Table Of ContentINDOGERMANISCHE BIBLIOTHEK
BEGRÜNDET VON H. HIRT UND W. STREITBERG
FORTGEFÜHRT VON H. KRAHE
HERAUSGEGEBEN VON MANFRED MAYRHOFER
Erste Reihe: Lehr- und Handbücher
ALFRED BAMMESBERGER (Hrsg.)
UNTERSUCHUNGEN
ZUR VERGLEICHENDEN GRAMMATIK
DER GERMANISCHEN SPRACHEN
2. Band
ALFRED BAMMESBERGER
Die Morphologie des urgermanischen Nomens
HEIDELBERG 1990
CARL WINTER · UNIVERSITÄTSVERLAG
ALFRED BAMMESBERGER
Die Morphologie
des urgermanischen Nomens
HEIDELBERG 1990
CARL WINTER · UNIVERSITÄTSVERLAG
Die Katholische Universität Eichstätt
hat die Drucklegung dieses Buches durch eine Beihilfe gefördert.
CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Bammesberger, Alfred:
Untersuchungen zur vergleichenden Grammatik der
germanischen Sprachen / Alfred Bammcsberger. -
Heidelberg: Winter
(Indogermanische Bibliothek: Reihe 1, Lehr-
und Handbücher)
Bd. 2. Bammesberger, Alfred: Die Morphologie
des urgermanischen Nomens. - 1990
Bammesberger, Alfred:
Die Morphologie des urgermanischen Nomens /
Alfred Bammesberger. - Heidelberg: Winter, 1990
(Untersuchungen zur vergleichenden Grammatik
der germanischen Sprachen / Alfred Bammes
berger; Bd. 2)
(Indogermanische Bibliothek: Reihe 1, Lehr-
und Handbücher)
ISBN 3-533-04229-4 kart.
ISBN 3-533-04230-8 Gewebe
ISBN 3-533-04229-4 kart.
ISBN 3-533-04230-8 Ln.
Alle Rechte Vorbehalten.
© 1990. Carl Winter Univcrsitätsverlag, gegr. 1822, GmbH., Heidelberg
Photomechanische Wiedergabe nur mit ausdrücklicher Genehmigung durch den Verlag
Imprimé en Allemagne. Printed in Germany
Reproduktion und Druck: Carl Winter Universitätsverlag, Abteilung Druckerei, Heidelberg
INHALTSVERZEICHNIS
VORWORT .......................................................................... 7
EINLEITUNG ..................................................................... 9
1. Kapitol:
DER BAU DES URGERMANISCHEN
NOMINALSYSTEMS ....................................................... n
2. Kapitel:
CHARAKTERISTISCHE ZÜGE DES
INDOGERMANISCHEN NOMENS ............................. 18
3. Kapitel:
DIE a-STÄMME ............................................................... 35
4. Kapitel:
DIE ō-STÄMME .................................................................99
5. Kapitel:
DIE i-STÄMME .............................................................. 123
6. Kapitel:
DIE u-STÄMME.............................................................. 150
7. Kapitel:
DIE n-STÄMME.............................................................. 163
8. Kapitel:
WURZELNOMINA ........................................................ 188
6
9. Kapitel:
WEITERE KONSONANTISCHE STÄMME..................204
10. Kapitel:
DAS ADJEKTIV ...................................................................... 217
LITERATURHINWEISE ............................................................... 262
Index:
Verzeichnis der urgermanischen Rekonstrukte ............................... 277
Abkürzungen
Für Sprachbczeichmmgon werden durchweg geläufige Abkürzungen (wie
ai. = altindisch, air. = altirisch, got. - gotisch, an. = altnordisch etc.)
verwendet. Ebenso dürften die Abkürzungen für grammatische Erschei
nungen (Nom. = Nominativ, Sg. = Singular etc.) problemlos auflösbar
sein. Gotische Texte werden nach Streitberg. Die gotische Bibel (Hei
delberg, 1960 [Nachdruck]) zitiert. RV steht, für Rigvedæ, Y. steht, für
Yasna. Ahd. Gl. = Althochdeutsche Glossen (Steinmeyer-Sievers 1879-
1922), WW = VVright-Wülcker 1884. Namen mit Jahreszahlen verwei
sen auf das Literaturverzeichnis (S. 264-276).
VORWORT
Über die Zielsetzung der vorliegenden Monographie habe ich mich in
der Einleitung geäußert. Die Sammlung des Materials basiert in erster
Linie auf den einschlägigen Handbüchern. Von besonderem Nutzen wa
ren in diesem Zusammenhang die Arbeiten von Meid (1967) und See-
bold (1970). Von den älteren Werken erwies sich vor allem Falk-Torp
(1909) als ergiebig. Darüberhinaus wurden stets meine eigenen Unter
suchungen, die primär das altenglische Material betrefTen, einbezogen.
Selbst wenn vielleicht die nordischen Verhältnisse nicht konsequent in
vergleichbarem Ausmaß berücksichtigt wurden, so hoffe ich doch, daß
jedenfalls die Strukturbezüge des Urgermanischen im wesentlichen zur
Darstellung kommen.
Die Entwicklung zu den germanischen Sprachen der Gegenwart hin
konnte nicht systematisch vorgeführt werden. Sic ist der Gegenstand
von Büchern über die Geschichte dieser Sprachen. Freilich wurde in
Einzelfallen auf heute in den gesprochenen Sprachen vorliegende “Un
regelmäßigkeiten”, die im morphologischen System des Urgermanischen
ihre Erklärung und Rechtfertigung finden, hingewiesen.
Ebenso wie Der Aufbau des germanischen Verbalsystems ist auch dieses
Buch unmittelbar aus der Arbeit an meinem Etymological Dictionary of
Old English erwachsen. Ein 1983 von der Deutschen Forschungsgemein
schaft gewährtes Forschungsfreijahr hat cs mir ermöglicht, umfangrei
che Sammlungen und Sichtungen des einschlägigen Materials vorzu
nehmen, die auch in diesem Band ihren Niederschlag finden. Seit 1986
wird das Wörterbuchprojekt durch die Maximilian Bickhoff-Universi-
tätsstiftung, Eichstätt, gefördert. Im Rahmen der Förderung, für die
ich sehr dankbar bin, konnte Herr Dr. Heiner Eichner als Mitarbeiter
gewonnen werden. Ebenso wie Einträge für das Wörterbuch habe ich
Herrn Eichner auch jeweils Entwürfe der vorliegenden Untersuchung
vorgelegt, und er hat dazu dann ausführlich und kritisch Stellung ge
nommen. Sein Anteil an dem Buch ist schwer abzugrenzen, letztlich
aber auf jeder Seite zu spüren. Selbst in denjenigen Fällen, wo ich
Herrn Eichners Ansichten nicht gefolgt bin, haben seine Stellungnah
men ohne Zweifel die hier gebotene Formulierung beeinflußt. Wenn ich
hiermit die uneigennützige und sich stets an objektiven Kriterien orien
tierende Mitarbeit von Herrn Eichner mit aufrichtigem Dank bekunde,
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so muß ich doch gleichzeitig betonen, daß ich für alle Mängel in der
veröffentlichten Fassung allein verantwortlich bin.
Zu danken habe ich ferner dem Kanzler der hiesigen Universität, Herrn
Carl Heinz Jacob, der seit Jahren bemüht ist, im Rahmen der engen
Grenzen, die ihm selbst gesetzt sind, meine Forschungen zu fördern.
Die Arbeit konnte auf einem Personalkomputer geschrieben werden,
der für das Projekt Etymological Dictionary of Old English angeschafft
wurde. Herr Jacob hat es auch ermöglicht, daß die Veröffentlichung
des Buches durch einen Druckkostenzuschuß gefordert wurde. Bei der
Erstellung der Druckvorlage waren mir die Mitarbeiter am Rechenzen
trum der Universität, insbesondere dessen Leiter, Herr Dr. Slaby, stets
in zuvorkommender Weise behilflich.
Als ich 1980 nach Eichstätt kam, waren die Bücherbestände im Be
reich der Sprachwissenschaft an unserer Universitätsbibliothek durch
aus bescheiden. Ich vermerke mit Dankbarkeit, daß der Leiter der
Bibliothek, Herr Bibliotheksdirektor Dr. Hermann Holzbauer, zu allen
Zeiten bemüht war, die für meine Forschungen unentbehrliche Litera
tur zügig zu beschaffen. In weniger als einem Jahrzehnt ist hier eine
Büchersammlung entstanden, die mit etablierten Institutsbibliotheken
konkurrieren kann.
19. November 1989
Wer die grammatik eines germanischen dialects
behandeln wurde, ohne Über die grenzen des ger
manischen hinauszublicken, wūrde keinen boden-
unter den fūssen haben.
Herman Möller, PBB 7.547 (1880)
EINLEITUNG
Auf den folgenden Seiten sollen die morphologischen Verhältnisse beim
urgermanischen Nomen dargestellt werden. Unter “Morphologie” ist
in diesem Zusammenhang Deklination und Wortbildung zu verstehen.
Die Deklination behandelt die Veränderungen, die ein Substantiv, Ad
jektiv, Pronomen oder Numerale je nach den gegebenen syntaktischen
und pragmatischen Beziehungen erfahrt. Die dabei auftretenden Ka
tegorien sind Genus, Numerus und Kasus. Die Wortbildungslehre hat
die Methoden aufzuzeigen, nach denen aus bestehenden Basiselemen
ten neue Lexeme geformt werden können. Rein theoretisch kann die
Morphologie einer Sprache ohne Rücksicht auf den “Inhalt” der For
men analysiert werden, ln der Praxis ist freilich insbesondere bei der
Behandlung der Stammbildungslehre ohne Bezug auf die Bedeutung
nicht auszukommen.
Schwierigkeiten bereitet häufig die Bestimmung des semantischen Fel
des bei urgermanischen Rckonstrukten. Als “Urgermanisch” wird im
vorliegenden Zusammenhang die auf der Basis der altgermanischen
Einzelsprachen rekonstruierte Sprachform bezeichnet, die keineswegs
eindeutig datierbar ist, aber sicherlich vor Christi Geburt gesprochen
wurde! Das bedeutet, daß alle semantischen Veränderungen, die im
Zuge der Missionierung das Lexikon der altgermanischen Einzelspra
chen erfaßt haben, per definitionem ausgespart werden müssen. Ein
O'-Abstraktum urg. *uz-ris-ti- konnte wohl das ‘Aufgehen der Sonne’
oder das ‘Aufstehen eines Menschen’ bezeichnen. Aber die in got. ur-
rists* (belegt [Akk. Sg.] urrist ‘tyepcii/’ in Mt. 27.53) auftretende Be
deutung ‘Auferstehung Christi’ = ‘resurreetid́ ist nur im christlichen 1
1 “Urgermanisdi” wird im Sinne einer Protospradie als zeitlos und dialektfrei
rekonstruiert. Für die Periode vor der Ausgliederung der altgermanis<hen Einzel
sprachen wird im Bedarfsfall die Bezeichnung “germanisch” gewählt.