Table Of ContentDER
GEOLOGISCHE AUFBAU
••
OSTERREICHS
VON
PROFESSOR DR. LEOPOLD KOBER
VORSTAND DES GEOLOGISCHEN INSTITUTS
DER UNIVERSITAT WIEN
MIT 20 TEXTABBILDUNGEN UND 1 TAFEL
SPRINGER-VERLAG WIEN GMBH
1938
ISBN 978-3-7091-9578-9 ISBN 978-3-7091-9825-4 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-7091-9825-4
ALLE RECHTE, INSBESONDERE DAS DER tJBERSETZUNG
IN FREMDE SPRACHEN, VORBEHALTEN
COPYRIGHT 1938 BY SPRINGER-VERLAG WIEN
Ursprfinglich erschienen bei JULIUS SPRINGER IN VIENNA
Vorwort.
Gewaltiges Geschehen gestaltet die Gegenwart: Österreich ist ein
Land des volksdeutschen Reiches.
Grundlinien des geologischen Aufbaues Österreichs werden hier ge
geben. Sie erfließen aus der Arbeit, der Erkenntnis der letzten 30 Jahre.
Um- lIDd Aufbau ist auch hier notwendig geworden. Ungeahnte
neue Erfahrungen haben eine neue Geologie geschaffen.
So wird das Buch, das in Lebensarbeit herangereift ist, auch
zum Ausdrucke moderner Geologie. Es will organische Synthese sein,
allgemeines Gestaltungsbild alpiner Gebirgsbildung.
Über den engeren Sinn einer geologischen Landeskunde hinaus
möchte diese Arbeit aber auch ein bescheidener Beitrag sein zu dem
großen Aufbauwerke lIDserer Zeit. Immer enger gestalten sich die
Beziehungen zwischen Geologie und Leben.
Wien am 9. April 1938.
L. Kober.
Inhaltsverzeichnis.
Seite
A. Die Alpen .................................... : ............. 1-156
Allgemeines .............................................. 1
1. Das Penninische Deckensystem. Die Penniden =
Die Metamorphiden .................................. 2
1. Das Tauernfenster = Die Tauriden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
a) Allgemeines ............................. r • • • • • • • • • • • 2
b) Das östliche Tauernfenster = Die östlichen Tauriden .... 5
(Allgemeines. - Stratigraphie. - Tektonik. - Allgemeines
Gestaltungsbild. )
c) Das westliche Tauernfenster = Die westlichen Tauriden . . . 19
2. Das Engadiner Fenster. Die Penniden des Engadin........ 20
3. Zusammenfassung...................................... 23
II. Die Ostalpine Deckenmasse. Die Austriden = Die
Zentraliden ................ ;.......................... 24
Allgemeines .............................................. 24
1. Die Zentralzone. - Die Zentraliden im engeren Sinne . . . . . 26
a) Allgemeines. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
b) Lungauriden und Semmeringiden. - Unterostalpine Zen·
traliden des Ostens. Allgemeines. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Die Lungauriden. - Die Radstädter Tauern. -- Die uno
teren, mittleren, oberen Radstädter Decken (Lungau.
riden). - Der Lungauridenring des Tauernfensters. . . . . . 29
Die Semmeringiden. - Allgemeines. - Das Wechsel.
fenster. - Die höheren Decken. - Gestaltungsgeschichte 41
c) Muriden, Koriden und Drauiden. Allgemeines.......... 47
Die Muriden ........................................ 53
Die Koriden. - Grazer, Murauer, Gurktaler Paläozoikum 57
Die Drauiden. - Die Osthälfte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
Die Westhälfte ............................... . . . . . . . 71
d) Das Altkristallin im Norden des Tauernfenster." ........ 74
e) Die oberen Zentraliden des Burgenlandes .............. 76
f) Die Zentralzone im Westen des Tauernfensters ......... 76
Allgemeines. - Die Grisoniden des Westens (Grau.
bünden). - Die Ötztaliden. - Die Silvrettiden. -- Die
Tonaliden.
2. Die Grauwackenzone ......................... ,......... 87
Allgemeine Charakteristik. - Die östliche, die westliche
Grauwackenzone.
3. Die Kalkalpenzone ..................................... 98
a) Allgemeines...... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
b) Die Klippenzone. - Die Pieninen. Pieniden .......... 103
Inhaltsverzeichnis. V
Seite
c) Die westliche Kalkalpenzone . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 106
Bajuvariden. - Tiroliden. - Juvaviden.
d) Die mittll'lre Kalkalpenzone .......................... 111
Die bajuvarischen Randketten. - Die Til'Oliden. - Die
Juvaviden.
e) Die östlichen Kalkalpen ............................. 118
Die bajuvarischen Decken. - Die Tiroliden. - Die
Juvaviden.
f) Überschau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 124
Irr.
Die Flyschzone. Die Sandsteinzone. Das Helve
tische Deckensystem. Die Hel vetiden. Die Exter-
niden .................................................. 125
1. Allgemeines ........................................... 125
2. Die westliche Flyschzone ............................... 129
3. Die mittlere Flyschzone ................................ 132
4. Die östliche Flyschzone . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 134
5. Die Sandsteinzone Nord der Donau ...................... 137
IV. Die Dinariden ......................................... 144
1. Allgemeines ........................................... 144
2. Die Karniden .......................................... 149
Die westlichen Karniden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 151
Die östlichen Karniden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 155
B. Die Molassebecken. Die tertiären Becken.. . . . . . . . . . . . . . . . .. 157-178
1. Allgemeines ........................................... 157
2. Die außeralpine Molasse .... ~........................... 159
a) Die ostalpine Molasse. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 160
b) Die karpathische Molasse ............................ 164
3. Die inneralpine Molasse. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 166
a) Die inneralpine Talmolasse .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 167
b) Das Wiener Becken. . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 168
c) Das burgenländisch-steirische Molassefeld .............. 173
d) Die Molasse und die Donau .......................... 174
e) Die Entwicklung der alpinen Landschaft ............... 175
C. Die böhmische Masse. Moraviden und Moldaniden ........... 179-189
1. Allgemeines ........................................... 179
2. Die Moraviden = Die Moravische Zone ................... 180
3. Die Moldaniden = Die Moldanubische Zone ............... 182
4. Überschau. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 187
D. Erdbeben, Schwere und Magnetische Anomalien. Bodenschätze und
Bodenforschung ......................................... 189-196
1. Erdbeben ............................................. 189
2. Schwere Anomalien ..................................... 192
3. Die magnetischen Anomalien .........................." . . 193
4. Die Bodenschätze ...................... . . . . . . . . . . . . . . .. 194
5. Die Bodenforschung .................................... 196
E. Tektonogramme ......................................... 197-204
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 204
A. Die Alpen.
Allgemeines.
Die alte Geologie hat die Alpen in Ost- und Westalpen gegliedert,
in Nord- und Südalpen. Man unterschied in den Ostalpen die Sandstein-,
die Kalkalpen-, die Grauwacken-, die Zentralzone, die Südalpen.
Alle diese Zonen waren bodenständig, autochthon, an der Stelle, wo
sie heute stehen, auch entstanden. Brüche, Überschiebungen, Hebungen
und Senkungen zerteilten die Alpen in Schollen, in Zonen, deren regionale
Anordnung auf Zusammenschub hinwieß.
Eduard Sueß gab 1875 in dem Werke: "Die Entstehung der Alpen"
ein allgemeines Gestaltungsbild: die Alpen sind von Süden gegen
Norden zusammengeschoben. Einseitiger Schub, einseitiger Druck habe
die Alpen erzeugt. Sueß erkannte bereits damals die grundsätzliche Ver
schiedenheit von Alpen und Vorland und sprach von einem Übertreten
der Alpen über ihr Vorland. Das Bild von der Bodenständigkeit
der Alpen und ihren Zonen konnte aber die Erscheinungen nicht voll
ständig erklären. Da war z. B. die Glarner Doppelfalte, die M. Bertrand
(1884) veranlaßte, eine einzige große Überfaltungsdecke von Süden gegen
Norden anzunehmen.
In den Westalpen hatte auch das Phänomen der Klippen die Geologen
immenvieder beschäftigt, bis endlich H. Schard t (1893) die Lösung fand:
die Klippen sind überschoben. Sie sind nicht bodenständig. Sie sind
fremd, exotisch. Sie sind Reste einer aus dem Süden der Alpen stammen
den Schubmasse. Sie sind "schwimmende Klippen".
Dann war es der Gegensatz von Ost- und Westalpen. Am Rhein
stehen sich ost- und westwärts zwei Gebirge fremd gegenüber. Die Zonen
im Westen entsprechen nicht denen des Ostens. Die Kalkalpen des Rhäti
kon haben im Westen keine Fortsetzung. Die Gesteine des Prättigauer
Flysches grenzen fast unmittelbar an das Altkristallin der Silvretta; doch
schiebt sich eine "Aufbruchzone" ein, die mesozoische Kalke enthält.
Da fand M. Lugeon 1902 die Lösung der Fragen der Schweizer
Geologie. Er gab die Grundlagen des Deckenbaues der Schweizer Alpen.
1903-1906 konnte P. Termier die Synthese des Deckenbaues der
Ostalpen finden. 1905 schied E. Sueß auf Grund aller Erfahrungen in
den Ostalpen drei große Deckensysteme : das helvetische, das lepon
tinische, das ostalpine.
E. Sueß gliederte in dieser Zeit auch die Alpen in zwei Gebirge: in die
nordbewegten Alpiden, in die südbewegten Dinariden. Die alpin-
Kober, Der geologische Aufbau Österreichs. 1
2 Die Alpen.
dinarische Linie trennt von Eisenkappel in Kärnten über Meran bis Ivrea
Alpen und Dinariden.
Die Durchbohrung des Simplon im Simplontunnel brachte den Be
weis, daß auch die Zentralalpen Deckenbau haben. E. Argand konnte
die große Synthese des penninischen (lepontinischen) Deckenbaues geben.
Damit war der Beweis erbracht: die Westalpen sind ein Deckengebirge.
Die Decken schieben sich von Süd gegen Norden.
In den Ostalpen fand die neue Lehre wenig Freunde. Rothpletz
hatte schon die Verschiedenheit von West- und Ostalpen durch die große
rhätische Überschiebung deuten wollen. Er hat den Stein ins Rollen ge
bracht. Er sah die Ostalpen von Osten her überschoben auf die West
alpen. Die Deckenlehre forderte dagegen Bewegung von Süd gegen
Norden. In relativ kurzer Zeit, im Alttertiär, sollten die Ostalpen 100 km
weit die Westalpen - die westalpinen Decken - überfahren haben. Die
ganze Mechanik wurde für unmöglich gehalten.
So begann der Kampf gegen die Deckenlehre der Ostalpen,
gegen die Lehre von Termier: die Tauern seien ein Fenster. Inmitten
der Ostalpen kommen in den Zentralgneisen, in der Schieferhülle west
alpine Gesteine, Bündner Schiefer, mesozoische Schistes lustres, also
lepontinische oder penninische Gesteine durch Erosion unter der ost
alpinen Schubmasse zum Vorschein.
Jahre vergingen. - Aber auch die Gegner der Deckenlehre lernten
mit der Zeit - Decken zu sehen.
So wurde von den Gegnern des Tauernfensters durch den Zwang der
Erscheinungen der Natur eine "gemäßigte Deckenlehre" geboren. Dem
Nappismus wurde ein Halbnappismus entgegen gestellt, der auch heute
noch seine Vertreter hat.
Indessen - die neue Lehre ist zu einer neuen Geologie geworden.
Ein Strom der Erkenntnis ging von der Deckenlehre aus und hat auch die
Nachbargebiete befruchtet. Wir sehen heute tiefer, weiter. Die Arbeits
methoden sind verfeinert worden. Die Beobachtung im Felde ist wesentlich
schärfer geworden. Erst jetzt hat der Geologe schauen, beobachten gelernt.
Staunend sehen wir die Größe, die Gesetzmäßigkeit, das wunderbare, das er
habene Kunstwerk der Natur, das uns im Aufbau der Erdrinde entgegentritt.
Erst jetzt wird die ganze Wirklichkeit des geologischen Geschehens
offenbar. Bewundernd schauen wir den tiefen Sinn kosmisch-geo
logischer Evolution.
I. Das Penninische Deckensystem.
Die Penniden = Die Metamorphiden.
1. Das Tauernfenster = Die Tauriden.
a) Allgemeines.
An den Anfang unserer Darstellung stellen wir die
Grunderkenntnis der De ckenlehre der Alpen, der Ost
alpen: die Tauern sind ein Fenster.
Das Tauerruenster = Die Tauriden. 3
Die Tauern sind ein Fenster - diesen Fundamentalsatz der modernen
alpinen Geologie, der durch die genialen Erkenntnisse von Be r t ra n d,
Schardt, Lugeon, Sueß, Termier herangereift ist, gilt es auch hier
zu beweisen. Erneut zu beweisen, 30 Jahre nach seiner Aufstellung, mit
der ganzen Wucht der Tatsachen, die seit dieser Zeit erkannt worden sind.
Von den Tauern aus bauen wir den Deckenbau der Ostalpen auf.
Das ist der Weg unserer Darstellung. Wir legen Stein auf Stein, Zone auf
Zone, daß der Deckenbau der Ostalpen sich gestalte, in seiner ganzen
Größe und Schönheit des Baues und der Gestaltung - falls wir imstande
sind, das große Vorbild nachzubilden.
Geschichtliches. Klassisches Land tritt uns in den Tauern ent.
gegen. Grundsätzliche Erkenntnisse sind von hier ausgegangen. Anfang
der Fünfzigerjahre konnten die Pioniere österreichischer und alpiner
Geologie, Stur und Peters die Zentralgneise und die Schiefer.
hülle der Hohen Tauern als eine Einheit dem übrigen Gebirgsrahmen
entgegenstellen. Um dieselbe Zeit sprach der Schweizer Geologe Studer
die Schieferhülle der Tauern von Heiligenblut als "Flysch" an und ver·
glich diese Gesteine mit den Bündner Schiefern - eine Beobachtung, die
erst ein halbes Jahrhundert später durch Termier ihre geniale Erklärung
fand.
Die plutonische Theorie sah im Zentralgneis im Sinne von
L. v. Buch, in seinem Aufsteigen die Ursache der Gebirgsbildung. Diese
Theorie lebt später, in anderer Form, besonders in mineralogischen Kreisen
fort. Von geologischer Seite wird diese Theorie frühzeitig abgelehnt.
Posepny erkennt, daß der Sonnblick.Zentralgneis in Schuppen gelegt
ist. E. Sueß baut auf diesen und anderen Erfahrungen die Lehre von der
"Passivität der Eruptivgesteine" bei der Gebirgsbildung auf. Da·
mit wird ein entscheidender Schritt getan.
Mineralogen und Petrographen finden im Zentralgneis und in der
Schieferhülle eine bestimmte Form der Bildung der kristallinen Schiefer.
Von den Tauern aus entstehen auch Grundsätze über die Gliede·
rung kristalliner Schiefer. Becke, Berwerth, Löwl, Wein·
schenk, Grubenmann geben dieser Zeit ihr Gepräge. Die Begriffe
"Piezokristallisation", "Kristallisationsschieferung" werden geschaffen.
Gebirgsbildung, Intrusion, Kristallisation werden in ursächlichen Zu·
sammenhang gebracht.
Diese Arbeiten setzt Sander fort. Er schafft den Begriff der "Tauern.
kristallisation". Die Studien über "Gefügeregelung" von Sander und
Schmidt gehen auch von den Tauern aus und führen zu neuen Erkennt·
nissen, bei denen aber bereits schon die neue Erfahrungswelt der Decken·
lehre entscheidend mitspielt.
Der Weg zur Deckenlehre. Dieser wird durch die Arbeit von
E. Sueß vorbereitet. Er erkennt die große Nordbewegung der Alpen,
ihr Übertreten über das Vorland, ihre grundsätzliche Verschiedenheit
im Bau gegenüber dem Vorland. Er sieht 1873 schon die Überschie.
bungen der Radstädter Kalkalpen durch das Schladminger Massiv. Er
denkt an das mesozoische Alter der Schieferhülle, die allgemein als
1*
4 Die Alpen.
paläozoisch galt. Er sieht den Zentralgneis bewegt wie jedes andere
Gestein. Er spricht sich 1902 für die Einheit der Glarner Doppelfalte aus.
Er gibt 1905 vom Engadiner Fenster aus die Gliederung des Deckenbaues
der Ostalpen, für den G. Steinmann und V. Uhlig die Unterlagen suchen,
Beweise für die neue Lehre Termiers. 1907 beginnen die großen Ar
beiten der Akademie der Wissenschaften in Wien. Unter Führung von
E. Sueß, V. Uhlig, F.Becke werden die östlichen Tauern durch M. Stark,
F. Seemann, W. Schmidt, F. Trauth und L. Kober untersucht. Im
Tauernwestende arbeitet B. Sander und gibt eine Darstellung des Tauern
westendes, während L. Kober nach dem Tode von V. Uhlig und
E. Sueß, erst nach dem Kriege die kurze Zusammenfassung: "Das öst
liche Tauernfenster" geben kann (1921).
1923 gibt R. Staub auf Grund der Exkursionen mit L.Kober in den
Ostalpen im "Bau der Alpen" eine große Synthese des Deckenbaues der
Alpen, der Ostalpen, des Tauernfensters. Dann arbeiten Schüler von
Stau b in den Tauern. CorneÜus und Cl ar geben eine geologische Karte
der Glocknergruppe. Hammer studiert den Tauernnordrand im Raume
von Krimml. Köl bl geht den gleichen Weg und findet - die Tauern sind
kein Fenster, ähnlich wie Ha m m er.
Allgemeine Charakteristik des Tauernfensters. Die pen
ninischen Decken der Westalpen sinken in Graubünden unter die ost
alpine Deckenmasse, tauchen nach 25 km im Engadiner Fenster auf,
verschwinden wieder. Nach 70 km Entfernung vom Engadiner Fenster
erscheinen sie im Tauernfenster wieder. Dieses reicht vom Brelmer bis
zum Katschberg. Hier tauchen die penninischen Gesteine endgültig unter
die ostalpine Schubmasse hinab, 260 km entfernt von Graubünden.
Das Tauernfenster ist 160 km lang, 30 km breit, reicht im Norden bis
an die Salzach. Im Süden ist das Mölltal, die Heiligenblut-Matreier Zone
die Grenze. Innerhalb dieses Raumes liegt das Tauernfenster als große
Kuppel, als Kulmination unter der ostalpinen Decke, die überall den
Fensterrahmen bildet. Immer sind es unterostalpine Gesteine, die das
Fenster einrahmen. Der Rahmen ist vollständig geschlossen.
"Zentralgneis und Schieferhülle" bilden im Tauernfenster eine geo
logisch-tektonische Einheit, die auch eine bestimmte petrographische
Fazies darstellt. Alte und junge Gesteine formen die Tauern, die man
wegen ihrer großen Ähnlichkeit mit dem (Lepontin) Pennin der Westalpen
als Pennin (Ko ber) bezeichnet hat. Ko ber hat auch vorgeschlagen, diese
ganze penninische Einheit als "Metamorphiden" zu bezeichnen, um
eben das besondere Charaktermerkmal dieser Zone, die allgemeine alpine
Metamorphose zum Ausdruck zu bringen. Staub hat in seiner Alpen
synthese das Tauernfenster ganz nach den Erfahrungen der penninischen
Zone der Westalpen gedeutet. Demgegenüber ist festzuhalten, daß den
Tauern im Rahmen der Penniden (Metamorphiden) eine Eigen
steIlung zukommt. Die Tauern haben bei aller Übereinstimmung mit
dem Pennin der Westalpen ihre Eigenheiten, ihre Individualität, ihren Stil,
im Gestein, im Bau, in der Metamorphose, in der Gestaltung. Dieser
"Tauernstil" ist festzuhalten.