Table Of ContentDie neueren Arzneimittel
und die pharmakologischen Grundlagen
ihrer Anwendungin der arztlichen Praxis
Von
Dr. A. Skutetzky
und
k. u. k. Stabs.rzt. Vorstand der Abtei\ung Iiir Privatdozent Iiir PharrnakoJogie u. Pharma·
innere Krallkheiten am k. u. k. Garnisons- kognosie
spitale, Privatdozent fUr innere Medizin
an der deutschen Universitat in Prag
Zweite, g!1nzlich umgearbeitete Auflage
Berlin
Verlag von Julius Springer
1914
Aile Rechte. insbesondere das der Dbersetzung
in fremde Sprachen. vorbehalten.
ISBN-13: 978-3-642-89461-9 e-ISBN-13: 978-3-642-91317-4
DOl: 10.1007/978-3-642-91317-4
Softcover reprint of the hardcover 2nd edition 1914
Zur EinfUhrung.
Ein Buch, das nur tiber neue Arzneimittel berichtet, stellt
nicht mchr dar als ein Nachschlagewerk, dem keine grol3ere prak
tische Bedeutung zukommt, als den von verschiedenen Fabriken
herausgegebenen Jahresberichten, Codices etc. Diese sind an sich
recht wertvoll, dem praktischen Bedtirfnis jedoch gentigen sie nur
soweit, als sie tiber die Neuerscheinungen auf dem Arzneimittel
markt sowie tiber die Indikationen der neuen Arzneimittel orien
tieren. In dieser·Hinsicht jedoch sind sie meist so ausgezeichnet
brauchbar, dal3 eine jede Neuerscheinung, die nicht mehr bietet,
als diese, vollkommen tiberfltissig ist. Ein Buch tiber neue Arznei
mittel mul3 in erster Linie dem Bedtirfnis des praktischen Arztes
Rechnung tragen. Es gibt aber keinen Arzt, der n u r neue Arznei
mittel verschreiben wtirde, und da aul3erdem eine Abgrenzung der
selben von den neuen vielfach auf Schwierigkeiten stol3t, so er
scheint es bei Besprechung der neuen Arzneimittel zweckmiil3ig,
auch eine kurze Darstellung der alten zu geben, ihre Vor- und
Nachteile kurz zu erliiutern und jene Momente hervorzuheben,
welche den notwendigen Anlal3 zur Schaffung der neuen Mittel
darstellen.
Ftir die Auswahl dieser soIl dem Arzte eine nach Moglichkeit
brauchbare Richtschnur gegebcn werden. Die experimentelle
Pharmakologie ist die Grundlage der modernen Arzneibehandlung,
cxperimentell pharmakologische Erfahrungen· si"nd daher auch
vielfach in dieser Richtung verwertbar. Klinische Erfahrungen
werden dies noch· ausgiebig unterstlitzen. 1m allgemeinen jedoch
ist es nicht moglicli, aus der gral3en Zahl des Vorhandenen, dies
oder jenes als das einzig Brauchbare hinzustellen. In solchem
FaIle mul3 alles Bekannte berichtet werden, die guten wie die
schlechten Erfahrungen und durch richtige Abschiitzung dieser
Berichte wird der praktische Arzt oft die richtige Wahl treffen
konnen. Hieraus dtirfte sich wohl die Berechtigung ableiten
lassen, moglichst ausfiihrlich die bekannte Literatur zu erwiihnen.
Aile die angefiihrten Momente waren im allgemeinen Richt
schnur bei der Verarbeitung des vorliegenden Materials. Da aber
der Hauptzweck des Buches darin liegen soIl, dem praktischen
Arzte als brauchbares Hilfswerk zu dienen, so mul3te ganz be
sonders der Einteilung des Stoffes grol3te Bedeutung beigelegt
werden.
Eine blol3e kalendermiil3ige Aufziihlung der Arzneimittel er
schien aus den bereits einleitend angefUhrten Grtinden ausge
schlossen. Verlockender waren die Einteilungsprinzipien, wie sic
ftir viele Lehrbticher der Pharmakologie mal3gebend sind: die Ein-.
teilung nach pharmakologischen Systemen. Diese bewiihrt sich
ausgezcichnet fUr ein Lehrbuch dieser Disziplin, sic erweist sich
IV Zur Einfilhrung.
jedoch in einem haufig verwendeten Nachschlagebuch als nicht
brauchbar. Vorbildlich fUr jede pharmako-therapeutische Arbeit
nach Art der vorJiegenden ist das klassische Werk von Meyer
und Gottlieb geworden: "Die experimentelle Pharmakologie als
Grundlage der Arzneibehandlung." Eines jedoch ist hierbei zu
beriicksichtigen: Die experimentelle Pharmakologie dient wohl als
Grundlage der Arzneibehandlung und lehrt, wie sich pathologische
Anderungen von Organfunktionen durch Arzneimittel beeinflussen
und zur Norm zuriickfUhren lassen. Dei der Besprechung neuer
Arzneimittel haben wir aber vielfach den umgekehrten Weg zu
betreten. Es gibt gar viele darunter, deren experimentelle Priifung
vieIfach fehlt, die sogar vorIaufig einer experimentell pharmako
logischen Priifung gar nicht zugangJich sind. Es ware verfehlt,
diese aus dem genannten Grunde beiseite zu lassen. Die Empirie
hat uns zu manchem wertvollen Arzneimittel verholfen, dessen
experimentelle Priifung den tatsachlich therapeutischen Wert des
selben bestatigt hat. Wir haben so zunachst eine Gruppe von
Arzneimitteln zu beriicksichtigen, deren klinisch erkannter thera
peutischer Wert experimentelJ bestatigt wurde, dann eine zweite
Gruppe, fiir die die experimenteIJe Untersuchung noch aussteht,
schliel3lich eine dritte Gruppe, fUr deren therapeutische Ver
wendbarkeit die experimentell pharmakologischen Untersuchungen
vorIaufig keine AufkIarung gebracht haben. Die Erfahrungen, die
mit soIchen Mitteln am Krankenbette gemacht wurden, sind abel'
trotzdem vielfach derartig, daB die bisherigen negativen Unter
suchungen nicht als AusschlieBungsgrund angeseheH werden kennen.
Urn aIJen diesen drei Gruppen bei der Besprechung der neuen
Arzneimittel nach Meglkhkeit Rechnung tragen zu kennen, wurden
in der Hauptsache die Krankheitsindikationen als Einteilungs
prinzip verwendet.
Es erschien unnetig, meglichst vollstandig die Indikationen
anzufUhren, da es sich ja hier urn kein Lehrbuch der Therapie,
sondern urn einen therapeutischen Behelf unter besondercr
Beriicksichtigung der neuen Arzneimittel handclt. So konnte cine
Reihe seltener Indikationen weggelassen werden; weiter soIche,
bei denen mehr oder weniger nur physikaJische oder andere Be
heIfe in therapeutischer Verwendung stehen, schliel3lich aUe jene
Indikationen, fUr die nur aUgemein Giltiges, Altbekanntes, nicht
aber neue Arzneimittel in Betracht kommen.
Ein Hauptaugenmerk wurde dagegen darauf gclegt, cinleitend
bei jeder groBeren Krankheitsgruppe zusammenfassend jene Tat
sachen aus der experimentellen Pharmakologie anzufiihren, die
als Grundlage ftir die Arzneibehandlung von Bedeutung sind. In
kurzer Ubersicht wurden ferner aIle jene Ar7.neimittel angefiihrt,
wdche unter den "alten" in Verwendung stehen und auch heute
noch als wertvoIJe volIkommen ausreichende Hcilbehelfe in Frage
kommen. Ebenso wurden anderseits deren Nachteile hervor
gehoben, sowie jene Momente, welChe fiir die Schaffung neuer
Ar7.neimittel auf dem betreffenden Gebiete maBgebend waren. Die
neuen Arzneimittel schlieBlich wurden so volJstandig als meglich
behandelt, ihre chemischen und physiologischen Eigenschaften,
Zusammensetzung, Indikationen, Haupt- und Nebenwirkung,
Dosierung und Art del' Originalpackung und Preis. Sind fiir Ver
giftungssymptome, die bei einzelnen Arzneimitteln auftreten kennen,
irgendweIche hesonders wirksame antagonistische MaBnahmen be
kannt, so wurden diese ebenfaIls angefiihrt.
v
Zur Einfiihrung.
Urn der objektiven Beurteilung der experimentellen und klini
schen Erfahrungen moglichst weiten Spiefraum zu lassen, wurde,
wie ben'its erwiihnt, die Literatur soweit als moglich im speziellen
angefUhrt und auch auf eigene klinische und experimentelle Er
fahrungen verwiesen. Bei gewissen Arzneimitteln dagegen mullten
wir uns d.arauf beschriinken, nur jene Arbeiten anzufUhren, we1che
selbst eine tibersichtliche Zusammenstellung, sowie ausfiihrliche
Verzeichnisse der bisherigen Literatur tiber das betreffende Arznei
mittel enthalten.
Die ausgieb.~gc Literatur, ja sogar nur die zahlreichen Pro
spektc, die den Arzten von seiten der Fabriken zugesendet werden,
dtirften hinliinglich beweisen, wie sehr das Bestreben vorwaltet,
einem Mittel ein moglichst weites Indikationsgebiet zu ver
schaffen. Obwohl es sich dabei vielfach urn ganz unberechtigte
Reklame handelt, mullte doch anderseits in dieser Beziehung den
tatsiichlichen klinischen Erfahrungen Rechnung getragen werden.
In solchen Fiillen wurde das betreffend.e Arzneimittel bei jenen
Krankheiten abgehandelt, bei denen es therapeutisch am meisten
in Verwendung steht. Dabei werden aber auch die anderen Indi
kationsgebiete des Mittels besprochen. Bei jenen Krankheiten,
bei denen das Mittel ebenfalls verwendet wird, jedoch von unter
geordneter Bedeutung ist, wurde es ebenfalls angefUhrt und auf
den art der ausfiihrlichen Besprechung verwiesen.
In der alltaglichen Rczeptverschreibung, speziell der offi
zinellen Arzneimittel, spielt die okonomische Verschreibungsweise,
besonders in der Krankenkassen- und Armenpraxis, eine grolle
Rolle. Es besteht dort sogar vielfach der Grundsatz, dall es zu
den Regeln der okonomischen Verschreibungsweise gehort, neue
Arzneimittel und Spezialitiiten bei der Verordnung - zu ver
meiden.
Eine absolute Berechtigung fUr solche Grundsiitze besteht
naturlich nicht; denn wir besitzen gerade unter den neuen Arznei
mitteln gar manches wertvolle, dUlch das der Heilungsprozell ab
gekurzt werden kanl1. Besonders in der Kassenpraxis kann man
bcohachten, dall die Verordnung derartiger neuer Mittel hiiufig
verboten wird, dall dagegen andere billigere Mittel derart oft hinter
einander verordnet werden mussen, dall der schliellliche Preis des
alten bedeutend hoher ist, als der del' notwendigen Heildosis des
neuen. Anderseits aber bestehen selbstverstiindlich auch bei Ver
ordnung der neuen Mittel gewisse Regeln, die bei einer okonomi
schen Verschreibungsweise Beachtung finden sollten.
Arzneimittcl mit geschutzten Namen sind im allgemeinen
teuerer als jene fUr deren Bezeichnung die chemische Zusammen
setzung gewiihlt wird. Es liif3t sich daraus nicht der allgemeine
Satz ableiten, dall man von der Verordnung der geschutzten Prii
par ate absehen sollte, denn vielfach bieten gerade diese gegen
uber anderen "Ersatzpriiparaten" eine gewisse Garantie fUr die
konstante chemische Zusammensetzung, Reinheit des Priiparates
etc. Aullerdem werden oft die geschutzten Priiparate in einer Form
in den Handel gebracht, die fUr den Patienten gewisse Vortcilc
bringt, wie leichtere Loslichkeit, leichtere Suspendierbarkeit in
Fltissigkeiten u. a. m.
So gibt es denn eine Reihe von Tatsachen, die ebenso fUr wie
gegen die Verwendung von billigeren Ersatzpriiparatcn sprechen.
Vm all dem Rechnung zu tragen, habe~ wir tiberal! die Originalprii-
VI Zur Ein[Uhrung.
parate ausfUhrlich behandelt, aber auch die Ersatzpraparate hin- _
sichtlich Eigenschaften, Wirkung und den damit gemachten Er
fahrungen ausfiihrlich besprochen.
Die Frage, ob man die neuen Arzneimittel immer nur in
Tablettenform verordnen, oder auch magistraliter vcrschreiben solI,
als Pulver, Losung etc., laBt sich natiirlich nur nach denjenigen
Grundsatzen beantworten, die _i iberhaupt fUr diesen Punkt der
Arznei"erordnung maBgebend sind. ZweifeJlos bietet die Tabletten
form eine auBerst gut brauchbare, handliche und, was nicht zu
'unterschatzen ist, billige Arzneiform und diese Griinde diirften
eben die Ursache dafUr sein, da8 fast aile neuen Arzneimittel in
Tablettenform in den Handel kommen. Dasselbe gilt von den
fabriksmaBig hergestellten Losungen zur subkutanen Injektion.
Selbstverstandlich sind andererseits Arzneiformen, die erst durch
den Apotheker bereitet werden miissen, nicht zu umgehen und
die Wahl rlerselben mu8 der individuellen Entscheidung des Ar;>;tcs
iiberlassen werden.
Fiir die okonomische Verorrlnungsweise kommt weiterhin auch
bei_ den neuen Arzneimitteln die Art der Aufmachung in Frage.
Feine Ausstattung des Verpackungsmaterials erhoht natiirIich oft
wesentIich den Preis des Arzneimittels, desgleichen der Zusatz ge
wisser Geschmackskorrigentien, die die eigentliche Arzneiwirkung
in keiner Weise beeinflussen. In jenen Kreisen, fiir- die eine oko
nomische Verschreibungsweise in Frage kommt, wird man natiirlich
auch diesem Umstande Rechnung tragen miissen, was iibrigens
schon dadurch erleichtert wird, daB bei viclen neuen Arzneimitteln
auf die Art der Aufmachung, speziell auf die Krankenkassenpackung,
hingewiesen wird. Auch wir haben dies, soweit es bekannt ist, bei
den verschiedenen Arzneimitteln vermerkt.
Ein und dasselbe Arzneimittel wird oft von mehrcren Fabriken
unter verschiedenem Namen in den Handel gebracht. Wir haben
dieselben nach Moglichkeit angefiihrt und i.iberall dort, wo durch
die experimentelIcn oder klinischen Untersuchungen ein Unter
schied in der VVirkung dieser Praparate bekannt wurde, dies er
wiihnt.
Die rigoroseste Behandlung mu8te schlieBlich die- Bezeich
nung eines Praparates als "neues Arzneimittel" erfahren. Einc
genaue Durchsicht und entsprechende kritische Beurteilung der
Neuerscheinungen auf dem Arzneimittelmarkte zeigte, da8 der
weitaus gro8te Teil keine neuen Arzneimittel darstelIt, sondern
nur einen Namen ev. eine neue Form fiir-Altbekanntes. Dies gilt
besonders von den Arzneimischungen, die unter den merkwiirdig
sten, meist ganz unverstandlichen Locknamen als neue Arznei
mittel auf den Markt -gebracht werden. Es erscheint unmoglich,
alle diese unter die neuen Arzneimittel aufzunehmen. . Arznei
kombinationen haben gewiB ihre Berechtigung. Die experimen
tellen Untersuchungen auf diesem Gebiete haben vielfach inter
essante Tatsachen ergeben, die eine sichtliche Befruchtung der
Pharmakotherapie mit sich brachten. Zeigten diese Versuche
einerseits, daB durch unzweckma8ige Arzneikombination die beab
sichtigte Heilwirkung ilIusorisch gemacht wird, so lie8 sich
anderseits wieder demonstrieren, da8 sich durch geeignete Kom
bination zweier oder mehrerer Arzneimittel bisweilen nicht nur
eine Addierung, sondern sogar eine Potenzierung der Wirkungen
erzielen lie8.
Zur Einfllhrung. VII
Wir verdanken diesen Untersuchungen manclies wertvolle
Arzneimittel, einheitliche chemische Korper, die durch Kom
bination zweier oder mehrerer wirksamer Komponenten dargestellt
wurden (s. Morphium).
Der materielle Wettbewerb fiihrte aber auch dazu, daB eine
groBe Reihe von einfachen Gemischen alter Arzneimittel als
"Neuheit" in den Handel gebracht wurde. Es handelt sich hier
urn eine Arzneikombination, die jeder Arzt durch einfache Rezept-
. verschreibung bereiten kann. Auf die Art dieser Kombinationen
und ihrer therapeutiscben Bedeutung haben wir selbstverstiindlich
iiberall an entsprechender Stelle hingewiesen und haben dort auch
im textlichen Zusammenhange gelegentlich einige dieser fertigen
mit geschiitztem Namen versehenen Arzneigemische erwiihnt .. Es
geht jedoch nicht an, aile diese" in. der Liste der neuen Arznei
mittel zu fiihren.
Miissen wir so auf diese Weise alte Mittel, die nur unter
neuern Gewande auftauchen, aus den neuen Arzneimitteln aiIs
schalten, . so miissen wir anderseits darunter jene alten Mittel
aufnehmen, fiir welche experimentelle und klinische Unter
suchungen neue Indikationsgebiete erschlossen haben. Wir haben
Beispiele dafiir, daB mancher altbekannte Stoff oft erst auf diese
·Weise groBe Bedeutung erlangt hat und mit vollem" Recht als
neues Arzneimittel bezeichnet wird. Die Kalziumsalze mogen
hierfiir als Beispiele dicnen.
Wie aus all dern ersichtlich ist, handelt es sich uns stets
darum, in Kiirze die thoeretischen und praktischen Erfahrnngen
mitzuteilen, die als Basis fiir die Arzneibehandlung eines be
stimmten Krankheitsgebietes in Frage kornmen und die die
spezielle Anwendung eines neuen Mittels begriinden. Es lag in
unserem Bemiihen, alies in moglichst zusammenhangender ein
heitlicher Darstellung zu bringen unter' Beriicksichtigung des
eigentlichen Zieles dieses Buches, der Schaffung eines brauchbaren,
praktisch verwendbaren N ach schlagewerkes.
Der Erreichung dieses Zweckes dienen zwei Wege: der Arzt
muB die Moglichkeit haben, im FaIle der gestellten Diagnose,
Angaben zu finden, was von den neuen Arzneimitteln in den
speziellen Fiillcn indiziert erscheint und dies em Zwecke' dient
das Eintcilungsprinzip des Buches: die Einteilung der neuen
Arzncimittel nach Indil~ationen und das am Schlusse al}gefiihrte
entsprechende . Verzeichnis der Krankheiten und Indikationen.
Wciterhin aber solI dem Arzte auch die Moglichkeit geboten sein,
sich iiber ein ArzneimitteI, das er nur den Namen nach kennt,
rasch und moglichst vollstandig orientieren zu konnen. "Vir hoffen,
daB das iiuBerst ausfiihrliche Sachregister und Verzeichnis der neuen
Arzncimittcl auch in dicsem Sinne seinem Zwecke gerecht wird.
Inhaltsverzeichnis.
Seite
Zur.Einftihrung. III
Erkrankullgen des Herzens und des Krelslaufes. I
Erkrankungen des Blutes und der blutbereltenden Organe 14
E is c n- un d B I u t p rap a rat c. . . . 17
Arsen- und Eisenarsenpraparate .. 28
Leukamic .•............. 29
Blutstlllung. Mittel mit spezlflscher uteruswlrkung 35
Erkrankungen des Verdauungsapparates • 59
I. Erkrankungen der Mundhtihle 59
2. l\lagenkrankheiten • 65
3. Darmerkrankungcn 70
A. Cholagoga • • . . . 71
B. Abftihrmittel 74
C. Obstipantia-Darmadstringentia . 81
D. Mittel gcgen Darmparasiten. . 89
Erkrankungen der Nlere, Blase und Harnriihre 90
I. Diuretika. . . . . . . ... . . . . 92
2. Mittel gegen Uratstcinc • . . . . 97
3. Entztindungshemmende und dcsinfizierende ~Iittel 98
Erkrankungen der Geschlechtsorgane 117
Erkrankungen der Atmungsorgane. 121
Hautkrankhelten . 132
Augenkrankhelten 167
Stoffwechselkrankhelten . 171
a) Gich t. . . . . 171
b) Rachitis, Osteomalacie. rSI
c) Diabetes mellitus r86
Kiinstllche Nlihrprliparate. . . . 189
I.. E i wei f3 p rap a rat e • . 189
A. Fleischeiweillpraparate 189
B. Pflanzeneiweillpraparate 193
C. l"lilcheiweillpraparate. . 195
D. Eiereiweillpraparate • • 198
II. Kohlehydratpraparate. 199
II 1. 1\1 is c h n a h r p rap a rat e • • 202
x Inhaltsverzeichnis.
IV. Milchprliparate
V. Fettprliparate
Organtheraple . . ; . . .
Herabsetzung der Sehmerzempllndung
I. Periphere Anasthesie •
2. Zentrallahmende Mittel
a) Narkotika
b) Hypnotika ..
c) Sedativa • . .
Analgetlka, Antlpyretlka
Antlseptlka
Infektlonskrankhelten .
Serumtherapie • .
Bak-terienprliparate -.
Vakzintherapie
Tuberkulose .••..
Spezifische Therapie der Tuberkulose •
Nicht spezifische Mittel zur Tuberkulosebehandlung
Chemotherapie. "
Verglftungen 439
Nachtral .. 443
Arznelmlttelverzelchnls 447
Krankhelten und Indlkatlonen. 454
Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufes.
Die spezielle klinische Diagnostik wird hinsichtlich der Diagnosenstel
lung, hinsichtlich der atiologischen Momente und allgemeinen therapeuti
schen MaBnahmen zwischen den Erkrankungen des Herzens und des Kreis
laufes im spezicllen eine genauere Differenzierung und Abgrenzung vornehmen
und auch weitestgehend berucksichtigen mussen. Fur die pharmakologische
Beurteilung der medikamentosen Therapie dieser Krankheiten ist aber zu er
wagen, daB wohl jedes der hierbei in Anwendung kommenden :Yledikamente
hinsichtlich seiner Wirkung auf Herz und GefaBe genau analysiert ist,
daB es sich aber bei Anwendung der Herz- und GefaBmittel stets urn die
pharmakologische Beeinflussung des gesamten Kreislaufes handelt, in
sofern als die Tatigkeit des Herzens den Kontraktionszustand der GefaBe
und damit die Blutverteilung in den Organen beeinfluBt und umgekehrt
Erweiterung und Verengerung der BlutgefaBe einen wesentlichen EinfluB
auf die Herzarbeit nehmen muss en. Die Feststellung der primaren Krank
heitsursache - StOrung der Herztatigkeit oder Storung der Blutverteilung -
ist daher von groBer Wichtigkeit; denn danach wird sich die Wahl des Arznei
mittels aus der Gruppe der Herz- oder der Gef5.Bmittel richten. Fur die
sekundaren Erkrankungen wird aber eben aus den angefuhrten Grunden eine
spezielle Therapie uberflussig sein.
Ohne Rucksicht auf spezielle klinische Diagnosen innerhalb des ganzen
Gebietes konnen wir hinsichtlich der medikamentOsen Therapie hier fol
gende Einteilung treffen: I. Akute Herzschwache, meist in Kombination mit
Gefaf31ahmung: Kollaps. 2. GefaBkrampfe. 3. Inkompensierte Insuffizienz
der Herztatigkeit.
I. Kollapsmlttel. Der gesamte Symptomenkomplex der Herzschwache
spielt als Teilerscheinung zahlreicher Krankheitsbilder, ganz besonders aber
bei exogenen und endogenen Vergiftungen (Infektionskrankheiten), eine
groBe Rolle. Die seit langem verwendeten Kollapsmittel haben fast durch
wegs eine ausgezeichnete \Virkung und finden nach wie vor ausgiebige
Anwendung.
An erster Stelle steht der Kampfer, der in Form des 01. camphorat. zur
subkutanen Injektion verwendet wird. Kampfer erweist sich am patho
logisch geschwachten Herzen als ein ausgezeichnetes Erregungsmittel fur Reiz
erzeugung und steigert die Frequenz und Leistungsfahigkeit der Herzschlage.
Dazu kommt noch seine erregende \Virkung auf die Vasomotorenzentren.
Eine neuere Form der Verabreichung des Kampfers stellt die intra
venose Injektion dar. Zu diesem Zwecke wird der Kampfer in wasseriger
Losung nach Leo verabreicht (von Merck in Packung zu 25, 40, 100 und
200 ccm), oder in atherischer Losung (Schule). Eine besondere angeblich
spezifische Wirkung sollen die intravenosen Kampferinjektionen bei der
Pneumonie besitzen.
Skutetzky·Starkenstein, Arzneimittei, 2. Auflage. 1