Table Of ContentGUNTHER WANKE · DIE ZIONSTHEOLOGIE DER KORACHITEN
GUNTHER WANKE
DIE ZIONSTHEOLOGIE
DER KORACHITEN
IN IHREM
TRADITIONSGESCHICHTLICHEN ZUSAMMENHANG
1966
VERLAG ALFRED TÖPELMANN BERLIN
BEIHEFTE ZUR ZEITSCHRIFT FÜR DIE
ALTTESTAMENTLICHE WISSENSCHAFT
HERAUSGEGBBBN VON GEORG FOHRER
97
©
1966
by Alfred Töpelmann, Berlin 30, Genthiner Straße 13
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten.
Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es auch nicht gestattet, dieses Buch oder
Teile daraus auf photomechanischem Wege (Photokopie, Mikrokopie) zu vervielfältigen.
Printed in Germany
Satz und Druck: Walter de Gruyter & Co., Berlin 30
Archiv-Nr. 3822662
VORWORT
Die vorliegende Untersuchung wurde von der Evg.-theol. Fa-
kultät der Universität Wien im Sommersemester 1964 als Disser-
tationsschrift angenommen. Sie geht zurück auf eine Anregung von
Herrn Prof. D. Dr. Georg FOHRER, der auch das Entstehen der Arbeit
mit seinem freundlichen Rat förderte. Herrn Prof. FOHRER bin ich
auch für die Aufnahme der Untersuchung in die Beihefte zur ZAW
Dank schuldig.
Zu danken habe ich auch: Herrn Univ.Prof. Dr. Ernst KUTSCH,
der sich bereit erklärt hatte, die Arbeit durch das Promotionsver-
fahren in Wien zu begleiten, und dessen wertvolle Hinweise ich noch
für die Drucklegung der Arbeit berücksichtigen durfte, so daß diese
nun in etwas geänderter Form vorliegt; Herrn Univ.Prof. Dr. Gott-
fried FITZER, dem Korreferenten bei der Promotion; Frau Hildegard
HIERSEMANN für das Schreiben des Manuskripts.
Erlangen, Dezember 1964 Gunther Wanke
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort V
I. Die Korachiten, ihre Psalmen und ihre Theologie 1
1. Die Korachitenpsalmen 1
2. Die Zionspsalmen der Korachiten 6
3. Die Korachiten 23
4. Die Theologie der Korachiten 31
Motiv und Tradition 39
II. Gottesbezeichnungen 40
1. Jahwe Zebaoth 40
2. Äljon 46
3. Der Gott Jakobs 64
4. Weitere Gottesbezeichnungen 68
III. Mythische Motive 64
1. Der Gottesberg 64
2. Das Paradies 67
3. Der Chaoskampf 68
IV. Der Völkerkampf 70
1. Ausgangspunkt 70
2. Entstehung des Völkerkampfmotivs 74
3. Geschichtlicher Anknüpfungspunkt 93
V. Nebenmotive 99
VI. Jerusalem, die Gottesstadt 100
VII. Auswirkungen 106
1. Das Alter der Zionstheologie der Korachiten 106
2. Jerusalemer Kulttraditionen ? 109
3. Das Verhältnis der Korachitenpsalmen zur eschatologischen Prophetie . 113
Anhang: Zur Deutung der Psalmen 46 und 48 117
Register 119
I. DIE KORACHITEN, IHRE PSALMEN UND IHRE THEOLOGIE
1. Die Korachitenpsalmen
a) Innerhalb einer der großen Teilsammlungen des Psalters, im
»elohistischen Psalter«1, lassen sich ihrerseits wiederum drei Gruppen
von Psalmen nach ihren Überschriften unterscheiden: Psalmen
mp'^a1?, in1? und ηΟΝ*?. Diese Psalmengruppen erweisen sich nicht
nur durch die Gleichartigkeit der Überschriften als zusammengehörig,
sondern auch durch ihre Stellung innerhalb des »elohistischen
Psalters«:
Korachiten2 Ps 42—49
David Ps 51—65 67—71
Asaph Ps 50 73—83
Diese Anordnung der einzelnen Psalmengruppen ist nur geringfügig
durch die eigenartige Stellung des 50. Psalms und des Ps 72 — dieser
mit der Überschrift naVtfV versehen —, die wohl durch die Redaktion
des Psalmenbuches bedingt ist, unterbrochen. Nun könnte man an-
nehmen, daß diese Anordnung der Psalmen ein Werk des »elohisti-
schen« Bearbeiters ist, der Psalmen mit gleichartiger Überschrift zu
Gruppen zusammenstellte, um eine bestimmte Ordnung zu erreichen.
Doch dagegen spricht eine weitere Beobachtung, die an den so ge-
ordneten Psalmen selbst gemacht werden kann.
Die Korachitenpsalmen und die Davidpsalmen des »elohistischen
Psalters« weisen nämlich wiederum in sich eine Ordnung auf, die
an einem »sachlichen« Gesichtspunkt, nämlich der »Art« der einzelnen
Lieder, orientiert ist, wie sie in den Überschriften der Lieder zum
Ausdruck kommt:
Korachiten Ps 42—44 VOfM3
Ps 46 Ttf^Ofeö
Ps 46 "Ptf
Ps 47 noto
Ps 48 liatöT^
Ps 49 "TlDta
1 Vgl. dazu O. EISSFELDT, Einleitung in das Alte Testament 1964», S. 606 f. (im
folgenden zitiert: EISSFELDT, Einleitung) und H.-J. KRAUS, Psalmen, Biblischer
Kommentar XV/11961®, S. XVf. (im folgenden zitiert: KRAUS, Psalmen I bzw. II).
2 Abweichend von der korrekten Transkription des Wortes flip = ,qoräh' gebrauche
ich im Laufe der Arbeit die bei EISSFELDT, a. a. O., u. a. verwendete Form .Korach*,
bzw. .Korachiten'.
Wanke, Zlonstheologfe 1
2 I. Die Korachiten, ihre Psalmen und ihre Theologie
David Ps 52—66 Voton
Ps56—60 Dron
Ps 62—66 67 11ÖTÖ
Ps 68 . . . . Ttf natö
Ps69—71 . . ohne Liedbezeichnung
Die Asaphpsalmen hingegen weisen keine solche innere Anord-
nung ihrer Lieder auf. Hätte der »elohistische« Bearbeiter ein In-
teresse an einer solchen Anordnung der Lieder gehabt, so hätte er
gewiß auch die Asaphpsalmen derselben unterworfen. Da dies nicht
der Fall ist, kann man als sicher annehmen, daß der »elohistische«
Bearbeiter diese Gruppen von Psalmen bereits so geordnet vorfand,
wie sie uns heute im Psalter vorhegen3. Das heißt aber, daß auch
die »Verfasserüberschriften« dem elohistischen Bearbeiter bereits vor-
gelegen haben müssen, er also bereits Sammlungen mit einer bestimm-
ten An- und Zuordnung zu einem größeren Ganzen zusammenfügte4.
Damit wäre aber gezeigt, daß zunächst die Ps 42—49 als eine
den Γπρ"Ί3 zugeschriebene Psalmensammlung angesehen werden
können. Daneben finden sich aber noch vier weitere Psalmen mit
der Überschrift mp-flaV: 84 85 87 885. Diese vier Psalmen sind aber
auch nicht irgendwie in die übrigen Psalmen eingebaut worden,
sondern unmittelbar im Anschluß an den »elohistischen Psalter« in
einer Gruppe gesammelt, die nur durch Ps 86, einen Davidpsalm,
unterbrochen wird und an die noch ein weiterer Psalm — Ps 89, mit
der Überschrift ΤΠΤΗΠ JlVit^ — angeschlossen ist. Diese kleine
Gruppe von sechs Psalmen — bestehend aus vier Korachiten-
psalmen, einem Davidpsalm und einem Ethanpsalm — wird zwar
einerseits durch die abschließende Doxologie in Ps 89 52 dem »elo-
histischen Psalter« zugeordnet, ist aber andererseits der »elohisti-
schen« Bearbeitung entgangen. Man wird diese Gruppe von Psalmen
als einen Anhang zum »elohistischen Psalter« zu verstehen haben®,
mit dem man vielleicht die Absicht verfolgte, die restlichen noch
bekannten Sängerpsalmen sinnvoll in den Psalter einzuordnen.
H.-J. KRAUS7 erwägt, ob die dieser kleinen Gruppe von Psalmen
angehörigen Korachitenpsalmen dem Liederbuch der Korachiten oder
etwa einer zweiten »Korachitenquelle« zugeschrieben werden können.
8 Abgesehen von der späteren redaktionellen Einfügung des Ps 72 und der durch
die Redaktion bedingten Trennung des Ps 60 von den übrigen Asaphpsalmen.
4 Sein eigenes und besonderes Interesse kommt ja auch an einer ganz anderen Stelle
zum Ausdruck, indem er nämlich den ursprünglichen Gottesnamen .Jahwe' durch
.Elohim* ersetzte.
8 Ps 88 wird durch seine Überschrift neben den mp auch noch ΤΠ'ΝΠ ΙΟ"1 Π1?
zugeschrieben.
• Vgl. O. EISSFELDT, a. a. O., S. 606 und H.-J. KRAUS, a. a. O., S. XVI.
' A. a. O., S. XV.