Table Of ContentDIE
MAYA-SPRACHEN
DEB
POKOM-GRUPPE.
ZWEITERTEIL.
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I
DIE
MAYA-8PKACHEN
DER
POKOM-GRUPPK-
ZWEITERTEIL.
DIE SPRACHE DER K’E’KCHl-INDIANER.
NEBSTEINEM.\NHANG:
DIE USPANTECA.
VON
I)R. 3Ikd. {yyto STOLI.,
a.Ö.PROrRSSORDBRGKOGRAPHIRundBTILNOLOGIBanDBRU.SIVBKStTilT/t'RlCU.
LEIPZIG
K.F.KÜIILER’SANTIQUARIUM
1896.
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AlleRechteTorbehalten!
DruckvonE.HabcrlauüinLcipzig-U
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Inhaltsverzeichnis.
Seite
Vorwort VTI
Einleitung 1
GrammatikderK’e’kchi-Sprache 16
Phonologie 16
Wortbildung 17
DasPronomenpossessivum 18
DasNomen 19
DerivatemiteinfachenSiifflxen ... 20
DerivatemitsynthetischenSuffixen 22
Präfix-Derivate 26
DiePluralbildungbeimNomen 27
NominalstämmealsPräpositionen 29
DieeinfachenundsynthetischenFormendesPronomenpersonale 34
DasPronomendemonstrativum 39
DasPronomeninterrogativum 41
DasPronomenindefinitum 43
DasNumerale 43
DasVerbum 61
ISuffixeverbalenGebrauches 68
IISuffixenominalenGebrauches 67
A.DieTransitiv-Konjugation 69
B.DieNeutral-Konjugation 61
DiePassiv-Konjugation . . ... . 67
DieKonjugationmitpersönlichemObjekt 70
DieSiiflixderivatcdesVerbo-Nomensmitpo8sc.ssivemVcrbalpräfix 73
DieSuffixderivatenominalenGebrauches . . . ... 91
Verbo-NominamitanomaleroderdefektiverFlexion 96
DieBildungderImperative 102
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VI
Seit«
DiePluralbildungdesImperatives 107
DieNegationdesVcrbalinhaltes 108
SDyenrtaakbthiäsncghiegeBeVmcerrhkaulinngheanltzur.V'.erb.al.tlexion . . . 111152
DasAdverbiale .116
DerzusammengesetzteSatz . . 118
LehnwortedesK’e’kchi 120
Sprachproben 123
Wörterbuch 128
DieUspanteca 123
DieSprachevonUspantan 197
Wortverzeichnis 206
Ergänzungen 222
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Vorwort.
Vor acht Jahren hatte ich unter dem Titel „die Sprache
derPokonchi-Indianer“ den erstenTeil einermonopraphischen
Bearbeitungder„Maya-SprachenderPokom-Gruppe“ erscheinen
lassen,derenFortsetzungundAbschlussdienachstehendgegebene
Untersuchungbildet. DieseumfasstinausführlichererBehandlung
das K’e’kchi und in kürzerer Fassung auch die Sprache von
üspautan.
DiePokom-Sprachen umfassenheute keine andernIdiome
mehralsdasPokonchi- mitdemPokomam,dasK'e'kchiunddie
Uspanteca. Ob in vorspanischer Zeit noch andere Sprachen
dieserGruppeinder nördlichen Verapaz, speziell indenheute
unbewohntenIjändereicn,welchedasGebietderMayavonPeten
vom K’e'kchi trennen, geredet wurden, ist unbekannt, da aus
dieserGegendnurwenige,nichtmehrsicherzuklassitizierende
StanimnamenindenChronistenerwähntwerden.
Dem Pokonchi und im weitern auch den Sprachen der
Qu’iche-Gruppe steht das K’e’kchi als sehr selbständiges und
gutcharakterisiertesIdiomgegenüber, dessenErhaltungszustand
glücklicherweisenochvollständigausreicht,um eineklareEin-
sichtindenSprachbauzuermöglichen. DiesprachlicheAnalyse
des K’e'kchi lässt nun als hervorstechendstes Merkmal
dieserSpracheeineauffälligeVerschleifungderFormen
erkennen,gegenüberwelcherdieverwandtenSprachen
derQu’iche-Gruppe ein geradezu archaisches Gepräge
besitzen, derart, dass viele Formen des K’e’kchi überhaupt
nurunterZuhülfenahmoder archaischenBildungendes(’akchi-
quel undQu’iche zu analysierenundzuverstehensind. Diese
VerschleifungbeschlägtinersterLiniedieverbalenSuffixderivate.
So sehr nun auch in der Schatzung des relativen Alters der
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vm
Maya-Sprachen Guatemalas die grössteVorsicht geboten ist,
werdenwirdochkaum umhinkönnen,imK’c’kchieineSprache
zuerblicken,derenBildunginspätererZeiterfolgtist,alsdie-
jenige der Qu’ichti-Sprachen. Unter welchen Umständen und
wannaberdieTrennungderbeidenStamm-Gruppenerfolgtist,
entziehtsichdersichernBeurteilungvollständig.
PraktischeZweckeverfolgtdievorliegendeebensowenigwie
meinefrüherenArbeiten,ihrausschliesslichesZielistdiewissen-
schaftlicheUntersuchung eines interessantenGliedesderMaya-
Familie. Bei dem regenEifer aber, mit welchem injüngster
ZeitdiearchäologischeDurchforschungdesK’e’kchi-Gebietcsan
dieHandgenommenwurde,dürftewohlauchdieUntersuchung
seinerSpracheeinewillkommeneErgänzungbieten.
Zürich, 1.Mai 189(i
OttoStoll.
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Einleitung,
DerOidorD.DiegoGarciade l’aladogiebtinseinervom
Jahre 1576 datierten „Carta dirijida al Rey deEspaöa“ eine
AufzählungderindianischenSprachenfürdiedamaligeAudicncia
de Guatemala. In derselben figurieren für die Verapaz das
Poconchi und das „Caechicolchi“. Da nun ein Idiom dieses
Namens seither nichtbekanntgewordenist, sodarfmanwohl
vermuten, dass erstlich Caechicolchi eine irrtümliche Schrei-
bung(vielleichtnichtaufRechnungdesOriginals,sondernerst
dergedrucktenAusgabezusetzen)fürCaechicolchiseiunddass
fernerletztereBezeichnungaufeinerVerwechslungdesK’e’kchi
mitdemCakchiciuelberuhe,wasbeiderzuPalacio’sZeitnoch
sehr geringen Kenntnis der ethnographischen Verhältnisse der
nördlichenVerapazsehrbegreiflichist.
Bei den späterenSchriftstellern findenwir, wennwirvon
dem nicht zu denVerapaz-Sprachen gehörigen Cakchiquel und
dem Pokonchi absehen, bloss noch die Bezeichnungen Cakhi
Kachiund KakihifiireineSprachederVerapaz.
Der gut informierteHerväs') sagtdarüber: „DasCakchi-
(luel und Pocoman wurde in der Provinz Guatemala geredet,
das C'akchi in der Provinz Verapaz in der Erstreckung von
dreissigLeguasundin einerAusdehnungvonsechzehnLeguas
westlichvondenCakchisdasPoconchi. DerganzeCakchi-Stamm
•)HerväsCatälogoI,p.304u.ff. IcheitleredieerstimJahre1800
erschienenespaniseheAusgabe,dasicmitHinsichtaufdasK’e'kcbivollständiger
undkorrekterist,alsdieitalienischeOriginalausgabevon1787.
StoU,K’e’kehi-Sprache. 1
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2
istdurchdieDominikanervonSan VicentedeChiapaundvon
Guatemalabekehrtworden, unddieMissionenimCakchi-Gehiet
sindCobal'),Sanl’edroCarchado’*),SanAgustin*)undStaMaria
C'ahabon.“
Henäs war es auch, der zuerst die Vemandtschaft der
Mayavon Yucatan mit denSprachenvonGuatemala,demGak-
chi, l’okonchi, Cakchitiuel und l’okomam entdeckte, wie aus
folgender Stelle des Catülogo hervorgeht: „Ich verdanke die
Entdeckung derVerwandtschaft dieser Sprachen der Kenntnis,
welche ich vom Cakchi durch einen C^akchi-Indianer Namens
DomingoTotBaraonaerlangte, einesDienersdesE.P.Miguel
Zaragoza,derals ProkuratordesPredigerordensjndenletzten
Jahren von Guatemala nach Eom kam. Der genannte Tot,
welcherimAlter vonsechzehnJahreneineAufgewecktheitund
eine Begabung bekundete, wie sie nicht häufig sind und bei
jungenEuropäern desselben Alters sehr gerühmtwürden, ver-
stand vollkommen seineMuttersprache und das Spanische und
nicht wenig vom Pocoman. Dadurch konnte ich diese mit
andernamerikanischenSprachenvergleichenundichfand,dass
sieinihrenZahlenundvielenandernW^örtem, sowieinnicht
Wenigem des grammatischen Baues derMaya-Sprache glichen,
welche in Yucatangeredetwird: und aus dieser Vergleichung
schloss ich, dassderStamm derYucateken sich in alterZeit
durch die hauptsächlichsten Provinzen Yucatan, Tabasco und
ChiapasbiszurEngevonPanamaerstreckte.“
Im „Saggio pratico delle lingue“ giebtHerväs alseinzige
Sprachprobe ein Patenioster, das ihm von dem oberwähnten
Prokuratorvon Chiapas, demDominikaner P.MiguelZaragoza
mitgeteiltwurde. Ausdemselbenergiebtsich, dassdasKacchi
desHerväswirklichdasheutenochgeredeteK’e’kchi derAlta
Verapazist.
Wenn Herväs aber weiter sagt®), dass die alte Sprache
vonGuatemalavondenSpaniernPoconchiundPocomamgenannt
wurde, und dass diese Worte vielleicht vonjxmcoi abgeleitet
*)IrrtümlichfürC.'oban,dessenältesterüberlieferterNameCoboanist.
•)SanPedroCareh.'i.
*)HeuteSanAgustinLanquin.
*)ArticoloV,p.226.
*)Vocabol.poliglotop.34.
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3
seien, welches „Ort des Adlers“ bedeute und derName der
Hauptstadt der Indianer gewesen sei,so beruht diese Angabe
aufmehrfacherVerwechslung. ErstlichwarendieerstenSprachen
Guatemala’s, mit welchen die Spanier bekannt wurden, nicht
das Pokonchi nnd Pokomam, sondern diejenigen der Qu’iche-
Gruppe, dasQu’iche und dasCakchiquel, welchletzteresauch
geradezuals„Guatemalisch“(guatcmalico.bei Flores)bezeichnet
wurde,vomaltenNahuatl-NamcndesCakchiquel-Reiches:Quauhte-
mallan, derspäterderNamedesganzenLandeswurde. Ferner
stehtimicmirrigfürjxtnchoi/nndmüsstealsoitalienischjxincim
geschriebenwerden, jximhot/aberistnichtderNameeinerder
altenindianischenHauptstädte,sondernderjenigedesThaiesvon
AntiguaGuatemala und bedeutet nicht „Ort des Adlers“, son-
dern„imSee“, wie denn in derThat diesesThal heute noch
alsalterSeegrundzuerkennenist. Als„OrtdesAdlers“,welches
eine schlechte Uebersetzung von tz’iquinajay ist, wurde da-
gegen eineOrtschaft derTz’utujil-Indianer amSeevonAtitlan
bezeichnet.
Die vonHerväs solchergestalt angerichteteVerwirrungist
dann auch in den „Mithridates“ vonAdelung undVaterüber-
gegangen‘). HervässelbsthatspäterindiespanischeAusgabe
des„(Jatälogodelaslenguas“vomJahre1800dierichtigeForm
jxnwho und deren richtigeÜbersetzung „dentro delagua“auf-
genommen.
Juarros®) zählt unter den 26 von ihm für das damalige
jvReyno de Guatemala“ genannten Sprachen auch ein „Caichi“
und ein „Quecchi“ aufund zwar sind beide Namen in seiner
ListedurcheineReiheandererSprachnamen getrennt, sodass
sichkeineAnhaltspunktedatiirgewinnenla.«isen,obdamitzwei
verschiedeneSprachen,resp.Dialekte,gemeintwaren, oderob
essichdabeiblossumzweiverschiedeneBenennungenfüreine
und dieselbe Sprache handle. Aus einigen anderen Punkten
seinerSprachenliste lässt sichjedoch derSchlussziehen, dass
Juarros diese Sprachen nicht selbst kannte, sondern bloss die
Namenzusammcnstellte, dieerin derLitteraturfandoderdie
ihm von denOrtsgeistlichen genannt wordenwaren. Wasdas
*)Vater,Mithridates3,3,p.5und6.
*)Juarros,11p.66(2.Ekl.).
1«
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