Table Of ContentHeinz Eckart Klingelhöfer
Betriebliche
Entsorgung
und Produktion
Abfallpolitische Rahmenbedingungen
und ihre Integration in die
Produktionstheorie und die
Produktionsprogrammplanung
Klingelhöfer
Betriebliche Entsorgung und Produktion
GABLER EDITION WISSENSCHAFT
Heinz Eckart Klingelhöfer
Betriebliche Entsorgung
und Produktion
Abfallpolitische Rahmenbedingungen
und ihre Integration in die
Produktionstheorie und die
Produktionsprogrammplanung
Mit einem Geleitwort
von Prof. Dr. Manfred Jürgen Matschke
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Die Deutsche Bibliothek-CIP-Einheitsaufnahme
Klingelhöfer, HeinzEckart:
BetrieblicheEntsorgung undProduktion:abFallpolitischeRahmenbedingungenundihre
Integration indieProduktionstheorieunddieProduktionsprogrammplanung
/ HeinzEckartKlingelhöFer. MiteinemGeleitw.vonManFredJürgenMatschke.
-Wiesbaden:Dt.Univ.-Verl.;Wiesbaden:Gabler,2000
(GablerEditionWissenschaft)
Zugl.: GreiFswaid, Univ., Diss., 1999
ISBN978-3-8244-7223-9 ISBN978-3-322-89640-7(eBook)
DOI 10.1007/978-3-322-89640-7
Alle Rechtevorbehalten
© Springer FachmedienWiesbaden2000
UrsprünglicherschienenbeiBetriebswirtschaftlicherVerlagDr.Th.GablerGmbH,Wiesbaden,
undDeutscher Universitäts-VerlagGmbH,Wiesbaden2000.
lektorat:BrigitteSiegel/ SteFanieBrich
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Geleitwort
Die vorliegende Schrift wurde im September 1999 von der Rechts- und Staatswissenschaftlichen
Fakultät der Ernst-Moritz-Amdt-Universität Greifswald unter dem Titel ,,Betriebliche Entsorgung
und Produktion. Abfallpolitische Rahmenbedingungen und ihre Integration in die Produktionstheo
rie und die Produktionsprogrammplanung" als Dissertation angenommen. Ihre Aufgabenstellung ist
außerordentlich breit angelegt und zugleich außerordentlich anspruchsvoll; denn die rechtlich oder
qualitativ geprägten abfallpolitischen Rahmenbedingungen werden nicht bloß exemplarisch, son
dern umfassend in sehr formal ausgerichtete betriebswirtschaftliche Teilgebiete integriert.
Im einzelnen möchte Herr Klingelhöfer mit seiner Arbeit I. die abfallpolitischen Rahmenbedin
gungen einer umfassenden ökonomischen, insbesondere betriebswirtschaftliehen Analyse unterzie
hen, 2. das abfallpolitische Instrumentarium systematisch und umfassend in eine der zentralen be
triebswirtschaftlichen Theorien, nämlich in die Produktionstheorie, die die mengenmäßigen Ge
setzmäßigkeiten zwischen Input und Output betrieblicher Leistungserstellungsprozesse untersucht,
integrieren sowie 3. darüber hinaus auch in die betriebliche Programmplanung einbinden, bei der es
um die Entwicklung und Anwendung von Modellen zur einzelwirtschaftlichen wertorientierten Op
timierung betrieblicher Leistungserstellungsprozesse geht.
Dieser Aufgabenstellung folgt auch die Gliederung. Im Grundlagenteil werden von Herrn Klingel
höfer im hohen Maße eigenständig juristische und wirtschaftliche Gesichtspunkte der einzelnen
Maßnahmen zusammenführend diskutiert und dabei mehrere Instrumente erstmals auf ihre Taug
lichkeit auch zur Bewältigung der Abfallproblematik hin untersucht. In diesem Zusammenhang
entwickel; er eigene, speziell an die Abfallproblematik angepaßte Varianten bekannter Instrumente
(vor allem bei Kompensationslösungen und Zertifikaten) und diskutiert die in der Literatur, in Ge
setzen und Rechtsprechung vertretenen Ansätze (speziell bei Abgaben und im Umwelthaftungs
recht). Er weist dabei neben rechtlichen vor allem auch auf wirtschaftliche Grenzen der besproche
nen Instrumente hin (insbesondere beim Umwelthaftungsrecht) und entwickelt eigene Vorstellun
gen zu einer sinnvollen wirtschaftlichen Umsetzung (etwa bei Gebühren und Beiträgen und bei
Sonderabgaben).
In der Produktionstheorie sind es meines Erachtens vor allem die von ihm entworfenen Modelle zur
internen und externen Kreislaufführung, die es verdienen, hervorgehoben zu werden. Sie ermögli
chen nicht nur die einfache Erfassung von Zyklen einzelner ganzer Objekte mit fixen Kreislaufquo
ten, sondern auch typischer Recyclingfragestellungen - speziell variable Rückführungs- oder Wic
dereinsatzquoten, Schwund, Komponentenvermehrungen und nicht völlige Ersetzbarkeil sowie
darüber hinaus von Zeitaspekten sowohl hinsichtlich der Objekte als auch hinsichtlich der Techno
logie. Anhand einer eigenständigen Systematisierung der Produktionsheschränkungen gelingt es
ihm, die verschiedensten Arten von Umweltschutzrestriktionen (speziell von Recyclingrestriktio
nen, aber auch von Verfahrensrestriktionen im Falle additiver Umweltschutzmaßnahmen) großen
teils erstmals für die Produktionsprogrammplanung verwertbar abzubilden - und zwar selbst von
solchen, die bisher für nicht oder für nur teilweise erfaßbar gehalten wurden (wie Massenkonzen-
trations-und Geruchszahlbe:;t:hränkungen). Hervorzuheben ist auch die Anpassung an Objektmen
genrestriktionen mit Hilfe von Kreislaufführung und additiven Umweltschutzmaßnahmen.
Im Falle der Produktionsprogrammplanung sind die Erfassung von mengenabhängigen Preisen und
Gesamtdeckungsbeitragssprüngen sowie die Behandlung der speziell mit der betrieblichen Entsor
gung zusammenhängenden Bewertungsprobleme hervorzuheben, insbesondere die Modelle zur
Erfassung der additiven Umweltschutzmaßnahmen und des Recyclings, die zu einem partialisierten
mehrperiodigen Produktionsprogrammplanungsmodell ausgebaut werden, mit dem sich alle typi
schen Entsorgungsfragestellungen (zumindest) abbilden lassen. Sehr gefallen hat mir auch die sy
stematische Analyse der Auswirkungen der verschiedensten Produktionsbeschränkungen und des
marktwirtschaftliehen abfallpolitischen Instrumentariums, wobei ich die differenzierte Betrachtung
der Zertifikate hervorheben möchte. Kompensationslösungen, das Umwelthaftungsrecht und das
Umweltstraf- und -ordnungswidrigkeitenrecht wurden meines Wissens im einschlägigen Schrift
tum überhaupt noch nicht hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Produktionsprogrammplanung
erfaßt.
Die Arbeit weist eine thematisch bedingte große Breite und einen hohen Schwierigkeitsgrad auf. Sie
ist außerordentlich innovativ und zeichnet sich durch tiefgehende, fast schon pedantische Gründ
lichkeit in der Darstellung und Sorgsamkeit im Urteil aus. Ihr Kennzeichen ist Präzision in der Ge
dankenführung und in der Ausdrucksweise, die dem Leser zwar nicht vor den Schwierigkeiten der
Materie bewahrt, aber ihn sicher zum Verständnis geleitet.
Wer sich auf den Gebieten der Produktionstheorie und der Produktionsprogrammplanung mil dem
Problem des Umweltst:hutz auseinandersetzen möchte, kann an dieser Arbeit nicht vorbeigehen, die
mit dem Dissertationspreis der Commerzbank-Stiftung für die beste Dissertation des Jahres 1999
auf dem Gebiet der Rechts- und Staatswissenschaften ausgezeichnet worden ist. Ich wünsche ihr
eine breite Beachtung in Forschung, Lehre und Praxis.
Prof. Dr. Manfred Jürgen Matschke
Vorwort
Dachte ich n<'ch im April 1993, zu Anfang meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Institut für Wirtschaftswissenschaft der TU Clausthal, daß es ohne weiteres möglich sein müsse.
die Stadt nach zwei bis drei Jahren mit dem Doktorgrad zu verlassen, so wurde ich doch schnell
eines Besseren belehrt: Aus Clausthal-Zellerfeld verabschiedete ich mich zwar in der Tat schon im
September 1995, keineswegs indes mit einer fertigen Arbeit. Verantwortlich für den Ortswechsel
war vielmehr die Hinwendung meines Doktorvaters nach Greifswald, um den dortigen Studien
gang der Betriebswirtschaftslehre neu aufzubauen (und verbunden damit den Lehrstuhl für Allge
meine Betriebswirtschaftslehre und Betriebliche Finanzwirtschaft, insbes. Unternehmensbewer
tung); meine Dissertation jedoch begann-wenngleich nach umfangreichen Vorarbeiten - eigentlich
erst zu dieser Zeit richtig, ihre schriftliche Form anzunehmen.
Betriebliche Entsorgung und Produktion - zwei Forschungsgebiete, bei denen bereits ihre gegen
seitige Abhängigkeit Anlaß zu der Vermutung gibt, daß sie sich gut verbinden lassen. Daß der Teu
fel aber auch hier wieder im Detail liegt, zeigte sich freilich recht bald: Gerade im Bereich der Ab
fallpolitik hat man es (wie generell in der Umweltpolitik, auf die sich die meisten Erkenntnisse die
ser Arbeit verallgemeinern lassen) mit einer Unmenge von tatsächlichen und möglichen Rahmenbe
dingungen zu tun, die keineswegs bloß wirtschaftlicher Natur sind. Eine einseitig ökonomische
Betrachtung führte in einer solchen Situation aber (wie umgekehrt übrigens auch eine einseitig juri
stische) zu einer groben Simplifizierung. die wesentliche Aspekte der mit der betrieblichen Ents<'r
gung verbundenen Fragestellungen außer acht läßt. Und die heutige Spezialisierung des akademi
schen Wissens in verschiedene Disziplinen trägt nicht eben zu einer Überwindung dieses Problems
bei. Was sollte da der Sache förderlicher sein als die Arbeit an einer (zudem gerade erst wiederge
gründeten) Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät, die es erlaubt, beide Seiten des Pro
blems auszuleuchten, um aus deren gründlicher Analyse die notwendigen Schlüsse zu ziehen? -
Aufgrund der erforderlichen Auseinandersetzung mit ganz unterschiedlichen Denkweisen allerdings
ein bisweilen nicht einfacher Weg.
Zuvörderst danken möchte ich an dieser Stelle meinem verehrten akademischen Lehrer Herrn Prof.
Dr. Manfred Jürgen Matschke, der mich an die betriebliche Umweltökonomie herangeführt und mir
die erforderlichen wissenschaftlichen Freiräume immer gewährt hat. Die von ihm geschaffene
Lehrstuhlkultur war mir stets eine große Unterstützung. Dank gebührt ebenfalls meinem Zweitgut
achter Herrn Prof. Dr. Rainer Leisten, der sich trotz großer Belastung infolge seiner Rufannahme
in Duisburg und des damit verbundenen Umzugs intensiv mit diesem Werk auseinandergesetzt hat
und wertvolle Verbesserungsvorschläge unterbreiten konnte. Zum angenehmen Arbeitsklima in den
Clausthaler Jahren des Entstehens der Arbeit trug darüber hinaus ganz besonders auch Herr Prof.
Dr. Rolf Schwinn bei, mit dem ich viele angenehme Gespräche führen durfte und der mich selbst
dann, wenn es nicht so gut lief (weil mir beispielsweise jemand anderes in meiner ursprünglichen
Ausgestaltung des Dissertationsthemas zuvorkam und mir somit bloß der Neuanfang blieb), stets
aufzumuntern verstand. Dafür sei ihm an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt.
Ebenfalls zu besonderem Dank verpflichtet fühle ich mich gegenüber meinem Kollegen Herrn PD
Dr. Thomas Hering für seine ständige Diskussionsbereitschaft zu Fragestellungen des Operations
Research sowie für das Gegenlesen und detaillierte Kommentieren wesentlicher Teile der fertigen
Arbeit. Danken möchte ich außerdem meinem mittlerweile leider verstorbenen Kollegen Herrn
Rechtsanwalt Dr. Robert Haller für das Gegenlesen der juristischen Ausführungen meiner Arbeit
sowie meinen ehemaligen Kollegen Herrn Prof. Dr. Bernd Lemser und Herrn Dr. Albert Tillmann
für die zahlreichen umweltpolitischen Diskussionen in den Clausthaler Zeiten und das bis in viele
gemeinsame private Aktivitäten hineinreichende angenehme Betriebsklima. Zu nennen sind ferner
unsere studentischen Hilfskräfte, die mir in den vielen Jahren der permanenten Anstrengung viel
Arbeit mit der Literaturbeschaffung abnahmen.
Meinen herzlichen Dank möchte ich schließlich ebenso meinen Eltern Annegret und Heinrich (t)
K.lingelhöfer aussprechen, die mir während meiner langen "Ausbildungszeit' trotz manchmal ab
weichender Meinung immer unterstützend zur Seite standen. Dies gilt nicht zuletzt und ganz beson
ders auch für meine Ehefrau Francisca, die all die aus meinen wöchentlichen Arbeitszeiten von weit
über 100 Stunden resultierenden Einschränkungen stets mitgetragen hat.
Heinz Eckart K.lingelhöfer
Jnhaltsver:eichnis IX
Inhaltsverzeichnis
Beispielverzeichnis .............................................................................. XVII
Abbildungsverzeichnis ........................................................................... XIX
Abkürzungsverzeichnis .......................................................................... XXI
Verzeichnis verwendeter mathematischer Zeichen ................................ XXIX
Verzeichnis der verwendeten Variablen und Konstanten ........................ XXXI
Verzeichnis der verwendeten Indizes .................................................. XXXV
1 Einleitung und Gang der Untersuchung .................................. 1
2 Grundlagen und abfallpolitische Rahmenbedingungen einer
betrieblichen Entsorgung. .................................................... 5
2. I Abfall und Entsorgung - Grundlagen ....................................... 5
2. I .I Der Begriff der 'Umwelt' .................................................................. 5
2.1.2 'Abfall' und die Abfallproblematik-ein historischer Abriß ........................... 7
2.1.2.1 Abfall und die Abfallproblematik bis zum Inkrafttreten des Abfallbeseiti-
gungsgesetzes ......................................................................... 7
2.1.2.2 Entwicklung eines gesetzlichen Abfallbegriffs und der daraus resultieren
den Anforderungen an die Entsorgung im Vorfeld des Kreislaufwirt-
schafts-und Abfallgesetzes ......................................................... 13
2.1.3 Die heutige rechtliche Einstufung als Abfall und die Anforderungen an die
betriebliche Abfallvermeidung, -Verwertung und -beseitigung nach dem
Kreislaufwirtschafts-und Abfallgesetz .................................................. 20
2. I .4 Das ökonomische Verständnis von Abfall und betrieblicher Entsorgung sowie
Ansätze zu einer Berücksichtigung entsorgungsorientierter Fragestellungen im
Betrieb ....................................................................................... 33
2.1.4.1 Der einzelwirtschaftliche Abfallbegriff und seine Abgrenzung ................. 33
2.1.4.1.1 Abfall als Ergebnis von Kuppelproduktionsprozessen .................... 33
2.1.4.1.2 Auswirkungen juristischer Abfalldefinitionen auf das einzelwirt-
schaftliche Verständnis von Abfall ........................................... 4 I
2.1.4.1.3 Der Wertstoffbegriff als Gegensatz zum einzelwirtschaftlichen
Abfallbegriff? ................................................................... 43