Table Of Content065911 Stud. Müller_065911 Stud. Müller Umschlag 20.07.11 12:16 Seite 1
Die Mehrsprachigkeitsforschung verdeutlicht, welche Chancen sich g Natascha Müller / Tanja Kupisch
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für Kinder bieten, die in einer mehrsprachigen Umgebung
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Katrin Schmitz / Katja Cantone
aufwachsen, und wie der Weg zu mehr als einer Muttersprache h
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bewältigt werden kann. Insbesondere die genaue, wissen -
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schaftlich fundierte Kenntnis dieses Wegs kann und soll es o
erleichtern, auf Kritik und vermeintliche Misserfolge während des f Einführung in die
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Erwerbsprozesses richtig zu reagieren und den Kindern die t
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Möglichkeit zu geben, mehrsprachig in die Schulzeit zu starten. k
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i Mehrsprachig-
Das Arbeitsbuch hat daher zwei Hauptanliegen: Es wird einerseits h
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in die aktuelle Mehrsprachigkeitsforschung eingeführt, anderer-
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seits das empirische Arbeiten mit Spracherwerbsdaten eingeübt. r
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Der Fokus liegt auf der simultanen Mehrsprachig keit. s keitsforschung
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DieEinführung richtet sich an Studierende der Romanistik h
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(Französisch-Italienisch), Germanistik (Deutsch), Allgemeinen
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Sprachwissenschaft und Erziehungswissenschaften und soll dazu
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beitragen, die Thematik in die Ausbildung der zukünftigen Lehrer
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aufzunehmen.
n 3. Auflage
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Die dritte Auflage wurde inhaltlich überarbeitet und an aktuelle g
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Erkenntnisse angepasst.
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Der Band, der sowohl eine fundierte theoretische Einführung in f
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die Thematik als auch Anleitungen zum empirischen Arbeiten mit
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Spracherwerbsdaten liefert, ist von hohem praktischen Nutzen.
Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht
ISBN 978-3-8233-6674-4
Wir widmen unsere Einführung den Kindern
und ihren Eltern, ohne deren Unterstützung
bei der Erhebung der Daten dieses Buch
nicht möglich gewesen wäre.
Natascha Müller / Tanja Kupisch
Katrin Schmitz / Katja Cantone
Einführung in die
Mehrsprachigkeits-
forschung
Deutsch – Französisch – Italienisch
3., überarbeitete Auflage
Prof. Dr. Natascha Müllerist Professorin für Romanische Sprachwissenschaft
an der Bergischen Universität Wuppertal.
Dr. Tanja Kupischist als Juniorprofessorin und als Forskarassistent
an den Universitäten Hamburg und Lund tätig.
PD Dr. Katrin Schmitzlehrt als Juniorprofessorin für Romanische Sprachwissenschaft
an der Bergischen Universität Wuppertal.
Prof. Dr. Katja Francesca Cantoneist Professorin für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache
an der Universität Duisburg-Essen.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
3., überarbeitete Auflage 2011
2., durchgesehene und aktualisierte Auflage 2007
1. Auflage 2006
© 2011 · Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG
Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb
der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und
strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikrov erfilmungen und die
Einspei che rungund Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem und säurefreiem Werkdruck papier.
Internet: http://www.narr-studienbuecher.de
E-Mail: [email protected]
Druck und Bindung: Gulde, Tübingen
Printed in Germany
ISSN 0941-8105
ISBN 978-3-8233-6674-4
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ......................................................................................... 9
2 Mehrsprachigkeit: Definitionen ................................................ 15
2.1 Simultan / sukzessiv – natürlich / gesteuert – kindlich /
erwachsen ............................................................................................ 15
2.2 Kompetenz und Performanz — Transfer und Interferenz ........... 17
2.3 Positiver und negativer Transfer im Zweitspracherwerb ............. 22
2.3.1 Negativer Transfer ............................................................................................... 22
2.3.2 Positiver Transfer ................................................................................................. 28
2.4 Bilingualität und Parameter .............................................................. 29
2.4.1 Universalgrammatik ............................................................................................29
2.4.2 Parameter .............................................................................................................. 34
2.5 Zusammenfassung .............................................................................. 45
2.6 Aufgaben .............................................................................................. 45
3 Methoden der Datenerhebung und Formen der simultanen
Mehrsprachigkeit .......................................................................... 47
3.1 Typen der Bilingualität ...................................................................... 48
3.2 Querschnittstudien ............................................................................. 52
3.3 Longitudinalstudien ........................................................................... 54
3.4 „Frühkindliche Zweisprachigkeit: Italienisch-Deutsch und
Französisch-Deutsch im Vergleich“ ................................................. 59
3.5 Aufgaben .............................................................................................. 62
4 Der (un)balancierte Mehrsprachige .......................................... 65
4.1 Sprachdominanz und die schwächere Sprache .............................. 65
4.1.1 Frühe Studien zum Thema Sprachdominanz .................................................. 65
4.1.2 Die Charakterisierung der schwächeren Sprache ........................................... 68
4.1.3 Die schwächere Sprache im Vergleich zum sukzessiven Spracherwerb .... 69
4.2 Kriterien zur Bestimmung der Sprachdominanz ........................... 72
4.2.1 Transfer und Verzögerungen ............................................................................. 73
4.2.2 Ein Überblick über Dominanzkriterien ............................................................ 75
4.2.3 Gruppierung der Kriterien ................................................................................. 87
6 Inhaltsverzeichnis
4.3 Sprachbalance und Spracheneinfluss .............................................. 88
4.3.1 Sprachbalance und Spracheneinfluss sind abhängig ..................................... 89
4.3.2 Sprachbalance und Spracheneinfluss sind unabhängig ................................ 92
4.3.3 Fazit ........................................................................................................................ 94
4.4 Kritische Anmerkungen zum Begriff der Sprachdominanz ......... 94
4.5 Aufgaben .............................................................................................. 95
5 Sprachentrennung und Spracheneinfluss: Ein Überblick .. 97
5.1 Das fusionierte System: Lexikon und Syntax ................................ 97
5.1.1 Die erste Entwicklungsphase ............................................................................ 98
5.1.2 Die zweite Entwicklungsphase ........................................................................ 102
5.1.3 Die dritte Entwicklungsphase .......................................................................... 106
5.2 Sprachentrennung ohne Spracheneinfluss .................................... 108
5.2.1 Evidenz für getrennte Systeme: Gemischte Äußerungen ............................1 09
5.2.2 Evidenz für getrennte Systeme: Monolinguale Äußerungen .....................1 12
5.2.3 Die Rolle der Sprachdominanz ........................................................................ 114
5.3 Sprachentrennung mit Spracheneinfluss ...................................... 115
5.4 Zusammenfassung und Ausblick ................................................... 117
5.5 Aufgaben ............................................................................................ 118
6 Spracheneinfluss ......................................................................... 121
6.1 Beschleunigung ................................................................................. 125
6.1.1 Verbstellung im deutschen Hauptsatz ...........................................................1 25
6.1.2 Der Bereich der Determinanten .......................................................................1 34
6.2 Verzögerung ...................................................................................... 145
6.2.1 Objektauslassungen ...........................................................................................145
6.2.2 Subjektauslassungen .........................................................................................1 60
6.3 Transfer: Die Stellung des finiten Verbs
im deutschen Nebensatz .................................................................. 174
6.3.1 Beschreibung der Zielsysteme .........................................................................1 74
6.3.2 Studien mit monolingualen Kindern ..............................................................1 76
6.3.3 Studien mit bilingualen Kindern .....................................................................1 78
6.3.4 Zusammenfassung des Bereichs der Verbstellung
im deutschen Nebensatz ...................................................................................1 82
6.4 Zusammenfassung des Kapitels ..................................................... 183
6.5 Aufgaben ............................................................................................ 184
7 Sprachmischungen bei bilingualen Kindern ........................ 187
7.1 Definitionen ....................................................................................... 188
7.2 Erwachsenensprachliche Sprachmischungen ............................... 193
Inhaltsverzeichnis 7
7.2.1 Soziolinguistische und pragmatische Restriktionen ....................................1 93
7.2.2 Grammatische Restriktionen ............................................................................1 94
7.3 Kindliche Sprachmischungen ......................................................... 202
7.3.1 Sprachmischungen aufgrund fehlender Sprachentrennung und fehlender
pragmatischer Kompetenz? .............................................................................2 02
7.3.2 Sprachmischungen aufgrund der Entwicklung der beiden Lexika? .........2 03
7.3.3 Sprachmischungen aufgrund der grammatischen Entwicklung? ..............2 04
7.3.4 Sprachmischungen aufgrund von Sprachdominanz? ..................................2 05
7.4 Das kindliche Code-switching ohne dritte Grammatik .............. 207
7.5 Zusammenfassung ............................................................................ 212
7.6 Aufgaben ............................................................................................ 212
8 Lernertypen .................................................................................. 215
8.1 Lernertypen und Kompetenz .......................................................... 216
8.1.1 Weinreichs (1970) bilinguale Lernertypen .....................................................2 16
8.1.2 Studien zur Weinreichschen Unterscheidung ...............................................2 18
8.1.3 Kritik an der Weinreichschen Unterscheidung .............................................2 20
8.2 Lernertypen nach Dominanzkriterien ........................................... 222
8.2.1 Die sprachliche Entwicklung der beiden Sprachen eines Individuums und
einer der Sprachen im Vergleich zur Norm ...................................................2 22
8.2.2 Typen der Sprachbalance .................................................................................2 24
8.3 Zusammenfassung ............................................................................ 226
8.4 Aufgaben ............................................................................................ 227
9 Literatur ........................................................................................ 229
10 Glossar .......................................................................................... 245
11 Index .............................................................................................. 253
12 Anhang: Transkripte .................................................................. 259
1 Einleitung
Der Mikrozensus 2005 — eine amtliche Repräsentativstatistik — (siehe Statisti-
sches Bundesamt 2005) rechnete zum ersten Mal den so genannten Migrations-
hintergrund vieler Einwohner Deutschlands ein und gliederte demnach die Be-
völkerung nach Ausländern und Deutschen mit und ohne Migrationshin-
tergrund. Diese Unterteilung wurde vorgenommen, um einen besseren Überblick
über den Integrationsbedarf zu bekommen. Die Zahlen geben uns gleichzeitig
eine Übersicht darüber, wie viele mehrsprachige Menschen in Deutschland leben,
denn man kann davon ausgehen, dass die meisten Deutschen mit Migrations-
hintergrund zweisprachig sind. Nach dem Mikrozensus sind 81% der Bevölke-
rung (67,1 Millionen) Deutsche ohne Migrationshintergrund. In dieser Bevölke-
rungsgruppe befinden sich natürlich auch zweisprachige Personen, zum Beispiel
solche, die Deutsch und Plattdeutsch sprechen, oder solche, die durch den Auf-
enthalt in einem anderen Land mehrsprachig aufgewachsen sind; Ausländer und
Deutsche mit Migrationshintergrund kommen zusammen auf ca. 19% (15,3 Milli-
onen) der Bevölkerung, wobei die Deutschen mit Migrationshintergrund unge-
fähr 10% (8 Millionen) ausmachen. Laut Krefeld (2004:13) wies das Statistische
Bundesamt für Deutschland 111.347 Personen mit französischer und immerhin
616.282 Personen mit italienischer Staatsangehörigkeit nach (Stand vom
14.8.2002). Diese Zahlen verdeutlichen, dass in Deutschland also immer häufiger
die Notwendigkeit entsteht, aber damit auch die Chance, Kinder in mehr-
sprachigen Umgebungen aufwachsen zu lassen. Damit dies glückt, sollten fol-
gende Voraussetzungen erfüllt sein: erstens muss ein Bewusstsein in der Gesell-
schaft dafür geschaffen werden, dass Deutschland kein einsprachiges Land ist;
zweitens müssen Eltern, die sich entscheiden, ihre Kinder zweisprachig zu erzie-
hen, unterstützt und beraten werden; nicht zuletzt muss eine auf Mehrspra-
chigkeit und den Spracherwerb gerichtete Lehrerausbildung gewährleistet wer-
den.
Der in dem Arbeitsbuch vorgestellte Bereich der Mehrsprachigkeitsforschung
dient dazu, allen hieran Beteiligten zu verdeutlichen, welche Chancen sich für die
Kinder bieten und wie der Weg zu mehr als einer Muttersprache bewältigt wer-
den kann. Insbesondere das Wissen um den Weg soll es erleichtern, auf Kritik
und vermeintliche Misserfolge während des Erwerbsprozesses richtig zu reagie-
ren und den Kindern die Möglichkeit zu geben, mehrsprachig in die Schulzeit zu
starten. Das Arbeitsbuch soll aus wissenschaftlicher Perspektive Antworten ge-
ben und hat zwei Hauptanliegen. Es wird einerseits in die aktuelle Mehrspra-
chigkeitsforschung eingeführt, andererseits das empirische Arbeiten mit Sprach-
erwerbsdaten eingeübt. Der Fokus liegt auf der simultanen Mehrsprachigkeit,
d.h. dem gleichzeitigen Erwerb mehr als einer Muttersprache. Die Einführung
richtet sich an Studierende der Romanistik (Französisch-Italienisch), Germanistik