Table Of ContentBerufl iche Passagen im Lebenslauf
Kurt Häfeli • Markus P. Neuenschwander
Stephan Schumann (Hrsg.)
Berufl iche Passagen
im Lebenslauf
Berufsbildungs- und
Transitionsforschung in der Schweiz
Herausgeber
Kurt Häfeli Stephan Schumann
Zürich, Schweiz Konstanz, Deutschland
Markus P. Neuenschwander
Solothurn, Schweiz
Diese Publikation wurde ermöglicht durch die fi nanzielle Unterstützung des schweize-
rischen Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).
ISBN 978-3-658-10093-3 ISBN 978-3-658-10094-0 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-658-10094-0
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Inhaltsverzeichnis
Josef Widmer, SBFI
Vorwort .......................................................................................................... 7
Kurt Häfeli, Markus P. Neuenschwander & Stephan Schumann
Transitionsforschung in der Schweiz – ein kurzer Überblick ..................... 9
Teil I: Berufsfi ndung und Einstieg in die Berufsausbildung
Rolf Becker & David Glauser, Universität Bern
Geschlechtsspezifi sche Berufswünsche und
Ausbildungsentscheidungen ......................................................................... 21
Christof Nägele & Markus P. Neuenschwander, FHNW, PH
Passt der Beruf zu mir? ................................................................................. 49
Determinanten und Konsequenzen wahrgenommener Passung mit dem
Lehrberuf beim Übergang in die Berufsbildung
Teil II: Berufsausbildung
Lucio Negrini, Lara Forsblom, Stephan Schumann & Jean-Luc Gurtner,
Universitäten Fribourg und Konstanz
Lehrvertragsaufl ösungen und die Rolle der betrieblichen
Ausbildungsqualität ...................................................................................... 77
Nadia Lamamra & Barbara Duc, EHB Lausanne
Die duale Berufsausbildung .......................................................................... 101
Von einem sanft en Übergang zur Arbeitswelt zu einer Anpassung
an ihre neuen Mechanismen
6 Inhaltsverzeichnis
Yves Schafer & Franz Baeriswyl, Universität Freiburg
Erfolg in der Berufsbildung .......................................................................... 127
Faktoren des objektiven Ausbildungserfolgs bei Absolventen/-innen
der dualen kaufmännischen Berufslehre
François Rastoldo & Rami Mouad, Service de la recherche en éducation /
SRED, Genève
Berufsbildungsverläufe von Jugendlichen in Genf ....................................... 161
Teil III: Berufl iche Laufb ahn
Claudia Hofmann & Kurt Häfeli, Hochschule für Heilpädagogik, Zürich
Übergang in den Arbeitsmarkt nach einer Attestausbildung ..................... 189
Albert Düggeli & Markus P. Neuenschwander, PH FHNW
Entscheidungsprozess und Passungswahrnehmung ................................... 219
Berufsbiografi sche Ankerpunkte im Lebenslauf
Sandra Hupka-Brunner, Katja Scharenberg, Th omas Meyer & Barbara Müller,
Universität Bern
Leistung oder soziale Herkunft ? ................................................................... 243
Bestimmungsfaktoren für erwarteten und tatsächlichen berufl ichen
Erfolg im jungen Erwachsenenalter
Curdin Pfi ster & Simone N. Tuor Sartore, Universität Zürich
Determinanten von berufl ichen, akademischen und gemischten
Bildungspfaden ............................................................................................. 277
Claudia Schellenberg, Nicolas Schmaeh, Achim Hättich & Kurt Häfeli,
Hochschule für Heilpädagogik, Zürich
Horizontale und vertikale Mobilität in Berufsverläufen vom
Jugendalter bis zum 49. Lebensjahr ............................................................. 305
Angaben zu den Autorinnen und Autoren ................................................... 335
Vorwort
Der Stellenwert und die Wertschätzung der Schweizer Berufsbildung sind in
jüngster Zeit weit über die Landesgrenzen hinaus stark gestiegen. Das duale Be-
rufsbildungssystem gilt heute sowohl als treibender Erfolgsfaktor der Schweizer
Wirtschaft als auch als Stärke der Schweiz im internationalen Wettbewerb.
Mit Eintritt in die Sekundarstufe II beginnt für Heranwachsende der nach-
obligatorische Teil ihrer Ausbildung. Rund zwei Drittel aller Jugendlichen ent-
scheiden sich, eine berufl iche Grundbildung in Angriff zu nehmen. Dieser erste
Übergang, die erste Nahtstelle, erfordert wegweisende Auswahl- und Entschei-
dungsprozesse im Hinblick auf die eigene Berufsbiografi e. Auch während der Be-
rufsausbildung und später an der zweiten Schwelle (Sekundarstufe II – Tertiärstu-
fe respektive den Arbeitsmarkt) treff en die jungen Erwachsenen Entscheidungen,
die den eigenen Bildungsverlauf und Berufsweg grundlegend prägen.
Berufsbildungsentscheidungen sind nicht nur für die Individuen von grosser
persönlicher Bedeutung, sondern auch für die Wirtschaft und die Gesellschaft
als Ganze. Die Transitionsforschung und ihre Erkenntnisse erlauben die Gene-
rierung von Wissen über die Schnittstellen im Berufsbildungssystem und tragen
wesentlich zur stetigen und evidenzorientierten Verbesserung und Weiterent-
wicklung unseres Berufsbildungssystems bei. Gleichzeitig können sie aber auch
helfen, Aspekte der Fachkräft eproblematik oder der Chancengerechtigkeit neu zu
beleuchten. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI
legt deshalb schon seit geraumer Zeit im Rahmen der von ihm geförderten Be-
rufsbildungsforschung einen Schwerpunkt auf die Transitionsforschung.
Bund und Kantone sind sich der immensen Bedeutung der Übergänge im
(Berufs-) Bildungssystem bewusst. Die Analyse von Bildungsverläufen steht im
Zentrum des nationalen Bildungsmonitorings. Ausserdem stellen eine verbesser-
te Studien- und Berufswahl beziehungsweise Berufsberatung einen gemeinsamen
Handlungsschwerpunkt von Bund und Kantonen dar.
In diesem Sinne möchte ich die Gelegenheit nutzen, den Herausgebern des vor-
liegenden Sammelbandes, Herrn Prof. Dr. Kurt Häfeli, Herrn Prof. Dr. Markus
Neuenschwander sowie Herrn Prof. Dr. Stephan Schumann für ihr Engagement
8
im Bereich der Transitionsforschung zu danken. Gleichzeitig danke ich allen Au-
torinnen und Autoren dieses Sammelbandes ebenso herzlich. Sie leisten einen
wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung der Berufsbildung in der Schweiz.
Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation
Der stellvertretende Direktor
Josef Widmer
Transitionsforschung in der Schweiz –
ein kurzer Überblick
Kurt Häfeli, Markus P. Neuenschwander & Stephan Schumann
Am Übergang von der Schule in den Beruf werden wichtige Weichen gestellt, die
den Lebenslauf eines Menschen vorbereiten. Jugendliche müssen sich zwischen
verschiedenen Ausbildungsgängen und Berufen entscheiden und sich für ge-
wünschte Zulassungen qualifi zieren. Dabei unterscheiden sich die Anforderun-
gen im Bildungssystem deutlich von denjenigen im Wirtschaft ssystem bzw. in der
Arbeit. Entsprechend sind Schulen mit der Aufgabe konfrontiert, einerseits die
eigenen bildungsimmanenten Ansprüche zu erfüllen, andererseits die Schülerin-
nen und Schüler auf den neuen berufl ichen Kontext vorzubereiten. Die Betriebe
stehen vor der Herausforderung, durch Produktivität ihr Überleben bzw. ihren
Gewinn zu sichern und gleichzeitig ihren eigenen Nachwuchs zu qualifi zieren
und eine hohe Ausbildungsqualität bereitzustellen.
Entsprechend anforderungsreich gestaltet sich dieser Übergangsprozess für die
jungen Menschen und deren Unterstützungspersonen. Daher ist es nicht erstaun-
lich, dass das Interesse an diesen Übergangsprozessen in der öff entlichen Wahr-
nehmung stark zugenommen hat. Nicht nur die Berufs- und Laufb ahnberatung,
sondern auch die Schule und Ausbildungsinstitutionen sowie die Betriebe suchen
Wege, wie junge Menschen beim Berufseintritt unterstützt werden können, so
dass jede Person zur richtigen berufl ichen Funktion fi ndet. Gleichzeitig sind der
Übergang in den Beruf und die berufl iche Entwicklung häufi g von Unterbrüchen
und Umwegen charakterisiert. Frühe berufl iche Ziele werden immer seltener
direkt erreicht. Aufgrund des Fachkräft emangels hat sich der Handlungsbedarf
zugespitzt. Damit sind auch spätere Phasen der berufl ichen Entwicklung (Berufs-
wechsel, Nachholbildung, Weiterbildung etc.) relevant geworden.
K. Häfeli et al. (Hrsg.), Berufliche Passagen im Lebenslauf,
DOI 10.1007/978-3-658-10094-0_1, © Der/die Autor(en) 2015
10 Kurt Häfeli, Markus P. Neuenschwander & Stephan Schumann
1 Einbettung und Zielsetzung
Trotz der herausragenden Bedeutung des Übergangs von der Schule in den Beruf
und der weiteren berufl ichen Entwicklung für Individuen und Betriebe ist die
Forschungslage in diesem Th emenbereich erstaunlich mager. In einer Literatur-
übersicht konnten Häfeli und Schellenberg (2009) zwar knapp 60 Studien oder
Projektevaluationen zum Übergang von der Schule in die Arbeitswelt zusammen-
stellen, die in der Schweiz von 2000-2009 durchgeführt wurden. Allerdings waren
viele dieser Untersuchungen in ihren Aussagen begrenzt, weil sie nur einige we-
nige Merkmale untersuchten, sich auf Stichproben mit eingeschränkter Aussage-
kraft bezogen oder ein querschnittliches Design aufwiesen. Zudem konzentrier-
ten sie sich meist auf die erste Schwelle, d.h. den Übergang von der Sekundarstufe
I in die Sekundarstufe II, in zweiter Linie auf die Berufsausbildung, wobei die
wichtigen Lehrvertragsaufl ösungen selten untersucht wurden. Wenig Beachtung
fand die zweite Schwelle - der Übergang von der Sekundarstufe II in die weiter-
führende Tertiärstufe oder in den Arbeitsmarkt.
Einige wenige Studien waren breit angelegt und als Längsschnitt konzipiert:
TREE (Bertschy, Böni, & Meyer, 2007), FASE B (Neuenschwander, Frey, & Gasser,
2007), INTSEP (Haeberlin, Imdorf, & Kronig, 2004), LEVA (Schmid & Stalder,
2008), Hochbegabung (Stamm, 2005, 2007), COCON (Buchmann, 2007), ZLSE
(Spiess Huldi, 2009). Einige dieser Studien sind in der Zwischenzeit abgeschlos-
sen (Eckhart, Haeberlin, Sahli Lozano, & Blanc, 2011; Neuenschwander, Gerber,
Frank, & Rottermann, 2012; Schmid, 2010), andere wurden fortgesetzt (Bergman,
Hupka-Brunner, Keller, Meyer, & Stalder, 2011; Buchmann, 2013; Buchmann &
Kriesi, 2012; Schellenberg, Häfeli, Schmaeh, & Hättich, 2013). Eine bilanzierende
Gesamtschau daraus zu ziehen, ist schwierig, da die Studien zu unterschiedlich
angelegt sind. Es wird aber doch klar, dass die soziale Herkunft , der Schultyp der
Sekundarstufe I und die schulische Leistungsfähigkeit, aber auch das Geschlecht
und die Nationalität bzw. der Migrationshintergrund eine wichtige Rolle spielen
(Häfeli & Schellenberg, 2009; Neuenschwander, 2014). Der Erfolg im Bildungswe-
sen scheint also wesentlich von sozialstrukturellen Merkmalen abhängig zu sein.
Insgesamt zeigen diese Befunde, dass berufl iche Kompetenzentwicklung und Be-
rufserfolg als Produkt vielfältiger Einfl usssysteme (Person, Schule, Beruf, Fami-
lie) verstanden werden müssen und sich nicht auf wenige Einfl ussbedingungen
oder -systeme reduzieren lassen. Zur Erklärung dieser Befunde werden je nach
Studie unterschiedliche theoretische Konzepte verwendet, die das Zusammen-
spiel von Person und Umwelt thematisieren. Diese unterschiedlichen konzep-
tuellen Zugänge sind zum einen hilfreich für eine möglichst perspektivenreiche