Table Of ContentOperationen und Gefechts - Berichte
aus dem Feldzuge
in der Rhein - Pfalz und im Groſsherzogthum Baden,
im Jahre 1849.
(Fortſegung.)
(Mit einer Karte und zwei Plänen.)
!
Sdluß folgt.)
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M ilita i r - W o chen bl aa tttt
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für Juni bis Dezember 1850.
Berlin.
3r Kommiſſion bei E. S. Mittler & Sohn, Zimmerſtraße 84. 85.
Dru & feler.
Beiheftfür Oktober, Novemberund Dezember1849.
Beilage 1. Ausrüdende Stärke des iften Armee-Korpo, 3. 10. M. u. ift zu leſen: 12pfd. Batt. No. 19, Atatt:
12pft. Fuß-Batt. No. 19.
Beilage 2. Ausrüdende Stärke des 2ten Armee-Korps, 3. 10. 8. u., ift zu leſen: opfd. Fuß-Batt., ftatt:
j 6pfd.Batt. 1
Beiheft für Aprilund Mai1850.
In demBericht No.11, S.111. ift überall 10teRomp. ftatt 12teKomp., und umgekehrt, zu leſen.
In dem vorliegendenBeiheft endlich iftS. 146, 3. 13 v. u.,Mörſch ſtatt Wörſch zu leſen.
1
115
VI.
Operationen und Gefechte aller drei Armee-Korps vom 26ſten bis 30ſten Juni, oder
von der Vereinigung des lften Armee-Korps mit dem Neckar-Korps, in der Aufſtel
lung von Karlsruhe-Durlach, bis zur leßten Zerſprengung der Jnſurgenten und bis
zur Einſchließung von Raſtatt. (Gefechte von Michelbach und von Gernsbach, Ka:
nonade von Steinmauern, Gefechte am Federbach und Hirſchgrunde, Gefechte von
Biſchweier, Oberweier, Winkel. Gefecht zwiſchen Kuppenheim und Muggenſturm .
Gefechte von Steinmauern und von Kuppenheim, Belegung von Niederbühl, Ren:
contre von Iffezheim .)
Die allgemeine Lage derInſurgenten zu Anfang fivewohl berückſichtigt werden,um ſich auchmit den
des leßtenblutigen Abſchnittsdieſes Feldzuges war vorhandenen, überwiegenden Streitfräften feinen er
in allen Richtungen hoffnungolos. Sowohl die heblichen Verluſten auszuſeßen.
Shwächen der Organiſation, als die neubelebten In dieſem Sinn wurde nun von dem Prinzen
legitimen Einflüſſe hatten ſichbei der zwiefach ein- vonPreußen, unter Zuziehungder fommandirenden
getretenenFludt in ſohobem Grade wirkſam be. Generäle, in Karlsrube"am 27ſten der Operations
wieſen, daß am 25ſten Juniin und um Raſtatt an- Plan zur Forcirung des Murg-Thals auf die nac
geblich nur die Hälfte der urſprünglichen Streitfräfte ſtehende Art feſtgeſtellt:
verſammelt war. Auf eine weitere Unterſtügung Der27ſte Juni war zur Heranziehung des 2ten
in den benadybarten Staaten, konnte gar nicht, und Armee-Korps an das iſte beſtimmt, und ſollte dem
indem eigenen Lande faum nochgerechnet werden. Nedar-Korps zugleich einen Ruhetag nach den leß
Die zum großen Theil fremden Fübrer zeigten ſich ten Mårſden gewähren.
nicht minder entmuthigt, als dieMannſchaften ſelbſt. Am 28ſtenbatte fodann zunächſt das zuleßt ge
Der politiſche Rauſch war überhaupt frühgenug nannte Armee-Korps durch einen im Alb-Thal, von
verflogen. Undin dieſerVerfaſſung ſollten dreiunge Ettlingen über Herrenalb auf Gernsbach gerichteten
dwächt vereinigte undſiegreich vorrüdende Armee, Flankenmarſchim Gebirge, die Forcirung des zurück
Rorps erfolgreich bekämpft werden? Unſtreitig gebogenen rechten Flügels der feindlichen Stellung
nahte ſich alſo dieſer traurige Krieg in den folgen- einzuleiten. Ferner wardie 3te Div. des 1ften Ar
denTagen ſeiner Kataſtrophe. mee-Korps dem Nedar-Korps, deſſen Reſerve aus
Bondieſer allgemeinen lage der Inſurgenten iſt Steinsfurth und Bretten nicht mehr berangezogen
aber jedenfalls die beſondereörtliche, welche ihnen werden konnte, zur Verſtärkung überwieſen , und
die Vertheidigung des Murg-Thals als nächſte Auf- ſollte an dem in Rede ſtehendenTage von Ettlingen
gabe darſtellte, wohl zų unterſcheiden. Dieſer, an über Speſſart bis Michelbach vorbringen, um ſowohl
fid nidyt leicht zu forcirende Terrain -Abſchnitt war den rechten Flügel dieſes Rorps bei ſeiner Vorwärts
in der Rhein-Ebene, wenn er gehörig vertheio Bewegung zu ſichern, als auch die Verbindung mit
digt wurde, vermögeder Wirkung von Raſtatt, den übrigenbeiden Armee-=Korps zu erhalten. An
faft uneinnehmbar. Die weiter aufwärts liegen- demſelben Tage batteendlich das iſte Armee-Rorps
den Gebirgs-Defileen hatten zwar inſofern feine die von dem Nedar-Rorps verlaſſene Aufftellung bei
günſtige ſtrategiſche Lage, als von hier ausdie Rüd- Durlach und Ettlingen zu befeßen,das 2te Armee
zugs-linie bedroht werden konnte; die taftiſde Si- Korps aber den Plat des 1ſten aufdem rechten Flü
tuation derſelbenwar hingegenum fo ſtårfer. 3m gelin Mühlburg c. einzunehmen.
Ganzen mußtefolglich die Kraftder in dieſerStel- Am 29ſten beabſichtigte man, das recte Uferder
lung, von der Kunſt und Natur begünſtigten Defen- Murg mitdem 2ten Armee-Korps auf beiden Sei
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teu der Rheinſtraße, und mitdem 1ſtenArmee-Rorp$ dem KorpsdesGen. Lt. v.Peuder vom 1ften Preuß.
auf beiden Seiten derBergſtraße,alſo auch in dem- Korpo zuerreichenverſucht,derFeindangegriffen,mog
jenigen Theil des Gebirges, welcher bis zu dem lichſtnachNaſtatthineingedrängt,unddieFeſtung ein
taftiſchen Rayon der 3tenDiv. reichte, vom Feinde geſchloſſen; dasNáhere darüberwird ſpäternoch ange
zu ſäubern. Von der ebengenannten Diviſion waren ordnetwerden. Wenn esdieUmſtände geſtatten, ſo
hingegen die Uebergänge bei Ottenau und Rothen- wird die zum Korps des Gen. lt. 5.Peucer deta:
fels zu erzwingen ,um die gleichzeitige Forcirung ſhirte Preuß. Diviſion das Murg-Thalabwärts ge
des Gernsbacher Defileedvon Seiten des Nedar- ſandt, um ſo den Uebergang des 1ſten Korpsüber
Korpszu unterſtüßen, welches nach dem Gelingen die Murg zu fördern. Dieſe Diviſion tritt dann
derſelben siefernere ſtrategiſcheWirkung ſeiner Ope wieder in ihren Korps-Verband zurüd.“
rationauf die Rüdzugs-liniedesFeindes, durch ein
weiteres Vorbringen gegen Baden undDos fortzu Der Oter:Befehlshaber der Operations:Armee
feßen hatte. am Rhein:
Am 30ſten ſollte endlich, wenn der Feind ſeine (gez.) Prinz von Preußen.
Frontalſtellung an der Murg nod behauptete, eine
Sprengungderſelben in den verſchiedenen Defileen, Richten wir ießt unſere Blicke auf die Maßre:
mit Unterſtüßung der an dem linken Murg-Ufer geln, welche die Inſurgenten zur Vertheidigung der
abwärts rückenden 3ten Div. vorgenommen, und von Murg-Linie ergriffen, ſo iſt hierüber, nad dem 6ten
dem gegen Dos vorgedrungenenNedar-Korps der Bulletin von Mieroslawsfi(Raſtatt, ben 27ſten
fliehende Feind auf ſeiner Rüdzugs-Linie empfangen Juni) das Nachſtehende anzuführen.
werden. In den Hauptzügen findet ſich dieſerOpen , 3m Ganzen belief fich unſere Streitmadot auf
rationsplan in dem nachfolgenden , von dem Ober- 13000 Mann,*) welche ich, wie folgt, bertheilte:
Rommando am 27ſten erlaffenen Armee-Befehl, aus- Auf unſern äußerſten linfenFlügel, an die Brüde
=
geſprochen. von Steinmauern, 3 Bataillone Volfswehr und
4 Kanonen, unter dem Kommando des Oberft- lt.
Armee-Befehl.
Doll; vor Raſtatt, an den Saum des Federbader
H.-2. Karlsrube, den 27ſten Juni 1849. Waldes, wo id Bruſtwehren für die Artillerie er
Nadmittags 6 Uhr. richten ließ, die Diviſion Beder, beſtehend aus dem
,,Morgen, am 28ſten, tritt das Korps des Gen.- Kernder Volfswehr, aus 2 Bataillonenvom 3ten
Lt. v. Peuder den Marío duro das Á16-Thalan, Lin. Regt. und aus 8 Kanonen; an dieBrüde von
um dieMurg zu überſchreiten,und am dritten Tage, Kuppenbeim, welche ichdurcheinen Brüdenfopf det
am 30ſten, in dieEbene des Rhein-Thals bei Dos ken ließ, die Div. Oborski, beſtehend aus dem 4ten
zu debouchiren. EineDiviſiondes iften Preuß. Ar- Lin. Regt., dem ehemaligen 'Leib-Regt., 3 Ba.
mee:Rorys folgt dieſerBewegung, und trittunter taillonen Volkswehr und 10Kanonen ; nad Nothen
die Befehle des Gen. lt. v. Þeuder, da diein Bret- fels,auf die an Württemberg grenzenden Berge,
ten ſtehende Diviſion von deffen Rorpsnoch zu weit die Div. Tomé,ſpäter Div. Mercy, beſtehend aus
zurüciſt,um rechtzeitig nachrüdenzu fönnen. Dieſe dem iften und 2ten lin.Regt., aus 2 Bataillonen
Diviſion folgt über Pforzheim. Pfälzer, aus der Abtheilung Willichs und aus6
Das iſte Korps nimmt fernermorgen dieQuar- Kanonen. Dieſer rechte Flügel, der ſich lediglich
tiere Ettlingen,Durlach undGegend ein, und ver- auf die Vorausſeßung der Neutralität Württembergs
läßt dagegen die in und bei Mühlburg. Das Ate ftüßte,und imentgegengelegten Falle ſehr gefábrdet
Korps endlich rüđt in die erſte liniein und bei war, batte außer dem Uebergang von Rothenfels,
Mühlburg, und bildet den rechten Flügel derArmee. auch noch die zwei andern von Gaggenauund
Beide Rorpsſdieben AbtheilungenzumRefognos. Gernsbad zu bewachen. Da ichüber die Abſichten
zirengegen die Murg vor; ernſte Gefechte werden Württembergsnicht ſehr beruhigtwar, ſo befahl ich
jedoch an dieſem Tage noch vermieden. ſofort die Zerſtörung desjenigen Straßentheils, der
Am 29ſten rüden beidePreuß. Korps gegendie von der Grenze dieſes landes nach Gaggenau und
Murg vor,und werfen den Feind auf das linke Gernsbach führt. 3n Raſtatt felbft behielt ice 4
ufer. 2 BatailloneMedlenb. Infanterie und 1 Batterien Artillerie, 1 Bataillon Linie und 3 Ba
Escadron Medlenb. Dragoner rüden in Karlsruhe
ein, bis zu deren Eintreffen 1 Bataillon Preußen *) Dieſe Zahl iſt jedenfalls ju gering, wie ſich durd Sums
baſelbſt zurückbleiben muß. mirung der ſvater gefangenen, übergetretenen, und aui
Am 30ſten endlich wird der Uebergang über die den Schweizer:Boden geflüchteten Inſurgenten leidt nad,
Murg oberhalb Raſtatt, und die Verbindnng mit
weiſen laßt. D. Red.
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taillone Volfswehr, von denen 2 aus Baden-Ba. 2. Der 28ſte Juni.
3
denausgehoben waren.
Wasunſere, durch Abfall undAusreißerei zu 7 An dieſem Tage ging zunächſt, ſowohl der ver
kleinen Sowadronen zuſammengeſchmolzene Reiterei fügte Aufſtellungs-Wechſel zwiſchen1 denArmee-Korps,
betraf*), fofonnte ich weiter nichts mit ihr anfan- als auchder Abmarſch des Nedar-Korps und der
gen, als daß ich ſie ſo unſchädlich als möglich auf- 3ten Div. des 1ften Ärmee-Korps zu der Flanken
ftellte, dennaneine wirkliche, nüßliche Verwendung Bewegungim Gebirge ohne Weiteres vor ſich, wäh=
derſelben iſt bei demdurchausſchlechten Geiſt, der rend zugleich das herangezogene Detaſchement des
unter dieſem Rorps herrſcht,nicht mehr zu denken . Nedar-Rorps, welches am 27ſten Steinsfurth (an
Die linie, die wir einnehmen, ift'To Tahmal, daß der Elſenz, oberhalb Rohrbach) erreicht hatte, in
ich binnen wenigen Stunden alleunſere13000 Mann Karlsruheeinrüdte,undhierbiszum1ftenJuliverblieb.
an einem beliebigen Punft, auf dem rechten oder Das 2te Armee-Korps erhielt auf dieſeArt, mit
linken Ufer der Murg, zuſa1mmenziehen kann. Da Ausnahme der3tenDiv.und der Reſerve-Ravatle
der Feind, wegen des umfaſſenden und gewaltigen rie, welche nochin Leopoldshafen, Friedrichsthal 2c.
Rayons yon Raſtatt, den Uebergang über dieſen zurüđblieben, ſeine Stellungauf dem rechten Flügel
Fluß zwiſchen ſeiner Mündung und Kuppenheim in und vorwärtsMühlburgund Darlanden bisin
nirgends erzwingen kann, ſo wird er ohneZweifel die Gegend von Neuburgweier.
unſern rechten Flügel zu umgehen ſuchen, indem er Das 1ſte Armee-Korps hatte dagegen mit ſeiner
um die obere Murg,herum marſhirt. Alleshängt 1ſten und einemTheil der 4ten Div. Karlsruhe,
daher von der politiſchen Haltung ab, welcheWürte mit dem andern Theil derſelben Diviſion Durlac
temberg gegen uns beobaditenwird, denndiebezeich- und mitder 2ten Div. Ettlingen und Gegend be
nete Bewegung des Feindes fann nurüberdasGe- feßt. Zugleich warenfür die nächſtenTage das
biet dieſes Landes hin ausgeführt werden.“ Fuſ. Bat. 28ſten Inf. Regts., 1Füſilier-Rompagnie
24ften Inf. Regts., (deffen Füſilier- Bataillon mit
=
Indem wir uns nun zu dem eigentlichen Verlauf leichten Perfuſſions-Gewehren bewaffnet war) und
derBegebenheiten dieſes Zeit-Abſonittewenden, iſt 2 12pfündige Geſchüßeder 12pfündigen Batt. No.
zunächſtanzuführen,daß am 27ſten die beabſichtigte 19 an die žte, aufderHauptfiraße vorrüdendeDiv.
Heranziehung des 2ten Armee-Rorpo, welches an zur Verſtärkung, und1 füf. Komp. 24ſten Inf.
dieſem Tage mit der iften und 2tenDiv. Brudſal, Regts. an die 3te Div. überwieſen.
Unter- und Ober-Grumbach 2c., mit der 3ten Dio. Am Nachmittage wurde ſowohl von dem iften
und der Reſerve-Kavallerie Leopoldshafen, Rußheim als 2tenArmee-storpsdie, für dieſen Tagvon dem
2c. erreichte, wirklich ftatt fand, und alle übrigen Ober-Rommando befohlenen Rekognoszirungen gegen
Truppen in ihren Kantonnements einen Ruhetag die Murg vorgenommen.
hatten. Die Ävantgarde der 2ten Div. des 1ften Armee
Die entſcheidenden Ereigniſſe, welchehierauf am Rorpsging für dieſen Zwed überNeu-Malſch (an
28ften,29ften und30ſtenJüni"aus derEntwickelung der Chauſſee von EttlingennachRaftatt),gegenden
der beſchloſſenen Operationen hervorgingen, fotlen Federbach vor,und fand nicht allein dieſe Poſition
im Folgenden, um die Ueberſicht zu erleichtern, für zwiſchen Muggenſturm und Detigheim vom Feinde
jeden einzelnen der genannten Tage insbeſondere beſest, ſondern auch durch Verſchanzungen, welche
dargelegt werden. auf ein ernſteres Halten der Stellung hinzudeuten
ſchienen, verſtärkt.
Die Refognoszirung des 2ten Armee -Korps
*) 3 Sdwadronen Dragoner waren bei derFludit von Wies wurde, faſt gleichzeitig mit derjenigen des1ſten, auf
der Rheinſtraße gegen Bietigheim ausgeführt, wäha
Tenthal (am 21ſten) nadi Mannheim geeilt, und hatten ſich
rendzu derſelbenStunde auch derFeind, ingleicher
dort am 22ſten an die 4te Esc, des Preuß. 3ten Huí.
Regts. ergeben. Abſicht, gegen dieſen Ort vorrüdte. Indeßzog ſich
derſelbe, bald nach dem Zuſammentreffen , ge
D. Red.
gen Detigheim, deſſen Eingängebarrifadirtwaren,
zurüd, und wurdehier zwar mit reitender Artille
rie beſchoſſen, wobei er den Verluſt von einigen
Mann erlitt, das Gefecht aber endlich, ſowohl
in Hinſicht auf die Inſtruktionen des Ober-Kom
mandos, als auf die ſpäte Tageszeit abgebrochen.
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Das Nectar-Korps hatte ferner die für dieſen Relation der 3ten Div. über die Maßregeln und
Tag beſtimmte, von Ettlingen aus in dem A1b-Tjal Ereigniſſe vor dem Gefecht ſelbſt genügende Aus
fortlaufende Bewegung bis aufdas Württembergídye funft.
Gebietfortgeſeßt,woſchließlich von dem Groseine
Stellung bei Rothenfol, unferndes Dobels, genom- Gefedt von Midelbao am 28ſten 3uni.
men, die Avantgarde aber nach Herrenalb vorgeſcho
(Tafel VII.)
ben wurde.
Gernsbach war zu dieſer Zeit von Brenfer mit 1) Beridt der 3ten Diviſion.
600 Mann Volfswehren und 3 Geſchüßen beſest, ,,Die Diviſion marſcirte um 6 Uhr Morgens
welche zu der mit dem Hauptquartier in Rothenfels vonKarlsruhe ab, undſtieß in Ettlingen zum Šef
ſtationirtenDiviſion Tomé,ſpäterMercy, gehörten, far-Korps, welchemſiefür zwei Tagezugetheiltwar.
deren Stärke, nach dem Früheren, überhaupt aus 2 Der Gen. lt. 5. Peucer ertheilteihr daſelbſt ben
Bataillonendes iften, 2 Bataillonen des 2ten lin. Befehl,über Speſſart, Schölbrunn, Völkersbad und
Regts., 2 PfälzerBataillons, dem FreikorpsWillich, Freiolsheim auf Michelbach zu mar(diren, um den
(urſprünglich 10 Kompagnien)und6 Geſdüßen be. MarſoſeinesRorpsinder rechtenFlanfezudeden, und
ſtanb.*) Die Straße nach Loffenau hattederFeind die Verbindung mit der von Ettlingen nach Malích
durch eine von Mieroslawskiinsbeſondere abgeſen- vorrüdenden 2ten Div. zuerhalten. In Michelbach
dete Kolonneund 2 Pionier-Kompagnien an mehre, ſollte die 3te Div. bivouafiren,und eine Refognose
ren für die Vertheidigung fehr vortheilhaftenPunk- zirung nach Rothenfels vorſiden.
ten mit Verhauen zu ſperren angefangen. InVölfersbad angekommen,erhieltdieDiviſion
Die 3te Div. endlich war um 6 úhr Morgens Nachricht, daß furz zuvor Freiſdärler ſich, daſelbſt
von Karlsrube nach Ettlingen aufgebrochen, umvon aufgehalten hatten. Da dies auf eine feindliche
hier aus das für dieſen Tagbeſtimmte Ziel: Mi- Befeßung der umliegenden Wälder ſchließen ließ,
chelbach, überSpeſſart undWölfersbach zuerreichen. fo wurden zur Aufklärungderlegteren2 Rompag
Der Feind hatte, wie esſcheint, ſeine Aufmerkſam- nien 26ſten Inf. Regts. rechts auf Waldprechts
keit auf dieſe Straße insbeſondere gerichtet, daſie weier, lints 2 Kompagnien 29ſten Inf. Regis. über
den Angriff der rechten Flanfe feinerAufſtellung an Moosbronn auf Midelbad detaſdirt.
der Murg, ohne das Württembergſche Gebiet zu Die Avantgarde fand den (dwierigenWaldweg
paſſiren,geſtattete. In dieſem Sinn waren vermuth- zwiſchen Freiolsheimund Michelbach durchmehrere
lich die Hauptkräfte der Diviſion Mercy in dieſer Berbaue geſperrt, und das Terrain bei Michelbach,
Gegend, an der Murg bei Rothenfele, Ottenau 2c. von allen Seiten durchHöhen dominirt, für den be
aufgeſtellt, und zugleich Detaſdements nachMichel. abſichtigten Bivouaf höchſt gefährlich, zumal,da,
bach und Völfersbach vorgeſdoben. Die Ordre allen Nachrichten zufolge,derFeind das Murg- Thai
Mieroslawsfi'g**),welche dieſe Aufſtellung insbeſon- und die umliegenden Höhen ſtart beſeßt batte. Es
dere verfügt, lautete folgendergeſtalt: wurde daher beſchloſſen, auf der freien Höhe bei
Freiolsheim zu bivouafire1n, jedochſogleichein Ba.
Au Colonel Mercy. taillon zur Aufnahme des linfen Seiten- Detalde
„Vousprendrez avec votre division la position mentsuac Michelbach vorzuſchicken.
entre Rothenfels et Michelbach, et vous dirigerez berLheaßuteenreens hWaettgeeMoihnceheSltböarcuhng earurfeicdhet,m gdloericthfeailnies
un fort détachement vers Freiolsheini Nousvous
comDmeurniZquuſearmomnesnſltesoßordderres3teunltDériiveu.,remsi.t”den Streit SerchhiaelatrnvuonndeetnwaBef1e7h0l,Frmeiiſtc'hadrelrerenbevneretirniterbeefnf,enudnedn
fräften der feindlichen DiviſionMercy war bienad Verſtärkung (Füſ. Bat. 27ſten Inf. Regts.undein
unvermeidlidy, und führte am Nachmittage zu dem .
Gefecht vonMichelbach. Unter den folgenden, zu zu fouragiren, bierauf aber ſogleid der Rüdzug
demſelben gehörigen Berichten, giebt zugleich die nadh Freiolsheim anzutreten. Im Begriff abzuzie.
ben, wurden dieſe 6 Rompagnien jedoch um 3 úhr
Nachmittags durd einen überraſchendenAngriff über
legener feindlicher Kräfte (es ſollen wenigſtens 3000
*) Die Lage von Plenker am 28ſten ergiebt fich genauer
Mann regulärer Infanterie und Büchſen-Schüßen
aus einem in der Beilage9 enthaltenen Sdireiben deſſelben
geweſen ſein, die offenbar vom Dorfe aus avertirt
an Mieroslawski, welches den mehrerwähnten feindliden
waren) in ein Gefecht verwickelt, welches durch die
Papieren entnommen iſt.
augenſcheinliche Abſicht des Feindes, von beiden Sei
**) Aus den mehrerwähnten, feindlichen Papieren. ten zu umfaffen und den Rückzug zu bedroben, jeden
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Augenblic fic um ſo ungünſtiger geſtaltete, als der pagnien (10te und11te), unter Führung des Unter
Reft der Diviſion noch bei Freiolsheim, alſo faft zeichneten, über Moosbronn nach Michelbach zu
eine Stunde zurück war. marſchiren, um ſich dort der Haupt-Kolonne wieder
Zur Unterſtüßung wurdenallmählig 1 frompag. anzuſchließen. Kurz vor Michelbach trafdie Nach
nie29ſten Inf. Regts., 2 Kompagnien vom ldw . richtein, daß in dieſem Ortenoch circa 170 Mann
1
Bat. Wahrendorf und der Reſt der 11ten Romp. Badiſde Militairs lägen. Trotz aller angewand
24ften Inf. Regts. herangezogen, mit deren Hülfees ten Mühe gelang es indeſſen nicht, dieſe zu über
gelang,dem heftig nachdringenden Feindenurſchritt- fallen, indem ſie, theils durch den Signal-Schuß
weiſe das Feld zu räumen , undden Rüdzug nach einer Vedette alarmirt, theils durch diefluchtenden
Freiolsheim in Ordnung auszuführen. Die zeitige Feldarbeiter benachrichtigt, ſich eiligſt auf der Wieſe
Aufſtellung von Reſerven vereiteltezugleichdieübricht zurüczogen, welche zwiſchen den Straßen nach Ro
des Gegners, auf beiden Seiten, namentlich aberüber ihenfels und Gernsbach liegt. Der Ort wurde
denlinks der Straße gelegenen ,ſehr dominirenden diefſeits militairiſobeſeßt, unddie 10te Komp. auf
Mahlberg, den Rüdzug der dieſſeitigen Truppen zu den genannten Straßen zurBeobachtung vorgeſandt.
gefährden, vollſtändig.InderNähe der Wald-lifiere, Um 3 Uhr zogen fich feindlicheStreitkräftevon
vorwärts Freiolsheim, brachder Feind um 8 Uhr der Rothenfelſer Straße über die genannteWieſe,
das Gefecht ab, wahrſcheinlich, weil er die hier, hinter dembewaldetenHöhen-Zuge,auf die Straße,
1
zur Aufnahme der engagirten Truppen, von der nach Gernsbach. Kurz vorherwardas Fuſilier-Ba.
Diviſion genommene Stellung überſeben fonnte. taillon 27ften Inf. Regts. und 1 Zug Füſiliere
In dieſer þattedas ifte Bat. 26ſten Inf. Regts. des 24ften Inf.Regts. in Michelbachzur Unterſtüßung
Freiolsheim, 1Kompagnie29ften Inf.Regts. Moos. angelangt. Áls um 4 Uhr der Befehl eintraf,daß
bronn beſeßt, 2 Kompagnienvom Füſ. Bat.26ften die Befaßung dieſes Ortes fich dem Gros an
Inf. Regts.ftanden rechts von Freiolsheim, die bei ſchließen ſollte, warbereits das Gefecht mit ſehr
denUlanen-Escadronslinks rüdwärts vom Dorfe, überlegenen Streitkräften, die aus regulärem Badi
die Artillerie, durch 1 Rompagniedes low. Bat. Tchen Militair und SchweizerScharf-Schüßenbeſtan
Wahrendorf gededt,rücfwärts am Wege nad Völ- ben, engagirt, und es fonnte dieſem Befehl nicht
fersbach,da das vorliegende Terrain feine Aufſtel- eher Folge gegeben werden, bis die vorgeſchobenen
lunggeſtattete. Abtheilungen rüdwärts aufgenommen, und dieSi
DieDiviſion bezog das BivouakbeiFreiolsheim, cherheit derſelben durch Erreichung der Höhen-Züge
den rechten Flügel anden Wald gelehnt, wohindas hinter Michelbach bewerkſtelligt war.
Detaidement von Waldprechtsweier zurüdgezogen Das Gefecht wurde vondem Feinde mit einer
wurde,nadıdem es daſelbft die Verbindung mit der außerordentlichen Munitions-Verſchwendung unter
3
2tenDiv. aufgefundenhatte. halten, während die Ruhe und Kaltblütigkeit unſe
Die Bagage der Diviſion war,unter Dedung rer Mannſchaften die größte Anerkennung verdien
einer Kompagnie vom pow. Bat. Mabrendorf, nad ten. Der Gegner, welcher das Dorf in der Front
Völkersbach zurüdgeſchickt worden. nicht forciren konnte, und deſſen Zahl, nach den
Die noch während des Gefechts eingehende Auf- fichtbar gewordenen Kolonnen, auf circa 4 bis 5000
forderung des Gen. lt. 3. Peuder,um 2 Uhr, am Mann zu däßen war, ſudyte nunmehr das Dorf
nächſten Morgen, den Angriff des Nedar-Korps1 auf auf beiden Seiten zuumflammern, and indeſſen
Gernsbach durch einen gleichzeitigen Angriff gegen immer ehrenvollen Widerſtand an den Füſilieren
Dttenau zu unterſtüßen, ſah ich mich, ſowohl wegen des 27ſten 3nf. Regts., welche auf der Hobe poſtirt
der großen Erſchöpfung derTruppenund des gänze waren, um deren Fuß fich Michelbach hinzieht.
lichen Mangels an Verpflegung,als auch beſonders Der Rückzug geſchah nur auf ausdrüdlichen Befehl,
wegen der ſehr erponirten Situation der Diviſion involler militairiſcher Ordnung, auf der großen
(welcher offenbar die Hauptfräfte des Feindesin dem Straße nach Freiolsheim.
günfigften Terrain gegenüberſtanden) genöthigt, ab- Die bis dahin im Gefecht geweſene Mannſchaft
zulehnen.“ wurde an der Wald -liſiere, zuerſtvon den übrigen
Offenbach den 4ten Juli 1849. geſchloſſenen Abtheilungen deš 27ſten Inf. Regis.,
(gez.) v. Niejewand. weiterhin von 2 Rompagnien des Pow.Bat. 18ab
General:Major und Diviſions-kommandeur. rendorf, und zulegt vonder 9ten Komp. des 29ften
Inf. Regts. aufgenommen, und bezog am Abend bas
2) Berichtdes Füſilier-Bataillons29ften 31: Bipouať von Freiolsheim .
fanterie-Regiments. Dbſchon alle Abtheilungen, ohne Ausnahme,ihre
Das Bataillon erhielt auf dem Marſche der volle Schuldigfeit gethan haben , ſo dürfte doch ein
3ten11Div. in Völkersbach denBefehl, mit 2Rom : Zug der 10ten Komp. 29ſten Inf. Regts., welcher
304
Nro. 386.
Suspenſion einiger Beſtimmungen der Verordnung vom 16ten November 0. I. wegen
Ausführung der Militair-Rechtspflege im Kriege.
Nach Ihrem Antrage beſtimme 30, daß die Ausführung derVorſdriften derSS. 1, 3, 4, 6 und 7 Mei.
ner Verordnung vom 16ten November dieſes 3abres zur Zeit noch ausgefeßtbleiben fou. Demgemäß
unterliegt die Berechtigung der kommandirenden Generale der mobilenArmee-Rorps zurBeftätigung friege
rechtlicher Erfenntniſſe bis auf weitere Drdre ben Beſdränkungen der ss. 154und 155, TheilII. des
Militair-Strafgeſepbuds; auch darf bis dahin von den im §.5. der Verordnung vom 16ten November
d. 3. genannten Militair-Befehlshabern die Beſtätigung friegsrechtlicher Erfenntniſſe nicht ohne vorherige
Begutachtung derſelben erfolgen. Dagegen wird durchdie einftweilige Ausſeßungdes $. 1 der gedachten
Verordnungdie Anwendung der Vorſchriften des S. 9.der Einleitung zumMilitair.Strafgeſekbud inden
Fällen, wo dies zurAufrechthaltungder Disziplin nöthig ſein ſollte, nicht ausgeſchloſſen. Die weitere
Bekanntmachungdieſer Ordre wird 3hnen überlaſſen.
Potsdam, den 12ten December 1850.
(gez.) Friedrich Wilhelm .
An den Kriegs-Miniſter. (gegengez.) v. Stodbaufen.
Die vorgebrudte Allerhöchſte Rabinets-Ordre wird, mitBezug auf dieunterm 25ften November
d. 3.bekanntgemachte Allerhöchſte Verordnung vom 16ten November d.3. hierdurd zurallgemeinen
Kenntniß gebracht.
Berlin, ben 18ten December 1850.
Kriegs-Miniſterium . Allgemeines Kriegs-Departement.
0. Wangenheim. v. Herwarth.
An die Röniglichen General-Rommandos 2c.
No. 859/ 12. A.K. D. I.
Nro. 387.
Gewährung der Mobilmachungskompetenzen für Truppenbefehlshaberſtellen.
Mehrere an das Kriegsminiſterium gelangte Anfragen veranlaffen daſſelbe,zur Ergänzung der Beftim.
mungen über die bei der Mobilmachung in Gelde zugewährenden Mobilmachungs-Rompetenzenvom9ten
April 1849, Folgendes befannt zu machen.
1) Sobald die Röniglichen General-Rommandos beim Eintritt einer Mobifmachung , nac s. 9 des
Mobilmadungsplan'sdie Befeßung der Diviſions- und Brigadefommandeurſtellen derKriegoformation
vorläufig angeordnet haben,werden denInhabern dieſer Stellen, rofern ſie dieſelben vor derMobil
machung ſchon inne gehabthaben, die vollen Mobilmachungs-RompetenzenderStelle, ſofern ſie aber
in Folge der vorläufigen Stellenbefeßung in eine böbere Stelle getreten find, nur Trainſoldatenund
dieVergütigungfür deren Eintleidung, ſo wiedie Vergütigung zur Anſchaffung des Wagens und
die Beſpannung deſſelben, nach dem Etat der Stelle, zu deren Ausſtattung überwieſen. Mobilma.
chungs- und Pferdevergütigungsgelderwerdendenleßtgedachten Stellen-Zubabern nur nadderjeni.
gen Stelle gewährt, in welcher fiedie Mobilmacungsordre angetroffenhat. Erfolgt demnädli die
åderböchſte Beſtimmung über die Formation und überdie Belegung der Steden, ſo findet die
Ergänzung derKompetenz auf das volle Maaß der Stelle ſtatt.
2) Ein gleiches Verfahren wird beobachtet in Beziehung auf diejenigen Stabsoffiziere, welche beim Ein
tritt der Mobilmachungvon den Röniglicen General-Rommandos zur Belegung von Regimentelom.
mandeurſtellen beſtimmt werden, ſo weit das Vorſtehende auf die Kompetenz der Regimentskomman.
deure anwendbariſt.
3) Denjenigen Offizieren jedoch, welche vondenKöniglichen General-Rommandos zur.Belegung von
Bataillons-, Rompagnie- und Eskadronführerſtellenbeſtimmt werden und dieſelben nichtbloß einft
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weilen wahrzunehmen haben, können die Mobilmachungskompetenzen der zu befeßenden Stelle beim
: Eintrittder Mobilmachung Togleich gewährt werden.
4) In Beziehung auf die nad der geſchehenen Mobilmachung eintretenden Beförderungen zu höheren
Stellen bleibtes beider Beſtimmungdes §. 6. vom 9ten April 1849.
Berlin, den 19tenDecember 1850.
Se rieg 8 - M i n i ſte ri u m.
an bie Röniglichen General-Rommandos ?c. v. Stodbaufeu.
No. 964$11. 50. M. 0. D. 1.
117010
Nro. 388.
Bekanntmachung der Preisjäße für die nicht innatura empfangenen Rationen, für den
Zeitraum vom 1. Januarbis Ende März 1851.
Die in dem Zeitraum vom 1ſten Januar bis Ende März 1851 vonimmobilen Truppen nicht in natura
empfangenen, aus dem Militair-Etat zuſtändigen Rationen werden, in bekannter Weiſe, nach folgenden
Preisſägen vergütigt.
Die monatliche Ration Einzelne Fourage-Beträge für tranke
PT Dienſtpferde.
13MegHafer,24M.Hafer,21M.Hafer,
21. In den Regierungs.-Bezirken: 5 H.Heu, 5 H. Heu, 5H.Heu, DerSoffi.DerCentn. Das Schod
8 4. Stroh 8 46. Stroh 8 4. Stroh Hafer Heu Strob
sdf 971 mit mit mit mit mit mit
|Rther. Sgr.|pf. Rihts]9S9g2r|pf|Rth:1Sgu.|pf.| Syn.1I pf. | Sgu.Ipf. Rthe. Sgr.Ipf.
Gumbinnen
Königsberg in Pr.
5 4 2014 4 10-17 4 20 5 4 2 7
# Danzig
Marienwerder 1
Stettin
Cöslin 5 25 - 5 | 15 - 5 5 - 20 3 23 10 4 / 23
Stralſund
si Berlin
Potsdam 6 15 - 6265 20 22 4 27 1 5 12 6
Frankfurt a. 8. D. 6 15 6 21 6 5 20 22 4 27 1 12 6
17 Poſen
Bromberg 5 i251 5 15 - 5 51 20 3 23 104 23
Breslau
Liegnis 5 25 5 15 520 5 20 3 23 10 423 -
Oppeln 1
Magdeburg
Merſeburg 6 15 6 2 6 5 20 22 427 1 5 12 6
Erfurt 1 1 1
Münſter
y Minden . 6 15 6 21 61 5 20 22 4 | 27 1 5 12 6
Arnsberg
Düſſeldorf 7 6 117 61 6 511 24 29 2 525
-
Coblenz
Aachen to 46 17 6 6 54 24 - 292
1 Zrier . 5 25
Cöln
Berlin, den 20ften Dezember 1850.
Kriegs-Miniſterium . Militair-Dekonomie-Departement.
Müller. Wilde.
ad No. 301/12. M, 0. D. 2.
1
306
Nro. 389.
Ableiſtung derMilitairpflichtderzumeinjährigenfreiwilligen Dienſt berechtigten jungen
Leute während des mobilen Zuſtandesder Armee.
InFolge darüber erhobener Zweifel,wannund in welcher Art nad nunmehrerfolgterMobilmagung
der Armee diezum einjährigenfreiwilligen Dienſt berechtigten jungenLeute ihre Militairpflicht abzuleiften
baben, ſeben wir uns veranlaßt, dem Röniglichen General-Rommando und dem Röniglichen Dber- Práfi
diumzuvörderſt im Allgemeinen zu eröffnen,daß mit der Mobilmadung nicht das Rechtzum einjährigen
freiwidigen Dienſt, ſondern nurdie Begünſtigung erlofden iſt, den Antritt deſſelben biszum 23ſten Leo
bensjahre, reſp. weiter hinaut, auszuſeßen, unddaß der Eintritt nichtbei den mobilen, ſondernnur bei
den Erſagtruppen ſtattfinden darf, wobei es jedoch wünſchenswerth iſt, daß eine Ueberfüllung der Letteren
mit dergleichen Freiwilligen vermieden werde,wenngleid die durch dieAderbödſte Cabinetsordrevom 17ten
Oftoberc. ausgeſprochene Befdränkung der Zahl der von den Truppen anzunehmenden Freiwilligen dieſer
Kategorie unter dengegenwärtigen Verhältniſſen nichteintreten kann. Die in die Erſagtruppen eintreten
den reſp.nad Nachftebendem denſelbenzu überweiſenden einjährigenFreiwilligenkönnen bei der Infan-
terie auf alle 4 Rompagnien der Bataillone vertheilt werden, und ſind mit Rüdlichtdarauf, das, wenn
nacherfolgter Ausbildung ihreUeberweiſung an die mobilen Truppentheile erfolgt, fie bei dieſen niot
überetatsmäßig geführtwerden dürfen, ſondern in die Verpflegung aufgenommen werden müſſen,aud bei
den Erfaßtruppen innerhalb des Etatseinzuftellen reſp. 32. verpflegen, wogegen ihnen die Berpflichtung,
ſich ſelbft zu equipiren, nach wie vor obliegt.
I'm Speziellen benierfen wir demnächſt ergebenft folgendes:
1) Werdas Recht des einjährigen Dienſtes aud jeßt nodgeltend machen will,hatallebisherigen Be
dingungen zu erfüllen; die Departements- Prüfung8-Rommiffionen Tegen daber ihre Thätigkeit ohne
Unterbrechung fort.
2) Die von dieſen den Erſazbehörden namhaft gemachten und unter derKontrole der legteren ſtebens
den odertretenden einjährigen Freiwilligen kommenmit ihrer Altersflafle ultimo loco zur Ausbe.
bung. Etwaige vonihnenhierbei ausgeſprochene Wünſde in Betreff des Truppentheild ſind zu be
rüdlichtigen, eventuell durch Ueberweiſung an die betreffende Erſaß=Behörde.
3) Denjenigen zum einjährigenDienſt berechtigten jungen Leuten, welche vorAblauf des ihnen bewilligten
Ausſtandes auf dem ad 2bezeichneten Wege durchdie Erfaş-Vehörden nichtzur Einſtellung gelangt
ſind,liegt nach wie vor dieVerpflichtung ob, vor Ablaufdes Ausſtandes, bei Vermeidung des Ber
luftes des Recht zum einjährigen Dienft, fich bei einem Erſaß-Truppentheil felbft zum Eintritt ju
J
melden.
4) Die den Erfaßtruppen vonben Erfaßbehörden überwieſenen einjährigen freiwilligen (S. 2.)müſſen
eingeſtellt werden,ebenſo die ſich beiden Erſaßtruppen ſelbſt meldenden Individuen dieſerKategorie,
wenn ſie zu den 23jährigen odernoch älteren (S. 3.) geboren. Jüngerelichſelbſt Meldende fönnen
eingeſtelltwerden, wobeiihnen jedoch zu eröffnen iſt, daß fievon dem Rechte desihnen bewilligten
Ausſtandes noch ſo lange Gebrauch machen können, als ſieniot von den Erſaßbehörden zur Geftel
lung aufgefordert werden.
5) Bebufo Šintragung in die Aushebungsliften find ſämmtliche,die Berechtigung zum einjährigenDienſt
beſißenden jungenLeute durchöffentliche Bekanntmadung Seitens der Erſaßbehörten aufzufordern,
ihren gegenwärtigen Aufenthalt der ihnenzunächſt liegenden Kreis-Erſaß Rommiſſionſofort anzuzeigen,
auch von etwaigem Becſei deffelben dieſer jedes Mal ſogleich Renntniß zu geben. Den don nunan
geprüftwerdendenIndividueniſtdieſeVerpflichtung beiErtheilungdesBereotigungsſdeinsaufzuerlegen.
6) Während deserſtenJahres ihrer Dienſtzeit behalten die einjährigenFreiwilligenauc beiden mobilen
Truppen die ihnen bewilligten Abzeichen. Nad vollendetemDienſtjahre ſind ſie als zur Reſerve, wie
imFrieden, übergetreten, zu betrachten, womit die Verpflichtung derSelbſtequipirung aufbort, und fie
dieAbzeichen der einjährigenFreiwilligen ablegen;ſolangederTruppentheil mobil ift, kommenſiejebode
nidt zur Entlaſtung.
Dem Königlichen General-Kommandound dem Königlichen Ober-Präſidium fteffen wir ergebenft
anheim, nad Borſtehendem das Weitere baldgefälligſt zu veranlaſſen. Berlin, den 20fter Dezember1850.
Der Miniſter des Junern. Der Kriegs-Miniſter.
31 Auerböchſten Auftrage.
(gez.) v. Puttfammer. 0. Stodhauſen
An die ſámmtlichen oberen Provinzial-Behörden a.
Der vorgebrudteErlaßwirdhierdurd zur allgemeinen Renntniß der Armee gebragt.
Berlin, den 23ſtenDecember 1850.
Kriegs-Miniſterium . Allgemeines Kriegs-Departement.
D. Wangenbeim. v. Herwarty.
324/12. A. K. D. 1.
Berlin , arbrudt bei E. S. Mittler und Sohn, Spandauer-Str. 52.