Table Of ContentKellermann • Die Priesterschrift von Numeri 11 bis 1010
Diether Kellermann
Die Priesterschrift
von Numeri Ii bis 1010
literarkritisch und
traditionsgeschichtlich untersucht
Walter de Gruyter & Co.
Berlin 1970
Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft
Herausgegeben von Georg Fohrer
120
©
1970
Walter de Gruyter & Co., Berlin 30, Genthiner Straße 13
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen vorbehalten.
Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es auch nicht gestattet, dieses Buch oder
Teile daraus auf photomechanischem Wege (Photokopie, Mikrokopie) zu vervielfältigen.
Printed in Germany
Satz und Druck: Walter de Gruyter & Co., Berlin 30
Archiv-Nr. 3822705
Vorwort
Die vorliegende Arbeit hat im Jahre 1967 als Dissertation der
evangelisch-theologischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität
Tübingen vorgelegen. Für den Druck ist sie überarbeitet und verändert
worden. Die ursprünglich beigegebene Übersetzung vor jedem Ab-
schnitt, die durch farbige Unterstreichungen das Ergebnis der Analyse
veranschaulichen sollte, sowie die Gliederung des Textes wurden aus
Gründen der Raumersparnis weggelassen. Die verschiedenen Schichten
wären bei einem Druck der Übersetzung nur unter großen Schwierig-
keiten voneinander abzuheben gewesen. Zudem wird in der Analyse
immer auf den hebräischen Text Bezug genommen, so daß eine Uber-
setzung nur ein Notbehelf wäre.
Herrn Professor D. Karl Elliger danke ich für die Anregung zu
dieser Arbeit und für wertvolle und unermüdliche Beratung. Außer-
dem gilt mein Dank Herrn Professor D. Dr. Georg Fohrer für die
freundliche Bereitschaft, die Arbeit in die Reihe der Beihefte zur ZAW
aufzunehmen.
Tübingen, im Oktober 1969 Diether Kellermann
Inhaltsverzeichnis
Vorwort V
Vorbemerkungen 1
Einleitung 2
1. Die Musterung der Israeliten 11-47 4
2. Die Lagerordnung 1 48—2 34 17
3. Die Musterung aller Leviten 3 1-51 32
4. Die Musterung der dreißig- bis fünfzigjährigen Leviten 4 1-49 49
5. Reinhaltung des Lagers 5 1-4 63
6. Zurückerstattung von Veruntreutem 5 5-10 66
7. Das Eifersuchtsordal 5 11-31 70
8. Das Nasiräat 6 1-21 83
9. Der aaronitische Segen 6 22-27 95
10. Opfergaben der Nesiim 7 1-89 98
11. Ausrichtung der Lampen des Leuchters 81-4 111
12. Die Levitenweihe 8 5-26 115
13. Das Nachpassa 9 1-14 124
14. Die Wolke 9 15-23 133
15. Die beiden Trompeten 10 1-10 140
Zusammenfassung der Teilanalysen Num 11-—10 10 147
Exkurs 1: Die Personennamen Num 1 5b-i5 155
Exkurs 2: Das Problem der Zahlen in Num 1 159
Literaturverzeichnis 164
Abkürzungsverzeichnis 168
Vorbemerkungen
Die Analyse behandelt jeden Textabschnitt für sich. Dabei ergibt
sich eine Untergliederung durch die Untersuchung der kleineren Sinn-
einheiten. Diese Reihenfolge wird durch die Angabe der Verszahlen
am Anfang des Abschnittes hervorgehoben. Die Zusammenfassung am
Ende eines Kapitels will neben der gerafften Darstellung des Ergeb-
nisses der literarkritischen Arbeit vor allem die traditionsgeschicht-
lichen Linien weiter ausziehen.
Wenn nach einem Autorennamen im Text in Klammern nur die
Seitenzahl vermerkt ist, dann ist immer der Kommentar zu Numeri
gemeint. In den übrigen Fällen sind die Titel der zitierten Werke, die
im Literaturverzeichnis vollständig aufgeführt werden, abgekürzt.
Einige hebräische Termini wurden umschrieben und dann wie
deutsche Fremdwörter gebraucht, zum Beispiel: Nasi, pl. Nesiim,
Tamid-Brot u. a. Die Personennamen wurden, wenn es sich um öfter
vorkommende Namen handelt, in der eingebürgerten Form, zum Bei-
spiel Mose, Aaron, Eleasar, verwendet.
Kapitel- und Versangaben ohne Buchbezeichnungen beziehen
sich immer auf das Buch Numeri. Innerhalb eines Abschnittes be-
ziehen sich Versangaben ohne Kapitelbezeichnung immer auf das be-
handelte Kapitel. Versteile werden durch a und b zur Bezeichnung
der vor und nach dem Atnach stehenden Hälfte, durch a. ß. y usw.
zur Bezeichnung der durch starke trennende Akzente gebildeten Un-
tergliederung der Vershälften angegeben. * bedeutet, daß der Vers,
+, daß der Abschnitt nur zum Teil gemeint ist.
Kell ermann ]
Einleitung
Die sogenannte Priesterschrift (abgekürzt P) ist keine einheitliche
Größe. Seit der bahnbrechenden Arbeit von J. Wellhausen, Die
Composition des Hexateuchs (1889), rechnet man in der wissen-
schaftlichen Literatur mit einer Grundschrift (Pg), die überarbeitet
oder ergänzt wurde, jedenfalls mit sekundärem Material durchsetzt ist.
Im Kommentar zu Leviticus (HAT I 4, 1966) hat K. Elliger einen
größeren Komplex innerhalb von P einer detaillierten Analyse unter-
zogen und dabei die Vielschichtigkeit dieses Abschnittes aufgewiesen.
Die Analyse von Leviticus bestätigt, daß zum Verständnis von P die
literarkritische Arbeit unumgänglich notwendig ist.
Für das Buch Numeri wurde seit den Kommentaren von B. Baentsch,
G. B. Gray und H. Holzinger (alle 1903 erschienen) erst wieder durch
G. von Rad im Zusammenhang mit der Untersuchung der Grundschrift
von P (Die Priesterschrift im Hexateuch, 1934) die analytische Arbeit
in Bewegung gebracht. G. von Rad versuchte, die Grundschrift von P
in zwei parallele Quellenstränge PA und PB zu zerlegen. Die Aufteilung
in PA und PB wurde von K. Galling im Kommentar zu Ex 25—31 und
35—40 (in: G. Beer, Exodus, HAT I 3, 1939) übernommen und weiter-
getrieben. Die Doppelheiten reichen allerdings für eine derartige Spal-
tung nicht aus, wie es P. Humbert (ZAW 58, 1940/41, 30—57) für die
Genesis nachgewiesen hat (Gegengründe auch bei A. Weiser, Ein-
leitung, 126, und Ablehnung bei G. Fohrer, Einleitung, 198)1. G. von
Rad selbst scheint Abstand von seiner These genommen zu haben;
1 Gegen die Zwei-Quellen-Theorie spricht auch die Analyse von K. Elliger zu Ex 28 6-30
(Ephod und Choschen, VT 8,1958, 19—35). K. Elliger weist drei verschiedene Schich-
ten nach, die in einem zeitlichen Nacheinander entstanden sind. — Die jüngste Be-
handlung des Abschnitts bei K. Koch, Priesterschrift, 20ff., sucht ein Ritual zu ent-
decken, das sich über die drei von K. Eiliger gefundenen Schichten erstreckt. Dabei
muß K. Koch mit größeren Umstellungen rechnen. Die einzige Auseinandersetzung
mit K. Elliger auf S. 22 Anm. 4 zieht in Zweifel, daß die Brusttasche Ex 28 22 noch
ohne Verbindung mit dem Ephod im Nacken des Priesters durch Metallkettchen
(K. Elliger spricht von »aus Fäden von reinem Gold gedrehten Schnüren«, 29) je-
mals zusammengebunden war, und zwar mit dem Hinweis, daß dies ein »umständ-
liches Verfahren« sei. Abgesehen davon, daß dieser Einwand nicht als bewiesen gel-
ten kann, bleibt die Frage, wie der nach der Herauslösung des »Rituals« verbleibende
Text im einzelnen zu deuten ist. Hierüber schweigt K. Koch. Bevor also der gesamte
Text mit Einschluß des »Rituals« nicht eine sinnvolle Deutung erfährt, bleibt
K. Elligers Analyse voll gültig, weil hier jede Schicht literarisch, kulturgeschichtlich
und theologisch geklärt und eingeordnet werden kann.