Table Of ContentHerbert Willems Hrsg.
Die Wasser
der Gesellschaft
Zur Einführung in eine
Soziologie des Trinkwassers
Die Wasser der Gesellschaft
Herbert Willems
(Hrsg.)
Die Wasser
der Gesellschaft
Zur Einführung in eine
Soziologie des Trinkwassers
Herausgeber
Prof. Dr. Herbert Willems
Universität Gießen, Deutschland
ISBN 978-3-658-17702-7 ISBN 978-3-658-17703-4 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-658-17703-4
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Vermischte Meinungen und Sprüche zum Trinkwasser
Ist‘ s euch nicht genug, klares Wasser zu trinken?
(Hesekiel)
Trink Wasser wie ein Ochse, Wein jedoch wie ein König.
(Französisches Sprichwort)
Es ist leichter, sich mit Trank als mit Speise zu erquicken.
(Hippokrates)
Zu viel kann man trinken, doch nie trinkt man genug.
(Gotthold Ephraim Lessing)
Das Eis macht Flüsse im Winter begehbar und Whisky im Sommer trinkbar.
(Werner Mitsch)
Der Wassertrinker spricht. – Trinke deinen Wein nur weiter, der dich ein Leben
lang gelabt hat, – was geht es dich an, daß ich ein Wassertrinker sein muß? Sind
Wein und Wasser nicht friedfertige, brüderliche Elemente, die ohne Vorwurf
beieinander wohnen?
(Friedrich Nietzsche)
Nutzen der Kränklichkeit. – Wer oft krank ist, hat nicht nur einen viel größeren
Genuß am Gesundsein, wegen seines häufigen Gesundwerdens: sondern auch
einen höchst geschärften Sinn für Gesundes und Krankhaftes in Werken und
Handlungen, eigenen und fremden: so daß zum Beispiel gerade die kränklichen
Schriftsteller – und darunter sind leider fast alle großen – in ihren Schriften einen
viel sichereren und gleichmäßigeren Ton der Gesundheit zu haben pflegen, weil
sie besser als die körperlich Robusten sich auf die Philosophie der seelischen
Gesundheit und Genesung und ihre Lehrmeister: Vormittag, Sonnenschein, Wald
und Wasserquelle, verstehen.
(Friedrich Nietzsche)
Vorwort
Der vorliegende Band versteht sich vor allem als eine Art Einführungs- und
Lehrbuch zum Thema Wasser bzw. Trinkwasser, das unter grundsätzlich figura-
tionssoziologischen/prozesssoziologischen Gesichtspunkten im Zusammenhang
und als Zusammenhang sozialer Entwicklungen betrachtet wird.1 Das schließt
die Verbindung bzw. Synthese einer Reihe von Konzepten und theoretischen
Perspektiven ein: anthropologischen, historisch-sozialgeschichtlichen, feld- und
habitustheoretischen, kapitaltheoretischen, stil- und lebensstiltheoretischen,
zivilisationstheoretischen und nicht zuletzt globalisierungstheoretischen. Es geht
also letztlich um das Wasser der (Welt-)Gesellschaft, genauer gesagt: um
die Wasser der (Welt-)Gesellschaft, denn diese Gesellschaft generiert in diesem
Zusammenhang – bedingt oder bewirkt durch ihre eigene Entwicklung
und Differenzierung – eine Vielfalt (Diversität) von Tatsachen: (Trink-)Wasser-
Realitäten, (Trink-)Kulturen, (Trink-)Wassertypen, (Trink-)Wasser-Systeme,
(Trink-)Wasser-Praxen/Praktiken, (Trink-)Wasser-Gewohnheiten, (Trink-)
Wasser-Rituale, (Trink-)Wasser-Probleme, (Trink-)Wasser-Konflikte, (Trink-)
Wasser-Krisen usw.
Eben diese Tatsachen waren Gegenstände eines Seminars im Rahmen des
Master-Studiengangs „Gesellschaft und Kulturen der Moderne“, das ich im
Wintersemester 2015/16 an der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt
habe.2
1 Die von Norbert Elias ausgehende Art von Soziologie, die damit im Vordergrund steht und
betrieben werden sollte und soll, habe ich an anderer Stelle ausführlich thematisiert (vgl. Wil-
lems 2012). Die nachfolgenden Ausführungen können auch als eine Ausführung dieser Pro-
zesssoziologie/Figurationssoziologie verstanden werden.
2 Das Thema Trinkwasser bildet seit einiger Zeit einen Schwerpunkt meiner Lehrtätigkeit in
Gießen. Seit dem Sommersemester 2016 läuft eine Veranstaltung im Rahmen des Studien-
ganges BA „Social Sciences“, in der – überwiegend in kleinen Arbeitsgruppen – sogenannte
Lehrforschungsprojekte zum Thema Trinkwasser unternommen werden. Diese Veranstaltung
mit 18 Projekten ist auf zwei Semester angelegt und endet mit (Lehr-)Forschungsberichten der
verschiedenen Projekte, die folgende Arbeitstitel haben: Die soziale/kulturelle Differenzierung
der Trinkwasseraffinität: Schichten, (Öko-)Milieus, Szenen etc.; Praxis und Praktiken des
Trinkwasserkonsums: Einstellungen zu und Wissen über Ernährung und Trinkwasserverhal-
ten; Images und Imageprobleme des Leitungswassers in Deutschland; Trinkwasser in deut-
schen Gastronomietypen; Entwicklungen des Trinkwassers und Trinkwasserkonsums im Ver-
gleich von Deutschland und USA; Trinkwasser in der Gastronomie im interregionalen und in-
ternationalen Vergleich: Europa (Österreich, Frankreich, Großbritannien), USA, Japan; Medi-
en-Diskurse über Trinkwasser: Fernsehen, Printmedien, Spezialmedien; Die Thematisierung
des Trinkwassers im Internet; Trinkwasser im Haushalt; Objektives und wissenschaftliches
Trinkwasserwissen; Alltagswissen über Trinkwasser; Die Qualität des deutschen Trinkwassers
im Vergleich; Trinkwasser in nicht-gastronomischen Einrichtungen/Betrieben; Mediale Insze-
8 Vorwort
Der vorliegende Band dokumentiert zunächst die von mir erarbeitete
grundlagentheoretische und programmatische Basis dieses Seminars, die auch
als allgemeine Einführung in eine Soziologie des Trinkwassers gedacht und in
entsprechender Lehre zu gebrauchen ist. Vor diesem Hintergrund werden dem
Thema Wasser und Trinkwasser gewidmete Arbeiten von Sozial- und Kulturwis-
senschaftlern (Bachelor- und Masterstudenten) präsentiert, die aus dem genann-
ten Seminar hervorgegangen sind und für den Zweck dieser Publikation von mir
durchgesehen und bearbeitet wurden. Eine dieser Arbeiten ist die Grundlage
einer Master-Thesis, die hier ebenfalls dokumentiert ist.3 Schließlich präsentiert
der Band die Ergebnisse einer aktuellen Literaturrecherche zum Thema Trink-
wasser.
In Gießen und sicher auch anderswo gibt es eine starke studentische Nach-
frage nach Lehrangeboten zum Thema Wasser/Trinkwasser und ein Interesse,
sich mit dem Spektrum der hier ins Auge gefassten Themen zu beschäftigen. In
dieser Tatsache mögen sich die fraglose soziale Relevanz dieser Themen und
auch eine zunehmend auf sie gerichtete soziale Aufmerksamkeit spiegeln. Ihr
korrespondiert eine lebendiger werdende sozialwissenschaftliche bzw. soziolo-
gische Aufmerksamkeit, die allerdings immer noch weit hinter der Bedeutung
des Themenfeldes zurückbleibt.
Auch dies ist ein Grund für die hier ins Auge gefasste Arbeitsprogramma-
tik. Ihre primären Zielgebiete sind die soziologische/sozialwissenschaftliche
Lehre und Forschung. Sie will aber auch darüber hinausgreifen und prinzipiell
‚Öffentlichkeit‘ sowie Einrichtungen der Erziehung und Bildung bis hin zu den
diversen Schulen erreichen. Dies sollte und möge mit den hier dokumentierten
Texten besonders gut gelingen. Ebenso sollte es gelingen, Studierende, Lehren-
de und Forschende aller Disziplinen, die mit der Thematik Wasser/Trinkwasser
zu tun haben (von der Ernährungswissenschaft über die Geographie bis zur
Medizin), zu informieren und anzuregen.
Nicht zuletzt besteht hier ein Ansatz für einen thematisch fokussierten und
zugleich ‚arbeitsteiligen‘ Austausch und für Kooperationen in Sachen Wasser/
nierungen der Mineralwässer; Religiöse, mythische und esoterische Bedeutungen des Trink-
wassers; ‚Ein Glas Leitungswasser bitte‘. Ein Krisenexperiment in der deutschen Gastrono-
mie; Wasserversorgung und Wasserverwaltung; Das Wasser der Regionen und das Wissen
über das Wasser der Regionen.
Im Wintersemester 2016/17 findet eine weitere Lehrveranstaltung von mir zum Thema Trink-
wasser im Rahmen des Master-Studiengangs „Gesellschaft und Kulturen der Moderne“ statt.
Mittlerweile laufen zudem 5 thematisch einschlägige Abschlussarbeiten zum BA „Social Sci-
ences“ und eine entsprechende Abschlussarbeit zum Master „Gesellschaft und Kulturen der
Moderne“.
3 Es handelt sich um den Beitrag von Laura Schermuly, die sich auch in der formalen Aufberei-
tung des ganzen Buches verdient gemacht hat.
Vorwort 9
Trinkwasser. Dabei kann es ebenso um Lehre und Forschung wie um (soziologi-
sche) Aufklärung und Beratung gehen.
Im Hinblick auf die oben erwähnte Lehrveranstaltung und die damit ver-
bundenen und daran anschließenden Arbeiten danke ich vor allem den interes-
sierten und engagierten Studierenden. Frau Iris Löhlein, Herr Volker Weber und
Frau Alicia Chapellow vom Verein „Forum Trinkwasser“ haben den Studieren-
den und mir wichtige Unterstützungen, Hinweise und Anregungen gegeben.
Dafür möchte ich mich ebenfalls – und auch sozusagen stellvertretend – herzlich
bedanken.
Herbert Willems
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ............................................................................................................... 7
Einleitung: Auf dem Weg zu einem soziologischen Verständnis der
Realitäten des Trinkwassers .............................................................................. 13
Herbert Willems
Wasserkonsum – Eine empirische Studie zu Geschmack, Qualität und Preis
von Wasser ........................................................................................................ 65
Beşgül Coskun und Madita Zöller
Image von Trinkwasser in der Gastronomie im Vergleich von Deutschland
und Großbritannien ........................................................................................... 91
Miriam Cathlin Singer
Trinkwasser als Lifestyle-Produkt: Wie Wasser zum Luxusartikel wurde ...... 157
Tara Kaiser
Die Darstellung von Lebensstilen in der Tafel- und Mineralwasserwerbung
– eine Analyse ................................................................................................. 173
Tanja Heckmann
„Irish Water“ und gesellschaftlicher Widerstand in Irland –
Einstellungswandel zum Wasser im Zuge der Krise? ..................................... 189
Sarah Kempf
Waschen und Baden in den monotheistischen Weltreligionen ........................ 205
Murat Şahin
Körperhygiene im Wandel der Zeit ................................................................. 223
Schirin Jensch
Wasser in der Kunst an den Beispielen niederländischer und
impressionistischer Malerei ............................................................................ 239
Julian Becker
12 Inhaltsverzeichnis
Wasser in der Zukunft – Gefahren und Chancen im Rahmen von
Bevölkerungswachstum, Klimawandel und globaler Ökonomie .................... 257
Laura Schermuly
Weiterführende Literatur ................................................................................. 341