Table Of ContentDie Technik
des Bankbetriebes
Ein Hand - und Lehrbuch des praktischen
Bank- und Borsenwesens
von
Bruno Buchwald
Neunte
vollstandig umgearbeitete Auflage
Berlin. Verlag von Julius Springer. 1931
Preis RM 19.50; Partiepreis fiir 25 Expl. je RM 16.50
ISBN- 13:978-3-642-89586-9 e-ISBN-13:978-3-642-91442-3
DOl: 10.1007/978-3-642-91442-3
Aile Rechte, insbesondere das der Obersetzung
in fremde Sprachen, vorbehalten.
Softcover reprint of the hardcover 9th edition 1931
Vo rwort znr ersten Anflage.
Als m.ir nahegelegt wurde, die Betriebseinrichtungen der Banken ein
gehend darzustellen, glaubte ich zunachst nicht an die Moglichkeit, einen
solchen Plan auszufiihren. Ich war der Meinung, die Organisation eines jeden
Instituts sei so individuell, daB sich meine Schilderung, sollte sie einiger
maBen zutreffend sein, auf ein einziges Institut beschranken miisse; hierdurch
ware sie aber fiir die weiteren Kreise so gut wie wertl08. Vergleiche zwischen
den Einrichtungen verschiedener Banken belehrten mich indes bald eines
Besseren. Gibt es auch nicht zwei Institute, wo die Art der Buchfiihrung,
Kontrollen, Abstimmungen usw. bis auf jede Einzelheit gleich ist, so kehren
doch gewisse Prinzipien iiberall wieder. Sie festzuhalten schien allein schon
der Miihe wert zu sein. Auch zeigte sich bei eingehenderem Studium, daB die
Abweichungen nicht so bedeutend sind, ala daB die Darstellung ihretwegen
zu unterbleiben hatte. Zuweilen ist in der folgenden Arbeit darauf hinge
wiesen, worin die Abweichungen bestehen und welche Griinde fiir oder gegen
die verschiedenen Methoden sprechen. Immer aber habe ich nur solche Ein
richtungen und Gebrauche dargestellt, die bei mehreren Instituten zur An
wendung kommen.
Hierbei sind in erster Reihe die groBen Banken beriicksichtigt worden.
Der GroBbetrieb erfordert eine ausgedehntere Organisation; er verlangt na
mentlich zahlreiche SicherheitsmaBregeln und Kontrollen, die im Kleinbetriebe
weniger notwendig sind, weil der Geschaftsgang Ieichter zu iibersehen ist. Da
die Technik des GroBbetriebs die umfangreichere ist, muB ihre Beschreibung
auch denen geniigen, die am Kleinbetriebe Interesse haben. Vollig gleich
bedeutend fiir GroB-und Kleinbetrieb ist die Technik der Geschaftsabschliisse~
namentlich die der Borsengeschafte, bei denen die Gebrauche maBgebend sind,.
die an der BOrse von allen Beteiligten gieichartig angewendet werden.
Schwieriger war es, dariiber zu entscheiden, weiche Kenntnisse des Bank
und Borsenwesens, der Buchfiihrung usw. beim Leser vorausgesetzt werden
sollten. Es schien m.ir am richtigsten zu sein, dem Leser moglichst wenig Vor
kenntnisse zuzumuten, dafiir aber Erorterungen rein theoretischer Natur,
wenn nicht ganz zu vermeiden, so doch nach Moglichkeit abzukiirzen. Nur
die Kenntnis der Buchfiihrungssysteme, insbesondere der wichtigsten RegeIn
der doppelten Buchfiihrung, die allein fiir das Bankgesch.ii.ft in Betracht kommt.
wird vorausgesetzt, und ich beschranke mich auf eine Darstellung ihrer prak
tischen Anwendung im Betriebe der GroBbanken. Bei Besprechung der ver
schiedenen Arten der Bankgeschafte habe ich mich mit einer einfachen SchiI-
IV Vorwort zur ersten Auflage.
derung begniigt, so sehr auch diese Geschafte zu theoretischen Betrachtungen
iiber ihren wirtschaftlichen Nutzen und Schaden reizen mogen. Nur die Ge
schichte des Bankwesens ist im ersten Teile der Einleitung von prinzipiellen
Gesichtspunkten aus etwas eingehender theoretisch dargestellt worden.
Mit besonderer Ausfiihrlichkeit sind die Borsengeschafte behandelt
worden, die trotz des regen Interesses, dem sie in der Offentlichkeit begegnen,
in den Reihen der Volkswirte und Juristen zahlreichen MiJ3verstandnissen
ausgesetzt sind. Vielleicht tragt die Beschreibung ihrer praktischen Aus
fiihrung dazu bei, solche Irrtiimer zu beseitigen.
Das Bankgeschaft ist so vielseitig, daB eine bis in aIle Einzelheiten rei
chende Schilderung bei weitem den Raum iibersteigen wiirde, der fiir diese
Arbeit in Anspruch genommen ist. Ich habe daher wohl manches weggelassen,
bin aber bestrebt gewesen, die Darstellung so popular abzufassen, daB sie auch
dem Laien verstandlich ist.
Die Aufgabe, die ich mir gestellt habe, wird gelost sein, wenn aus del'
folgenden Arbeit der SchUler der Handelsschule, der Lehrling, AngesteIlte,
Organisator und Bureauchef im Bankgewerbe, der Volkswirtschaftler und
Jurist Anregung und Belehrung schopfen konnen.
Bei der Bearbeitung sind mir von Fl'eunden und Kollegen mannigfache
Anregungen und Belehrungen in iiberaus dankenswerter Weise zuteil geworden.
Berlin, im Oktober 1903.
Bruno Buchwald.
Vorwort zur neunten Auflage.
Seit dem Erscheinen der achten Auflage dieses Buches, im Jahre 1923,
hat die Betriebsorganisation der Banken so durchgreifende Vedinderungen
erfahren, wie es selbst in den zwanzig Jahren, die schon zwischen der Ver
offentlichung der ersten und der achten Auflage verstrichen waren, nicht
der Fall gewesen ist. Die Notwendigkeit, die im Vergleich zur Vorkriegszeit
auBerordentlich stark gewachsenen Betriebsunkosten zu vermindern, hat in
weitgehendem Umfange zur Einfiihrung maschineller Hilfsmittel gefiihrt.
Diese Neuordnung hat zwar die Buchfiihrung und Korrespondenz nicht grund
satzlich, aber doch in ihren Methoden wesentlich geandert. Sie hat insbeson
dere auch eine bedeutsame Umgestaltung der zur Verhiitung von Buchungs
fehlern und Veruntreuungen eingefiihrten Kontrollen zur Folge gehabt, deren
Schilderung als ein wichtiger Teil der Betriebsorganisation von jeher die
Aufgabe dieses Buches gebildet hatte.
So machte schon die Mechanisierung der Bankbetriebe eine vollige Um
arbeitung groBer Teile des Werkes erforderlich. Dabei lieB sich eine erheb
liche Erweiterung des Textes nicht vermeiden. Es muBte bei der Darstellung
nicht nur auf die verschiedenen Arten der mechanischen Hilfsmittel Riick
sicht genommen werden, sondern auch darauf, daB in Kleinbetrieben haufig
die Benutzung groBer Buchungsmaschinen nicht lohnend ist, und daher
auch jetzt noch haufig die bisherigen Methoden bevorzugt werden. Wenn
daher auch der Grundsatz, in erster Reihe die Betriebsfiihrung der groBen
Banken zu schildern, beibehalten wurde, so muBten doch in starkerem MaBe,
als es in den friiheren Auflagen geschehen war, die Besonderheiten des Klein
betriebes beachtet werden.
Neben den durch die Mechanisierung veranlaBten Anderungen ergab sich
die Notwendigkeit, die in den letzten sieben Jahren geschaffenen neuen
Methoden der Geschaftsabwicklung, z. B. im Abrechnungsverkehr und bei
der Liquidation der Borsentermingeschafte, zu beriicksichtigen. Die Neu
gestaltung der fiir das Bankgewerbe wichtigen Gesetzgebung machte eine
eingehende Bearbeitung weiterer Teile des Buches erforderlich. Ferner erschien
mir namentlich eine Erganzung der in den friiheren Auflagen enthaltenen
Darstellung des Scheck- und Wechselrechts wiinschenswert. Andererseits
konnten freilich einige gesetzliche Bestimmungen, die nicht mehr in Kraft
sind, insbesondere die aus der Zeit der Geldentwertung herriihrenden, ge
strichen werden. Soweit sie von historischem Wert sind, wurde auf die Aus
fiihrungen in der achten Auflage hingewiesen.
VI Vorwort zur neunten Auflage.
Das vorliegende Werk stellte urspriinglich, wie aus dem Vorwort zur
ersten Auflage hervorgeht, einen Versuch dar, die Betriebseinrichtungen der
Banken eingehend zu schildern. Gleichzeitig sollte es die Bank- und Borsen
geschafte als solche und ihre praktische Ausfiihrung in gemeinverstandlicher
Form erlautern. Die Anwendung maschineller Hilfsmittel hat trotz ihrer
unleugbaren organisatorischen Vorteile den groBen Nachteil, daB die Tatig
keit des iiberwiegenden Teiles der Bankangestellten einseitiger gestaltet wird,
und diesen der Einblick in die Gesamtheit der Bankpraxis erschwert wird.
In Zusammenhang hiermit wird der Ruf nach Hilfskraften, die eine griindliche
Kenntnis aller Zweige des Bankgeschafts besitzen, immer starker. Daraus
ergibt sich die Notwendigkeit, denjenigen Bankangestellten, die infolge ihrer
spezialisierten Tatigkeit nur wenig Gelegenheit haben, sich umfassende Fach
kenntnisse anzueignen, durch geeignete Lehrbiicher die Moglichkeit einer
solchen Ausbildung zu vermitteln. Diese Erwagung hat bei der Bearbeitung
der vorliegenden Auflage eine besondere Rolle gespielt. Mehr noch als in den
friiheren Auflagen bin ich bestrebt gewesen, dem Leser nicht nur zu zeigen,
wie die einzelnen Geschafte abgewickelt und gebucht werden, sondern auch
welche privatwirtschaftlichen, volkswirtschaftlichen und juristischen Gesichts
punkte bei ihrem AbschluB maBgebend sind.
Wiederum ist mir seit Erscheinen der letzten Auflage aus Kreisen des
Bankgewerbes eine groBe Zahl von wertvollen Anregungen zu Erganzungen
und Verbesserungen zugegangen. Insbesondere bin ich bei der Herstellung
der neuen Auflage von verschiedenen Herren aus der Bankpraxis, namentlich
von Herrn Dr. Hans Kaliski, Berlin, durch Erteilung von Auskiinften,
Bearbeitung des Textes, der Formulare usw. wirksam unterstiitzt worden.
All diesen Mitarbeitern spreche ich auch an dieser Stelle meinen verbind
lichsten Dank aus.
St. Moritz, im Januar 1931.
Bruno Buchwald.
Inhaltsverzeichnis.
Seite
I. Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . 1
1. Begriff und Geschichte des Bankwesens 1
2. Die Geschafte der Kreditbanken . . 32
3. Die Aufgaben der einzelnen Abteilungen, die Grundziige der Buchfiihrung
und der Buchhaltungstechnik. 111
II. Die Kasse. . . . . . . . . . . . . . 144
1. Allgemeines. . . . . . . . . . . . 144
2. Die Gelddispositionen des Kassierers 145
3. Die Ein- und Auszahlungen . . . . 146
4. Buchfiihrung und Korrespondenz in der Kasse. 167
5. Der Giroverkehr mit der Reichsbank, dem Postscheckamt und der Giro-
verkehr der Sparkassen ...................... 174
6. Der Inkasso- und Giroverkehr mit der Bank des Berliner Kassen-Vereins 183
7. Der Verkehr mit den Abrechnungsstellen 187
8. Kontrollen und Revisionen 204
a) 1m allgemeinen. . . . . 204
b) 1m Kassenbiiro. . . . . 214
III. Die Kupon- und Sortenkasse 225
1. Allgemeines. . . . . . . . .. ... ... 225
2. Die tl'bernahme der Kupons und Dividendenscheine 227
3. Die Verwertung der Kupons und Dividendenscheine 237
4. Die Besorgung neuer Zins- und Dividendenscheinbogen 238
5. Buchfiihrung und Korrespondenz in der Kupon- und Sortenkasse 240
6. Kontrollen und Revisionen in der Kupon- und Sortenkasse 245
IV. Die Wechselabteilung . . . . . . 249
1. Allgemeines. . . . . . . . . . 249
2. Die Diskontierung der Wechsel 263
3. Der Einzug von Wechseln und Schecks 270
4. Domizilwechsel . . . . . . . 275
5. Die Notadresse ....... . 277
6. Die Abrechnung der Wechsel. . 283
7. Die Priifung des Wechseltextes und der Versteuerung . 292
8. Das Wechselkopierbuch und das Verfallbuch .... 303
9. Die Aufbewahrung der'Wechsel (Das Wechselportefeuille) . 307
10. Die Buchfiihrung in der Wechselabteilung ..... 308
11. Kontrollen und Revisionen in der Wechselabteilung 316
V. Die Borsenabteilung . . . . . . . . 321
1. Allgemeines. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 321
2. Die Borse und ihre Eimichtungen . . . . . . . . 336
3. Der Auft rag zum An- und Verkauf von Wertpapieren im Kassahandel 347
4. Die Abrechnung der Effekten. . . . . . . . . . . . . . . . . . 382
5. Die Auftragserteilung bei Termingeschaften und deren Ausfiihrung . 406
6. Die Ausfiihrung der Pramien-, Stellage- und Nochgeschafte 448
7. Die Gelddispositionen zum Ultimo ........ . 465
8. Die Ausfiihrung der Kassageschafte zu Einheitskursen 475
9. Die Effektenarbitrage . . . . . . . . . . . . . . . 479
VIII Inhaltsverzeichnis.
Seite
10. Devisenhandel und Devisenarbitrage . . . 487
11. Die Buchfiihrung in der Borsenabteilung . 520
a) Die Borsenjournale ......... . 520
b) Die Priifung der Kauf- und Verkaufrechnungen. 522
c) Die Liquidation am mtimo . 526
d) Die Devisen-Buchfiihrung • 534
VI. Die Eflektenabteilung . 559
1. Allgemeines. . • . . . . . . 559
2. Der Tresor ........ . 564
3. Der Ein- und Ausgang von Effekten . 571
4. Nummern- und Verlosungskontrolle. 583
5. Die Depotbuchhaltung. . . . • . . . 586
6. Abhanden gekommene Wertpapiere .. 599
7. Bezug neuer Aktien, Zusammenlegung von Aktien, Zinsherabsetzung (Kon-
version usw.) . . . . . . . . . . . . . . . . • . • • . . . 602
8. Die Abtrennung der falligen Zins- und Dividendenscheine . . . 618
9. Die Buchfiihrung und Korrespondenz in der Effektenabteilung . 620
10. Kontrollen und Revisionen in der Effektenabteilung 629
VII. Die Korrespondenzabteilung . . . . . . . . 638
1. Allgemeines. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 638
2. Zahlungs- und Uberweisungskorrespondenz. . . . . 643
3. Korrespondenz iiber Bar-Akkreditive und Kreditbriefe 647
4. Korrespondenz iiber Rembours- und ahnliche Geschiifte 654
5. Wechsel- und Devisen-Korrespondenz . 669
6. Borsen- und Effekten-Korrespondenz 678
7. Konsortial-Korrespondenz 685
VIII. Die Buchhaltung . . . . . . . . 693
1. Allgemeines. . . . . . . . . . 693
2. Die Anlage des Kontokorrents . 698
3. Der AbschluB des Kontokorrents . 712
4. Bilanzarbeiten. . . . . . . . . . 736
5. Wie liest man eine Bankbilanz? . 747
6. Selbstkostenberechnung und Statistik . 773
7. Kontrollen in der Buchhaltung. 780
Literaturverzeichnis. 787
Sachverzeichnis. . . . . . . . . . . . 790
Abkiirzungen~
Bankg. = Bankgesetz.
BGB. = Biirgerliches Gesetzbuch.
BorsG. = Borsengesetz.
DepG. = Depotgesetz.
EinkStG. = Einkommensteuergesetz.
HGB. = Handelsgesetzbuch.
KVStG. = Kapitalverkehrssteuergesetz.
Ausf.-Best. = Aus-und Durchfiihrungsbestimmungen zumKapitalverkehrssteuergesetz.
RGBI. = Reichsgesetzblatt.
RGZ. = Entscheidungen des Reichsgerichts in Zivilsachen.
WStG. = Wechselsteuergesetz.
WOo = Wechselordnung.
I. Einleitung.
1. BegriH und Geschichte des Bankwesens.
In der volkswirtschaftlichen Literatur herrscht fiber den Begriff des
Bankwesens keine vollige Obereinstimmung. Eine Anzahl von Schrift
stellern betrachtet die Banken in erster Reihe als Kreditvermittler und
erblickt ihre Aufgabe darin, das ihnen zuflie13ende Geldkapital zur Kredit
gewahrung zu benutzen, also Kredit zu nehmen und Kredit zu geben. Diese
Auffassung trifft gewi13 auf die in Form von Aktiengesellschaften, Kommandit
gesellschaften auf Aktien oder sonst in einer der handelsrechtlichen Formen
der juristischen Person betriebenen, mit gro13em Kapital ausgestatteten
Unternehmungen der Gegenwart zu 1). Aber es gibt eine gro13e Anzahl anderer
Unternehmungen, die nach dem Sprachgebrauch als Banken oder Bank
geschafte bezeichnet werden, bei denen aber dennoch eine kreditvermittelnde
Tatigkeit nicht oder nur in geringem Ma13e in Betracht kommt. Dies gilt
von den alten Girobanken, die wie noch gezeigt werden wird, ausschlle13lich
der Erleichterung des Zahlungsverkehrs dienten. Es gilt in der Gegenwart
insbesondere auch von den vielen als Einzelfirma, offene Handelsgesellschaft
oder Kommanditgesellschaft betriebenen Bankgeschaften, deren Inhaber
(bei der Einzelfirma), Gesellschafter (bei der offenen Handelsgesellschaft),
oder personlich haftender Gesellschafter (bei der Kommandit-Gesellschaft),
Bankiers genannt werden. Zwar gibt es unter diesen Bankgeschaften eine
stattliche Anzahl, denen neben dem eigenen Kapital fremde Mittel in reich
lichem Ma13e zur Verffigung stehen, die sie wieder zur Kredithergabe ver
wenden. Ein erheblicher Teil der Bankgeschafte, namentlich der Betriebe
kleinen Umfanges, fibt jedoch eine kreditvermittelnde Tatigkeit in dies em
Sinne nicht aus. Diese Bankiers befassen sich vielmehr hauptsachlich mit
dem Handel in Wertpapieren, wobei allerdings meist ebenfalls eine Kredit
hergabe, jedoch nur im Rahmen der eigenen Mittel erfolgt. Freilich bilden
diese Geschaftszweige keineswegs eine Eigenart der nicht in Form einer
juristischen Person betriebenen Unternehmungen; auch jede andere Bank
befa13t sich mit ihnen in sehr ergiebigem MaBe. Da auch die kreditvermit
telnde Tatigkeit, wie schon erwahnt, nicht ausschlieBlich von den in Form
1) Siehe auch die bei Nussbaum, Kommentar zum Borsengesetz, S. 256,
angefiihrten Entscheidungen des Kammergerichts iiber den Begriff "Bank"
im Gegensatz zum "Bankier".
Buchwald, Bankbetrieb. II. Auil. 1
2 Das Bankwesen im Altertum.
einer juristischen Person betriebenen Banken ausgeiibt wird, sondern auch
von einem Teil der als EinzeHirma usw. betriebenen Bankgeschafte, so lli.Bt
sich eine strenge Trennung zwischen Banken und Bankgeschaften in bezug
auf die Art ihrer Tatigkeit nicht vornehmen. Sowohl fiir Banken als auch fUr
Bankgeschafte wird zuweilen die Bezeichnung "Bankhaus" gebraucht; ein
Begriff, der ohne Riicksicht auf die Geschli.fts- oder Gesellschaftsform ange
wendet zu werden pflegt. In der theoretischen Literatur ist die Bezeichnung
"Bank" die gebrauchlichere, und man spricht aJIgemein vom "Bankwesen",
ohne daB ein Unterschied zwischen den Geschaften der Banken und denen
der Bankiers gemacht wird.
Den Ursprung des Bankwesens bildet das Geldwechslergeschaft. Von
der banco" d. h. dem Tisch, worauf die italienischen Geldwechsler des Mittel
alters ihre Miinzschalen stellten, wird auch das Wort Bank abgeleitet.
"Bancherii" hieBen schon im 12. Jahrhundert die Geldwechsler zu Genua;
vom Wort banco, stammt auch die Bezeichnung "bankerott"; miBbrauchte
nam1ich einer der Geldwechsler das Vertrauen, so wurde seine banca zer
brochen - banco rotto-.
"Dber das Bankwesen im Altertum sind nur spli.rliche Nachrich~n VOl
banden. Bei den Volkern mit stark entwickelten Handelsbeziehungen (PhOni
ziern, Karthagern, Agyptern) werden bankahnllche Einrichtungen nur vel
mutet; einigermaBen sichere Urkunden aus dem sechsten Jahrhundert
v. Chr. hat man iiber das babylonische Bankwesen entdeckt. Dort solI das
Bankhaus der 19ibi Geschli.fte verschiedener Art gemacht haben, z.B. Zahlungs
auftrage ausgefiihrt, Geldeinlagen zur VerzinBung angenommen, verzinBliche
Darlehen ausgeliehen haben usw.
1m alten Griechenland spielten namentlich die Trapeziten eine groBe
Rolle. Ihr Entstehen wird auf das vierte Jahrhundert v. Chr. zurUckgefiihrt.
1m Gegensatz zu den Geldwechslern nahmen sie Depositengelder an und
dienten auBerdem als Hinterlegungsstelle sowie zur "Dberweisung von Zah
lungen. Das Ausleihen von Geld erfolgte von besonderen Wechslern, die
vom Volke haufig als Wucherer betrachtet wurden. Auch die griechischen
Tempel machten Bankgeschli.fte. Die Priester nahmen Depositengelder an
und verliehen diese auch wieder, wie man annimmt, gegen maBige Zinsen.
Auch der Staat und einige Stadte sollen ihre Barbestande den Tempelka.ssen
iibergeben haben.
Eine ganz ahnliche Entwicklung wie in Griechenland nahm das Bank
wesen im alten Rom. Die Geschafte der Trapeziten besorgten hier die argen
tarii, deren Existenz bis ins dritte Jahrhundert v. Ohr. festgestellt worden ist.
Ihnen wurden Laden (tabernae), hauptsli.chlich am Forum, zur Ausiibung
des Gewerbes zugewiesen. Auch Darlehensgeschafte wurden von den argen
tarii gemacht. Die sich mit dem Miinzwechsel bef8BSenden Bankiers wurden
nummularii genannt.
Die verhli.ltnismaBig hohe Entwicklung, die das Bankwesen im alten
Rom bereits erreicht batte, ging wahrend der Volkerwanderungen verloren,