Table Of ContentGerd E. Schäfer
Rahel Dreyer · Matthias Kleinow
Julia M. Erber-Schropp Hrsg.
Bildung in der
frühen Kindheit
Bildungsphilosophische,
kognitionswissenschaftliche, sozial-
und kulturwissenschaftliche Zugänge
Bildung in der frühen Kindheit
Gerd E. Schäfer · Rahel Dreyer
Matthias Kleinow · Julia M. Erber-Schropp
(Hrsg.)
Bildung in der frühen
Kindheit
Bildungsphilosophische,
kognitionswissenschaftliche, sozial-
und kulturwissenschaftliche Zugänge
Hrsg.
Gerd E. Schäfer Rahel Dreyer
Köln, Deutschland Berlin, Deutschland
Matthias Kleinow Julia M. Erber-Schropp
Köln, Deutschland Stiftung Wissen der Sparkasse KölnBonn
Köln, Deutschland
Gedruckt mit freundlicher Unterstützung der Fritz Thyssen Stiftung, Köln, Deutschland
ISBN 978-3-658-25004-1 ISBN 978-3-658-25005-8 (eBook)
https://doi.org/10.1007/978-3-658-25005-8
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Vorwort
Die Diskussion um die Bedeutung von Bildung und darüber, wie diese institutio-
nell am besten umgesetzt wird, hat längst auch die frühe Kindheit erreicht. Aber
kann man im frühkindlichen Bereich von Bildung sprechen? Und worum könnte
es bei frühkindlichen Bildungsprozessen gehen? Wie, und unter welchen Voraus-
setzungen lassen sich Bildungsprozesse für kleine Kinder verwirklichen? Auch im
Bereich der frühen Kindheit steht die Bildungsdebatte vor vielen Herausforde-
rungen. Bildung in der frühen Kindheit ist mehr als Erziehung oder Vorbereitung
auf die Schule. Die Autorinnen und Autoren dieser Publikation diskutieren, was
frühkindliche Bildung ausmacht und welche Bedingungen zu gelingenden Bil-
dungsprozessen beitragen können.
Dieser Band beinhaltet die Beiträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
des Expertensymposiums: „Lernen, Fördern, Bilden in der frühen Kindheit?“.
Dieses Symposium wurde von der Stiftung Wissen der Sparkasse KölnBonn in Ko-
operation mit Prof. Dr. Gerd E. Schäfer und der Fritz Thyssen Stiftung im Januar
2017 realisiert.
Die Stiftung Wissen der Sparkasse KölnBonn fördert Bildung und Wissen-
schaft im natur-, lebens- und technikwissenschaftlichen Bereich. Die Konzeption
und Durchführung von Symposien zu aktuellen Forschungsthemen stellen einen
zentralen Bestandteil ihrer Initiative dar. Als Institution, die im Bildungsbereich
tätig ist und sich auch der frühkindlichen Bildung widmet, war die kritische Aus-
einandersetzung mit diesem Thema der Stiftung Wissen ein besonderes Anlie-
gen.
Expertensymposium und Publikation wurden mit der Unterstützung der
Fritz Thyssen Stiftung realisiert. Diese ist der größte private Förderer der Wissen-
schaften in Köln. Das inhaltliche Konzept und die fachliche Begleitung leistete
Prof. Dr. Gerd E. Schäfer, Universitätsprofessor i. R. für Allgemeine Pädagogik mit
Schwerpunkt frühe Kindheit, Jugend und Familie an der Humanwissenschaftli-
chen Fakultät der Universität zu Köln.
Im Namen der Stiftung Wissen der Sparkasse KölnBonn danke ich Prof. Dr.
Gerd E. Schäfer für die hervorragende Zusammenarbeit sowie der Fritz Thyssen
Stiftung für die großzügige Unterstützung. Des Weiteren gilt mein Dank dem gro-
ßen Engagement der Mitherausgeber dieser Publikation, Prof. Dr. Rahel Dreyer,
VI Vorwort
Matthias Kleinow und Prof. Dr. Gerd E. Schäfer, und den Autorinnen und Auto-
ren für ihre fundierten Beiträge.
Dr. Julia Maria Erber-Schropp
Stiftung Wissen der Sparkasse KölnBonn
Inhaltsverzeichnis
Einführung ............................................................................................................ 1
Gerd E. Schäfer
Teil 1: Frühkindliche Bildung als Auftrag
Naturwissen als Auftrag frühkindlicher Bildung ................................................. 17
Gerold Scholz
Teil 2: Bildung, ein Anspruch an die Pädagogik der frühen Kindheit?
Ist der Bildungsbegriff für die frühe Kindheit brauchbar? ................................. 33
Ursula Frost
Bildung von Geburt an denken. Von prinzipieller Reflexionszentrierung zu
kritisch-responsiver Reflexionsorientierung ...................................................... 45
Ulrich Wehner
Teil 3: Bildung als transformatorischer Prozess
Bildungsprozesse in früher Kindheit? ................................................................. 65
Rainer Kokemohr
Drei Thesen zur frühen Kindheit von Deleuze aus ............................................. 83
Olaf Sanders
Teil 4: Frühe Bildungsprozesse aus kognitionswissenschaftlicher Perspektive
Kognitionswissenschaftliche Aspekte von Bildung ............................................. 99
Gerd E. Schäfer
Neurowissenschaftliche Aspekte von Bildung.................................................. 123
Damir del Monte
VIII Inhaltsverzeichnis
Teil 5: Sozioanalyse frühkindlicher Bildung
Ökonomie, Kompetenz, Habitus. Ansätze zu einer Sozioanalyse
frühkindlicher Bildung ...................................................................................... 151
Gerd E. Schäfer
Teil 6: Kulturvergleichende Aspekte früher Bildungsprozesse
Scolariser, socialiser, faire apprendre et exercer. Zum Bildungsverständnis in
der école maternelle in Frankreich ................................................................... 183
Rahel Dreyer
Zur Genese des Menschlichen in der frühen Kindheit. Interkulturell
vergleichende Betrachtungen mit einem Blick nach Japan .............................. 201
Ursula Stenger
Autorinnen und Autoren .................................................................................. 217
Einführung
Gerd E. Schäfer
In den Beiträgen dieses Bandes geht es um Bilder von Bildung, die sich auf Prak-
tiken – implizit oder explizit – auswirken, um Bilder, die kulturell gewachsen sind,
um Bilder, die Alternativen zum Primat von Kompetenz- und Zielorientierung an-
bieten.
Abbildung 1: Paul Klee, Gerüst eines Neubaues (1930). Bayerische Staatsgemälde-
sammlung, Pinakothek der Moderne, München
© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
G. E. Schäfer et al. (Hrsg.), Bildung in der frühen Kindheit,
https://doi.org/10.1007/978-3-658-25005-8_1
2 Gerd E. Schäfer
1 Gerüst eines Neubaues – Mehrperspektivität
Für das vielperspektivische Vorgehen, das wir diesem Band zugrunde legen,
habe ich bei Paul Klee ein Bild gefunden: „Gerüst eines Neubaues“ (Abb. 1). Auf
diesem Bild gibt es nur so etwas wie ein Gerüst. Ein mögliches Haus jedoch gibt
es nicht; nur dunkle wolkenartige Atmosphären im Hintergrund. Das Bild eignet
sich als Metapher für das, was ich unter „Wissen“ (in einem sehr breiten Sinn)
verstehe.
Es gibt nicht nur ein, sondern viele Gerüste, die einen Raum umstellen. Ich
spaziere auf diesen Gerüsten (den unterschiedlichen wissenschaftlichen Per-
spektiven), von denen aus ich einen Blick auf das Haus werfe. Es ist auch ein
abenteuerlicher Blick, weil das Haus ja gar nicht da ist: Das Haus existiert nur als
ein imaginärer Entwurf, wie er von einem Blickpunkt aus erscheinen könnte. Das
Haus wird es auch nie geben, nur die unterschiedlichen Bilder, die von den Be-
trachtern auf diesen Gerüsten hervorgebracht werden. Das ist natürlich „nur“
eine Metapher. Sie zeigt aber sehr schön, dass Wissen immer nur etwas Imagi-
näres ist, niemals eine Tatsache. Tatsachen schaffen wir mit Praktiken.
Wir wollen also Theorien und Praktiken auf die Spur kommen, von denen
aus Bildungsprozesse in der frühen Kindheit sozial und individuell hervorge-
bracht werden, und sie zu einem imaginären Wissensnetzwerk zusammenbin-
den. Das Vorgehen ist mehrperspektivisch. Dabei wird nicht danach gefragt, wel-
che dieser Theorien und Praktiken letztlich die gültigen wären, sondern nach Zo-
nen der Übereinstimmung in der Vielfalt der Bilder. Solchen Übereinstimmun-
gen, Konvergenzen in den Theorien und/oder Praktiken wird ein größerer Er-
kenntniswert eingeräumt als sogenannten objektiven Einzelergebnissen. Es
könnte also von Vorteil sein, mit vielfältigen Vorannahmen und Blickweisen zu
arbeiten und danach zu fragen, ob es etwas gibt, das ihre Ergebnisse verbindet.
Im Fokus dieses mehrperspektivischen Zugangs steht das Thema frühkind-
licher Bildung. Es befindet sich als Praxis und Theorie in einem Spannungsver-
hältnis zwischen funktionalistischen Vermittlungs- oder Fördervorstellungen
und der Aufgabe, den jungen Kindern dabei behilflich zu sein, ein Verhältnis zu
ihrer Um- und Mitwelt zu finden, in dem nicht nur der „Wirklichkeit“ nach nütz-
lichen Maßstäben Rechnung getragen wird, sondern in dem sie sich auch als
selbstwirksame Individuen wiederfinden.