Table Of ContentAFRIKANISTISCHE FORSCHUNGEN
BEGRÜNDET VON
JOHANNES LUKAS f
PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT HAMBURG
HERAUSGEBER
JÜRGEN ZWERNEMANN
UND
EKKEHARD WOLFF
BAND IX
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LUDWIG GERHARDT
BEITRÄGE
ZUR KENNTNIS DER SPRACHEN
DES NIGERIANISCHEN PLATEAUS
VERLAG J.J. AUGUSTIN GmbH • GLÜCKSTADT
1983
BEITRÄGE
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ZUR KENNTNIS DER SPRACHEN
DES NIGERIANISCHEN PLATEAUS
LUDWIG ^GERHARDT
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VERLAG J. J. AUGUSTIN GmbH • GLÜCKSTADT
1983
Alle Rechte vorbehalten
Gedruckt mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft
Bonn - Bad Godesberg
ISBN 3-87030-062-0
Herstellung: Druckerei JJ. Augustin GmbH • Glückstadt
Printed in Germany
In memoriam
Johannes Lukas (1901-1980)
VORWORT
Die vorliegende Arbeit baut im wesentlichen auf Material auf, das im
Jahre 1969 in Nordnigeria aufgenommen worden ist. Eine erste Fassung
wurde im Jahre 1974 vom Fachbereich Orientalistik der Universität
Hamburg als Habilitationsschrift angenommen.
Was seither über die Plateausprachen insgesamt oder an Einzelstudien
erschienen ist, ist zwar quantitativ nicht bedeutend, hat aber fast immer
direkten Bezug zu dem, was in der vorliegenden Arbeit behandelt wird.
Die wichtigsten Arbeiten sind die von N. McKinney und C. McKinney
über das Kaje und von Hoffmann über das Che (Rukuba). In diesen
Arbeiten werden wichtige Einzelheiten der phonologischen Systeme
dargestellt, die aus dem mir zur Verfügung stehenden Material nicht
ersichtlich geworden sind.
Ebenfalls zu nennen sind die Neuklassifikationen innerhalb des von
J. H. Greenberg aufgestellten Benue-Congo-Zweiges der Niger-Kordo-
fan-Sprachfamilie. Hier müssen die Arbeiten von Shimizu und
Bennett/Sterk genannt werden. Sie werden an der entsprechenden
Stelle gewürdigt.
Es ist versucht worden, die genannten Arbeiten in die vorliegende
Studie mit einzubeziehen, soweit das ohne weitgehende Eingriffe in
den ursprünglichen Aufbau möglich war.
In der ersten Fassung konnte noch von der Hypothese ausgegangen
werden, daß die von Greenberg im Jahre 1963 etablierten sog. Plateau
sprachen als Untergruppe der Benue-Congo-Sprachen eine sprachliche
Einheit bildeten. Dies ist in der Zwischenzeit in mehreren Publika
tionen bestritten worden. Auch eigene lexikostatistische Versuche mit
Plateausprachen aus verschiedenen Untergruppen haben diese Zweifel
bestätigt. Für den Gesamtaufbau der vorliegenden Studie hat dies aber
insofern keine Konsequenzen, als in allen Untersuchungen die hier als
kleinste Gruppen zusammengefaßten Sprachen ebenfalls als Einheiten
erscheinen.
Nachdem in den letzten zehn Jahren große Anstrengungen unter-
* *
nommen worden sind, einen Überblick über das gesamte Gebiet der
Benue-Congo-Sprachen zu bekommen, schien es an der Zeit, in den
einzelnen Unterfamilien, Gruppen und Untergruppen detaillierter zu
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arbeiten. Deshalb bestand das Ziel dieser Arbeit ursprünglich darin,
eine Charakterisierung der Gruppe der Benue-Congo-Sprachen vorzu
nehmen, die von Greenberg unter dem Namen “Plateau” in die Lite
ratur eingeführt worden ist. Dies sollte auf lexikalischem und morpho
logischem Gebiet erfolgen. Hier boten sich zunächst die nominalen
Klassen, in zweiter Linie die Reste verbaler Stammerweiterungen an.
Ausgangspunkt für diese Untersuchung sind die in den bisherigen Klas
sifikationen aufgestellten kleinsten Gruppen, deren Eigengut beschrei
bend und vergleichend dargestellt wird. Auf der nächsthöheren klassifi-
katorischen Ebene wird gezeigt, daß diese Untergruppen vielfältige
Beziehungen zueinander aufweisen, die sich aber nicht nach dem
Stammbaummodell zu einer widerspruchsfreien Klassifikation zusam
menfassen lassen. Ebenso wird deutlich, daß die Einheit der Green-
bergschen Plateausprachen nicht zu halten ist, daß aber ein zentraler
Bereich dieser Sprachen eine offensichtliche sprachliche Einheit
darstellt, von der die nördlich und auch südlich dieses Bereiches gespro
chenen Sprachen abgetrennt werden müssen.
Die vorliegende Arbeit wäre nicht zustandegekommmen ohne die Hilfe
und Unterstützung von Personen und Institutionen, denen ich meinen
tiefen Dank aussprechen möchte:
Der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die mir die Feldarbeit in
Nigeria ermöglicht, mich durch ein Habilitandenstipendium während
zweier Jahre gefördert und schließlich die Drucklegung dieser Arbeit
gesichert hat.
Dem Altmeister der deutschen Afrikanistik und früheren Direktor
des Seminars für Afrikanische Sprachen und Kulturen der Universität
Hamburg, Professor Dr. Johannes Lukas, der mich als Studenten auf
die Plateausprachen aufmerksam gemacht und während der vergan
genen Jahre meine Arbeit immer nach Kräften gefördert und mir auch
persönlich jede Unterstützung gewährt hat.
Der Sudan Interior Mission als Trägerorganisation des Kagoro
Teachers’ College sowie dessen Headmaster Mallam Al Bolly, der mir
während eines halben Jahres in seinem Hause großzügigste Gastfreund
schaft gewährt und mir dadurch einen idealen äußeren Rahmen für
meine Arbeit gegeben hat.
Den zahlreichen Sprachinformanten, die in der viel zu kurzen Zeit
unserer Zusammenarbeit mit Geduld und Verständnis auf meine für sie
bestimmt oft merkwürdigen Fragen eingegangen sind.
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Dem Chief of Kagoro, Gwamna Awan, und seinem Sohne Gideon
Gwamna stellvertretend für alle afrikanischen Freunde sowie Dr. John
Ballard, damals Ahmadu Bello University, Zaria, stellvertretend für alle
Freunde in den akademischen Institutionen in Nigeria.
Der University of Ibadan für die Verleihung des Status eines Rese-
rarch Associate, ohne die die Durchführun des gesamten Projektes
nicht durchführbar gewesen wäre; das ilt auch für die Ahmadu Bello
University in Zaria.
Dem Direktor des Seminars für Afrikanische Sprachen und Kulturen,
Professor DDr. Ernst Hammerschmidt, der mir während meiner Assi
stentenjahre in Hamburg eine freie und ungestörte wissenschaftliche
Tätigkeit ermöglicht hat.
Dem Direktor des Instituts für Afrikanistik der Universität zu Köln,
Prof. Dr. Bernd Heine, für die Bereitwilligkeit, die Karten zu diesem
Buch in seinem Institut herstellen zu lassen.
Schließlich meiner Frau, die die erste Fassung dieser Arbeit ins Reine
geschrieben hat.
Hamburg, 15. Juli 1981
Mwenye kutoa kwa kweli
hana budi ni fadhili
kumurehemu Jalali
siku ya nyota na ndaa
Na ambao wasikiza
akili ye akatunza
fadhli zake muweza
hana budi nakutwaa
(Chuo Cha Herkal, Vers 1006/7)
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INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort
Abkürzungsverzeichnis 15
0. Einleitun
0.1. Allgemein........................ 19
Sprachliche Bemerkungen 30
Frühere Klassifikationen 36
Methode .......................... 45
1. Phonologie
1.1. Das Lautsystem der Kagoro-Untergruppe
1.1.1. Die Lautsysteme der Sprachen der Kagoro-Unter
gruppe ............................................................... 48
0. Einleitung 48; 1. Kagoro 48; 2. Katab 53; 3. Ata-
kar 54; 4. Kaje 55; 5. Zarek 56
1.1.2. Phonologischer Vergleich der Plateau 2-Sprachen
(Kagoro-Untergruppe) ................................... 57
0. Einleitung 57; 1. Das Lautsystem des PP 2 (Kago-
_ • fi
ro-Untergruppe) 57; 2. Änderungen gegenüber
Gerhardt (1967-69) 59; 3. Vergleichende Lautlehre
des Atakar 60
1.1.3. Wurzelverzeichnis PP 2 (Kagoro-Untergruppe) ... 67
1.2. Das Lautsystem der Plateau 2-Sprachen (Jaba-Untergruppe)
1.2.1. Die Lautsysteme der Plateau 2-Sprachen (Jaba-Un-
tergruppe) ........................................................
1. Jaba (Kwoi-Dialekt) 85; 2. Jaba (Jaban Ketare-Dia-
lekt) 87; 3. Kagoma 87; 4. Koro 89; 5. Lungu 90
1.2.2. Phonologischer Vergleich der Plateau 2-Sprachen
(Jaba-Untergruppe) ......................................... 91
1. PP 2 (Jaba-Untergruppe) 91; 2. Lautentsprechun
gen 92
1.2.3. Wurzelverzeichnis Plateau 2 (Jaba-Untergruppe) 95
1.3. Das Lautsystem der Plateau 4-Sprachen
1.3.1. Die Lautsysteme der Plateau 4-Sprachen .............. 108
1. Nindem 108; 2. Kaningkom 109; 3. Ninzam HO;
4. Mada (West-Dialekt) 112; 5. Mada (Nord-Dialekt)
112; 6. Che 113
1.3.2. Phonologischer Vergleich der Plateau 4-Sprachen
0. Einleitung 113; 1. Das Lautsystem des PP 4 114
1.3.3. Wurzelverzeichnis PP 4 ........................................... 124
1.4. Englischer Index der rekonstruierten Formen ................. 139
2. Die Nominalsysteme
2.1. Das Nominalsystem der Plateau 2-Sprachen (Kagoro-Unter
gruppe)
2.1.1. Die Nominalsysteme der einzelnen Sprachen .... 155
1. Nominalklassen im Kagoro 155;
2. Nominalklassen im Atakar 164;
3. Nominalklassen im Katab 165;
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4. Nominalklassen im Kaje 167; 5. Nominalklassen
im Zarek 168
2.1.2. Vergleich der nominalen Klassensysteme der Plateau
2-Sprachen (Kagoro-Untergruppe)................. 169
2.1.3. Das Protosystem der Plateau 2-Sprachen (Kagoro-
Untergruppe) ................................................... 178
2.2. Das Nominalsystem der Plateau 2-Sprachen (Jaba-Unter-
gruppe)
2.2.1. Die Nominalsysteme der einzelnen Sprachen ....
1. Das nominale Klassensystem des Jaba (Kwoi-Dia-
lekt) 179; 2. Das nominale Klassensystem des Jaba
(Jaban Ketare-Dialekt) 180; Das nominale Klassensy
stem des Kagoma 180; 4. Das Nominalsystem des
Koro 181; 5. Das Klassensystem des Lungu 183
2.2.2. Vergleich der nominalen Klassen der Jaba-Unter-
gruppe ............................................................... 184
0. Einleitung 184; 1. Jaba und Kagoma 184; 2. Koro
und Lungu 190; 3. Kagoma und Koro 191
2.2.3. Das Protosystem ...................................................... 194
2.3. Das Nominalsystem der Plateau 4-Sprachen
2.3.1. Die Nominalsysteme der Plateau 4-Sprachen....... 194
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1. Nominale Klassen im Nindem 194; Nominale Klas
sen im Kaningkom 196; 3. Nominale Klassen im
Ninzam 197; 4/5. Nominale Klassen in den Mada-
Dialekten 200; 6. Das Nominalsystem des Che 201
2.3.2. Vergleich der nominalen Klassensysteme der Plateau
4-Sprachen.................................................................. 202
3. Verbale Stammerweiterungen ................................................... 206
3.1. 5 als Erweiterungselement
3.1.1. 5 als Suffix nach Vokalen ....................................... 208
3.1.2. als Suffix nach Konsonanten .................................. 208
3.1.3. s als Infix .................................................................. 210
3.2. Andere Erweiterungsaffixe
3.2.1. Das Suffix k ............................................................. 210
3.2.2. Das Suffix y............................................................... 213
3.2.3. Das Affix l/r ............................................................. 214
3.2.4. Andere Affixe ........................................................... 215
3.3. Kombinationen von Erweiterungselementen
3.3.1. Kombination von 5 und k....................................... 216
3.3.2. -/- und andere Affixe............................................... 220
3.4. Unterschiedliche Verwendungsweise einzelner Erweite
rungselemente .............................................................. 222
3.5. Zusammenfassung............................................................ 223
4. Proto-Plateau
4.1. Lexikalisch ........................................................................ 224
4.2. Nominalklassen ............................................................... 240
4.3. Verbale Erweiterungen ........................................ 241
4.4. Subklassifikation, Zusammenfassung und Ausblick 241
Literaturverzeichnis ......................................................................... 243
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