Table Of Content2. Auflage 1985
© Springer Fachmedien Wiesbaden 1985
Ursprünglich erschienen bei Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1985
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ISBN 978-3-409-02931-5 ISBN 978-3-663-13680-4 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-663-13680-4
Buchhaltung und Abschlu8
Von
Dipl.-HdI. Karlheinz Balzer
Inhaltsverzeichnis
Seite
A. Notwendigkeit der Buchfiihrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 3
I. Aussagefahigkeit der Buchfiihrung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 3
II. Wichtige juristische Grundlagen der Buchfiihrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 4
B. Von der Inventur zur Bilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 6
I. Inventur und Inventar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 6
II. Inventar und Bilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 8
III. Bilanz und doppelte Buchfiihrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 10
C. Von der Eroffnungsbilanz zur SchiuBbilanz (ohne Umsatzsteuer) . . . . . . . . . . . . .. 12
I. Auflosung der Eroffnungsbilanz in Bestandskonten . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 12
II. Buchungen auf Bestandskonten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 13
III. Zusammenfassung der Bestandskonten in der SchiuBbiianz. . . . . . . . . . . . . . .. 15
D. Erfolgsermittlung in der Buchhaltung (ohne Umsatzsteuer). . . . . . . . . . . . . . . . .. 17
I. Wesen erfolgswirksamer Geschaftsfalle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 17
II. Buchungen auf Erfolgskonten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 18
E. Buchung und Buchungssatz (ohne Umsatzsteuer). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 21
I. Der einfache Buchungssatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 21
II. Der zusammengesetzte Buchungssatz. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 22
III. Lesen von Buchungssatzen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 22
F. Buchung von Einkaufen und Verkaufen (ohne Umsatzsteuer) ......... : . . . . .. 24
I. Einfiihrung............................................. 24
II. Einfache Einkaufs- und Verkaufsbuchungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 25
III. Bezugskosten und Transportkosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 28
IV. Riicksendungen und Gutschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 29
V. Buchung von Rabatten, Boni, Skonti . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 31
G. Buchung der Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 34
I. Einfiihrung............................................. 34
II. Ermittlung der Steuerschuld (= Zahllast). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 34
III. Buchung der Umsatzsteuer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 35
H. Das Privatkonto . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 39
I. Notwendigkeit des Privatkontos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 39
II. Buchungen auf dem Privatkonto . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 39
I. Buchung von Aufwendungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 42
I. Buchung des Materialverbrauchs. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 42
II. Buchung der Personalaufwendungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 45
III. Buchung der Steuern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 47
IV. Buchung der Abschreibungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 49
V. Buchung weiterer Aufwendungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 54
Seite
J. Erfolgsermittlung bei Bestanclsveranclerungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 56
I. Einfiihrung............................................. 56
II. Buchhalterische Behandlung von Bestanclsveranderungen. . . . . . . . . . . . . . . .. 56
K. Betriebsiibersicht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 59
I. Einfiihrung............................................. 59
II. Aufbau cler Betriebsiibersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 59
L. Yom Kontenrahrnen zum Kontenplan. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 66
I. Der Kontenrahmen (Einfiihrung) ............................... 66
II. Gliederungsprinzipien der Kontenrahrnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 67
III. Der Industriekontenrahmen (IKR) . . . . . . . . . . . . . . . . • . . . • . . . . . . . .. 68
IV. Der Kontenplan . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • .. 70
V. Die Bedeutung des Kontenplanes fUr die ugliche Buchungsarbeit . . . . . . . . . . .. 70
M. Zeitliche Abgrenzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 72
I. Notwendigkeit einer zeiclichen Abgrenzung. . . . . . . . . . . . . . . • . . . • . . . .. 72
II. Abgrenzung bereits erfolgter Zahlungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 73
III. Abgrenzung noch nicht erfolgter Zahlungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . . . .• 75
IV. AbschiuB und Auflosung cler Konten der zeitlichen Abgrenzung . . . . . . . . . . .. 76
N. RiicksteUungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 78
I. Wesen und Notwendigkeit von RiicksteUungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 78
II. Bildung von RiicksteUungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 78
III. Auflosung von RiicksteUungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . . . . . .. 79
O. Wertpapierbuchungen ......................................... 81
I. Einteilung der Wertpapiere in der Buchha1tung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 81
II. Buchungen beim Kauf von Wertpapieren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 81
III. Buchungen beim Verkauf von Wertpapieren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 83
IV. AbschiuB cler Wertpapierkonten . . . . . . . . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 84
P. Wechselbuchungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 86
I. Erscheinungsformen von Wechsdn in der Buchhaltung . . . . . . . . . . . . . . . . .. 86
II. Buchungen bei Schuldwechseln. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 86
III. Buchungen bei Besitzwechseln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 88
Q. AbschiuBbuchungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 93
I. Wesen der AbschiuBbuchungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 93
II. Vorbereitende AbschiuBbuchungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 93
III. Endgiiltige AbschiuBbuchungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ., 98
R. Abschliisse bei den verschiedenen Unternehmungsformen . . . . . . . . . . . . . . . .. 100
I. Abschliisse bei PersonengeseUschaften. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 100
II. Abschliisse bei KapitaigeseUschaften. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 103
S. Kosten- und Leistungsrechnung (KLR). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . " 106
I. Aufgaben und Aufbau der Kosten-uncl Leistungsrechnung. . . . . . . . . . . . . " 106
II. Grundbegriffe der Kosten- und Leistungsrechnung . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 107
T. Organisation der Buchfiihrung . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 112
I. Wesen der Buchfiihrungsorganisation. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 112
II. Zeicliche Organisation der Buchfiihrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 112
III. Sachliche Organisation der Buchfiihrung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 112
Antworten zu den Fragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 117
Vorwort zur 2. Auflage
Das vorliegende Lernbuch ist eine Einfiihrung; es soli dem "Buchhaltungsneuling" einen
ersten Eindruck vermitteln und dem "Buchfiihrungskenner" die Moglichkeit zu einer Kurz
information bieten. Aus dieser Zielsetzung ergibt sich der Verzicht auf umfangreiche
Obungsaufgaben sowie auf die Darstellung spezieller Buchungsprobleme, wie sie sich z. B.
aus den unterschiedlichen Bestimmungen fUr Handels- und Steuerbilanz ergeben.
Wenn nach dem Durcharbeiten der einzelnen Kapitel das Verstandnis fiir die jeweils
angesprochene Problematik geweckt bzw. erzielt wurde, ist das Hauptanliegen des Titels
erreicht. Hierzu soli auch die bewugt einfache sprachliche Darstellung beitragen.
Mainz, Sommer 1985 Der Verfasser
A. Notwendigkeit der Buchftihmng
Lernziel:
Nach Durcharbeiten dieses Abschnitts sollen Sie die Notwendigkeit der Buchfiih
rung an praxisnahen Beispielen erklaren konnen.
I. Aussagefahigkeit der BuchfUhrung
In jedem Unternehmen fallt taglich eine groge Zahl von Geschaftsvorgangen an: Es wer
den Waren eingekauft und verkauft, Rechnungen werden beglichen, Lohne ausgezahlt,
neue Maschinen treffen ein, die Telefonrechnung wird abgebucht usw. Aile diese Vor
gange haben zwei Dinge gemeinsam:
a) Eine Bearbeitung ist nur moglich, wenn jeder Geschaftsvorfall mit einem Wert - also
einem DM-Betrag - "versehen" ist.
b) Kein noch so gut trainiertes menschliches Gehirn ist in der Lage, aile Vorgange zu
speichern und bei Bedarf einwandfrei wiederzugeben.
Es ergibt sich somit die Notwendigkeit regelmagiger Aufzeichnungen iiber das Betriebs
geschehen. Dies ist Aufgabe der Buchhaltung. In ihr laufen zunachst einmal aile Zahlen
iiber die betrieblichen Vorgange zusammen (Sammelfunktion der Buchfiihrung). Die
Buchhalter sortieren die Belege nach sachlichen Gesichtspunkten, z. B. nach Warenver
kaufen, Postscheckveranderungen, Personalkosten usw. (Ordnungsfunktion der Buchfiih
rung). Aile Geschiiftsvorgange werden in die Sprache der Buchhaltung iibersetzt und
gebucht (Buchungsfunktion der Buchfiihrung).
3
Nach den Buchungen sind aile gleichartigen Vorgiinge chronologisch zusammengefaBt.
Der Buchhalter ist daher jederzeit in der Lage. dem Geschiiftsinhaber. dem Betriebspriifer.
aber auch jedem einzelnen Kunden oder Lieferanten die gerade benotigten Auskiinfte zu
erteilen. Solche Angaben konnen z. B. sein:
- Hohe der Schulden (= Verbindlichkeiten) gegeniiber einem Lieferanten.
Gesamthohe der Verbindlichkeiten.
Hohe der Forderungen (= AuBenstiinde) gegeniiber einem Kunden.
Gesamthohe der AuBenstiinde.
Gesamtwert aller Verkiiufe in einem Monat des laufenden Geschiiftsjahres.
Gesamtwert aller Verkiiufe in einem Monat der drei vorangegangenen Geschiiftsjahre.
Wert des Warenlagers.
Hohe des Gewinns im vergangenen Geschiiftsjahr.
Hohe der Personalkosten wiihrend einer bestimmten Periode.
Entwicklung der Lohnkosten wiihrend der vergangenen vier Geschiiftsjahre.
Stand des Guthabens bei der X-Bank.
Hohe der Hypothekenschuld bei der V-Bank.
Die Reihe der Beispiele liiat sich beliebig fortsetzen. Die "gut gefiihrte" Buchfiihrung ist
nahezu unerschopflich in ihrer Aussagekraft (Informationsfunktion der Buchfiihrung).
Die moglicben A uskiinfte lassen sicb in drei Gruppen zusammenfassen:
a) Aussagen iiber den Stand von Vermogen und Scbulden der Unternebmung zu einem
bestimmten Zeitpunkt.
b) Aussagen iiber Vera·nderungen von Vermogen und Scbulden im Zeitablauf,
c) A ussagen iiber den Gescbiiftserfolg (Gewinn oder Verlust) des Unternebmens.
D. Wichtige juristische Grundlagen der Buchftlhrung
1. Gesetzliche Grundlagen
Die .. logische" Notwendigkeit zur Buchfiihrung hat ihren Niederschlag in gesetzlichen
Vorschriften gefunden. So verpflichtet § 38 HGB jeden Kaufmann zur Fiihrung von Bii
chern. In den §§ 39-44 HGB sind niihere Angaben iiber Art und Umfang der erforder
lichen Aufzeichnungen enthalten. Auch im Aktiengesetz. im GmbH-Gesetz. im Genossen
schaftsgesetz sowie in verschiedenen Steuergesetzen finden sich eine Reihe von die Buch
fiihrung betreffenden Vorschriften.
4
2. Grundsitze ordnungsmiBiger Buchfiihrung
1m Zusammenhang mit der Buchfiihrungspflicht werden haufig die Grundsatze ord
nungsmaBiger Buchfiihrung (GoB)" angefiihrt. Eine gesetzliche Definition - man spricht
auch von einer Legaldefinition - gibt es hierfiir nicht. Das ist insofern vorteilhaft, als
dadurch eine stiindige Anpassung an die Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens moglich
ist. In den GoB sind Aussagen iiber die Einr.ichtung der Buchfiihrung, iiber die laufenden
Buchungen sowie iiber den AbschluB der Buchfiihrung enthalten.
Was zu den GoB gehOrt, hat der Bundesfinanzhof (BFH) - das hochste Finanzgericht in
der Bundesrepublik - hiiufiger in Urteilen ausgesprochen. Nach einem BFH-Urteil aus
dem Jahre 1966 gilt:
Eine Buchfuhrung ist ordnungsgemiip, wenn
a) das gewiihlte Buchfiihrungsverfahren eine zeitnahe Erfassung aller Geschiiftsvorfiille
gewiihrleistet und sich die Geschaftsvorfiille in ihrer Entstehung und Abwicklung buch
miipig verfolgen lassen;
b) die fur das gewiihlte Buchfiihrungsverfahren erforderlichen "Bucher" (hieruber erfahren
Sie spa·ter mehr) gefuhrt werden, die Bucher formal in Ordnung sind und ihr Inhalt
sachlich richtig ist;
c) ein Fachmann in angemessener Zeit aus der Buchfuhrung einen zuverliissigen Einblick
in die Vermogens- und Ertragslage gewinnen kann.
Fragen:
1. Welches sind die vier Grundfunktionen der Buchfiihrung?
2. Wieso kann man die Buchfiihrung als das "Gedachtnis des Kaufmanns" bezeich
nen?
3. Wieso saUte der Buchhalter regelmiiBig Auskiinfte iiber den jeweiligen Stand des
Postscheckkontos geben konnen?
4. Wieso kann der Buchhalter erkennen, ob ein Kunde bereits gezahlt hat?
S. Was versteht man unter den GoB?
6. Warum wurden die GoB nicht gesetzlich fixiert?
5
B. Von der Inventur zur Bilanz
Lernziel:
Nach Durcharbeiten dieses Abschnitts sollen Sie in der Lage sein, den Weg von der
Erfassung bis zur Darstellung der Vermogens- und Schuldenwerte selbstandig auf
zuzeigen und zu erlautern.
I. Inventur und Inventar
Der Nahmaschinenfabrikant Werner Hamberger beauftragt einen Angestellten, den Wert
des im Unternehmen befindlichen Vermogens sowie die Hohe der Schulden (= Verbind
lichkeiten i.w.S.) festzustellen. Durch Messen, Zahlen, Wiegen usw. erfaBt der Angestellte
jede einzelne Vermogens- und Schuldenposition. Eine derartige korperliche Bestandsauf
nahme wird als Inventur bezeichnet.
Diese Vermogens- und Schuldenpositionen werden in D-Mark bewertet. Ober die Wert
ansatze Ie sen Sie Naheres im Beitrag "Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung".
Die ermittelten Welte werden in einem oftmals sehr umfangreichen Verzeichnis, dem
Inventar, zusammengestellt. Jeder Kaufmann ist zur Aufstellung eines Inventars bei der
Griindung sowie zum Ende eines jeden Geschaftsjahres verpflichtet. Die Inventare sind
zehn Jahre aufzubewahren.
Das Inventar ist in drei Teile aufgegliedert: a) Vermfigen, b) Schulden, c) Reinvermfigen
(= EigenkapitaD. Die Vermogenspositionen sind nach ihrer Fliissigkeit (man spricht von
"Liquiditat"), die Schuldenpositionen nach ihrer Falligkeit angeordnet. Als Darstellungs
weise ist die Staffelform vorgeschrieben, d. h., die verschiedenen Positionen sind unterein
ander aufzufiihren:
Vermogen
.t. Schulden
= Reinvermogen
Beispiel:
Inventar der Nahmaschinenfabrik Werner Hamberger, Worms,
zum 31. Dezember 19 ..
A. Vermogen
I. Anlagevermogen
1. Grundstiicke
a) Verwaltungsgebaude 120000,-
b) Fabrikgebaude 210000,- 330000,-
6
2. Maschinen It. besonderer Aufstellung 360000,-
(Anlage-Blatt 1)
3. Fahrzeuge It. besonderer Aufstellung 75000,-
(Anlage-Blatt 2)
4. Geschaftsausstattung It. besonderer Aufstellung 34 000,-
(Anlage-Blatt 3)
II. Umlaufvermogen
1. Rohstoffe und Fremdbauteile It. besonderer Aufstellung 160000,-
(Anlage-Blatter 4-9)
2. Hilfsstoffe It. besonderer Aufstellung 42000,-
(Anlage-Blatter 10-12)
3. Betriebsstoffe It. besonderer Aufstellung 38000,-
(Anlage-Blatt 13)
4. Fertigerzeugnisse It. besonderer Aufstellung 280000,-
(Anlage-Blatt 14)
5. Handelswaren It. besonderer Aufstellung 23000,-
(Anlage-Blatt 15)
6. Forderungen It. besonderer Aufstellung 141000,-
(Anlage-Blatter 16-17)
7. Besitzwechsellt. besonderer Aufstellung 18000,-
(Anlage-Blatt 18)
8. Kasse 5628,-
9. Postscheck 22 173,-
10. Bank
a) Volksbank Worms 32417,-
b) Rheinhessenbank Worms 38655,- 71072,-
Summe des Vermogens 1 599873,-
B. Schulden
1. Hypothekenschuld bei Volksbank Worms 178000,-
2. Darlehensschuld bei Rheinhessenbank Worms 65000,-
3. Schuldwechsel 8000,-
4. Verbindlichkeiten It. besonderer Aufstellung
(Anlage-Blatter 19-20) 152000,-
Summe der Schulden 403000,-
C. Ermittlung des Eigenkapitals
Summe des VermBgens 1 599873,-
.I. Summe der Schulden 403000,-
Eigenkapital (ReinvermBgen) 1 196873,-
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Durch Vergleich der in zwei aufeinanderfolgenden Inventaren ausgewiesenen Reinvermo
gen lltBt sich der Geschaftserfolg ermitteln. Betragt das Reinvermogen in unserem Beispiel
im folgenden Jahr 1 296873 DM, dann kann ein Gewinn in Hohe von 100000 DM
entstanden sein; betragt es im Folgejahr nur 946 873 DM, dann kann ein Verlust in Hohe
von 250 000 DM eingetreten sein.
Waruin sagen wir "kann"? Nun, es leuchtet ein, daB ein erhohtes Eigenkapital auch durch
zusatzliche Einlagen des Eigentiimers, ein niedrigeres Eigenkapital auch durch Privatent
nahmen des Inhabers verursacht werden kann. Neu-Einlagen des Eigentiimers sind daher
bei der Erfolgsermittlung durch Eigenkapitalvergleich abzuziehen, wahrend die Privatent
nahmen (Geld und Warenwerte) zu addieren sind.
II. Ioveotar uod Dilanz
1. Entstehung der Bilanz
Aus dem sehr ausfiihrlichen in Staffelform dargestellten Inventar muB jeder Kaufmann
gemaB § 39 HGB eine knappe Zusammenfassung bilden. Hierfiir hat sich eine andere
Darstellungsform durchgesetzt: "Das Konto". Sein Wesen besteht darin, daB Vermogens
und Schuldenwerte einander gegeJ1'liberliegend anzuordnen sind. Fiir den schulischen Ge
brauch eignet sich das T-Konto besonders gut, das seinen Namen seiner auBeren Gestalt
verdankt.
Die linke Seite der Bilanz wird als Aktivseite bezeichnet. Auf ihr werden samtliche Ver
mogenswerte (= Aktiva) zusammengefaBt. Auf der rechten Bilanzseite (= Passivseite) er
scheinen die Schulden (= Fremdkapital) sowie das Eigenkapital. Eigen-und Fremdkapital
position en bilden die Passiva. Die Passivseite der Bilanz gibt somit iiber die Kapitalher
kunft, die Kapitalquellen, Auskunft. (Woher stammt das Kapital? ). Aus der Aktivseite
kann dagegen die Kapitalverwendung ersehen werden. (Wofiir, d. h. fiir welche Vermo
gensteile, wurde das auf der anderen Bilanzseite ausgewiesene Kapital eingesetzt?)
Bilanzen werden in der Regel entsprechend § 151 Aktiengesetz gegliedert, wie iiberhaupt
viele Buchfiihrungspraktiken in Anlehnung an das Aktiengesetz entwickelt wurden. (Ein
zelheiten iiber Gliederung sowie Bewertung der verschiedenen Bilanzpositionen erfahren
Sie aus dem Beitrag "Bilanz und Gewinn-und Verlustrechnung").
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