Table Of ContentSarah Hitzler
Aushandlung ohne Dissens?
Sarah Hitzler
Aushandlung
ohne Dissens?
Praktische Dilemmata
der Gesprächsführung
im Hilfeplangespräch
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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Zugl. Dissertation Universität Bielefeld, 2010
.
1. Auflage 2012
Alle Rechte vorbehalten
© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2012
Lektorat: Dorothee Koch | Sabine Schöller
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Umschlaggestaltung: KünkelLopka Medienentwicklung, Heidelberg
Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier
Printed in Germany
ISBN 978-3-531-18296-4
Inhalt
Vorwort.................................................................................................................7
Sprechersiglen.......................................................................................................9
Transkriptionskonventionen...............................................................................10
1 Einleitung.......................................................................................11
1.1 Ethnomethodologische Konversationsanalyse.................................12
1.2 Institutionelle Kommunikation........................................................15
1.3 Untersuchungsgegenstand:
Hilfeplanung und das Hilfeplangespräch.........................................20
1.4 Daten und Methode..........................................................................26
2 Die Suche nach Ordnung..............................................................33
2.1 Das Hilfeplangespräch als institutionelles Gruppengespräch..........33
2.2 Gesprächsverantwortung im Hilfeplangespräch..............................38
2.3 Das ‚typische’ Hilfeplangespräch –
Heterogenität als Wesensmerkmal...................................................66
3 Die operative Herstellung des Hilfeplangesprächs.....................69
3.1 Die Regelhaftigkeit institutioneller Kommunikationsformen –
kommunikative Gattungen und Aktivitätstypen..............................69
3.2 Funktionsorientierung und Ziele in der Hilfeplanung:
Das Hilfeplangespräch als Aktivitätstyp..........................................76
3.3 Was wir hier tun –
Zwischen Funktion und situativer Realisierung...............................89
3.4 Regelschema und maskierte Flexibilität........................................112
6 Inhalt
4 Interaktion in der Strukturtriade des Hilfeplangesprächs......117
4.1 Gesprächsorganisation...................................................................117
4.2 Kommunikationsformen in der Sozialen Arbeit............................123
4.3 Die strukturelle Triade in der Interaktion:
Wer spricht wie mit wem?.............................................................129
4.4 Von der strukturellen Triade zur interaktiven Dyade....................145
5 Die Verschleierung von Uneinigkeit...........................................155
5.1 Meinungsverschiedenheiten...........................................................156
5.2 Verschleierte Uneinigkeit: Das Gespräch JANINE..........................158
5.3 Reorganisation der Fronten: Das Gespräch DIANA........................164
5.4 Die Schwierigkeit einer gesichtsbedrohenden Meinung................193
5.5 Die Auswirkungen von Uneinigkeit..............................................198
6 Stagnation und Verhärtung der Fronten...................................201
6.1 Der soziale Konflikt.......................................................................201
6.2 Eine ausweglose Situation: Das Gespräch STEPHAN.....................207
6.3 Die Konfliktlinien..........................................................................215
6.4 Versuche der Auflösung................................................................235
6.5 Die interaktive Herausforderung tatsächlicher Differenzen..........249
6.6 Dissens und Konflikt unter Fachkräften........................................253
7 Gesprächsführung im Hilfeplangespräch..................................257
7.1 Methodologische Reflexion: Konversationsanalyse zwischen
Maschinerie und gesellschaftlicher Ordnung.................................257
7.2 Praktiken der Gesprächsführung: Eine Zusammenfassung............261
7.3 Triaden...........................................................................................269
7.4 Implikationen für die Praxis..........................................................278
Literaturverzeichnis..........................................................................................289
Vorwort 7
Vorwort
Diese Studie ist mit fremdem Blick geschrieben. Sie beschäftigt sich mit einem
zentralen Instrument der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland, der Hilfe-
planung, von dem sehr viele Leute – Praktiker, Theoretiker, Familien, in deren
Alltag sie eine Rolle spielt – sehr viel mehr wissen als ich. Meine Sicht auf das
Thema dieser Arbeit ist die einer zugeneigten Neugier auf die Ordnung, die sich
in den festgehaltenen Interaktionen manifestiert, eine Ordnung, die mir unver-
traut ist. Meine Fremdheit erlaubt mir, von Selbstverständlichkeiten Abstand zu
nehmen, die andere nicht sehen und somit nicht hinterfragen können. In dieser
Hinsicht schließe ich mich den Prämissen der Ethnomethodologie an, deren
Anliegen es ist, jene soziale Ordnung nachzuzeichnen, die von den Beteiligten
tatsächlich interaktiv hergestellt wird, nicht jene, von der sie, durch Normen und
Überzeugungen geleitet, annehmen, dass sie existiert. Diese Arbeit beschreibt
Praktiken, sie bewertet sie nicht. Wo ich Abweichungen vom Selbstbild der
Praxis feststelle, soll dies nicht als Kritik gemeint sein: ich übernehme dessen
Normen nicht. Freuen jedoch würde ich mich, wenn sich Fachkräfte in den hier
vorgenommenen Analysen wieder finden könnten, wenn sie durch die distanzierte
Darstellung von Praktiken, die ihnen in Mark und Bein übergegangen sind, zu
einem reflexiven Blick auf ihr eigenes Handeln fänden, und wenn die Fragen, die
ich stelle, und die Interpretationsvorschläge, die ich anbiete, dazu führten, dass sie
eigene Antworten und Alternativen suchen, wenn sie dies für nötig erachten.
Am Entstehungsprozess dieser Arbeit waren viele Leute beteiligt. Ganz be-
sonderer Dank gilt den Familien und Fachkräften, die sich bereit erklärt haben, sich
beforschen zu lassen, und durch diesen Vertrauensvorschuss diese Arbeit erst er-
möglicht haben. Prof. Jörg Bergmann, der mir aus mancher Ratlosigkeit mit beein-
druckendem Klarblick Auswege aufgezeigt hat, und Prof. Heinz Messmer, der mir
den Raum gab, manch lehrreiche Diskussion um Analysen und Interpretationen
mit ihm auszufechten, sei für ihre Betreuung gedankt. Für Anregungen, Irritationen
und Gegenwind danke ich den Mitgliedern des EMKA-Arbeitskreises und des
Kolloquiums Interaktionslinguistik. Heike Knerich und Heike Greschke sind, je
auf andere Weise, lange Strecken meines Weges immer mal wieder mitgelaufen
und haben ihn dadurch für mich leichter, interessanter und weniger einsam ge-
macht. Meiner Familie danke ich für ihre gelassen-zuversichtliche Unterstützung
in allen Entscheidungen; Johannes Preissler für unsagbar viel.
8 Vorwort
Diese Arbeit ist im Rahmen des durch die DFG geförderten Forschungs-
projekts „Reflexive Hilfeplanung als kommunikativer Aushandlungs- und Ent-
scheidungsprozess“ entstanden. Für die Ermöglichung ihrer Fertigstellung bin ich
der FAZit-Stiftung sowie der Else-Funke-Stiftung zu großem Dank verpflichtet.
Bielefeld, September 2011
Vorwort 9
Sprechersiglen
KJ: Kind/Jugendliche/r
MU: Mutter
VA: Vater
JA: Vertreter/in des Jugendamts
J1: Vertreter/in des Jugendamts (bei mehreren Vertreter/inne/n)
J2: Vertreter/in des Jugendamts
VM: gesetzlicher Vormund
HL: Heimleiter/in
EL: Erziehungsleiter/in
BB: Betreuer/in
B1: Betreuer/in (bei mehreren Betreuer/inne/n)
B2: Betreuer/in
PR: Praktikant/in
TH: Therapeut/in
PG: Pädagoge (ambulante Hilfe)
IN: Interviewer/in bzw. Beobachter/in
??: unklare Sprecherzuordnung
?w: unklare Zuordnung einer Frauenstimme
?m: unklare Zuordnung einer Männerstimme
10 Vorwort
Transkriptionskonventionen
in Anlehnung an GAT (Selting et al. 1998)
Tonhöhenbewegung
? hoch steigend
, mittel steigend
- gleichbleibend
; mittel fallend
. tief fallend
Weitere Konventionen
DEShalb betonte Silben in Großbuchstaben
( ) unverständliche Passage
(solche) vermuteter Wortlaut
<<erstaunt> ach> interpretierende Kommentare (mit Reichweite)
<<hustend> gut> sprachbegleitende para- und außersprachliche
Handlungen und Ereignisse (mit Reichweite)
((hustet)) para- und außersprachliche Handlungen u. Ereignisse
weil [ich Überlappungen und Simultansprechen
[sonst gehts
= schneller, unmittelbarer Anschluss
(.) Mikropause
(-), (--), (---) kurze, mittlere, längere Pausen von ca.
0.25-0.75 Sek.
(2.0) Pause in Sekunden
:, ::, ::: Dehnung von Lauten
.h, .hh, .hhh Einatmen
h, hh, hhh Ausatmen
Die Exzerpte sind jeweils neu nummeriert; ihre Fundstelle im Originaltranskript
findet sich in der Titelzeile.