Table Of ContentVerzeichnis der Abbildungen
Cranium in toto g, h, i Sulcus chiasmatis. Ovales Sellaprofil.
Abb. 1 a, b, c Asymmetrie Tropfenformiges Sellaprofil
2a, b, c Asymmetrie k, I, m Kleines Sellaprofil, Alae parvae pneumati
3a, b, c Rundschadel siert. Eckiges Sellaprofil
4a, b, c Langschadel 54a, b, c Processus clinoidei. Pneumosinus dilatans.
Sa, b Langschadel Foramen carotico-clinoideum
6 Hochschadel d, e, f Dickes Dorsum sellae. Dorsum sellae elon
7 a, b Hyperostosis calvariae diffusa gatum. Raabsche Variante
8a, b Diploestruktur g, h, i Raabsche Variante. Osteoporose. Mehrfach
9 Hyperostosis senilis konturiertes Dorsum sellae
10a, b Hyperostosis k, I, m Dorsum sellae axial. Knochenleiste Squama
11 a, b, c, d Unruhlger Schadel. Hyperostosis frontalis temporalis
interna. Nebula frontalis 55a, b, c Sinus sphenoidal is. - GroBer Sinus. Kno
12a, b Hyperostosis frontalis interna chensepten. Rucksacksella. Kleiner Sinus
13 Osteoporosis senilis d, e, f Synchondrosis intersphenoidalis. GroBer
14a, b Atrophia senilis parietalis bilateralis Sinus. Hochstand Planum
15a, b, c Knochendelle Lambda, uberlappte Naht g, h, I GroBer Sinus. Aplasie, Hochstand Planum
Lambda, Bathrokephalos sphenoideum
16a, b, c, d, e, f, g, h, i, k Protuberantia oCcipitalis externa k, I, m Kleiner Sinus. Hypoplasie. Tieflage Sella
17a, b Tuberculum pharyngicum. Foveola 56a, b, c, d, e, f Taeniae interclinoideae
pharyngea 57 a, b, c, d Verknocherung Ligamenta petrosellaria
18 Impresslones digitatae 58a, b, c, d Recessus pterygoideus. Sinus sphenoidalis.
Asymmetrie
Suturae cranii
Abb. 19a, b Neonatus Os tempo role
20 Nahtspalt Innen - auBen Abb. 59a, b, c, d, e, f Os petrosum. - Impressio trigemini. Pneu-
21 a, b Sutura squamosa matisation. Einseitiger Hochstand. Gleich
22a, b Burstenschadel, lange Nahtzahne maBiger und asymmetrischer Schragstand
23a, b Kalksaum Sutura coronal is. Sutura squa 60a, b, c Eminentia arcuata. Canalis caroticus. Fossa
mosa subarcuata
24a, b Sutura metopica. Os metopicum d,e Pneumatisation. Osteoporose
25a, b Os Incae 61 a, b, c Processus mastoideus. Entwicklung der Pneu
26a,b Sutura lateralis ossis oCcipitalis matisation
27 Os suturale 62a, b Processus mastoideus. Normale und ausge
28 Sutura mendosa dehnte Pneumatisation
29a, b Synchondrosis sphenooccipitalis 63a, b Processus mastoideus. Pneumatisations
hemmung
Sulci arteriosi et venosi. Venae diploicae.
64a, b, c Processus mastoideus. Ausgedehnte Pneuma
Foveolae granulares. Foramina. Emissaria
tisation
Abb. 30 Venae frontales 65a, b, c Processus styloideus ossis temporalis
31 a, b Sulcus sphenoparietal is 66a, b Ligamentum stylohyoideum. Verknocherung
32a, b, c Lacunae parietales
33 Geringe GefaBzeichnung Labyrinthus ethmoidalis. Sinus frontalis.
34a, b Reichliche GefaBzeichnung Sinus maxillaris. Mandibula
35a, b Venenstern. Breite GefaBzelchnung
Abb. 67 a, b, c Siebbeinzellen seitlich und sagittal
36 Normale GefaBzeichnung im Senium
68a, b Crista galli pneumatisiert
37 GefaBfurchen Squama temporalis
69a, b Apertura piriformis. Septumleiste
38a, b Foveolae granulares
70a, b, c, d, e, f Entwicklung der Sinus paranasales
39a, b Sulcus sagittalis. Sulcus transversus
71 Sehr groBe Sinus paranasales
40a, b Sulcus transversus. Sulcus sigmoideus
72a, b GroBe Sinus frontales
41 a, b Fossa jugularis. Asymmetrie. Tuberculum
73a, b Foramen rotundum. Foramen ovale
pharyngicum
74a, b, c, d, e Sinus frontales. Asymmetrie. Knochen-
42a, b,c Emissarium mastoideum
septen
43 Emissarium oCcipitale
75a, b, c, d Sinus frontales. Recessus supraorbitales
44a, b, c Canalis nervi hypoglossi. Emissarium con
76a, b, c Sehr groBe Sinus maxillares. Ausgedehnte
dyloideum
Pneumatisation. Asymmetrie
45a, b Foramen caroticum. Foramen lacerum
d, e,r Asymmetrie, Knochenleisten
46a, b, c, d, e, f Spina angularis. Foramen ovale. Foramen
g, h, i Recessus zygomaticus. Recessus orbital is.
spinosum. Ligamentum pterygoalare.
Recessus alveolaris
Recessus pterygoideus
77a, b GefaBkanalchen Orbita. Os zygomaticum
47a, b, c, d Emissarium frontale
78a, b Bulbus oculi
48a, b Foramina parietalia permagna
79a, b, c Palatum durum
49a, b Foramina parietalia permagna
80a, b, c Mandibula. Knochenwulst
50a, b, c, d, e, f, 9 Foramen opticum
81 a, b, c Canalis mandibulae
51 a, b, c Fissura orbitalis superior
52a, b, c Ala parva Pneumatisation
Corpus pineale. Plexus chorioideus. Falx cerebri.
Sella turcica. Sinus sphenoidalis Crista frontalis
Abb. 53a, b, c Sella turcica. - Neonatus, Saugling, Klein Abb.82a,b,c Corpus pineale. Verkalkungen
kind 83a, b, c, d Plexus chorioideus. Verkalkungen
d, e, f Kind, Rundes Sellaprofil, Asymmetrle, ex 84a, b Falxosteom
treme Asymmetrie 85a, b, c Crista frontalis. Duraverkalkungen
Atlas anatomischer Varianten des Schadels
im Rontgenbild
Walther Bergerhoff
Dr. med. habil., Honorarprofessor an der Universitat Koln
Mit 85 Abbildungen in 259 Einzeldarstellungen
SPRINGER-VERLAG/BERLIN· GOTTINGEN· HEIDELBERG· NEW YORK 1964
Aus dem Max Planck-Inslitut fUr Hirnforschung
Abteilung fUr experimentelle Pathologie und Tumorforschung, Koln-Lindenthal (Prof. Dr. W. Tonnis)
ISBN-13: 978-3-642-92880-2 e-ISBN-13: 978-3-642-92879-6
DOl: 10.1007/978-3-642-92879-6
Aile Rechte, insbesondere das der Ubersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten
Ohne ausdrUckliche Genehmigung des Verlages ist es auch nicht gestattet, dieses
Buch oder Teile daraus auf photomechanischem Wege (Photokopie, Mikrokopie)
oder auf andere Art zu vervielfaltigen
© by Springer-Verlag / Berlin' Gottingen . Heidelberg 1964
Library of Congress Catalog Card Number 64-7946
Softcover reprint of the hardcover 1st edition 1964
Wilhelm Tonnis
zum 65. Geburtstage freundschaftlich und dankbar gewidmet
Vorwort
Berichte mit Rontgenbildern von anatomischen Varianten des Schadels sind in der internationalen Fachliteratur
weit verstreut. Wer aber in der tag lichen Praxis meistens schnell entscheiden muB, ob ein fraglicher Befund patho
logische Bedeutung hat oder ob es sich dabei nur um eine anatomische Variante handelt, braucht zur schnellen
Orientierung eine bildliche Zusammenstellung der haufigen Varianten mit einer kurzgehaltenen literaturUbersicht.
Der vorliegende Atlas soli diesen praktischen Zweck nach Moglichkeit erfUlien und bildet damit eine Fort
setzung und Erganzung meines Atlas normaler Rontgenbilder des Schadels.
Dem Aufbau des Atlas liegen die Erfahrungen aus Vorlesungen Uber Rontgendiagnostik des Schadels zugrunde.
Die Abbildungen sind jeweils zu groBeren Gruppen geordnet, um das Aufsuchen der anatomischen Varianten z. B.
der Knochenstruktur, der GefaBzeichnung, der Schadelnahte usw. zu erleichtern. Dem entspricht auch die Gliede
rung des Textes.
Da fUr die Erkennung und Beurteilung der anatomischen Varianten die Kenntnis des normal en Rontgenbildes
des Schadels vorausgesetzt werden muB, wurde auf besondere Hinweise durch Symbole in den Abbildungen ver
zichtet, da diese den Bildeindruck meist empfindlich storen. Die Bildausschnitte sind immer so gewahlt, daB die in
Frage kommende anatomische Variante moglichst in der Bildmitte zu finden ist und die wichtigsten topographischen
Beziehungen zu ihrer Umgebung klar erkennbar bleiben.
Einige Bildvorlagen verdanke ich dem freundlichen Entgegenkommen der Herren Prof. C. BENNHOLDT-THOMSEN,
Dr. J. Bopp, Dr. O. BOTZLER, Prof. K. YOM HOFE und Medizinaldirektor Dr. H. SCHUBERT. Herr Priv.-Doz. Dr. G. FRIED
MANN unterstUtzte mich kollegial bei der Zusammenstellung des Bildmaterials und der Gestaltung des Textes. Die
logetronischen Bildkopien wurden von Frio K. REINHARD angefertigt. FUr aile diese freundliche Mithilfe sage ich
meinen herzlichen Dank. Ebenso gilt mein Dank den Mitarbeitern des Springer-Verlages und ganz besonders
Herrn Dr. phil. H. G6TZE, der dem neuen Atlas wiederum seine personliche FUrsorge hat angedeihen lassen.
Marz, 1964 WALTHER BERGERHOFF
Inhalfsverzeichnis
Seite
Einleitung . . . . 1
Cranium in toto . 1
Suturae cranii .. 35
Sulci arteriosi et venosi. Venae diploicae. Foveolae granulares. Foramina. Emissaria 45
Sella turcica. Sinus sphenoidalis 69
Os temporale . . . . . . . . . 79
Labyrinthus ethmoidalis. Sinus frontalis. Sinus maxillaris 88
Corpus pineale. Plexus chorioidei. Falx cerebri. Crista frontalis. Crista occipitalis 104
Literatur ..... 109
Namenverzeichnis . 115
Sachverzeichnis . . 117
Einleitung
Die physiologische Variation der Form und GroBe des mensch Die Rontgenologie ist eine reine Erfahrungswissenschaft, die
lichen Schadels beruht auf der individuellen Variation seiner Bau ihre diagnostischen Erkenntnisse den Gesetzen des Sehens verdankt.
elemente. WACHHOLDER unterscheidet 1. eine intraindividuelle Wenn man viele Rontgenbilder gesehen hat, weiB man ungefahr,
Variabilitat jedes einzelnen Lebewesens und 2. eine interindivi wo die Grenzen des "Normalen" verlaufen. W. EHRENSTEIN hat
duelle, bei einer jeden groBeren Gruppe von gleichartigen und dieses unbewuBte Wissen treffend als "Spurenschatz" bezeichnet.
auch unter gleichartigen auBeren Bedingungen sich befindenden Dennoch laBt dieses unbewuBte Wissen den Beurteiler eines
Lebewesen. Der Begriff des "Normalen" ist ein statistischer und Rontgenbildes Uberall dort im Stich, wo ein ihm bisher unbekannter
berUcksichtigt eine "normale Streuung" meBtechnischer Ergebnisse, Bildeindruck, z. B. eine anatomische Variante auftritt und zugleich
z. B. fUr bestimmte Altersklassen oder Bevolkerungsgruppen. Die die Entscheidung aktuell wird, ob es sich urn einen diagnostisch
anatomischen Varianten sind dann im Bereich der normalen Streu wichtigen oder urn einen belanglosen Befund handelt. Zwangs
ung untergebracht. Die zahlenmaBige Erfassung ihrer Haufigkeit laufig ergibt sich daraus die Forderung, solche Varianten zu
hangt yom Zufall der Zusammensetzung und des Umfanges irgend "kennen". Uber die Schwierigkeiten der Entscheidung empfiehlt
eines untersuchten Bildkollektivs abo Dabei konnen sich einzelne es sich, besonders bei E. G. MAYER nachzulesen.
Varianten als haufig oder selten erweisen.
Cranium in toto
Die Variation der Form und GroBe des Schadels wird durch Lambda im seitlichen Rontgenbild bei allen nicht pathologischen
Messungen von Winkeln und Strecken am seitlichen, sagittalen und Schadelformen statistisch mit 67,5°, ferner der Winkel Nasion
submento-vertikalen Rontgenbild statistisch abgegrenzt (BERGER Tuberculum sellae-Basion mit etwa 135° und der Winkel, den die
HOFF, H6BLER, A. MARTIN, STILZ, ERNST, H. MEYER, SCHMID und FILT Verbindungslinie der Spitzen der Proc. mastoidei im Sagittalbild
HUTH). mit der Verbindungslinie der einen Mastoidspitze mit dem Vertex
FUr die Erfassung der Form des Kopfes hatte der schwedische bildet, mit 68-70° konstant. Nur die Langen der Winkelschenkel
Anthropologe A. RETZIUS 1842 das prozentuale Verhaltnis der variieren (BERGERHOFF u. Mitarb.), was man leicht durch entspre
groBten Schadelbreite zur groBten Schadellange als den Langen chende Winkelmessungen nachweisen kann.
Breiten-lndex(LBI = B X 100: L) angegeben, dessen sich die Anthro Lange und Breite des Schadels mUssen zur Einhaltung der art
pologie noch heute bedient und nach ihm Brachy-Meso- und spezifischen Schadelform miteinander korreliert sein, und zwar
Dolichocephalie unterscheidet. Der Index wurde lange Zeit fUr besteht die engste Korrelation zwischen der Frontalbreite und der
ein sehr brauchbares Rassenmerkmal gehalten, bis sich heraus Auricularbreite. Andererseits ist die Schadellange mit der Frontal
stellte, daB Schadel von absolut groBer Lange, wenn sie auch ent breite enger korreliert als mit der Biauricularbreite (BERGERHOFF
sprechend breit waren, gar keine echten "Langschadel" waren, und ERNST). Die Schadelform ist bei beiden Geschlechtern grund
und daB andererseits gleich lange oder gleich breite Schadel nach satzlich gleich. Der Frauenschadel ist nur durchschnittlich kleiner
dem LBI in ganz verschiedene Formkategorien eingeteilt werden als der Mannerschadel und einheitlicher in der Form (BERGERHOFF).
muBten (v. T6R6K). "Nur wer die ungeheure Variabilitat des Bei Mannern zeigt das Profil der Nasenwurzel eine deutliche
Schadelaufbaues bei den verschiedenen Menschenrassen kennt und Winkelbildung zwischen Frontale und Nasale durch Ausbildung
die starke Verschiedenheit der Formen auch bei gleichem GroBen des Brauenwulstes, wahrend bei Frauen diese beiden Knochen
verhaltnis der Lange und Breite erkannt hat, versteht die Unsinnig einen bogenformigen Kontur bilden (SCHOLLER). Die beiden
keit einer Rassendiagnose einfach nach dem LBI" (EUGEN FISCHER). Schadelhalften sind nie vollkommen symmetrisch (SCHWARTZ).
Dem LBI kommt auch rontgenologisch keine besondere differential Nach Streckenmessungen an Rontgenbildern des Schadels in
diagnostische Bedeutung zu, da die Schadelform ohne Zweifel weit verschiedenen Ebenen von THIBAUT ist eine physiologische Asym
gehend von UmwelteinflUssen (EUGEN FISCHER), unter anderem sogar metrie der Schodelkapsel sogar die Regel. Die Streckendifferenzen
von der Lage des Fetus im Uterus (PHILIPP) und von der Lage des betragen aber hochstens 8 mm. Dabei sind solche Asymmetrien
Sauglings in der Wiege (PETROFF), abgesehen von kUnstlichen Ver individuell sehr variabel, ohne Bevorzugung einer Schadelhalfte.
anderungen durch Bandagen (SCHOLLER), abhangig sein kann. So kann beim gleichen Individuum die Asymmetrie den Diameter
Generell ist in Europa seit etwa dem 10. Jahrhundert eine einer bestimmten Gegend einer Seite und den Diameter einer
deutliche Zunahme der Rundschadel, eine "Brachykephalisation" anderen Gegend der Gegenseite betreffen. Ahnliche Asymmetrien
nachzuweisen (EUGEN FISCHER). wurden von KOIVISTO, LINDBLOM, PYYK6NEN und WEGELIUS auch
Die Lange der Basis der vorderen Schadelgrube ist nach un am Gesichtsschadel nachgewiesen.
seren MeBergebnissen statistisch schon vom 3. Lebensjahr an mit 1m allgemeinen unterscheiden wir nach der Form runde,
60 mm konstant. Ebenso ist der Winkel Bregma-Tuberculum sellae- mittlere, lange und hohe Schadel. Damit ist noch nichts Uber die
1 Bergerhoff, Atlas anatom. Varianten 1
Dicke und Dichte der Knochenstruktur ausgesagt, die individuell sich meistens bei Frauen im klimakterischen Alter urn eine Hyper
sehr verschieden ist. Es gibt neben den hiiufigen, also normalen, ostosis frontalis interna, die pathognomonische Bedeutung haben
auffallend dunne oder dicke Schiidelkapseln, die dem Phiinotypus kann (MOORE, SCHWARTZ, HEMPEL, BARTELHEIMER, RICHTER). Wenn
des Individuums nicht zu entsprechen brauchen. Die Miichtigkeit solche Befunde aber iiberwiegend altere Frauen betreffen, sind sie
der Knochen ist am Scheitel geringer als an der Stirnwand, beson als ein tertiiires Geschlechtsmerkmal im weiblichen Klimakterium
ders nach dem Hinterhaupt zu. Am dunnsten ist der Knochen in zu bewerten, also ohne pathologische Bedeutung (GERSHON-COHEN,
der Schliifengegend (FR. MERKEL). Die Dicke der Calvaria nimmt SCHRAER und BLUMBERG; KRISCHEK, L6W-BEER). MOORE unter
yom Os frontale zum Os oCcipitale, etwa yom Bregma an, ziemlich scheidet 1. die Hyperostosis frontalis interna mit Verdickungen der
gleichmiiBig zu (ZSEB6K). Angeblich sollen die Schiidel von Negern Tab. interna des Stirnbeins, 2. die Nebula frontalis, eine dreieckige
ungewohnlich dick sein (SCHOLLER). Untersuchungen von PESONEN oder eiformige Verdichtung und Verdickung der Diploe des Stirn
an finnischen Schiideln ergaben, daB, wie bei anderen europiiischen beines, 3. die Hyperostosis calvariae diffusa mit allgemeiner Ver
Vol kern, das Schiideldach yom obersten Teil beiderseits der Mittel dickung der Calvaria und 4. die Hyperostosis fronto-parietalis mit
linie und yom oberen Teil des Os oCcipitale bis zum oberen Teil Lokalisation der Verdickungen im Stirn- und Scheitelbein. 1. und
des Os frontale am dicksten ist, urn nach vorn, seitwiirts und nach 4. sind Vorstadien der Hyperostosis calvariae diffusa. Solche
hinten abfallend dunner zu werden. Die Dicke des Schiideldaches Befunde betrafen zu 98 % Frauen.
nimmt mit dem Lebensalter zu; am dicksten war es in der Alters 1m hoheren Lebensalter ist eine allgemeine Osteoporose des
klasse von 71 Jahren und alter. Skeletes die Regel. Das Netzwerk der Knochenbiilkchen der
Die durchschnittliche Dicke der Calvaria wird mit 3-8 mm Spongiosa wirkt im Rontgenbild des Schadels verwaschen und
(SCHWARTZ), 5-12 mm (ZSEB6K), am Os frontale beim Kind mit unscharf. Diese senile Osteoporose iihnelt in manchen Fiillen den
3-5 mm, bei der Frau mit 5-7 mm und beim Mann mit 7-9 mm Bildern bei Ostitis fibrosa cystica V. Recklinghausen oder begin
(DIETRICH) angegeben. Mittlere DickenmaBe an Schiideln Erwach nenden Knochenveriinderungen der Ostitis deformans Paget
sener sind nach MARTIN und SALLER: Os parietale: In der Mitte 5 mm, (HEINRICH, DIETRICH, E. G. MAYER). Die Dicke der Kalotte ist nor
am Tuber 2-5 mm, am Oberrand 6-8 mm, am vorderen oberen mal oder geringer. GefiiBfurchen und Impressiones digitatae
WinkelS,S mm, am hinteren oberen Winkel 6 mm, am Unterrand fehlen, die Niihte sind nur schlecht oder gar nicht mehr erkennbar.
3-4 mm, am hinteren unteren Winkel 4,5-5,2 mm. Os frontale: Tabula externa et interna sind sehr dunn. Die diffuse Alters
1m allgemeinen 5,5-6 mm, am Tuber 5,8-6,3 mm, oberhalb des atrophie des Schadels ist also rontgenologisch durch eine ver
Proc. zygomaticus 5 mm, an der Facies temporalis 1-2 mm. Os mehrte Strahlendurchliissigkeit charakterisiert. Der Knochen
occipitale: 1m oberen Teil der Schuppe 6-8 mm, in der Mitte der abbau macht sich besonders an den Stellen bemerkbar, die sonst
Fossa occipitalis 4,0-6,5 mm, an der Protub. ext. 15 mm, in der am dicksten sind, also am Tuber parietale und Tuber frontale.
Mitte der Fossa cerebellaris 1-1,8 mm, in der Mitte des Planum Die porotischen Veriinderungen sind oft in der Sellagegend am
nuchale 3-4 mm. Os temporale: In der Mitte der Schuppe 1,3 bis ehesten zu erkennen (RUPPRECHT und SCHERZER).
2,5 mm, in der Fossa mandibularis 1-3 mm. Die Wand der Bei der Osteosk/erose oder Eburnisation des Schiidels werden
linken Schiidelhiilfte ist meist etwas dicker als rechts, besonders die Markriiume der Diploe durch Anlagerung von Knochen
deutlich an den Tubera frontalia und parietalia. Bei der Frau lamellen an die Knochenbiilkchen verengt. Es handelt sich urn
1/3_1/4
ist die Dicke der Schiidelwandung geringer als beim eine interstitielle Hyperostose ohne Verdickung der Kalotte. Die
Mann. Diploe verschwindet vollig oder bis auf einen schmalen Raum,
Die Dicke der Tabula externa verhiilt sich zur Dicke der Diploe vorallem im Os frontale, fast nur bei Frauen zwischen 20-40Jahren
und der Tabula interna nach DIETRICH beim Kind wie 1 :2:1, beim (DIETRICH).
Mann wie 1 : 3: 2, bei der Frau wie 1 : 2: 2, jenseits des 60. Lebens Sehr selten ist eine meistens doppelseitige senile Atrophie der
jahres bei beiden Geschlechtern wie 1 :5:1. Beim Mann herrscht Ossa parietalia mit symmetrischer Verdunnung der dorsalen An
im Fliichenbild des Schiidelknochens die Diploe, bei der Frau die teile, die zunachst den Eindruck einer pathologischen Knochen
Tabula interna, im Greisenalter bei beiden Geschlechtern die resorption machen, mit Schwund der Diploe und Verdiinnung der
Diploe vor, die sich im hohen Alter auf Kosten der Tab. ext. et int. Tabula externa, welche dann die Tabula interna unmittelbar be
verbreitert und bei Frauen meist feinporig, bei Miinnern hiiufig ruhrt. Man unterscheideteinen "abgeflachten" und einen "Mulden
grobporig spongios ist. Die Tabula externa tragt bis zum 7. Le typ" (CAMP und NASH, Bopp, GROS, EpSTEIN, HEINRICH, DIETRICH,
bensjahr durch perikraniellen Knochenbau zur Verdickung der E. G. MAYER, GASSMANN, K6HLER und ZIMMER; GERSHON-COHEN,
Calvaria und damit zum Wachstum des Schade Is bei; ihr Abbau SCHRAER und BLUMBERG, LACHMAN, WILSON, SCHERER und
beginnt etwa mit dem 50. Lebensjahr. An der Tabula interna kann HARRICHHAUSEN).
der Knochenanbau im Greisenalter wieder sehr intensiv werden Die Schadel basis und der Gesichtsschadel konnen in die allge
(DIETRICH). meine senile Osteoporose mit einbezogen werden, die zur Ver
Die Knochenstruktur der Calvaria variiert ebenso wie ihre dunnung der Knochen des Daches der Orbita und der Alae parvae
Dicke. Eine deutliche spongiose Knochenzeichnung der Diploe ist und zur Ausweitung der Foramina der Schiidelbasis fiihrt (CASATI).
meistens im oberen Parietalbereich zu sehen, gelegentlich aber Bei alten Leuten sieht man senile Hypertrophien der Calvaria hiiufiger
auch auBerdem im Frontalbereich. Die Schiidelkapsel ist dann im als die beschriebenen Atrophien, durch Abbau derTabula externa
ganzen dicker als normal. et interna mit Sklerose der Diploe und neuem Knochenabbau an
Hyperostosen konnen die Tabula externa et interna gleich der Innenfliiche der Tabula interna.
miiBig betreffen mit geringer Ausbildung der Diploe. Wenn sie Diese Vorgiinge kehren die Verhiiltnisse wiihrend des Wachs
aber nur an der Tab. into ossi frontalis sichtbar sind, handelt es tumsalters urn (CASATI). Eine Erklarung dafiir sieht LESZLER in einem
2
Ausgleich der senilen Involution des Gehirnes durch Verdickung Die Angaben uber das Sichtbarwerden und die ortliche Ver
der Kalotte. Auch ERDHEIM nimmt den volligen Umbau der Diploe teilung der Impressiones digitatae im seitlichen Rontgenbild des
zu einer dichten, netzformig zusammenhangenden Spongiosa aus Schadels stimmen in der Literatur ziemlich uberein. Nach CAFFEY
gleichmaBig dicken Knochenbalkchen im Sinne einer ortlichen sind sie selten vor dem 18.-24. Lebensmonat rontgenologisch er
Paget-Veranderung als Ausgleich des verminderten Hirnvolumens kennbar, nach SCHWARTZ nicht vor dem 1. Lebensjahr. Die Kurve
an. Nach Ansicht von DIETRICH spricht die Tatsache, daB Frauen der Intensitat der Impressiones steigt bis zum 5. Lebensjahr deut
viel haufiger eine senile Hyperostose des Schadels als Manner auf lich an, donn behalt sie etwa bis zum 11. Jahr gleiches Niveau und
weisen, und daB in der Mehrzahl encephalographisch nachgewie fallt in den folgenden Jahren wieder langsam abo 1m Wachstums
sener seniler Hirnatrophien eine Hyperostose des Schadels fehlt, alter nimmt die Starke der Impressiones von parietal-frontal-tem
gegen einen rein kompensatorischen ProzeB und fUr die Zugehorig poral-occipital, oder occipital-temporal zu (SEIFERTH, RITTER). Die
keit der senilen Hyperostose zu den hormonalen Schadelverande Beurteilung des Innenreliefs des Schade Is ist im spateren Kindes
rungen. Derselben Ansicht sind SALMI, VOUTILAINEN, HOLST! und alter schwierig, weil die Impressiones etwa vom 8. Lebensjahr an
UNNERUS, da die craniale Hyperostose bei ganz normalen Frauen meist stark ausgepragt sind (SWOBODA).
ein ziemlich haufiger Befund ist. Bei Mannern ist das Vorkommen SCHOLLER hatte die Impressiones diagnostisch noch hoch be
gering. wertet, HONERMANN halt sie dagegen nur fUr konstitutionell be
Eine Formvariante der Kalotte in der Lambdagegend kann mit dingte Varianten, ebenso ROTH und LEMKE. HOEN und KAISER be
einer 1m pressionsfraktur verwechselt werden. Es handelt sich um werten sie nur in Verbindung mit anderen rontgenologischen
eine Dellenbildung im hinteren Parietale am Schnittpunkt der Zeichen einer intrakraniellen Drucksteigerung, ouch L6w-BEER
Lambdanaht mit der Pfeilnaht, die als Stufenschadel oder Bafhro warnt vor Fehldeutungen bei Kindern. FANCONI und GROB nehmen
kephalos bezeichnet wird (GOLDHAMER, COULOUMA, CAFFEY). An in Fallen starkerer Hirnsymptome nach Commotio cerebri und
der AuBenflache der Hinterhauptschuppe ist die Protuberantia anderen Insulten einen dispositionellen Faktor an, als dessen
oCcipitalis externa vorwiegend bei Mannern mehr oder minder Stigma die starkere Ausbildung der Impressiones anzusehen ist.
kraftig ausgebildet, mit allen Obergangen vom flachen Knochen RITTER und B6NING schlieBen auf eine Beziehung der rontgenolo
wuls1 bis zum hakenformigen Occipufsporn (GRASHEY, K6HLER und gisch erkennbaren Impressiones zur GroBe des Spielraumes zwi
ZIMMER, PSENNER, GREINEDER, SCHMIDT, GOLDHAMER). An der Unter schen Hirn und Schadelkapsel, dem sog. REICHARDT'schen Raum,
flache des Corpus ossis occipitalis dient ein kleiner Knochenwulst und bewerten den Nachweis von Impressionen als Index einer
des Tuberculum pharyngicum als Ansatz der Raphe pharyngis. 1m relativen Schadelenge. Nach der Wachstumsperiode sind die Im
submento-vertikalen Obersichtsbild der Schadelbasis ist seine pressiones seltener zu sehen, besonders in hoherem Alter. Die
typische Lokalisation als rundliche Verdichtung der Knochen Haufigkeit ist bei Frauen betrachtlich groBer als bei gleichaltrigen
struktur in der Mittellinie zwischen hinterem Rand des Sinus sphe Mannern. Bei vollig gesunden Kindern konnen sehr ausgepragte
noidalis und Arcus anterior atlantis in Hohe der Kiefergelenke Impressiones gefunden werden (DU BOULAY), ouch manchmal bei
erkennbar (WEGENER). Erwachsenen (DAVIDOFF und GASS).
Ebenfalls auf der dem Clivus gegenuberliegenden Unterflache Sicher pathologische Impressiones digitatae treten bei intra
der Schadelbasis liegt die Foveola pharyngea, die bis zu 8 mm tief kranieller Drucksteigerung auf, und zwar fast nie als Einzel
und 11 mm breit sein kann. In der Foveola mundet der Canalis symptom, sondern in Verbindung mit SchadelvergroBerungen und
basi/aris median us inferior. Rontgenologisch konnen Foveola und Nahtverbreiterungen bei Kindern und Sellaveranderungen bei
Canalisbasi/aris medianus aufaxialen Bildern der Nasennebenhohlen Jugendlichen und Erwachsenen. Nach operativer Druckentlastung
im Knochenschatten des Clivus erkennbar werden (NEISS, RAVELLI bilden sich solche pathologischen Impressionen wieder zuruck.
und RUCKENSTEINER). Nach anatomischen Untersuchungen von SMITH-AGREDA sind die
Sehr selten ist die Ausbildung eines Processus paramastoideus Impressiones nur im vorderen Anteil der Fossa cerebri anterior
(E. G. MAYER). Ein solcher breiter Knochenwulst mit gelenkiger stark entwickelt. Sie fehlen im hinteren Anteil und im oberen
Verbindung zur Massa lateralis atlantis wurde von LAURENT und Anteil des Os frontale. In der Fossa cerebri media sind die Im
CAELS imfrontalenSchichtbild dargestellt. H. SCHMIDTveroffentlichte pressiones im Bereich des Gyrus temporalis inferior deutlich, in
Rontgenbilder eines ebenso seltenen Processus refromasfoideus. der Fossa cerebri posterior aber nur angedeutet. Frei von Im
Ein schwieriges Problem ist die diagnostische Bewertung der pressiones bleibt die Schadelbasis unter den basalen Zisternen
Impressiones digifafae. MACAULAY schlug fUr den praktischen Ge und dem Hirnstamm und die Kalotte uber dem Gyrus prae- und
brauch eine Einteilung in 1 = schwache, 2 = deutliche und 3 = postcentralis, dem Gyrus frontalis superior und dem Lobus parie
ausgepragte Impressiones vor, die von DAVIDOFF, DU BOULAY und talis superior. Dieser Verteilungstyp der Impressiones wird als
ouch von SEIFERTH iibernommen wurde. Normalfyp oder Vesalscher Typ bezeichnef.
1* 3
Abb. 1 a-c. Asymmetrie.
Abb.1 a. Sagittalbild, postero-anterior: Die linke Schadelhalfte ist etwas kleiner als die rechte. In Hohe
des Planum sphenoideum betragt der Abstand der Tab. into der Calvaria von der Wurzel der Crista
galli rechts etwa 80 mm, links etwa 70 mm. Die linke Stirnhohle ist kleiner als die rechte. Die linke
Pyramide und der Boden der linken hinteren Schadelgrube stehen etwa 3 mm tiefer als rechts. Noch
deutlicher wird der Unterschied an den Spitzen der Proc. mastoidei. Ebenso ist der linke Unterkiefer
deutlich kleiner als der rechte. 1m iibrigen ist die Knochenstruktur und der Knochenbau vollig normal
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