Table Of ContentBernd Remmele
Die Entstehung des Maschinenparadigmas
Reihe
Theorie des sozialen
und kulturellen Wandels
Herausgegeben von
GUnter Dux
Ulrich Wenzel
Band 3
Bernd Remmele
Die Entstehung
des Maschinenparadigmas
Technologischer Hintergrund
und kategoriale Voraussetzungen
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2003
Gedruckt auf sllurefreiem und alterungsbestandigem Papier.
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme
Ein Titeldatensatz fUr die Publikation ist bei Der Deutschen Bibliothek erhllitlich
ISBN 978-3-8\00-3779-4 ISBN 978-3-663-09692-4 (eBook)
DOI 10.1 007/978-3-663-09692-4
© 2003 Springer Fachmedien Wiesbaden
Urspriinglich erschienen bei Leske + Buderich, Opladen 2003.
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Oh can't you see,
Oh, well, you misjudge me.
I look like a farmer,
But I'm a Lover,
Can't judge a book by looking at the cover.
(W. Dixon)
Inhalt
Einleitung
Die Entstehung des Maschinenparadigmas .............................................. 11
Theoretische Einftihrung ............................................................................... 13
Die allgemeine begrtindungstheoretische Problematik .................................. 13
Die genetische Epistemologie ....................................................................... 16
Die Differenz der Logiken ............................................................................ 20
Oberblick und Aufbau der Untersuchung ...................................................... 23
Weltbild und Mechanisierung ....................................................................... 26
Kinematik und Dynarnik ............................................................................... 30
1. Haupteil
Raum und Zeit ............................................................................................. 35
Raum ............................................................................................................. 35
Zeit ................................................................................................................ 39
Kapitel I
Der Raum -LineariHit und Zirkularitat ................................................... 45
Die kosmologisch-astronomische Problemlage ............................................. 46
Die kognitive Problemlage ............................................................................ 50
Der Prozess der Mechanisierung ................................................................... 56
Krafttechnik ................................................................................................... 58
Transformations- und Werkzeugtechnik ....................................................... 61
Technik und Weltbild .................................................................................... 65
Kapitel II
Zeit ................................................................................................................ 69
Die kognitive Problemlage ............................................................................ 71
Handlungszeit ................................................................................................ 71
Formale Entwicklung des Zeitbegriffs .......................................................... 73
Die mechanische Uhr und die neue Zeit... ..................................................... 75
7
Die Monumentaluhren ................................................................................... 76
Die monastische Zeitordnung ........................................................................ 78
Vom Wecker zur Schlaguhr .......................................................................... 80
Die Schlaguhren und die gleichen Stunden ................................................... 83
Das Astrolab und die gleichen Stunden ......................................................... 86
Weitere technische Entwicklung und die Uhrzeit... ....................................... 88
2. Hauptteil
Kinematik und Dynamik ............................................................................ 93
Die mechanistische Kausalitat in historisch-genetischer
Perspektive ................................................................................................... 94
Kapitel III
Kinematik ................................................................................................... 105
Das 14. lahrhundert. .................................................................................... 108
Kontinua und Indivisible ............................................................................. 109
Tempus und Motus ...................................................................................... III
Neue Methoden 'angewandter' Mathematik ................................................. 114
Merton-Regel und Momentangeschwindigkeit... ......................................... 121
Das 17. lahrhundert.. ................................................................................... 127
Keplers FUichensatz .................................................................................... 129
Galilei -der kontinuierliche Fall ................................................................. 132
Galileis Sekantentheorem ............................................................................ 136
Kapitel IV
Das MaR der Bewegungskraft .................................................................. 139
Das 14. lahrhundert. .................................................................................... 142
Buridan -Allgemeinheit und Erhaltung ....................................................... 144
Das 17. lahrhundert. .................................................................................... 147
Galileis Maschinenkunde ............................................................................ 149
Der Hebel im StoB ....................................................................................... 151
Vom Hebel zum Fall tiber die Zeit... ........................................................... 153
Descartes -Dissozierbarkeit von Kinematik und Dynamik ......................... 156
Leibniz - Kontinuitatsprinzip und vis viva .................................................. 160
Kapitel V
Himmelsdynamik ....................................................................................... 167
Das 14. lahrhundert. .................................................................................... 169
Buridans himmlische Impetuserhaltung ...................................................... 170
8
Oresmes Maschinenmetapher ...................................................................... 172
Der Kreis als Wirkprinzip ........................................................................... 175
Himmelsrader und Schwungrader ............................................................... 176
Perpetua mobilia ......................................................................................... 178
Das 17. J ahrhundert. .................................................................................... 181
Keplers Kraftemix ....................................................................................... 182
Galilei -lineare oder zirkulare Tragheit.. .................................................... 187
Descartes und Newton -Die Linearisierung der Himmelsmechanik .......... 190
Schlussbemerkungen ................................................................................. 195
Literaturverzeichnis .................................................................................. 203
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Die Entstehung des Maschinenparadigmas
Die Uberzeugung, Gott sei ein Mechaniker und die Welt eine von ihm ent
worfene und gebaute Maschine, ist die Basis bzw. die theologische Interpre
tation des Maschinenparadigmas, wie es sich historisch relativ eindeutig im
17. lahrhundert verorten lasst. Auch wenn die Frtihe Neuzeit uns diesbeztig
lich fremd scheint, und wir diese Interpretation nicht mehr nachvollziehen, so
ist das Maschinale uns doch nach wie vor sehr nahe. Aspekte wie Orientie
rung der kausalen Verhaltnisse an der raumlichen Ordnung spezifizierbarer
Teile oder unidirektionale Wirkungsketten vor dem Hintergrund einer abso
luten Zeit sind uns gegenwartig, auch wenn es nicht mehr gelingt auf solchen
Grundlagen konkretisiert durch das Maschinenparadigmas ein einheitliches
Weltbild zusammenzufUgen.
Der Kosmos wurde schon in der Antike metaphorisch als Maschine be
zeichnet. Aber die Konsequenz, dass es sich bei ihm tatsachlich urn eine
Maschine handelt, wurde erst in der Frlihen Neuzeit gezogen.1 Die Weltma
schine bestand aus bestimmten Teilen. Diese wirkten auf einander entspre
chend ihrer raumlichen Anordnung durch die bei ihrem Kontakt tibertragene
Kraft, und die von Gott in die Weltmaschine eingehauchte Kraftmenge blieb
hierbei in der Summe konstant.
Warum taucht der Gedanke aber gerade in der Frtihen Neuzeit auf? Die
oberflachliche historische Einordnung ist kaum fraglich: Die Frlihe Neuzeit
zeichnet sich durch einen bis dahin noch nie gekannten Grad der Mechanisie
rung und der Nutzung anorganischer Energiequellen aus; die Umwalzung der
materialen Grundlagen des Abendlandes hatte im Mittelalter begonnen, und
nach vier- bis fUnfhundert lahren der wachsenden Naturbeherrschung und
der Mechanisierung von Arbeitsprozessen schlieBt sich die Uberzeugung an,
in der Funktionsweise der Maschinen liege auch die Erklarung fUr aIle phy
sikalischen (und in der Folge auch fUr eine Reihe wichtiger nicht
physikalischer) Phanomene. Die Beantwortung der Frage, in welcher Weise
sich die technische Umwalzung so auf der ideellen Ebene auswirken konnte,
bzw. welche Rolle die (konkreten) Maschinen fUr die Entstehung des (abs
trakten) Maschinenparadigmas spiel ten, verlangt jedoch eine komplexere
Argumentationsstruktur, die die Beziehungen zwischen den kognitiven
Strukturen, den sozialen Konstrukten (der Wissenschaft) und den konstruier-
V gl. MittelstraB 1995.
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