Table Of ContentDer Staat Missouri,
geſchildert
mit beſonderer Rüdſicht auf teutſche Einwanderung,
bon
Friedrich Münch,
im Staate Miſſouri.
M i t 2 6 h a r ten.
Verlag der Farmers' & Vine-Growers' Society.
-New York: St. Louis:
Zubeziehendurch
R.Hauſer,20NorthWilliamStreet, Ed. Bühler &Co. 31DritteStr.
1859.
ENTERED,according toActofCongress,in theyearOneThousandEight Hundredand
Fifty-nine, by CH. L. BRACE, in the Clerk's OfficeoftheDistrictCourtofthe
UnitedStates,fortheSouthernDistrictofNewYork.
J
S
E
U
M
DrudvonR.Hauſer, 20NorthWilliamStr.,NewYork.
Derzeichniß der Druckfehler.
Seite4, Zeile9 vonobenlies„Hingeſchlachteten“ ſtatthingeſchl.
S. 5, Z. 10 von unten lies „Aelteren“ ſtatt Aeltern.
19. 17 oben „bier“ ſtatt hierin.
21, 14 „Often“ ſtatt Weſten.
, 24, 1 7 unten „ Iheileg“ ſtatt Moſes in.
1 26, 17 n „Baumſtümpfe" ſt. Baumſtämme.
27. 15 oben „erhö h.t“ ſtatt erhält.
35, 14 . „bur“ ſtatt blur.
39, . 10 n „ibre“ ſtatt ſeine.
40, 19 geraucht“ ſtatt gebraucht.
41, 12 unten „mergelhaltig"ſtattmannigfaltig.
58, 1 14 21 . „dunſtigen“ ſtatt falten.
62, 11 16 . I „Bodenjaß“ ſtatt Boden.
, 72, 5 oben „ein“ ſtatt den.
81, 15 11 unten „die“ ſtatt bei.
83, 16 oben „Neu“ ſtatt nun.
88.11 7 unten ſtreiche „hieſigen“ aus.
96, 21 oben lies „dieg“ ſtatt dieſe.
, 102, 16 „vierte“ ſtatt vier.
, 106, I 15 unten „wann“ ſtatt wenn.
112, 11 11 oben „länge nach“ ſtatt Länge.
5,117, , 2 „Saccharinum“ ſtatt sauh.
,119, I/ 15 unten „erſten“ ſtatt wahren.
, 126, 4 oben „Winden.“ ſtatt Winters.
, 153, 8 unten n „verſchmiert“ ſtatt verſchleimt.
168, 7 „ſich oft“ ſtatt ſich.
, 175, 11 . I „das, wo“ ſtatt daß wo.
n219, 16 oben „Boeuf“ ſtatt Boruf.
, 220, 3 „den“ ſtatt der.
232, 11 O „Geſammtthat“ ít. Geſammtheit.
Iinbedeutendere Verſehen wird der Leſer leicht ſelbſt verbeſſern.
3 JYGI
3
Vorrede.
Es liegt nicht in meinem Zwede, den Urjachen der bedeutenden
Auswanderung unſerer Landsleute nach andern Ländern - bejon:
ders nach den leßten europäiſchen Kriegen --nadzuſpüren; mögen
ſie in der Eigenthümlichkeit des teutſchen Volkscharakters begründet,
durch getäuſchteErwartungenhervorgerufen, oder einfach durch Ueber
fülle von Menſchen auf verhältnißmäſig kleinem Raume veranlaßt
jein, oder mögen alle dieſe Urſachen zuſammenwirken, — genug, die
Urſachen desbisherigen Auswanderns dauern fort und werden muth.
maslich in unſerer und unſerer Kinder Lebzeit nicht aufhören. —
Wahr iſt es von Anderem abgeſehen – für Alle, welche in der
weiten Welt ſich etwas mehr umgeſehen haben, daß beider Beſchrän
kung auf einen allzu engen Raum die nöthigſten Bedingungen des
naturgemäßen, freien und glüdlichenLebens feblen. Ein Opferzwar
bringen Diejenigen, welche den Vortheilen, die in den Vorarbeiten
vieler vorausgegangener Geſchlechter liegen, entjagend, in ſogenann
ten neuen Ländern ſich anſiedeln, den Kampf mit der noch unbe
wältigten Natur und damit Gefahren und Mühen übernehmen,
welche der zu Sauje Bleibende nicht kennt und ahnt; aber ſind ſie
ausdauernd und verſtändigund nicht von allem Glüđe verlaſſen,ſo
erobern ſie mit der neuen ArtvonEriſtenz für ſich und noch mehr für
ihre Nachkommen Bortheile, welche die aufgegebenen aufwiegen, -
und lohnender vielleicht als das Bewußtſein Deſſen, was ſie in der
4
mit Kräften überfüllten Heimath bätten ausrichten können, iſt dasje
nige, menjdliche Geſittung in ferne Theile der Erde gepflanzt und
künftigen Geſchlechtern den Weg zu Unabhängigkeit und Wobljein
gebahnt zu haben.
Hält man uns vor, daß bei verſtändiger und gerechter Regelung
der geſellſchaftlichen Verhältniſſe Teutſchland alle ſeinejeßigen Bes
wohner und Millionen mehr nähren kann, ſo frage ich dagegen:
wäre die naturgemäſe Nachkommenſchaft der zaylojen, durch die
Kriege auch nur der legtenJahrhunderte hingeſchlachteten (hoffentlich
wird man die menſchliche Grosídlächterei fünftig einſtellen),
wären die wirklichen Nadkommen von den in derſelben Zeit in's
Ausland Gewanderten (auf viele, viele Millionen ſich belaufend)
noc im teutſchen Vaterlande, wären, wie hier, dort alle
unnatürlichen Hinderniſſe der Stiftung des eigenen Familienlebens
im angemeſſenen Alter entfernt – nicht zu gedenken der in
Elend und Hunger Untergegangenen —; kann man glauben, daß in
der alten Heimathnoch jetzt fürſie Alle mehrals etwa derbloſe Raum
und Luft und Waſſer in hinreichender Menge da wären? — Das
Austrandern der Teutiden iſt alſo nicht eine, mit vornehmer Miene
zu befrittelnde Laune (die vornehmen Krittler haben meiſtens jo
wenig Ueberfluß an wahrhaft menjdlichemMitgefühle als anEinſicht
undUrtheil), ſondern iſt inVerhältniſſen begründet, welche die Wohl
meinendſten bis jegt nicht ändern konnten, - es iſt die einzige Aus
Hülfe gegen Uebel, welche noch fortbeſtehen, oder gar fich mehren, -
es wird fortbauern unvermindert wie im legten Menſchenalter, ſofern
man es nicht gewaltſam hemmt (was eben ſo barbariſchals von poli
tiſchem Standpunkte aus unklug wäre), es wird aber neuerdingsbe
deutend erleichtert theils durch die bequemen Transportmittel, tbeils
Durch den Umſtand, daß der teutſche Auswanderer jeßt ſchon faſt in
allen Ländern, wohin er etwa gehen mögte, rathende und helfende
Landsleute findet.
Der glüdliche Erfolg hängt groſentheils davon ab, welches Land
zur Anſiedlung gewähltwird, und in dieſer Hinſicht bedarf die große
Maſſe, weil ihr die eigene Renntniß feblt, des ehrlichen Rathes der
Erfahrneren. Einzelne machen da und dort ihr ſogenanntes Glüc;
aber zu einer Art von nationaler Eriſtenz (ſoweit dieſe auſerhalb dem
Mutterlande möglich iſt), zum Wohlſein der Maſſen, zum freudigen
Gefühle, ein Vaterland wieder gewonnen zu haben, konnten es die
Teutiden bis jeßt nirgends als nur indenBereinigtenStaaten brin
gen. Die Verſchmelzung des teutſchen Elementes mit dem anglo
fächſiſchen geht noch amBeſten; Klima und Beſchäftigungs- und
Lebensart ſind von Dem, woran derAuswanderer gewöhnt war, nicht
allzu verſchieden; ein faſt völlig teutſches Leben findet ſich hier in
ausgedehnten teutſchenNiederlaſſungen, dieſichſtetserweitern; völlige
Religions-, Rede-, Preß- und Verſammlungsfreiheit ſind geſeßlich
garantirt; die Befugniß zur Ausübung aller Bürgerrechte wird nach
fünfjähriger Probezeit erlangt; die Erringung eines ſelbſtſtändigen
Fortkommens iſtbei den hieſigen unermeblichen Hülfsmitteln und der
dünnen Bevölkerung des ungeheuren Raumes auch für den Unbe
mittelten nichtſchwer; die übrigeBevölkerung ſtehtDem, derſich an
ſtändig und ehrenhaft benimmt, in keiner Art feindlich entgegen (der
Verſud, eine mächtige Nativiſten-Partei zu gründen, iſt völlig ge
fcheitert); dieMittelzur Erziehung der heranwachſendenJugend und
zur Fortbildung der Aeltern werden immer mehr herbeigeſchafft.
3d warne meine Landsleute im Allgemeinen vor Algerien, vor
Dſt- und Weſtindien, vor Braſilien, vor Süd- und Mittelamerika,
jeßt noch vor Merito (fünftig kann ſich dort eine Ausſicht eröffnen),
vor dem Caplande, - und wenn auch gegen Auſtralien und Canada
weniger zu ſagen iſt, ſo bieten ſie doch nicht Alles, was hier ſich findet
und in keinem Betrachte mehr. Der Weſten Der Ver. Staaten,
d.H. die erſte und zweiteReihe der Staaten dieß- und jenſeits des
Miffiſippi --- von Dhio bis Ranjas — werden muthmaslich fünftig
eine Miſchung von Nationalitäten darſtellen, in welcher das teutſche
- 6
Element eine hervorragende Stellung einnimmt und eine Art von
Selbſtſtändigkeit gewinnt; einer oder der andere dieſer Staaten mag
vorzugsweiſe teutſch werden, wenn esgelingt, unſereLandsleute darin
mehr als bisherzu conzentriren. Es iſt nicht im Mindeſten meine
Abſicht, die Vortbeile, welche Ohio, Indiana, Illinois, Wisconſin,
Jowa, Minneſota, Kanſas 2. 36. bieten, herabzuſeßen; dieſeStaaten
find vielfach beſchrieben worden, und tauſende unſerer Landsleute fin
den darin eine glückliche neue Heimath. Wahr iſt aber, daß auf
Miſſouri, den lange und mit Unrecht überſehenen Staat, jegt faſt
vorzugsweiſe die Augen Vieler gerichtet ſind, - und ſo icheint es
recht und paſſend, die jeßigen Verhältniſſe dieſes Staates und die
Ausſichten, welche hier dem Einwanderer fich eröffnen, ausführlicher,
als dieß bisher geſchah, zur allgemeinen Runde der Teutſchen zu
bringen.
Aujer dem nunmehr veralteten Berichte von Duden und den kurs
zen ſtatiſtiſchen Bemerkungen von Wappäus („Handbuch der Geo
graphie und Statiſtik von Nordamerika“) iſt keine andere, der Er
wähnung werthe Sdilderung vonMiſſouri vorhanden als das gedie
gene Werk von Theodor Olshauſen (ießt Herausgeber eines geſchätz
ten teutſchen Blattes in Davenport, Jowa): „Der StaatMiſſouri,
geographiſch und ſtatiſtiſch beſchrieben“. Ade Auskunft, die er zu ge
ben verſpricht, giebt Herr Dlshauſen klar und gründlich, und doch
werden die Lejer finden, daß meine Arbeit neben der feinigennicht
überflüſſig iſt; ſie iſt um mehrereJahrejünger (und gerade in dieſen
Jahren war der Fortſchritt ausnehmend gros) und theilt Belehrun
gen aus langer perſönlicher Erfahrung mit, welche Herr Olshauſen
nicht haben konnte. Außerdem gilt es um eine neue Anregung, und
ich darfhoffen, daß mein Buch in die Hände Vieler kommen wird,
welche das genannte vielleicht niemals ſehen werden.
Ich bemerke ausdrüdlich, daß ich nicht vorzugsweiſe fürden ges
lehrten Forſcher ſchreibe, ſondern für ſolche meiner Landsleute, welche
ſich mit dem Gedanken an Auswanderung tragen und nurnoch uns
entſchloſſenſind, wohin ſte fich wenden ſollen. Wählen ſiein Folge
der mit Gewiſſenhaftigkeit gegebenen Mittheilungen über Miſſouri
dieſen Staat, jo joll meine Darſtellung der Dinge ihnen auſer einem
Wegweiſerzugleich ein Rathgeber ſein, wie ſie, um ſich ein gedeih
liches Fortkommen zu ſichern, in allen Stüden ſich zu benehmen
haben.
Mein Buch iſt nicht das Werk eines wandernden Gelehrten, be
haglich in der Heimath abgefaßt nach flüchtig gejammelten Notizen,
vielmehr gründet ſich meineSchilderung auf eine24jährige eigene
Anſchauung der Dinge und ihres Fortganges, ſowie auf eine Erfah
rung, bei welcher alle Kraft des Geiſtes und des Leibes in beſtändi:
ger Spannung erhalten, die aber nicht vergeblich gemadyt wurde,ſo
daß fie allmählig einen erfreulicheren Inhalt gewann. — 30ſelbſt
babe— auch in barterZeit meinen Entſchluß und meine Wahl
niemals bereut; denn ich wußte, was ich wollte. Und nachdem ich
lange Zeit genug damit zu thun hatte, mir ſelbſt zu rathen, freue ich
mich, am Abend meines Lebens der Rathgeber vielleidyt für tauſende
meiner Landsleute ſein zu können.
Ich hätte gewünſcht, der Abfaſſung dieſes Buches mehr Zeitwid
men zu können; aber dieraſche Vollendung wurde verlangt, weil es
einem praktiſchen Zwededienen ſoll, welcher durch den Aufſchubleiden
würde. Dhnehin können Schilderungen amerikaniſcher Zuſtände
kaum anders als mit einer gewiſſen Eile gegeben werden, indem un
ter der Hand Alles fich ſchnell umändert und weiter bildet, und ein
richtiges Bild des hier Beſtehenden den Bewohnern der andern Erds
hälfte eigentlich nur durch tägliche Telegraphen-Schrift gegeben wer
den könnte. In der Art der Behandlung findet der Leſer die
Eigenthümlichkeit des Verfaſſers, die er nicht ändern kann, abgeſpies
gelt und ſie muß, wie alles Menſdliche, ſich der Kritik unterwerfen ;
mit den behandeltenGegenſtändenſelbſtbinichvermuthlichgenauerbez
kannt, als esirgend ein europäiſcher Kritiker ſein kann, und wer nicht
8
Grund zu haben glaubt, an meinerEhrlichkeit zu zweifeln, ſei billig
genug, das Geſagte als wahr hinzunehmen.
Ueber mich ſelbſtſage ichnur ſo viel, daß ich in der grosherzoglich
heffiſchen Provinz Oberheſſen geboren bin, von 1817 bis 1819 in
Gieſen ſtudirte, 13 Jahre eine Landprediger-Stelle in jener Provinz
berſah, als Mitglied — und zugleich mit Paul Follenius als Führer
der Gießener Geſellſchaft 1834 nach Miſſouri auswanderte, hier
(in Warren County, inderDuben'ſchen Anſiedlung,nahe demPoſt
Orte Marthasville) ein mäftges Grundeigenthum ankaufte und bis
jeßt mit Hülfe meiner Kinder ſelbſt bebaute, erſt in den leşteren Jah
ren Muſe fand, auch theilweiſe mid wieder mit literariſchen Arbeiten
zu befaſſen, — daß meine Mitbürger mich zugleich zu einemihrer
Friedensrichter erwählten, daß ich nahe an 60. mich noch körperlich
rüſtig fühle und bereit zu fernerem Kampfe für die fortſchreitende
Bildung, Aufklärung und das Wohlſein meiner menſchlichen Mitge
ſchöpfe. - Denen, die in der alten Heimath meiner fich noch erin
nern, ſende ich meinen freundlichſten Grus fernhin über den Dzean.
Geſchrieben amEnde desJahres 1858.