Table Of ContentSabine Friedrich
Volker Friebel
Entspannung für
Kinder
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Entspannung hilft gegen Schlafstörungen, beim Abbau von Ängsten und
Streß, bei fehlender Konzentration. Die zehn Kapitel Autogenes Training
machen Kindern Spaß und die 24 schönen Geschichten zur Entspannung und
zum Einschlafen helfen ihnen dabei, selbst mit Schwierigkeiten besser
umgehen zu können.
ISBN 3 499 18563 6
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Januar 2001
Gesamtherstellung Clausen & Bosse, Leck
Printed in Germany
Herausgegeben von Bernhard Schön und Horst Speichert
Umschlag: unter Verwendung eines Fotos von Paul Schirnhofer
Bildnachweis: Fotos Jürgen Junker-Rösch
Redaktion: Bernhard Schön
Buch
«Mit Mut geht's gut», sagt sich die neunjährige Renate, als sie
auf dem Zahnarztstuhl sitzt. Und Rainer hat es beim Diktat
versucht mit «Ruhig und konzentriert, geht's wie geschmiert».
Zwei Fehler hat er zwar gemacht aber immerhin.
Die Acht- bis Zwölfjährigen sitzen in der 7. Stunde im
Entspannungskurs und berichten stolz, was sie schon alles
gelernt haben und erfolgreich anwenden können.
Kinder reagieren heute auf die ständigen Überforderungen in
Schule und Gesellschaft genauso wie die Erwachsenen: mit
Streß. Selbst Vier- und Fünfjährige leiden schon an Bauchweh,
weil sie Angst vor dem nächsten Tag im Kindergarten haben,
Grundschüler können sich nicht auf ihre Aufgaben
konzentrieren oder wachen nachts schweißgebadet auf - aus
Angst vor der Rechenarbeit.
Entspannung gilt als eine Art Zauberwort für den Umgang mit
Streß.
Allerdings ist zuwenig darüber bekannt, wie sie wirkt, wann
sie sich am ehesten erreichen läßt und ob sie bei Kindern
erfolgreich einzusetzen ist.
Die Autoren, beide Diplompsychologen, arbeiten seit Jahren
mit Kindern. Sie bieten Kurse für autogenes Training und
andere Entspannungsverfahren an.
In diesem Buch stellen sie einen zehnstündigen
Entspannungskurs vor der so lebendig geschildert wird, daß ihn
auch die Kinder nachvollziehen können. Und Eltern können
selbst etwas zur entspannteren Haltung ihrer Kinder beitragen.
Dafür gibt es im zweiten Teil des Buches 25 Geschichten zum
Vorlesen. Damit die Nacht für Kind und Eltern ruhiger verläuft.
Und die Schule am nächsten Tag ohne Angst beginnt.
Sabine Friedrich, Jahrgang 1961, und Dr. Volker Friebel,
Jahrgang 1956 sind Diplompsychologen und arbeiten als
Kursleiter und in der Fortbildung zum autogenen Training für
Kinder. Sabine Friedrichs Sohn Max wurde 1989 ihre Tochter
Franziska 1992 geboren.
Anregungen und Kritik bitte an folgende Adresse: Büro für
wissenschaftliche Publizistik Dr. Horst Speichert Teutonenstr.
32b, 65187 Wiesbaden Hier erhalten Sie auch die
Begleitcassette zu diesem Buch - und gegen Voreinsendung
eines als Standardbrief frankierten DIN-A6-Umschlags einen
Prospekt der Reihe «Mit Kindern leben».
Entspannung für Kinder Übungen zur Konzentration und
gegen Ängste Zu diesem Buch gibt es eine Begleitcassette.
Die Autoren danken herzlich für Beiträge zum
Zustandekommen des Buches und Anregungen zur Gestaltung
und Durchführung von Entspannungskursen für Kinder: den
Diplompsychologinnen Ingrid Mock und Andrea Fischer-Fels
sowie Frau Marianne Markert
Inhalt
Buch.........................................................................................................................2
Sandra hat Schlafstörungen................................................................................7
Jens tut der Bauch weh......................................................................................13
Mit Sandra im Entspannungskurs.....................................................................17
1. STUNDE Ruhe und Schwere...................................................................17
2. STUNDE Wärme........................................................................................24
3. STUNDE Körperliche Reaktionen............................................................28
4. STUNDE Entspannungshaltungen..........................................................31
5. STUNDE Anwendungsbereiche...............................................................35
6. STUNDE Fantasiegeschichten.................................................................39
7. STUNDE Merksprüche..............................................................................43
8. STUNDE Grundübungen des autogenen Trainings.............................47
9. STUNDE Atem-, Herz: und Stirnübung...................................................51
10. STUNDE Wie wirkt autogenes Training?.............................................54
Entspannungstraining für Kindergartenkinder.................................................57
Andere Entspannungsverfahren.......................................................................60
Entspannung daheim..........................................................................................64
Entspannungsgeschichten.................................................................................71
1. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Die Insel...........................................71
2. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Das ängstliche Kätzchen..............73
3. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Im Land der Abenteuer.................75
4. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Die fliegende Untertasse..............79
5. ENTSPANNUNQSGESCHIGHTE Der Igel............................................81
6. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Am Bach..........................................83
7. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Die Brunnengeister........................85
8. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Die schnellste Schnecke...............87
9. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Der Teppichhändler.......................89
10. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Der Schmetterling........................91
11. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Der wilde Enterich.......................93
12. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Bei den Eichhörnchen.................95
13. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Der Glücksreif...............................97
14. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Der Wunschgarten.....................100
15. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Das Füllhorn...............................103
16. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Reise durch den Körper............106
17. ENTSPANNUNGSGESCHICHTE Im Schlummerland.....................108
Einschlafgeschichten........................................................................................112
1 EINSCHLAFGESCHICHTE: Die Reise zum Jahrmarkt......................113
2. EINSCHLAFGESCHICHTE Die Reise ins Blumenland.....................118
3. EINSCHLAFGESCHICHTE Im Land der Riesen................................122
4. EINSCHLAFGESCHICHTE Im Reich der Erdmännchen..................126
5. EINSCHLAFGESCHICHTE Im Land der Bienen................................130
6. EINSCHLAFGESCHICHTE Die Reise ins Glücksland.......................133
7. EINSCHLAFGESCHICHTE Die Reise zum Mond..............................138
8. EINSCHLAFGESCHICHTE Im Land der Lieder.................................143
Wo werden Entspannungskurse angeboten?...............................................152
Literatur...............................................................................................................153
Sandra hat Schlafstörungen
Sandra liegt in ihrem Bett und kann wieder nicht einschlafen.
Unruhig wälzt sie sich von einer Seite auf die andere. «Oje»,
denkt sie, «wie wird das morgen in der Schule werden, wenn ich
nicht ausgeschlafen bin, gerade, wo wir auch noch eine
Mathearbeit schreiben.»
Beim Gedanken an die Mathearbeit wird es Sandra ganz
mulmig.
Sie muß die schlechte Note vom letztenmal ausgleichen. Aber
ob sie das wohl schafft?
Wieder dreht sie sich herum. Dabei fällt ihr Blick auf das Bett
ihrer kleinen Schwester, die friedlich schläft. «Die hat es gut»,
denkt sie «die muß noch nicht in die Schule gehen. Aber ich.
Was soll ich bloß machen?»
Zur selben Zeit sitzen Sandras Eltern zusammen im
Wohnzimmer ihrer kleinen Etagen-Wohnung. Nachdem die
Kinder endlich im Bett sind, haben sie auch einmal etwas Zeit
für sich selber - und sie freuen sich darauf. Sie haben es sich
gerade bei einem Gläschen Wein gemütlich gemacht, als
plötzlich Sandra ganz zerzaust in der Tür steht. In ihrem
rosaroten Nachthemd und mit dem blassen Gesicht sieht sie aus
wie ein Geist. Mit weinerlicher Stimme bringt sie heraus:
«Mama, ich kann nicht schlafen!»
Diesen Satz haben die Eltern in letzter Zeit sehr oft gehört. Ihr
Repertoire ist inzwischen erschöpft. Ein Glas warme Milch, eine
Geschichte vorlesen, sogar Baldrian-Tropfen: alles haben sie
inzwischen schon ausprobiert. Auch heute setzen sich Sandras
Eltern wieder zu ihr ans Bett, reden mit ihr, leise, um das
Schwesterchen nicht aufzuwecken beruhigen sie wegen der
bevorstehenden Klassenarbeit.
Schließlich verlassen sie das Zimmer.
Wieder im Wohnzimmer angekommen, ist es mit der Ruhe
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vorbei.
«So kann das doch nicht weitergehen mit Sandra», meint die
Mutter.
«Schon Kleinigkeiten bringen sie völlig aus der Fassung. Und
wenn eine wichtige Arbeit ansteht, kann sie die halbe Nacht
vorher nicht schlafen. Dabei sind wir doch gar nicht streng und
machen auch kein Theater, wenn sie mal eine schlechte Note
heimbringt. Ich versteh das einfach nicht.»
Sandra liegt in ihrem Bett und kann nicht einschlafen: Morgen
soll die Rechenarbeit geschrieben werden.
«Ach, das wird sich mit der Zeit schon geben», meint der
Vater.
Ganz wohl ist ihm aber auch nicht zumute, denn die
Schlafprobleme von Sandra bestehen nun schon seit der 3.
Klasse. Wie soll das weitergehen wenn jetzt bald die
Orientierungsarbeiten geschrieben werden?
Eigentlich hätte der Vater schon gerne, daß Sandra die
Realschule besucht, und Sandra selbst möchte das auch, da ihre
beste Freundin Andrea dorthin will. Und Sandra ist ja
intelligent, auch ihre Klassenlehrerin, mit der sie schon
gesprochen haben, meint das. Aber die Lehrerin meinte auch,
daß sich das Mädchen mit ihrer übergroßen Nervosität und dem
Konzentrationsmangel oft selbst im Weg steht.
Sandras Eltern sitzen noch eine Weile im Wohnzimmer, jeder
in seine Gedanken versunken, und hören Musik. Schließlich
gehen auch sie zu Bett.
Einige Tage später liest Frau Martin in der Zeitung folgende
Anzeige:
Hat Ihr Kind Schlafprobleme? Ist es nervös, unkonzentriert
oder ängstlich?
Autogenes Training kann helfen! ; Beginn der nächsten
Kurse:.........
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Anmeldung und nähere Informationen unter Tel.
Ob das etwas für Sandra wäre? Frau Martin ist sich da nicht
sicher.
Vom autogenen Training hat sie zwar schon manches gehört,
sie kann sich aber nicht recht vorstellen, daß das auch etwas für
Kinder sein soll. Frau Martin beschließt, ihre Freundin Barbara,
die schon einen solchen Kurs für Erwachsene mitgemacht hat,
zum Kaffee einzuladen.
«Seit ich autogenes Training mache, geht es mir rundherum
besser», meint Barbara dann nachmittags am Kaffeetisch. «Ich
bin richtig ausgeglichen und ruhig. Und vor allem liege ich
nachts nicht stundenlang wach wie früher oft.»
«Das möchte ich von meiner Sandra auch einmal behaupten
können», seufzt Frau Martin. «Aber ob das etwas für Kinder ist?
Was meinst du?»
«Ich würde einfach einmal bei der angegebenen Nummer
anrufen und fragen, wie das mit dem Kurs so läuft. Der Kurs,
bei dem ich war der war allerdings nur für Erwachsene. Aber
wenn es auch Kurse für Kinder gibt...»
Gleich nach dem Kaffee ruft Frau Martin an und erfährt, daß
alle interessierten Eltern für die kommende Woche zu einem
unverbindlichen Informationsgespräch eingeladen werden und
danach entscheiden können, ob sie ihr Kind für den Kurs
anmelden wollen oder nicht.
Abends erzählt Frau Martin alles ihrem Mann. Der ist
zunächst skeptisch, denn er kann sich nicht ganz vorstellen, daß
so etwas helfen soll. Daß die Kursleiterin Psychologin ist,
überzeugt ihn auch nicht gerade. «Unsere Sandra braucht doch
keinen Seelenklempner, sie hat doch nur Schlafprobleme.
Vielleicht sollten wir mit ihr lieber noch einmal zum Arzt
gehen.»
«Aber da waren wir doch schon zweimal, und es hat nichts
gebracht. Ich bin dafür, es einmal mit dem autogenen Training
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zu probieren. Als wir das letzte Mal dort waren, hat der Arzt
gesagt, wenn es mit dem Baldrian auch nicht besser wird,
verschreibt er ihr Schlafmittel. Ich meine schon, daß wir es
vorher lieber mit etwas anderem probieren sollten.»
Beim Gedanken, daß Sandra Tabletten gegen ihre
Schlafprobleme bekommen soll, fühlt sich Herr Martin auch
nicht gerade wohl. Es wird ja in den Zeitungen und im
Fernsehen immer wieder davor gewarnt schon Kinder mit allen
möglichen Mitteln vollzustopfen. Aber wenn Sandra doch
wirklich so schlecht einschlafen kann! Gewarnt wird ja nur vor
unnötigem Tablettengebrauch. Was das schon heißt.
Medikamente wird doch niemand nehmen, der nicht meint, sie
auch nötig zu haben. Aber wenn die Einschlafprobleme wirklich
von Sandras großer Angst vor Klassenarbeiten kommen, ob man
die mit Tabletten dann beseitigen kann? Irgend etwas muß man
aber tun, darin sind sich die Eltern inzwischen einig. Schließlich
vereinbaren sie, zusammen an dem Informationsabend
teilzunehmen und dann weiterzusehen.
Außer Herrn und Frau Martin sind noch etwa 30 andere Eltern
zum Informationsabend gekommen. Sie erfahren von den beiden
Kursleitern , daß es nicht nur trockene Übungen geben soll,
sondern auch Platz ist für Fantasiegeschichten, Spiele und
Malen. Kinder lernen das Entspannungstraining anders als
Erwachsene. Sie besitzen im Gegensatz zu den meisten
Erwachsenen eine ausgeprägte Fähigkeit und Neigung zur
Imagination, wie die Kursleiter es ausdrücken, das heißt zur
Erzeugung von Vorstellungen. So haben sie in aller Regel
keinerlei Schwierigkeiten sich Fantasiebilder selbst auszudenken
oder nachzuvollziehen.
Meist tun sie dies spontan, ohne dazu ausdrücklich
aufgefordert zu werden, und auch in Situationen, wenn dies ganz
und gar nicht angebracht ist. Grundsätzlich ist diese Fähigkeit
aber durchaus wertvoll.
Bei Erwachsenen ist sie oft verlorengegangen oder nur noch
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