Ansichten und Empfehlungen gelangen,
die sich an diesem Modell orientieren. Sieht man sie hingegen eher als „Orga-
nismen“, „Gehirne“, „Kulturen“ oder „soziale Systeme“, wird man zwangsläu-
fig zu anderen Ansichten und Empfehlungen kommen. In der vorliegenden
Veröffentlichung wird die Generierung von Innovationen vorrangig als ein so-
zialer, von ökonomischen Interessen geleiteter Prozess innerhalb eines sozia-
len Systems betrachtet. Dies bedeutet, dass die Ausführungen eher sozialwis-
senschaftlicher als technischer Natur sind. Vorrangiges Ziel hierbei ist, den
Prozess der Generierung, Bewertung und Umsetzung von Ideen mit seinen
Voraussetzungen und Hintergründen zu beschreiben und dabei aufzuzeigen,
wie dieser in der Praxis organisiert und damit erfolgreich gestaltet werden
kann. In diesem Sinne wendet sich die Veröffentlichung sowohl an Theoreti-
ker als auch an Praktiker2.
In den Veröffentlichungen der Pop-Managementliteratur3 wird das Thema
Innovation zumeist in einer stark vereinfachten, populistischen Form darge-
stellt: Man macht eine Informationsveranstaltung, ändert ein paar Regeln, er-
stellt Checklisten, bringt Farbe ins Büro, installiert Hängematten... und das
Unternehmen ist innovativ. Wir alle wissen, dass dies nicht funktioniert. Inno-
vationsprozesse in einem Unternehmen zu intensivieren, zu beschleunigen und
zu optimieren erfordert eine Vielzahl aufeinander abgestimmter Aktivitäten.
Verbunden ist dies mit einer umfassenden, mitunter existentiellen Auseinan-
dersetzung mit bestehenden Weltbildern, Strategien, Zielen, Prozessen, Nor-
men, Regeln, Handlungen und Verhaltensweisen. Das gleiche gilt, wenn man
sich mit dem Thema als Theoretiker oder Berater auseinandersetzt. Auch hier
muss vieles kritisch überprüft, in Frage gestellt, aus anderen Perspektiven be-
trachtet, zerpflückt und wieder zusammengesetzt sowie durch praktisches Er-
proben verifiziert werden. In diesem Sinne versteht sich die vorliegende Ver-
öffentlichung auch als kritische Bestandsaufnahme zum Thema Innovation,
wobei an einigen Stellen Ansichten, Meinungen oder Theorien, die sich in den
letzten Jahren – vor allem forciert durch die Wirtschafts- bzw. Fachpresse –
im Bereich der Führungskräfte und Berater etabliert haben, in Frage gestellt
sowie um fundiertere Beschreibungen ergänzt werden, wobei auch diese keine
allumfassenden, letzte Unsicherheiten beseitigenden oder endgültigen Erklä-
rungen beinhalten, uns aber helfen, Innovationsprozesse besser zu verstehen
und zu gestalten bzw. zu beeinflussen. Auch hier gilt, dass die großen, alles
(er-)klärenden Theorien gescheitert sind, und wir uns mit unkompletten, durch
reale Erfahrungen immer wieder zu korrigierenden bzw. zu erweiternden Be-
schreibungen begnügen müssen.
2 Ich möchte darauf hinweisen, dass bei Verwendung der Begriffe „Theoretiker“, „Praktiker“,
„Manager“, „Mitarbeiter“, „Kollegen“, „Kunden“ etc. immer auch Theoretikerinnen, Praktike-
rinnen, Managerinnen, Mitarbeiterinnen, Kolleginnen, Kundinnen etc. gemeint sind.
3 Mit „Pop-Managementliteratur“ bezeichne ich Veröffentlichungen, in denen Sachverhalte
übermäßig vereinfacht bzw. simplifiziert werden, wobei die in ihnen vorgetragenen Empfehlun-
gen zumeist auf eingängigen, wissenschaftlich jedoch fragwürdigen Erklärungsmustern basieren.
Vorwort VII
An verschiedenen Stellen der Ausführungen werden wir kleine Exkursionen
unternehmen. Einerseits in die Region der Künstler und Schriftsteller, die viel-
fach als Sinnbild des kreativen oder innovativen Menschen gelten, anderer-
seits in den Bereich der Unternehmen und Erfinder. Hierbei werden vorbild-
hafte aber auch negative Beispiele beschrieben, wobei man ja annimmt, dass
aus negativen mitunter mehr gelernt wird, als aus positiven. Auf diese Weise
wird versucht, indem die Perspektive gewechselt wird, den Text etwas aufzu-
lockern sowie spezifische Aussagen besser verstehbar zu machen. Im übrigen
hoffe ich, dass der hier praktizierte, bei Kreativitätstechniken übliche Per-
spektivenwechsel die Leser anregt, – quasi nebenher – Ideen für innovative
Aktivitäten in ihrem beruflichen Umfeld zu entwickeln.
Wie Innovationen kommen auch Veröffentlichungen nur im Zusammenwirken
mehrerer Menschen zu Stande. Eckpunkte für diese Veröffentlichung wurden
in einem ComConsult-internen Projekt erarbeitet, in das Dr. Gerold Bläse,
Norbert Weiss und zeitweise Frank Keim integriert waren4. Gerold Bläse war
auch an der Vorbereitung von Kapitel 3 beteiligt. Darüber hinaus haben bei
der Erstellung der vorliegenden Veröffentlichung – in verschiedensten For-
men – meine KollegInnen Stephan Benz, Monika Bock und Ingrid Schmied
sowie Annegret Wahren mitgewirkt. Allen Genannten möchte ich für ihr Mit-
wirken danken. Außerdem möchte ich unseren Kunden danken, die uns die
Möglichkeit gaben, neue Ansätze, auch wenn diese noch nicht perfekt waren,
zu erproben und gemeinsam mit ihnen zu praxisgerechten Instrumenten bzw.
Verfahren weiterzuentwickeln.
Aalen / Peschiera del Garda, September 2003 Heinz-Kurt Wahren
4 Aus diesem Grund sind in der vorliegenden Veröffentlichung Feststellungen, Hinweise, Mei-
nungen, Bewertungen oder Tipps, da sie vielfach auf den Erfahrungen unserer BeraterInnen be-
ruhen, in der „Wir“-Form formuliert.
Inhaltsverzeichnis
1 Rahmenbedingungen......................................................................................1
1.1 Innovation am „Standort Deutschland“.................................................1
1.2 Was sind Innovationen?.......................................................................10
1.3 Innovation als Ergebnis.......................................................................15
1.4 Innovation als Prozess.........................................................................22
1.5 Auslöser und Quellen von Innovationen..............................................24
1.6 Wovon hängt die Innovationsfähigkeit ab?.........................................30
1.6.1 Personale Faktoren.......................................................................34
1.6.2 Kontextuelle Faktoren..................................................................46
1.6.3 Prozessfähigkeit............................................................................58
1.7 Innovationsmanagement......................................................................61
1.8 Innovationsnetzwerke..........................................................................69
2 Den Innovationsprozess planen und initiieren.............................................75
2.1 Durchführung eines Innovationsaudit..................................................75
2.2 Erarbeiten einer Innovationsstrategie..................................................85
2.3 Initiierung eines Innovationsförderprogramms....................................90
3 Ideen generieren...........................................................................................99
3.1 Einige grundsätzliche Überlegungen...................................................99
3.2 Phasenmodell zur Ideengenerierung..................................................113
3.3 Exkurs zum Thema Kreativität..........................................................119
3.4 Methoden zur Ideengenerierung........................................................133
3.4.1 Übersicht über die methodischen Ansätze..................................133
3.4.2 Klassische Kreativitätstechniken................................................135
3.4.3 Praxisorientierte Methoden zur Ideenfindung............................139
3.4.4 Methoden für die Ideenaufbereitung bzw. -komplettierung.......145
3.4.5 Fünf Empfehlungen für die Ideensuche in Gruppen...................148
4 Ideen bewerten...........................................................................................151
4.1 Einige grundsätzliche Überlegungen.................................................151
4.2 Phasenmodell zur Ideenbewertung....................................................157
4.3 Bewertungsmethoden........................................................................169
X Inhaltsverzeichnis
4.3.1 Generelle Hinweise zum Einsatz von Bewertungsmethoden.....169
4.3.2 Übersicht über die methodischen Ansätze..................................172
4.3.3 Klassische Methoden..................................................................174
4.3.4 Vergleichende Methoden...........................................................178
4.3.5 Ideenerweiternde Methoden.......................................................183
4.3.6 Finanzwirtschaftliche Methoden................................................187
4.4 Fixierung von Innovationsprojekten..................................................190
5 Ideen umsetzen...........................................................................................193
5.1 Projektmanagement...........................................................................193
5.2 Design und Design-Management......................................................208
5.3 Kommunikation.................................................................................217
5.4 Patente und Patentvermarktung.........................................................225
5.5 Zeitpunkt des Markteintritts..............................................................230
6 Innovationen be- oder entschleunigen?......................................................235
7 Arbeitsmaterialien......................................................................................243
Literaturverzeichnis......................................................................................261
Sachverzeichnis.............................................................................................279
1 Rahmenbedingungen
Inhaltsübersicht
In diesem einführenden Kapitel soll der Rahmen, innerhalb dessen sich die
Generierung von Innovationen in Unternehmen bewegt, ausgeleuchtet und ab-
steckt werden. Hierzu werden in Kapitel 1.1 die Bedingungen am „Standort
Deutschland“ in groben Zügen analysiert sowie dargestellt, welche Bedeutung
Innovationen für Unternehmen haben. In Kapitel 1.2 soll erläutert werden, was
Innovationen sind, in Kapitel 1.3, in welchen Formen diese auftreten können.
Innovationen entwickeln sich in einem sozialen Prozess. Wie dieser gegliedert
werden kann, ist Gegenstand von Kapitel 1.4. In Kapitel 1.5 wird dargestellt,
wodurch Innovationen ausgelöst werden, in Kapitel 1.6, welche Faktoren die
Innovationsfähigkeit von Unternehmen determinieren. Die Funktionen und
Aufgaben des Innovationsmanagements werden in Kapitel 1.7 beschrieben
sowie im abschließenden Kapitel 1.8 aufgezeigt, wie die Innovationsfähigkeit
von Unternehmen durch Bildung von Netzwerken erhöht werden kann.
1.1 Innovation am „Standort Deutschland“
Seit Beginn der 90er Jahre wird intensiv über den Standort Deutschland dis-
kutiert. Wie ein roter Faden zieht sich hierbei der Begriff „Innovation“ durch
die Debatte – ein Begriff, mit dem sich viele Hoffnungen, mitunter auch Be-
fürchtungen verbinden. Innovation gehört heute zum Standardvokabular aller,
die sich an der öffentlichen Kommunikation beteiligen. Parteien veröffentli-
chen Innovationsmanifeste und geben dem Thema einen breiten Raum in ihren
Grundsatzprogrammen. Der Bundespräsident veranstaltete Ende 1998 einen
„Tag der Innovation“. Verbandsvertreter, Manager, Vertreter von Gewerk-
schaften und Berater werden nicht müde, auf die Bedeutung von Innovationen
aufmerksam zu machen. Nicht zu vergessen die Fach- und Wirtschaftspresse,
die sich immer wieder des Themas annimmt. Wenn etwas solch hohe Auf-
merksamkeit erfährt, müsste, so könnte man meinen, eigentlich alles zum
Besten bestellt sein. Wie die Basisfaktoren am „Standort Deutschland“ und die
Innovationskraft seiner Unternehmen zu bewerten sind, wird nachfolgend an-
hand einiger Fakten dargestellt.