Table Of ContentLucia Sehnbruch
Eine Medien-
geschichte
des Bildschirms
Analyse der Dispositive visueller
Wahrnehmungskonstruktion
Eine Mediengeschichte des Bildschirms
Lucia Sehnbruch
Eine Mediengeschichte
des Bildschirms
Analyse der Dispositive visueller
Wahrnehmungskonstruktion
Mit einem Geleitwort von Kersten Reich
Lucia Sehnbruch
Köln, Deutschland
Diese Dissertation wurde von der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität
zu Köln im Juli 2015 angenommen.
ISBN 978-3-658-19169-6 ISBN 978-3-658-19170-2 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-658-19170-2
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Geleitwort von Kersten Reich
Lucia Sehnbruch und Rüdiger Wild haben gemeinsam mit mir 2005 das Buch
Medien und Konstruktivismus (Waxmann) veröffentlicht, in dem vor allem eine
Theorie der Simulation als Kommunikation entwickelt wurde. In Abgrenzung zu
anderen, eher radikal konstruktivistischen Ansätzen, versucht diese Medientheo-
rie eine kulturwissenschaftliche Einbettung des medialen Diskurses, wobei das
Konzept des interaktionistischen Konstruktivismus zugrunde gelegt wird. In der
vorgelegten Dissertation nimmt Lucia Sehnbruch die Argumentation aus 2005 in
methodologischer Hinsicht auf, um eine eigenständige und umfassende Bild-
schirmgeschichte zu entwickeln. Aus der konstruktivistischen Sicht wird argu-
mentiert, dass es in der Geschichte des Bildschirms bestimmte Konstrukte in
Form der Zeichen, der Zeichnung, der Konstruktion einer bestimmten Wahr-
nehmung über Medien gibt, die Lucia Sehnbruch als Bildschirm-Dispositive
ausmacht. Dabei geht sie der grundsätzlichen Frage nach, inwieweit die Bild-
schirmgeschichte hinter der Oberfläche von Phänomenen, die aus der Malerei,
der Photographie, dem Film, Fernsehen, Computer bis hin zur Virtualisierung
der Wahrnehmung bekannt sind, Bildschirm-Dispositive bilden, die diese Ge-
schichte dann mitbestimmen. Kurz formuliert: Die frühen Bildschirmkonstrukte
kehren immer wieder in jede weitere Bestimmung von Bildschirmen in der
Technikgeschichte zurück, werden in ihr aufgehoben und spielen selbst bei tech-
nischen Revolutionen noch eine mitkonstruierende Rolle. Diese Rolle ist nicht
einfach zu entschlüsseln, weil sie in der oberflächlichen Betrachtung unsichtbar
bleibt.
Trotz der Omnipräsenz der Bildschirme in der Wahrnehmungswelt, die seit
dem ausgehenden Mittelalter zunehmend mehr die Welt ergriffen hat, bleibt die
technisch materielle und zeichentheoretisch wirklichkeitskonstruierende Seite
dieser Entwicklung eher unterbelichtet und unsichtbar. Wollten wir von heute
aus sagen, welches die wesentlichen Voraussetzungen eines Bildschirms, wie
z.B. bei einem Smartphone oder iPad, sind, so könnten wir uns zwar mit techni-
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schen Beschreibungen der Hersteller solcher Geräte zufrieden geben, aber uns
würde dabei die verdeckte Geschichte der Voraussetzungen solcher Systeme
entgehen und der umfassendere kulturelle Kontext ihrer Herstellung verborgen
bleiben. In diesem Buch wird die relevante Frage gestellt, wie sich Bildschirme
historisch-kulturell aus den Diskursen unterschiedlicher Akteure und wissen-
schaftlich-technischer wie kultureller Kontexte ihrer Entstehung rekonstruieren
lassen. Dieser Anspruch wird mit einer sehr weiträumigen, umfassenden, auf
zahlreiche Quellen und Erfindungen zurückgehenden Entwicklungsgeschichte
bearbeitet. Dabei werden etliche Voraussetzungen des Bildschirms enthüllt, wie
sie zwar teilweise in anderen wissenschaftlichen Arbeiten schon angesprochen
wurden, aber nicht in dieser Systematik und Klarheit herausgearbeitet werden
konnten.
Wie kann eine solche Rekonstruktion gelingen? Der Verfasserin ist von
vornherein klar, dass sie die jeweils historisch und kulturell entstandenen Kon-
texte des Bildschirmdiskurses, dabei die epistemolgischen Fragestellungen der
jeweiligen Akteure, mit dem Gegenstand Bildschirm zusammenbringen muss.
Der Dispositivbegriff von Michel Foucault hilft dabei, die wirklichkeitsstiftende
Macht solcher Diskurse einzufangen und begrifflich klar und präzise herauszu-
arbeiten. Ein Dispositiv ist eine Art heterogenes Ensemble, das nach Foucault
Strukturkomponenten eines diskursiven Feldes bezeichnet. Die Ordnung des
Sehens, die sich über die Zeitalter herausbildet und an der Bildschirmgeschichte
anschaulich abzulesen ist, erscheint aus dieser wissenschaftlichen Forschung als
eine Geschichte von Bildschirm-Dispositiven, die sich als strukturelle Ordnung,
als Konstruktionen einer Bildschirmgeschichte erweisen, wobei das Konstruierte
aus zahlreichen Teilmomenten und Teilaspekten besteht, die in den Wahrneh-
mungswelten zirkulieren, ständig als wirklichkeitsbildend in diese zurückkehren
und alles andere als beliebig sind. Lucia Sehnbruch benutzt konsequent einen
kulturkritischen Konstruktionsbegriff, der die Macht der Konstruktionen in ihren
Anwendungen zeigt.
Die Rekonstruktion der Voraussetzungen des Bildschirms erweist sich als
Bestandsaufnahme, wie sehr wir uns dem Konstrukt und seinen Strukturen selbst
ausliefern und wie dabei die Freiheit des Sehens und Wahrnehmens stets zirkulär
einerseits weiter entwickelt wird und andererseits durch das Konstruierte be-
schränkt bleiben muss. Im Verfolgen dieses Denkansatzes kommt dieses Buch zu
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Einsichten, die die wissenschaftliche Debatte um die Bildschirmgeschichte er-
weitern können.
Die Arbeit ist in sechs Kapitel unterteilt. Dabei wird ein Schwerpunkt auf die
Entstehung der Bildschirm-Dispositive von der Malerei im Mittelalter bis hin zu
den klassischen Formen in der Renaissance und der optischen Camera obscura
in der Neuzeit gelegt, um dann insbesondere für die Photographie in der Moder-
ne wesentliche Veränderungen der technisch materiellen wie auch der kulturbe-
zogenen diskursiven Konstruktion aufzuweisen. Die ersten vier Kapitel bilden
den Schlüssel einer detaillierten Rekonstruktionsgeschichte, ohne die die Expan-
sion der Bildschirm-Dispositive in der Medienmoderne nicht verständlich wäre.
Kapitel 5 gibt für diese Medienmoderne dann eine sehr prägnante Darstellung
für Kino, Fernsehen und Computer, die nicht mehr so detailliert wie die ersten
Stufen der Bildschirmgeschichte nachgezeichnet und analysiert werden, weil
dies an Komplexität eine einzelne Forschungsarbeit überfordern würde. Gleich-
wohl werden auch für die Medienmoderne die veränderten Dispositive des Bild-
schirms herausgearbeitet und beschrieben. Sie können Anlass für Folgestudien
geben.
Das Buch wirft wichtige Fragen auf. Wie kommt es z.B. dazu, dass seit dem
15. Jahrhundert mediale Fragen bewusst werden, neue Bildschirme erkannt
werden können? Was sind die Vorläufer einer solchen Technik- und Zeichenge-
schichte? Wie können wir uns die an Dynamik zunehmende Entwicklung von
Bildschirmen seither erklären? Und inwieweit, dies ist aus der Sicht von
Foucault die Hintergründigkeit des Dispositivansatzes, wird in der Sichtbarkeit
dieser Geschichte zugleich eine Unsichtbarkeit verankert, die machtvoll als
Hintergrund tradiert und in der Regel unbewusst weiter verfolgt wird?
Antworten auf diese Fragen finden wir nur, wenn wir die Verschränkung von
Naturwissenschaften (hier im Blick auf die Bildschirmkonstruktion und Tech-
nik) ebenso verfolgen wie ihre Vermittlung mit den Kulturkontexten, in denen
sie entstehen und entwickelt werden. Dabei stößt diese Forschungsarbeit in ihrer
detailreichen Rekonstruktion auf den Umstand, dass es zwar eine relativ klare
Naturwissenschaftsgeschichte des Bildschirms gibt, dass dieser bisher jedoch
kaum hinreichend eine Kulturgeschichte der Sichtbarmachung, der diskursiven
Zeichen- und Deutungsprozesse, zur Seite gestellt wurde. Die Bildschirmge-
schichte, so zeigen die Kapitel im Detail, ist jedoch keine reine Geräte- oder
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Technikgeschichte, wie sie Medientheoretiker/innen immer wieder favorisieren,
sondern immer mit symbolischen Formen und diskursiven Praktiken verbunden.
Insoweit geht die Argumentation folgerichtig von einer Verschränkung von Kul-
tur und Praktiken im historischen und sozialen Wandel aus. Die technischen
Handlungspraxen werden in den Kulturraum diskursiv eingebettet, so dass die
Handlungen der Bildschirmakteure kontextuell verständlich und symbolisch-
diskursiv fassbar werden. Hier gibt es in diesem Buch sehr viele Einzeldarstel-
lungen. Insgesamt ist für die Frühformen ebenso wie für die klassischen Formen
des Bildschirms festzuhalten, dass es um ein diskursives Konstrukt geht, wel-
ches das Licht als epistemisches Feld voraussetzt und das Auge als Schnittstelle
des Wahrnehmungszuganges konstruiert.
Die ideelle Frühform wird als ein Sehen durch Licht rekonstruiert, das durch
ein Denken in Maschinenformen ins Technische gewendet wird. Für Grosseteste
oder Bacon z.B. kann die Arbeit nachweisen, wie sehr diese Grundlegung voll-
zogen und konzipiert wird. Innovativ an der Deutung ist es, diese Akteure nicht
nur als Verkünder einer beginnenden Ära der abendländischen Optik zu feiern,
sondern dabei zugleich die kulturhistorische Bedeutung der Erschließung der
Perspectiva mit in den Blick zu nehmen und symbolisch auch auf einer kulturel-
len und bewusstseinsphilosophischen Ebene verständlich werden zu lassen. Seit
Bacon vollzieht sich ein experimenteller Wandel, der die zuvor diskursiv ange-
legte Maschinen-Metapher experimentell umsetzt und dabei Beobachtungsfor-
men mehr noch als konkrete Technikgebilde schafft. Hier wird sehr deutlich,
dass die Bildschirmgeschichte keine reine Technik- oder Gerätegeschichte ist,
sondern eine Denkgeschichte voraussetzt. Ohne diese Verbindung wären die
ersten optischen Gläser und Hilfsmittel weder entstanden noch in den erweiter-
ten Formen benutzt worden, die die Bildschirmgeschichte so eindrucksvoll zeigt.
Insbesondere die Zeichnung spielt hierbei eine entscheidende Rolle in der Bild-
schirmgeschichte. Zeichnung als Ausdruck von Perspektiven, als symbolisches
Konstrukt einer Sichtbarmachung von Unsichtbarkeit, von hinter den Dingen
liegenden Zusammenhängen, erscheint als wesentliche Konstruktionsvorausset-
zung eines optischen Visualitäts-Dispositivs, das die Arbeit schon für die frühen
Formen des Bildschirms herausarbeitet. Das optische Visualitäts-Dispositiv
begründet eine Sichtbarkeitsordnung, die zugleich in den technischen Fragen das
Subjekt-Objekt-Problem und die Konfigurierung der Referenzen von Beobach-
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tungen thematisiert. Die wechselseitige Beeinflussung unterschiedlicher Hand-
lungs- und Theorieebenen wird gerade in dem visuellen Feld nicht nur zur Anre-
gung einer Technikgeschichte der Optik, sondern ist eine grundlegende Ausei-
nandersetzung des Denkens mit dem Visuellen. Im Ergebnis zeigt sich das Visu-
alitäts-Dispositiv nicht als ein Abbildungsparadigma, nicht als Gegensatz von
Natur- und Technikgeschichte, nicht als eine symbolfreie Ordnung von natürli-
cher Widerspiegelung, sondern als poietische Handlungspraxis, als ein symboli-
sches Konstrukt und forschungstechnisches Artefakt mit Maschinencharakter,
das sinnbildend, strukturbildend, konstruktiv die gesamte weitere Bildschirmge-
schichte begleiten wird. Die technisch-optischen Darstellungsformen sind immer
symbolisch konstruiert und mit Beobachtungstheorien verbunden, die einen
Hintergrund bedingen, ein Deutungsensemble, das als Dispositiv rekonstruiert
werden kann.
In der Renaissance, bei Brunelleschi und Alberti, wird diese Entwicklung in
einer Form vollzogen, die dann zu Prototypen des Bildschirms führen, wie wir
ihn heute massenhaft kennen und nutzen. Im Hintergrund steht ein Subjekt-
Technik-Verständnis, das die Apparatur mit dem Subjekt in eine Vermittlung
bringt, die die Wahrnehmung des Subjekts selbst ergänzt, erweitert und zugleich
verändert. Am Beispiel der Perspektivzeichnung macht das Buch deutlich, wie
sehr die symbolische Fassung nicht nur technische Vorgänge ermöglicht, son-
dern zugleich das kulturelle Weltbild ausdrückt und antreibt. Der Bildschirm als
Wissens- und Maschinenbild komprimiert das als Dispositiv erfasste Struktur-
bündel in einem Schirm, der nicht nur kulturelles Wissen abbildet, sondern im-
mer auch aktiv präsentiert. Auch wenn die ersten Wissenschafts- und Künstler-
akteure oft noch meinten, bloß die Natur in Bildern abzubilden, so zeigen ihre
Praktiken immer auch die kulturelle Präsentation einer bestimmten kulturellen
Bewusstseinshaltung. Das Dispositiv des klassischen Bildschirms erweist diesen
als einen Symbol- und Zeichnungsapparat, in dem Wissensproduktion, Medien-
funktion und Wahrnehmungskonstruktion miteinander verbunden und verdichtet
werden. Durch die partielle Gleichsetzung von Körper und Apparat wird eine
dynamische Bildschirmgeschichte eingeleitet, wie sie für die neueren Medien
typisch und sinnbildend sein wird. Die Voraussetzungen dieser Entwicklung, das
macht dieses Buch deutlich, liegen bereits im klassischen Bildschirm-Dispositiv.
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Mit der Camera obscura ist ein Prototyp des Bildschirms entstanden, der einer
gesonderten und differenzierten Betrachtung unterzogen wird. An diesem Bei-
spiel kann die Grundidee der Arbeit besonders anschaulich nachvollzogen wer-
den. Wo auf der einen Seite mit der Camera obscura das menschliche Wissen auf
einer rein objektiven Betrachtung der Welt gegründet werden soll, da wirkt auf
der anderen Seite ein kulturell entstandenes, symbolisch konfiguriertes Instru-
ment, das aus einer Deutung des Auges, des Lichts und der Perspektiven in Ver-
mittlung mit dem Apparat als menschliche Konstruktion immer das Subjektive
und Kulturelle in diesen Vorgang mit hinein konstruiert.
Das Dispositiv der Camera obscura basiert wie der klassische Bildschirm auf
einer Idee der Spiegelung, aber sowohl der Apparat als auch das Wahrneh-
mungsmodell werden jetzt klar als Medium sichtbar und für unterschiedliche
Einsatzzwecke konfiguriert. Die Camera obscura fordert neben der aktuellen
Spiegelung die Bildreproduktion als mediale Möglichkeit heraus. Die Arbeit
rekonstruiert aus der umfassenden Forschungsliteratur, welche Aspekte dabei
ineinandergreifen und wie sich in diesem Prozess ein Bündel an Strukturen und
Voraussetzungen als Dispositiv geltend machen, die dann schließlich in die Pho-
tographie und weitere mediale Formen der Medienmoderne münden. Dabei wird
dieser Prozess selbst als zunehmend brüchig beschrieben, denn die Formierung
des logischen Bildschirm-Dispositivs zeigt für das Wahrnehmungsmodell, das
vorwiegend auf Repräsentation abzielte, in Richtung einer Theorie des mensch-
lichen Sehens, neuronaler Aktivitäten, einer Eigenleistung aus den Strukturbe-
dingungen des Gehirns, das sich auch als Ausdruck menschlichen Bewusstseins
vollzieht. Es ist erstaunlich, wie früh dieser Wandel bereits in Ansätzen vollzo-
gen wurde, auch wenn wir erst in den letzten Jahrzehnten hierauf stärker durch
die aktuelle Forschung fokussieren. Das logische Bildschirm-Dispositiv weist
auf, dass wir nicht mehr nur vom Auge aus den Bildschirm konstruieren können,
sondern dass sich das Bündel an Strukturen und Aspekten erheblich erweitert:
Richtung Gehirn, Elektrizität, Bewusstsein und Sprache, um nur die wichtigsten
Einflussgrößen zu nennen.
Die Photographie ist in der Bildschirmgeschichte der entscheidende Proto-
typ, der sowohl einen Wandel in die massenhafte Nutzung als auch die andau-
ernde Dynamisierung von Bildschirmen einleitete. Das Buch rekonstruiert die
Bildschirmgeschichte ausführlich und systematisch. Im Dispositiv der Fotoka-
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