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Arbeitaleistung und Arbeitlentlolmung
7· Lieferung
Reihe A (Betrlebswirtscha{tsl(hre) / Bdtrag Nr. 9
DIE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN
HERAUSGEBER: PROF. DR. DR.. h. c. E. GUTENBER.G. KOLN
HERMANN BOHRS
a. o. Professor der Betriebswirtschaftslehre
insbesondere Industriebetriebslehre und Orgmi1ationslehre
an der Handel•-Hochschule St. Gallen
Arbeitsleistung
und Arbeitsentlohnung
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
ISBN 978-3-663-18770-7 ISBN 978-3-663-19017-2 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-663-19017-2
Verlags-Nr. 8808
Copyright by Springer Fachmedien Wiesbaden 1958
Ursprünglich erschienen bei Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th.
Gabler GmbH, Wiesbaden 1958
Vorwort
Die Probleme der menschlichen Arbeitsleistung und der Entlohnung haben
trotz der ständig wachsenden Bedeutung für die wirtschaftliche und soziale
Führung und Gestaltung des Betriebes in· der betriebswirtschaftliehen For
schung bisher keinen rechten Platz gefunden. Ein Blick in die Literatur läßt
dies eindeutig erkennen. Daß sie in Vorlesungen sowie in zahlreichen Disser
tationen und Diplomarbeiten behandelt werden, zeugt jedoch von dem be
stehenden Interesse bei Dozenten und Studierenden.
Dagegen hat der seit dem Jahr 1927 bestehende Verband für Arbeitsstudien
- REFA- e. V. das Verdienst, wesentliche Beiträge zur Klärung der Pro
bleme um Leistung und Lohn geliefert zu haben. In seinen Ausschüssen haben
Praktiker aller Industriezweige und Wissenschaftler verschiedener Diszipli
nen eine Reihe von Grundfragen der menschlichen Arbeit geklärt und Me
thoden für die Gestaltung und Entlohnung der Arbeit entwickelt und damit
den Betrieben ein Werkzeug in die Hand gegeben, dessen Bedeutung für die
Betriebswirtschaftslehre der Herausgeber dieses Sammelwerkes, Professor
Gutenberg, wohl als erster anerkannt hat.
Aber audl. außerhalb des REFA-Kreises sind wichtige Beiträge zur Klärung
der Probleme der Arbeitsleistung und der Arbeitsentlohnung entstanden;
jedoch hat der REFA auch bei vielen dieser Arbeiten anregend und fördernd
gewirkt. Besonders das Bedaux-Verfahren hat mit seiner straffen und ge
schlossenen Systematik die wissenschaftliche und die fachlich-praktische Dis
kussion der Fragen der Leistungsentlohnung bemerkenswert befruchtet.
Der vorliegende Beitrag des Sammelwerkes soll das Wesentliche des gegen
wärtigen Standes der Erkenntnisse auf dem Gebiete der Entlohnung der
menschlichen Arbeitsleistung in systematisch gegliedertem Überblick wieder
geben. Die am Rande des zentralen Entlohnungsproblems liegenden Fragen
der verschiedenen Formen der Ergebnisbeteiligung werden jedoch nicht be
handelt. Unter dem besonderen Aspekt der Entlohnung werden auch die
methodischen und technischen Fragen des Arbeits- und Zeitstudiums sowie
arbeitswissenschaftliche Fragen nur insoweit angeschnitten, wie es für die
Darstellung der gegenwärtigen Entlohnungsverfahren - Arbeitsbewertung,
Akkordentlohnung, Prämienentlohnung, persönliche Bewertung - uner
läßlich ist.
Den Herren Dr.-Ing. W. Dinkler, Dipl.-Ing. Kurt Hoffmann und Dipl.-Ing.
H. von Lederer-Trattnern spreche ich auch an dieser Stelle meinen Dank
für ihre Anregungen aus, die sie mir zu den Kapiteln 4 und 6 gegeben haben.
HERMANN BOHRS
lnhaltsverzeiclmis
Ef'Btea Kapitel Seite
Grundlagen der menschlichen Arbeitsleistung
1. Begriff und Bestimmungsgründe der Arbeitsleistung . . . . . . . . . 9
2. Die Auswahl der menschlichen Arbeitskräfte . . . . . . . 11
3. Die Ausbildung und Führung der menschlichen Arbeitskräfte 13
4. Die Entlohnung der menschlichen Arbeitsleistung . . . . . 16
Zweitea Kapitel
Gesamtwirtschaftliche und sozialpolitische
Voraussetzungen der betrieblichen Lohngestaltung
1. Lohn als Einkommen und als Kosten . . . . . . . . . . . . 25
2. Der Tarifvertrag als Grundlage betrieblicher Lohngestaltung 26
3. Mitbestimmung des Betriebsrates bei der Lohngestaltung 27
4. Freiwillige soziale Leistungen als zusätzlicher Lohn . . . 28
5. Die Kaufkraft der Löhne als Folge der Produktivität . . 29
6. Der Lohn innerhalb der vier Arten des Volkseinkommens 33
Drittea Kapitel
Die Lohnzulage und die persönliche Bewertung als
Hilfsmittel anforderungs- und leistungsgerechter
Entlohnung
1. Die freie Lohnzulage des Arbeitgebers . . . . . . . . . . . . . . . 35
2. Die auf einem Verfahren persönlicher Bewertung beruhende Lohn-
zulage . • . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . . . . 38
Vief'tea Kapitel
Die Arbeitsbewertung als Verfahren
anf o rd er ungsg erech te r E n t1 ohn ung
1. Definition und Hauptfragen analytischer Arbeitsbewertung 43
2. Die Beschreibung der zu bewertenden Arbeit . • . . . . . 44
Seite
3. Die Unterscheidung der Anforderungsarten . . 47
4. Die Bewertung der einzelnen Anforderungsarten 52
5. Die Bestimmung des Gesamtwertes der Arbeit • . 59
6. Die Bestimmung der Lohnsätze nach dem Gesamtwert der Arbeit 60
Füajtea KApitel
Die Akkordentlohnung als Verfahren
leistungsgerechter Entlohnung
1. Definition der Akkordentlohnung und :MlSglidlkeiten der Akkord-
ermittlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . •. . . . . 65
2. Das Verfahren der Akkordermittlung durdl Zeltaufnahme . . . . . 68
3. Beispiel der Ermittlung von Vorgabezeiten nach REFA ....... 74
4. Die Ermittlung von Vorgabezeiten mit Hilfe von Standardteilzeiten,
Elementarzeiten, Multimomentaufnahmen und des Kalorienumsatzes 84
5. Zeltgrad und Leistungsstatistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
8. Der Stundenverdienst bei Akkordentlohnung . . . . . . . . . . . 88
7. Die Verdienstkurven amerikanischer Leistungsentlohnungsverfahren . 89
Sechltea KApitel
Die Prlmienentlohnung als Hilfsmittel
leistungsgerechter Entlohnung
1. Definition, Formen und Anwendungsbereich der ~mienentlohnung . 93
2. Die Gestaltung der Prlmlenentlohnung . . . 98
3. Das Bedaux-Prlmienentlohnungsverfahren . . . . . . . . . . . . . 103
ldtef"Atut'Oet"Zeichau • • • . • . • • • • • • • • • .• . • • . • . . • • 115
Grundlagen der menschlichen Arbeitsleistung
M e n 8 c h 1 ich e Arbeit - als Vorgang betrachtet - ist der Einsatz
der geistigen, körperlichen und seelisdlen Krifte des Menschen für die Er
:fQllung der Betriebszwec:kel). Der Erfüllung der Betriebszwecke können auch
begrenzte Teilarbeiten dienen, die dem Einzelnen aufgegeben werden. Als
Ar b e i t 81 e i 8 tun g gilt das Arbeitsergebnis nach Art und Menge in der
Zeiteinheit, sei es je Arbeitstag, je Schicht, je Stunde oder je Woche, je Monat
oder je Jahr. Sie ergibt sich aus folgenden Einflußgrößen:
1. aus dem techftOlogiachn V et'fahTn und der Anwendung der dazu
erforderlichen tec:1misdlen Betriebsmittel;
2. aus der angewandten ATbeitamethoc:le, d. h. der Art und Weise, in
der der arbeitende Mensch seine Arbeit im Rahmen des gegebenen
technologischen Verfahrens ausführt;
3. aus der WiTJcsamkeit der menschlichen Arbeit, d. h. dem Grad der
Beherrschung der angewandten Arbeitsmethode, also dem Können
des Arbeiters, das sich im begrenzten Ausmaß auch in einer indi
viduell geprägten Arbeitsweise lußem kann;
4. aus dem ATbeitatempo, mit dem der Arbeiter seine Arbeit aus
führt, oder dem Grad des Einsatzes seiner Arbeitskraft;
5. aus dem Grad der Nutzung c:1eT tliglichn ATbeitszeit, d. h. der Aus
schaltung aller vermeidbaren Unterbrechungen seines Tltigseins;
8. aus dem Widerstand, den der zu bearbeitende Gegenstand oder
Werkstoff der techn;schen oder der mensdllichen Arbeit entgegen
setzt (MaterialwideTstand)l).
Sam-
In der Arbeitsleistung als oder Mengenleistung mischt sich die tec:h
Di8che Leistung mit der mensdilldlen Leistung~ Der m e n 8 c h 1 i c h e L e i •
8 tun g 8 an t e i 1 ist das Ergebnis des Zusammenwirkens von drei der ge
DilDDten sechs Einflußgrößen, nlmlich Arbeitswirksamkeit, Arbeitstempo und
Arbeitszeitausnutzung. Der t e c h n is c h e L e is tun g s a n t ei l der
Sachleistung vereinigt dagegen die Effekte des tec:hnologischen Verfahrens
und der Arbeitsmethode mit dem Einfluß des llllaterialwiderstandes. Wenn
er auch durch die :meJlliCb!Ucbe Leistung erst hervorgerufen wird, weil der
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Mensch es ist, der die Masdline ingangsetzt, überwadlt und "bedient" und
den Arbeitsgegenstand zur Bearbeitung ansetzt, so wird seine Größe doch
nidlt vom Arbeiter bestimmt, sondem von den Technikern, die das Verfah
ren, die Methode und gegebenenfalls audl das Material (falls es sidl nidlt
um einen natürlidlen Rohstoff handelt) entwickelt haben. In der Sachleistung
kommt also primär der Stand der technisd:um. und organisatorischen Ratio
nalisierung zum Ausdruck, auf den der Arbeiter im arbeitsteiligen Industrie
betrieb keinen Einfluß hat, es sei denn auf. dem Wege von Vorschlägen, die
er an die Betriebsleitung rldltet und die als Sonderleistung audl gesondert
belohnt werden, aber nidlt unmittelbar in seinem Arbeitsauftrag enthalten
sind.
Technologisches Verfahren
Arbeitsmethode
Materialwiderstand
Abb.l
SchefnG, det' Entatehuq det' Sad&letltuq
Aus der Versdunelzung von tedlnisdler und mensdllidler Leistung in der
Sachleistung geht audl hervor, daß mit der Steigerung der meuc:hUc:hen Lei
stung zugleich oft auch eine Steigerung diH' tec:hniBc:hen Leiatung verbunden
ist. Der Nutzungsgrad der meist kostspieligen tec:bnisc:hen Betriebsmittel
steigt, wenn sie vom Mensdlen sdlneller mit Werkstücken oder Rohstoff be
Schickt, besser überwadlt, gesdlaltet oder sonstwie "bedient" werden und
dadurch weniger "leerlaufen" oder gar "stillstehen". Die Kosten je Einheit
der Produktion sinken, wenn der einzelne Arbeitsplatz samt seiner tecbni
sdlen Ausrüstung je Zeiteinheit mehr als bisher an Arbeitsergebnissen her
vorbringt.
Wenn die Sachleistungen der meisten industriellen Arbeitsplätze von Jahr
zu Jüir steigen, so ist das in erster Linie das Ergebnis der technfsdlen un4