Table Of ContentÖSTERREICHISCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
PHILOSOPHISCH-HISTOKISCHE KLASSE
SITZUNGSBERICHTE, 252. BAND, 2, ABHANDLUNG
VERÖFFENTLICHUNGEN DER KOMMISSION
FÜR SPRACHEN UND KULTUREN SÜD- UND OSTASIENS
HEFT 5
ERNST STEINKELLNER
DHARMAKIRTFS HETUBINDUH
TEIL II
Übersetzung und Anmerkungen
Vorgelegt in der Sitzung am 7. Oktober 1966
Gedruckt mit Unterstützung des Österreichischen Forschungsrates
WIEN 1967
HERMANN BÖHLAÜS NACHF. / GRAZ-WIEN-KÖLN
KOMMISSIONSVERLAG
DER ÖSTERREICHISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
Inhalt
Vorwort &
Verzeichnis der Abkürzungen und der Literatur 7
I. Analyse 19
II. Übersetzung 31
I. 0.—4 33
II. 4.1—4.151 39
III. b.—b.2 42
IV. 4.2—4.221 57
V. 4.3—4.4 60
VI. d.—0.3 70
HI. Anmerkungen 79
I. Zu 0.—4 81
II. Zu 4.1—4.151 100
III. Zub.—b.2 115
IV. Zu 4.2—4.221 146
V. Zu 4.3—4.4 154
VI. Zu d.—0.3 192
IV. Register 215
VORWORT
Die vorgelegte Übersetzung des Hetubinduh ist nach dem Sans-
krit-Text gemacht. Ihr Hauptzweck ist die Begründung der Gestalt
dieses rekonstruierten Textes. Sie soll zeigen, welchen Sinn ich in den
Sätzen des Hetubinduh im einzelnen gefunden habe und damit jenes
Kriterium bieten, das ich bei der Rekonstruktion des Textes metho-
disch angewandt habe, die Voraussetzung nämlich, daß jeder Satz
Träger eines Gedankens ist, der im Denkablauf des Kontextes eine
bestimmte Aufgabe hat (vgl. Teil I, p. 23).
Aus dieser Aufgabe der Textbegründung erklärt sich die häufige
Anwendung der eckigen Klammer, die sinngemäße Ergänzungen bezeich-
nen soll. Der deutsche Leser wird zu seinem Befremden z. B. finden,
daß auch Kopulae und Füllwörter die Menge eingeklammert worden
sind. Dies hat darin seinen Grund, daß ich im Sinne der Textbegründung
im ersten Fall nur durch Einklammerung einer nicht im Text stehenden,
sinngemäß natürlich zu ergänzenden Kopula eine solche von einer
tatsächlich im Text stehenden Kopula unterscheiden konnte. Im zweiten
Fall hätte ich mich an die Regel gehalten, nur solche Füllwörter nicht
einzuklammern, denen im Sanskrit nichts entsprechen könnte; da dies
jedoch kaum der Fall ist — wenigstens in meiner Übersetzung —
mußten auch die Füllwörter zur Gänze eingeklammert werden, um
von jenen Stellen unterscheiden zu können, wo im Sanskrit-Text ein
entsprechender Ausdruck vorliegt. Die Lesbarkeit der Übersetzung
leidet vielleicht zu Anfang unter der Klammernfülle, doch verlangte
der methodische Ansatz dieses Opfer.
Weder in der Übersetzung noch in den Anmerkungen habe ich den
Versuch unternommen, die Logik Dharmakirtis in metasprachlicher
Interpretation wiederzugeben. Für eine metasprachliche Darstellung
dieser Logik ist die bisher geleistete Vorarbeit noch keinesfalls aus-
reichend und in einer reinen Darlegung und Aufbereitung des Materials,
wie es die vorliegende Arbeit sein will, hätte eine solche Interpretation
auch keinen sinnvollen Platz. Meine Interpretation der Sätze
Dharmakirtis ist daher auch nur eine Beschreibung, die sich im
Rahmen der von Dharmaklrti vorgelegten Begriffswelt bewegt und
sich jeder metasprachlichen Deutung dieser Welt strikt enthält. Grund
6 Vorwort
für diese Enthaltung ist die im heutigen Stand der Erforschung der
buddMstischen Logik dringende Verpflichtung, eine Interpretation vor-
zulegen, welche die Worte des indischen Logikers aus diesen selbst heraus
zu verstehen sucht, damit endlich auch dem Nicht-Indologen ein objek-
tives Bild vom vorhandenen Material vorgelegt werden kann. Erst
wenn die wichtigsten Texte in dieser Weise vorgelegt sind, wird es dem
westlichen Logiker möglich sein, die Aussagen auch auf metasprach-
licher Ebene zu interpretieren. Der Versuch, in der Übersetzung und
Erklärung eines logischen Textes aus dieser Begriffswelt bereits die
metasprachliche Interpretation mitzuliefern, kann m. E. nur zu groben
Mißverständnissen des Textes führen und jedes echte Verständnis
unmöglich machen.
Die Anmerkungen wurden in zweifacher Hinsicht angelegt. Erstens
haben sie die Aufgabe, den Sinn der Sätze des Hetubinduh zu ex-
plizieren, wo diese nicht bereits für sich klar sind, und den Aufbau
des Textes im einzelnen darzulegen. Zweitens wurde, wo immer es
möglich war, der Anschluß an den historischen Hintergrund der eigenen
Schultradition und der Traditionen der gegnerischen Schulen gesucht,
da nur so vermieden werden kann, daß anachronistische Interpretationen
einfließen. Angaben von Stellen des Hetubinduh beziehen sich auf die
besondere Seitenzählung des Sanskrit-Textes in Teil I mit Sternchen.
Es ist meine innige Hoffnung, daß auf diese Weise eine Arbeit
zustande gekommen ist, die auf dem beschwerlichen Weg zum Ver-
ständnis der Logik Dharmakirtis eine Hilfe bedeutet.
VERZEICHNIS DER ABKÜRZUNGEN UND DER LITERATUR
1. Allgemein verwendete Abkürzungen
Anm. Anmerkung
BSOAS Bulletin of the School of Oriental and Airican Studies
D Ausgabe von Derge
Entspr. Entsprechung
frg. Fragment
N Ausgabe von Narthang
P Ausgabe von Peking = The Tibetan Tripitaka. Peking Edi-
tion. Reprinted under the supervision of the Otani Uni-
versity, Kyoto. Ed. by D. T. SUZUKI, 168 Vols., Tokyo and
Kyoto 1955—1961. (s. TTPC)
p. pagina
s. siehe
Skt. vorgelegteSanskrit-Rekonstruktion desHetubinduh (s.Teill).
T The Taisho Shinshu Daizokyo (The Tripitaka in Chinese).
Ed. by J. TAKAKUSU and K. WATANABE. Tokyo 1924—
1929*.
Tib. vorgelegte tibetische Übersetzung des Hetubinduh (s. Teill).
TTPC The Tibetan Tripitaka. Peking Edition. Catalogue and
Index. Tokyo 1962**.
vgl. vergleiche
v. 1. varia lectio
WZKM Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes
WZKSO Wiener Zeitschrift für die Kunde Süd- und Ostasiens
zit. zitiert
2. Primärliteratur
AJP Anekäntajayapatäkä by Haribhadra Süri with
his own commentary and Municandra Süri's
supercommentary. Vols. I, II. Critically edited
* Werknummern nach dieser Ausgabe.
** Sämtliche tibetischen Werke sind, wenn nicht anders vermerkt,
nach den Nummern dieses Katalogs angeführt.
8 Dharmakirfcis Hetubindufc
by H. R. KAFADIA. (Gaekwad's Oriental Series,
Nos. LXXXVIII, CV) Baroda 1940, 1947.
Utp Utpädädisiddhih: Anavädyänupamavedacatusta-
yavidhänavedhahMhemacandragurubhrätyM-
pradyumnasüricaranacamcarika- öri-Candrasena-
Süri-sütritä svopajiiä £ri-Utpädädisiddhih. Pra-
käSayitri . . . sVetämbarasamsthä. Surat 1936.
Rju Rjuvimaläpancikä (Sälikanätha): s. Brh.
KsBhS Ksanabhangasiddhih (Dharmottara): s. FRATT-
WALLNER : Ksanabhangasiddhih.
J Jnänaörimitranibandhävali, Buddhist Philoso-
phical Works of Jnänaärimitra. Edited by
A. THAKUB. (Tibetan Sanskrit Works Series,
Vol. V) Patna 1959.
TB Tattvabinduh: Le Tattvabindu de Väcaspati-
mis*ra. Edition critique, traduction et introduc-
tion par M. BIARDEATT. (Publication de Tinstitut
Frangais d'indologie, No. 3) Pondichery 1956.
TBV Tattvabodhavidhäyini: Äcärya-s*rI-Siddhasena-
Diväkarapranitairn Sammatitarkaprakaranam . . .
s*rimad-Abhayadevasüri-nirmitayä Tattvabodha-
vidhäyinyä vyäkhyayä vibhüsitam. . . . S. SA-
NGHAVinä . . . B. Dosinä ca päthäntara-tipannyä-
dibhih pariskrtya samäodhitam. 1.—5. vibhägah.
(Gujarätapurätattvamandiragranthävali, 10, 16,
18, 19, 21) Amdäväd, samvat 1980—1987.
TV Tantravärttikam: The Tantravärtika, a Gloss
on >§abarasvämi's Commentary on the Mimäm-
säsütras by Bhatta Kumärila. Edited by
G. SÄSTRI. (Benares Sanskrit Series, No. 3)
Benares 1903.
TS Tattvasangrahah: Tattvasangraha of Öäntara-
ksita with the Commentary of KamalaSIla.
Edited with an Introduction in Sanskrit by
E. KRISHNAMACHARYA. Vols. I, II. (Gaekwad's
Oriental Series, Nos. XXX, XXXI) Baroda 1926.
TSP Tattvasangrahapanjikä (Kamalaslla): s. TS.
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2138. 2) The Vais*esika Philosophy according to
Literaturverzeichnis 9
the Daöapadärtha-Öästra. Chinese Text with
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DhPr Dharmottarapradipah: Pandita Durveka Miära's
Dharmottarapradipa. Being a sub-commentary
on Dharmottara's Nyäyabindutika, a commentary
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NBT Nyäyabindutikä (Dharmottara): s. DhPr.
NBh Nyäyabhäsyam (Paksilasvämin): äri-Gautama-
mahämuni-pramtam Nyäyasütram, Vätsyäya-
niyam Nyäyabhäsyam Väcaspatimiära-k^ta-
Nyäyasücinibandha-sahitam ... G. jHÄ-krta-
Tippanyä samalankrtam ca. (Poona Oriental
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(The Kashi Sanskrit Series, No. 106) Benares
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by G. Ttrcci. (Materialien zur Kunde des Buddhis-
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Nyäyävatäravärtti-
kavjrttih Nyäyävatäravärtika-Vytti of Sri Sänti Süri.
Critically edited .. . by D. MALWAKIYA. (Singhi
Jain Series, No. 20) Bombay 1949.
10 Dharmaklrtis Hetubinduh
NV Nyäyavärttikam: Nyäyadaräanam with Vätsyä-
yana's Bhäsya, Uddyotakara's Värttika, Väca-
spati Mi^ra's Tätparyatikä and VisVanätha's
Vrtti. Vol. I, edited by TARANATHA Nyaya-
Tarkatirtha and AMABENDBAMOHAN Tarkati-
rtha. Vol. II, edited by AMARENDBAMOHAN Tarka-
tirtha and HEMANTAKTTMAB Tarkatirtha. (The
Caleutta Sanskrit Series, Nos. XVIII, XXIX)
Calcutta 1936, 1944.
NVinV Nyäyavinis"cayavivaranam: Nyaya Vini^caya Vi-
varana of Öri Vädiraja Süri, the commentary
on Bhattäkalankadeva's Nyäya Viniäcaya. Vols.
I, II. Edited . . . by M. K. JAIK. (Jnäna-Pitha
Mürtidevi Jaina Granthamälä, Sanskrit Grantha,
Nos. 3, 12) Kashi 1949, 1954.
NVTT Nyäyavärttikatätparyatikä (Väcaspatimiära):
s.NV.
NSa Nyäyasärah of Bhäsarvajna with the Commenta-
ries Nyäyamuktävali of Aparärkadeva and
Nyäyakalänidhi of Änandänubhaväcärya. Criti-
cally edited with introduction, notes etc. by
S. S. SASTRI and V. S. SASTRI. (Madras Govern-
ment Oriental Series, No. CLXVII) Madras 1961.
NSu Nyäyasütram: s. NV.
PBhS Padärthadharmasangrahah (Praäastapäda):
s. Vyom.
PMim Pramänamimämsä: Pramäna Mamämsä of Kali-
käla Sarvajna Öri Hemacandräcärya with Bhäsä
Tippana of Sukhlalji Sanghavi. Edited by
S. SANGHAVI. (Singhi Jaina Series, No. 9) Ahme-
dabad 1939.
PrP Prakaranapancikä: Prakarana Pancikä of Sri
Salikanätha Mis*ra with Nyäya-Siddhi. Edited
with Introduction and Notes by A. S. SASTRI.
(Banaras Hindu University Daräana Series, No. 4)
Benares 1961.
PVI Pramänavärttikam, Kapitel I: R. GNOUC: The
Pramänavärttikam of Dharmakirti, the first
chapter with the autocommentary. Text and
Literaturverzeichnis 11
Critical Notes. (Serie Orientale Roma XXIII)
Roma 1960*.
PVII, III, IV Pramänavärttikam, Kapitel II, III, IV: Pramä-
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R. SÄNIORTYXYANA. (Appendix to Journal of
Bihar and Orissa Research Society, Vol. XXIV)
Patna 1938.
PVin Pramänaviniäcayah (Dharmakirti): P, Vol. 130,
Nr. 5710.
PVinl Pramanaviniäcayah, Kapitel I: T. VETTER :
Dharmakirti's Pramänaviniäcayah, 1. Kapitel:
Pratyaksam. Einleitung, Text der tibetischen
Übersetzung, Sanskritfragmente, deutsche Über-
setzung, (österreichische Akademie der Wissen-
schaften, philosophisch-historische Klasse, Sit-
zungsberichte, 250. Band, 3. Abhandlung. Ver-
öffentlichungen der Kommission für Sprachen
und Kulturen Süd- und Ostasiens, Heft 3)
Wien 1966.
PVinT Pramänaviniäcayatikä (Dharmottara): P, Vol.
136, Nr. 5727.
PVT Pramänavärttikatikä (Sakyamati): P, Vol. 131,
Nr. 5718.
PVBh Pramänavärttikabhasyam: Pramänavärtikabhä-
syam or Värtikälankärah of Prajnäkaragupta.
Being a commentary on Dharmakirti's Pramä-
navärttikam. Deciphered and edited by R. SÄN-
KBTYÄYANA. (Tibetan Sanskrit Works Series,
Vol. I) Patna 1953.
PW Pramänavärttikavrttih: Dharmakirti's Pramäna-
värttika with a commentary by Manorathanandin.
Edited by R. SÄNK^TYÄYANA. (Appendix to
Journal of Bihar and Orissa Research Society,
Vols. XXIV, XXV, XXVI) Patna 1938—1940.
PVSV Pramänavärttikasvavrttih (Dharmakirti): s. PVI.
PVSVT Pramänavärttikasvavrttitikä: Äeärya-Dhannaki-
* Die an zweiter Stelle angegebenen Ziffern für Verse aus dem PV I
vertreten eine Verszählung, die gegenüber ONOLI die beiden Mangala-
Verse mit berücksichtigt. Vgl. VETTER: Ekenntnisprobleme, Anhang V,
p. 116.