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SCHAFf
Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage
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Einführungskurs Soziologie
Herausgegeben von Hermann Korte und
Bernhard Schäfers
Band 111:
Annette Treibel
Einführung in soziologische Theorien
der Gegenwart
Die weiteren Bände:
Band 1:
Einführung in Hauptbegriffe der Soziologie
Hrsg. von Hermann Korte und Bernhard Schäfers
Band II:
Hermann Korte
Einführung in die Geschichte der Soziologie
Band IV:
Einführung in Spezielle Soziologien
Hrsg. von Hermann Korte und Bernhard Schäfers
Annette Treibel
Einführung
in soziologische Theorien
der Gegenwart
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
ISBN 978-3-8100-1098-8 ISBN 978-3-322-90084-5 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-322-90084-5
© 1993 by Springer Fachmedien Wiesbaden
Ursprünglich erschienen bei Leske & Buderich 1993.
Das Werk einschlieBlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschiitzt. Jede Verwer
tung auBerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des
Verlags unzulăssig und stratbar. Das gilt insbesondere fiir Vervielfaltigungen, Uberset
zungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektroni
schen Systemen.
Umschlaggestaltung: Alfred Krugmann, Stuttgart
Editorial zum Einführungskurs Soziologie
Der Einführungskurs ist konzipiert für Studienanfänger an Universitäten und
Fachhochschulen. Wer im Haupt-oder Nebenfach Soziologie studiert, kann mit
dem Einführungskurs Soziologie im Grundstudium bzw. im ersten Studienab
schnitt die erforderlichen Kenntnisse in soziologischer Begriffs-und Theoriebil
dung, in der Geschichte der Soziologie und für Praxisfelder, in denen soziologi
sches Wissen unverzichtbar geworden ist, erwerben.
Der Einführungskurs Soziologie umfaßt vier Bände:
I. Einführung in Hauptbegriffe der Soziologie
II. Einführung in die Geschichte der Soziologie
ill. Einführung in gegenwärtige soziologische Theorien
IV. Einführung in Spezielle Soziologien
Die Bände I und II erschienen im Herbst 1992, die Bändemund IV erscheinen
erstmals im Herbst 1993.
Den Autorinnen und Autoren der vier Bände waren von den Herausgebern un
ter anderem die folgenden Grundsätze als Orientierung bei der Texterstellung
vorgegeben worden:
- Jede Lektion soll nur den Stoff umfassen, der in etwa zwei Doppelstunden
Vorlesung und Übung behandelt werden kann.
- Jede Lektion soll in sich verständlich und abgeschlossen sein.
- Die für das Weiterstudium wichtigsten Literaturangaben sind hervorzuheben.
Wir hoffen, mit dem Einführungskurs Soziologie einen angemessenen Weg ge
funden zu haben, das soziologische Grundstudium in dem Maße zu standardisie
ren, wie es für jede wissenschaftliche Disziplin unabdingbar ist. Den Lehrenden
und Lernenden bleibt die Aufgabe und die Möglichkeit, aus den verschiedenen
Paradigmen der Begriffs-und Theoriebildung eine eigene Position zu entwickeln.
Wir bedanken uns bei Ulrike Aden, Heike Hammer und Paula Villa in Bochum
für die umsichtige und ausdauernde Mitarbeit bei der Redaktion aller vier Bände
und bei Wolfgang Benz in Karlsruhe für die Endredaktion der Bände I und IV.
Hermann Korte BemluJrd Schäfers
Ruhr-Universität Bochum Universität Karlsruhe (TH)
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Danksagung
Herzlichen Dank zunächst an die ersten Leserinnen und Leser: Die Herausgeber
dieser Reihe, Hermann Korte und Bernhard Schäfers, außerdem Torsten Brämer,
Heike Hammer und Paula Villa haben Lektion für Lektion des Manuskriptes ge
lesen, kommentiert und mit mir diskutiert - und das gesamte Projekt so auch
immer weiter ,getrieben'. Für Hinweise zu einzelnen Lektionen bin ich außerdem
Eric Dunning, Rolf Heinze und Ilse Lenz verpflichtet.
Dieses Buch ist in engem Zusammenhang mit meiner Lehrtätigkeit entstanden.
Durch die Zustimmung, Kritik und Anregungen von Studierenden haben sich die
Fragestellungen, Auswahl der Literatur und (didaktische) Präsentation immer
wieder verändert und mich in meinem Interesse für soziologische Theorien be
stärkt. Aus diesem Grund widme ich diesen Band den Thtorinnen und Tutoren,
die in den Wintersemestern 1991192 und 1992/93 meine Einführungsveranstal
tung begleitet haben: Torsten Brämer, Claudia Prahm, Daniel Fromme, Heike
Hammer, Nicole Kemper, Peter Maaß, Dirk Pooch, Rene Reinshagen, Marion
Ruh!, Veit Rumpf, Wolfhard Schwarz, Paula Villa, Elke Wippich-Tackenberg.
Bochum, Juli 1993
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Verzeichnis der Lektionen
I. Einleitung: Von den Schwierigkeiten der Soziologie,
die Gegenwartsgesellschaften zu untersuchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
li. Theorie sozialer Systeme (Luhmann) . .......... ..... ............. ...... 19
m. Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus (Habermas, Offe) ..... 45
IV. Kapitalismus und Patriarchat (Wallerstein, Beer, Dielefelder Ansatz) 67
V. Das individualistische Programm - Verhaltens- und
Nutzentheorien (Homans, Opp, Coleman) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
VI. Das interpretative Programm - Symbolischer
Interaktionismus und Phänomenologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
VII. Geschlecht als soziale Konstruktion: Ethnomethodologie
und Feminismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
Vill. Theorie des kommunikativen Handeins (Habermas li) ............... 153
IX. Die Gesellschaft der Individuen (Elias) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179
X. Kultur, Ökonomie und der Habitus der Menschen (Bourdieu) . . . . . . 203
XI. Dualität von Handlung und Struktur (Beck, Giddens) ................ 227
XII. Konstituierung des Geschlechterverhältnisses (Bilden, Hannoveraner
Ansatz, Thürmer-Rohr, Hochschild) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253
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Lektion I
Einleitung: Von den Schwierigkeiten
der Soziologie, die Gegenwartsgesellschaften
zu untersuchen
Inhalt
1. Gegenwartssoziologie und Klassiker
2. Konzeption des Buches
3. Lektürehinweise: Nachschlagewerke, Einführungen und Möglichkeiten,
sich über soziologische Theorie auf dem Laufenden zu halten
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1. Gegenwartssoziologie und Klassiker
Mögliche Aufgaben Soziologie ist die Wissenschaft von der Gesellschaft und den in ihr lebenden
der Soziologie Menschen. Ihre Aufgabe ist es - oder könnte es sein:
- die Merkmale dieser Gesellschaften zu beschreiben;
- die Ursachen für sozialen Fortschritt oder soziale Stagnation herauszu-
finden;
- die Handlungen der Gesellschaftsmitglieder zu analysieren und
- diese Handlungen von Individuen und Gruppen mit den gesellschaftlichen
Strukturen in Beziehung zu setzen.
Aufgabeder Das weitestgehende Interesse an einer solchen allgemeinen Analyse hat die so
soziologischen ziologische Theorie. Ihr geht es um die Ausarbeitung möglichst genereller Aus
Theorie sagen zum Zustand und zur Entwicklung von Gesellschaften. Dazu gehört auch
die Entwicklung eines arbeitsfähigen Begriffs-Instrumentariums. Der Anwen
dungs-Bezug, der bei vielen sog. speziellen Soziologien im Vordergrund steht
(siehe Bd. 4 dieses Einfiihrungskurses), tritt in den Hintergrund. Soziologische
Theorie ist grundlagenorientiert, jedoch immer auch an den historischen Zeit
punkt und den nationalen Kontext gebunden, in dem sie entsteht. Die Entwick
lungen und die Probleme gegenwärtiger Gesellschaften erfordern, so sieht es zu
Aktualität nächst aus, neue Begriffe, Instrumente und Theorien. Deshalb scheinen die Er
als Anspruch kenntnisse der soziologischen Klassiker (siehe Bd. 2) für eine Analyse der
an die soziologische Gegenwartsgesellschaften nur noch bedingt brauchbar.
Theorie
Karl Marx stand unter dem Eindruck einer umwälzenden Industrialisierung
des englischen Wirtschafts- und Sozialsystems und einer Pauperisierung der
englischen Arbeiterschaft, als er in den 50er und 60er Jahren des 19. Jahrhun
derts das ,Kapital' schrieb. 140 Jahre später haben die westlichen Gesellschaften
- und nicht nur sie - weitere technische, politische Revolutionen und Umwäl
zungen erlebt. Die Weltgesellschaft und die Gesellschaften der Welt haben sich
weiter ausdifferenziert, ähneln sich jedoch auch untereinander.
Bedeutung Gleichwohl kann und braucht man die Aussagen der soziologischen Klassi
der Klassiker ker nicht für die gegenwärtige Situation als unangemessen betrachten. Eine der
der Soziologie wichtigsten Prinzipien von Wissenschaft bzw. wissenschaftlicher Produktion
gilt speziell für die Soziologie: Soziologinnen und Soziologen fangen in ihrer
Arbeit nie bei Null an, sondern stehen immer in einer Tradition - häufig be
wußt, indem sie an die Klassiker anknüpfen, häufig aber auch unbewußt, weil
bestimmte Argumentationsfiguren fast automatisch in ihr Denken eingegangen
sind.
Dieser Band versteht sich als Fortsetzung des Bandes zur Geschichte der So
ziologie. Er setzt dort ein, wo Band 2 endet, nämlich Ende der 60er Jahre. Zwi
schen den beiden Bänden besteht jedoch ein gravierender Unterschied: Her
mann .Korte beschrieb die Geschichte der Soziologie als Prozeß der Entstehung
soziologischen Wissens von der Begründung der Soziologie als relativ autono
mer Wissenschaft durch Auguste Comte (ca. 1830) bis zur Studentenbewegung
(1968), also über einen Zeitraum von ungefähr 140 Jahren. Historisch gesehen,
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