Table Of ContentGeorg Meggle . Klaus Peter Rippe· UIla Wessels (Hrsg.)
Almanach cler Praktischen Ethik
Georg Meggle . Klaus Peter Rippe· Ulla Wessels (Hrsg.)
Almanach
der Praktischen Ethik
Forscher ·Institutionen . Themen
Eine Bestandsaufnahme
Westdeutscher Verlag
Redaktion
Klaus Peter Rippe
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© 1992 Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen
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Umschlaggestaltung: Horst Dieter Burkle, Darmstadt
Gedruckt auf saurefreiem Papier
ISBN 978-3-531-12407-0 ISBN 978-3-322-91662-4 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-322-91662-4
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort ..7
2. EiDleltung . .9
3. 8chli1a8el .13
4. Prakti8che Ethlker von A -Z ............................. 111
II. lnstltutlonen sur PraktillChen Ethlk. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .271
5.1. Selbstdarstellungen ausgewiihlter Institutionen. . . . . . . . . . . . . . . 271
5.2. Adressen weiterer Institutionen ......................... 281
5.3. Adressen europiiischer Netzwerke ........................2 85
6. AWlwahlblbUop-.phle sur Praktlschen Ethlk. . . . . . . . . . . . . . . . . . 287
6. 1. Praktische Ethik (allgemeln). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287
6. 1.1. Zeitschrlften. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287
6.1.2. Dokumentationen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .287
6.1.3. Blbliographien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .287
6.1.4. Enzyklopadien ..............................2 87
6.1.5. Aufsatzsammlungen und Monographien .............. 287
6.2. Medizln tind Ethik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . .. 288
6.2.1. Zeitschrlften ............................... 288
6.2.2. Aufatzsamml\.mgen und Monographien. . . . . . . . . . . . . . .288
6.2.2.1. Allgemeln ........................... 288
6.2.2.2. Um Leben und Too ..................... 289
6.2.2.3. ReprOOuktlonstechnologte und Genteclmik ....... 291
6.2.2.4. Ethik des Gesundheitswesens. . . . . . . . . . . . . . .292
6.2.2.5. Arzt und Patient ....................... 293
6.2.2.6. Versuche mit Menschen .................. 294
6.2.2.7. Weitere Problemfelder ....................2 95
6.3. Tiere und Ethik ...................................2 95
6.3.1. Zeitschrlften und Perlodica. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 295
6.3.2. Bibliographien ..............................2 95
6.3.3. Wichtige Monographien und Sammelwerke. . . . . . . . . . . . 296
6.4. Umwelt und Ethik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 297
6.4.1. Zeitschrlften. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 297
6.4.2. Wichtige Monographien und Sammelwerke ............ 297
6.5. Politik und Ethik .................................. 298
6.5.1. Zeitschrlften. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 298
6.5.2. Bibliographien ..............................2 98
6.5.3. Monographien und Sammelwerke .................. 298
6.5.3.1. Allgemeln ........................... 298
6.5.3.2. KrIeg und Frieden ...................... 299
6.5.3.3. Weitere Problemfelder ....................2 99
6.6. Technik und Ethik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 300
6.6.1. Zeitschrlften ............................... 300
6.6.2. Blbliographien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .300
6.6.3. Wichtige Monographien und Sammelwerke. . . . . . . . . . . . .300
6.7. Wirtschaft und Ethik .'. ............................. 303
6.7.1. Zeitschrlften ............................... 303
6.7.2. Bibliographien ..............................3 03
Inhaltsverzeichnis 6
6.7.3. Monographien und Sammelwerke .................. 301
6.7.3.1. Allgemein ........................... 301
6.7.3.2. Fragen des Wirtschaftssystems .............. 302
6.7.3.3. Ethik von Korporatlonen .................. 302
6.7.3.4. Arbeiter und Angestellte .................. 303
6.B. Recht und Ethik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 303
6.9. Journalismus und Ethik ............................. 304
7. Register . .................................... . 305
7.1. Themenbereiche .................................. 305
7.1.1. Medizin und Ethik ........................... 305
7.1.2. Umwelt und Ethik ............................3 06
7.1.3. Politik und Ethik ............................ 307
7.1.4. Technik und Ethik ........................... 30B
7.1.5. Wirtschaft und Ethik ..........................3 09
7.2. EinzelneThemen ..................................3 10
7 Vorwort
Vorwort
Der vorliegende Almanach wurde 1m Rahmen des yom Bundesm1n1sterium fUr Forschung
und TechnologIe gefOrderten ProJekts "Praktlsche Ethik In Deutschland - ihre Inhaltli
chen und institutlonel1en. Perspektlven" erstel1t. Er infonniert iiber die praktlsch-ethi
schen Arbeitsschwerpunkte. Forschungsvorhaben und VerOffentlichungen von Wissen
schaftlern und Institutlonen 1m deutschsprachigen Raum. vorrangig (aber kelneswegs
ausschliej311ch) 1m Bereich der Philosophie. Am Ende des Almanachs beflnden sich zwei
Register. 1m ersten Register sind die Wissenschaftler entsprechend ihren Arbeltsschwer
punkten den Themengebieten Medlzln. Umwelt. Technik. Polltik und Wirischaft zugeord
net. Aus dem zweiten Register ist zu entnehmen. wer zu welchen speziel1en Themen
forscht. Dariiber hinaus enthaIt der Almanach elne Auswahlblbliographle zur Praktlschen
Ethik.
Die 1m Almanach enthaltenen Informatlonen iiber die Wissenschaftler und Instltutlonen
gehen samtlich auf Selbstdarstel1ungen zuriick. Diese Darstel1ungen. danmter auch die
VerOffentlichungsverzeichnisse einiger Wissenschaftler. mtU3ten von uns gekiirzt werden.
Einige Wissenschaftler und eine Institutlon sind auf eigenen Wunsch nicht 1m Almanach
reprasentlert. obwohl sie zu praktlsch-ethischen Fragen arbeiten.
Wir hoffen. daJ3 Liicken. die der vorliegende Almanach noch aufweist. in spll.teren Ausga
ben geschlossen werden. Wir danken Prof. Dr. A. Leist dafiir. daJ3 er sich zur Fortfiihrung
des Almanachs berelterklart hat.
Georg Meggle Klaus Peter Rippe Ulla Wessels
Saarbriicken. 1m August 1992
9 Einleitung
Elnleltuna
Praktische Ethik ist die rationale Auseinandersetzung mir praxlsrelevanten morall
schen Fragen. Will sagen: mit solchen moralischen Fragen. wie sle sich elnzelnen
Menschen (z.B. Prlvatleuten. Politikem. Arzten. Forschem• ... J oder Gruppen von Ih
nen (wie Staaten. Reglerungen. Parteien. Kirchen. Vniversitilten. Firmen •... J in ihren
Entscheidungsprozessen stellen.
Praktische Ethik 1st also. wie etwa Erkenntnistheorie. ein Thema. Sle 1st nicht elne be
stimmte Methode. sich mit praktisch-ethischen Fragen zu beschiiftigen. Vnd Prakti
sche Ethik ist auch nicht eine Menge bestimmter moralischer Thesen: Praktische Ethik
betreibt beispielswelse der. der gegen jede Form von Euthanasle argumentiert. ge
nauso wie der. der.fUr bestimmte Formen derselben argumentiert.
DaJ3 es Praktischer Ethik bedarf. braueht kaum eine Begriindung. Moralische Fragen
tauchen uberali auf. Denn entschieden werden muJ3 dauemd; vemUnftige Entschei
dungen beginnen mit der Frage. was man will. und der Wunsch. in einer guten Welt zu
leben. 1st unter unseren Prilferenzen eine der promlnentesten: Wir wollen eine Welt. in
der niemand verhungert oder verdurstet; In der jeder. der will. Arbelt findet. die ibn
erfiillt; in der Mensehcn nleht nur friedlieh und frei. sondem aueh solidarisch zu
sammenleben; in der die Menschen- und Bfugerrechte gewahrt sind; in der niemand
gegen seinen Willen fmher stirbt als nOtig; in der die Ressourcen gerecht verteilt sind;
und in der die Menschen von aliem. was sic teehnisch machen kOnnen. nur genau das
tun. was sie glueklieh maeht.
Klingt das zu schOn? Rationales Entsehelden erfordert den Blick auf das MOgliehe.
Aber damlt ist die Ethik nieht erledlgt. Wenn die perfekte LOsung auJ3er Reiehwelte 1st.
dann wollen wir ihr so nahe wie mOglieh kommen. Wir wollen dann das. was unter
den gegebenen Bedingungen und in den gegebenen Handlungssituationen das Beste
ist -kurz. das BestmOgliche.
Die Eruierung des BestmOgliehen erfordert erstens eine genaue Kenntnis der empiri
schen Fakten. Was dlese Kenntnis betrifft. steht der Praktische Ethiker hiluftg sehr
viel schlechter da als seine Kollegen aus den empirischen Wissenschaften. und er ist
auf ihre Hilfe angewiesen. Zweitens mussen zur Eruierung des BestmOgliehen die Zlel
vorstellungen prilzlslert werden. Wle stelle leh mir mein Leben genau vor? Genau wie
soll die Gesellschaft von morgen aussehen? Vnd drittens muJ3 die Auseinandersetzung
mit genutn moralischen Problemen dort in Angriff genommen werden. wo MaJ3nahmen
zur Herbelfiihrung der Ziele selbst wieder moralische Probleme aufwerfen -und das 1st
die Regel:
Ge~ 1st es. fUr sleh betraehtet. gut. wenn weniger Menschen an AIDS ster
ben. Es 1st aber aueh gut. wenn niemandes PersOnlichkeltsrechte verletzt wer
den -etwa dureh Zwangsuntersuehungen.
~ 1st es. fUr sleh betraehtet. gut. wenn wir wohlhabend sind. Aber wie
wohlhabend durfen wir sein. wenn glelehzeitig Menschen verhungem?
Ge~ ist es. fUr sieh betraehtet. gut. wenn unsere Wirtschaft floriert; es 1st
aber aueh gut. wenn jeder Arbeitswi111ge Arbeit findet; und wenn keine RU
stungsindustrte vonnoten 1st; und wenn es trinkbares Wasser gibt.
Gew'J3 1st es. fUr sleh betraehtet. gut. wenn leh als Frau nur dann ein Kind be
komme. wenn ieh mir eines wiinsehe. Es 1st aber auch gut. wenn niemandes
Recht auf Leben verletzt wird.
Ge~ wollen wir Erbkrankheiten bekilmpfen. Ge~ in unseren Labors keine
Monster ziichten. Wie risikobereit sind wir?
Einleitung 10
Gewm ist es, filr sich betrachtet, gut, wenn jeder tun und genieJ3en darf, was
er mag. Ebenso gewm sollen aber auch unsere Kinder geschiitzt, eine Verro
hung unserer Mitmenschen verhindert werden: Wieviel Gewaltszenen und wie
viel Pornographie wollen wir in welchen Kontexten zulassen?
Hier tauchen irreduzibel moral-interne Probleme auf. Es stehen spez!fisch moralische
Gilterabwagungen an: dieser Wert versus jener Wert; diese Rechte (des einen oder der
einen Gruppe von Personen) versus jene Rechte (des anderen oder der anderen
Gruppe von Personen). Zahllos sind die Themen, die uns mit solchen Fragen konfron
tieren. Hier nur eine Liste von StichwOrtern, weder trennscharf gegliedert noch er
schOpfend:
Medizin: Abtreibung; AIDS; Behinderung; Euthanasie; Gentherapie; In-vitro-Fertilisa
tion; Klinischer AUtag: Organtransplantation: Patientenautonomie; Pnlnatale Diagno
sUk: Psychiatrie: Psychotherapie: Therapieabbruch.
Umwelt: Artenschutz; Klimaschutz; Miillprobleme; Naturschutz; Speziesismus; Um
gang mit Tieren; Verantwortung fUr zukiinftlge Generationen.
Technik: Embryonenforschung; Genmanipulation; Informationstechnologien; Kern
technologie; Kiinstliche Intelligenz.
Politik: Abschreckung; Arbeitslosigkeit; Asylpolitik; BevOlkerungsentwicklung; Ent
wieklungshilfe; Internatlonale Beziehungen; Krieg; Nationalismus; Nord-Siid-Konflikte;
Rassismus; Redefreiheit; Riistung; Sozialpolitik; Todesstrafe; Verkehrspolitlk; Wirt
schaftspolitlk; Zensur; ziviler Ungehorsam.
Wirtschaft: Arbeitsschutz; Arbeitsverweigerung aus Gewissensgriinden; Computer;
Konsumverhalten: Konkurrenzverhalten; Krtsenmanagement; Marktwirtschaft; Public
Relation; Waffenhandel; Wirtschafts- und Unternehmenskultur.
Soziale Fragen: AItersstruktur der Gesellschaft; Berufskodizes; Drogen; Diskriminie
rung (und umgekehrte Diskriminierung): Freiheit der Wissenschaft; Medien: Sexis
mus; Sport; Umgang mit Minderheit.
IndivtdueUe Lebens.fiihrung: Adoption; Freundsehaft; Liebe; Liigen und Betriigen; Reli
gion; Sex; Verhiitung.
Besonders 1m deutschsprachigen Raum stehen der Erforschung konkreter moralischer
Fragen teils nur latent, teils explizit lautere Bedenken und mitunter weniger lautere
Interessen entgegen. Hier kOnnen nur in aller Kiirze die wiehtigsten Einw<inde gegen
die Praktisehe Ethik diskutiert werden:
Da sind zuniichst die Zweifel an der Wissenschaftsfiihlgkeit, ja an der rationalen Dis
kutierbarkeit von Wertfragen. Diese Zweifel haben lange die wissenschaftliche Ausein
andersetzung mit konkreten moralischen Problemen verhindert.
Natilrlich: Werturteile, 1m handlungsrelevanten Sinne, miissen zumindest auch Aus
sagen iiber PrMerenzen sein, und die konnen niemandem voraussetzungsfrel
"andemonstrlert" werden: wenn elner was nieht will, dann will er's eben nicht. Doch
d~ ein Forsehungszwelg Voraussetzungen braucht, diskreditiert ibn nieht. Voraus
setzungsfreie Bewelse gibt es auch In der Physik nicht; die Akzeptanz eines Systems
von empiIischen Evldenzen, induktiven Schluj3regein und mathematischen Regein 1st
ebenfalls evaluativ: wenn elner was nicht giaubt, dann glaubt er's eben nieht.
Riehtig 1st: Nur mit elnem quasl-konsensuellen Gerust 1m Hintergrund 1st ein The
menbereieh wissensehaftsfiihig, und die Frage an die Praktisehe Ethik lautet, ob sle
ein solches vorweisen kann oder ob in ihr alles Geschmaekssache, Willkilr und blo,Bes
Bekenntnis 1st. Doch ohne Zweifel hat die Praktische Ethik ein konsensuelles Gerust.
Unabh<inglg von unseren religiOsen. !deologlschen oder philosophischen Hintergrun
den sind wir so gut wie aile for Glelchberechtigung, Wahrung der Menschenrechte und
Frieden und gegen Hunger, Rasslsmus, entfremdete Arbeit und Gewalt. Und in zahl-
11 Einleittmg
reichen FaIlen. in denen es urn die Gewichtung von resultierenden Pr/ma-Jacie-Gebo
ten geht. stlmmen wir ebenfalls iiberein.
Bliebe zu zeigen. d~ der scharfsinnige Umgang mit diesem Geriist una auch eine ra
tionale Handhabe auch fUr nicht konsensuelle Angelegenheiten gibt. Wer dies be
streitet. kann sebr einfach widerlegt werden: die weltweiten Arbeiten kluger KOpfe wie
Richard M. Hare. Anthony Kenny. Amartya Sen. Judith Jarvis Thompson. Mary War
nock u.v.a. geben eine eindrucksvolle Liste von Gegenbeispielen abo Wer sich einen er
sten Eindruck davon verschaffen mlkhte. d~ und wie Praktische Ethik funktionieren
kann. dem kOnnen aus der Fiille von Literatur z.B. dIe Uberblicksmonographie Prakti·
sche Ethik von Peter Singer (Stuttgart 1984) sowie die Sammelblinde Um Leben und
Too (brsg. von Anton LeIst. Frankfurt 1991). Oko/ogie und Ethik (brsg. von Dieter
Bimbaeher. Stuttgart 1980) und Applying Ethics (brsg. von Jeffrey Olen & Vincent
Barry. Belmont/CA. 3.Aufl. 1989) empfohlen werden.
Aber verlangt nieht die wissenschaftliehe Lauterkelt. mit der Behandlung konkreter
morallseher Angelegenheiten bis zur LOsung der ethischen Grundlagenfragen zu war
ten?
Erstens gebletet es dIe wissenschaftliehe Lauterkeit dem Ethiker. dIe morallsche DI
mension seines Schaffens lm Blick zu halten. Die besagt. d~ die morallsche Praxis
nieht warten kann. bis Aristoteles. Hare. Hobbes. Hume. Kant. Moore. Platon. Putnam
und Weber sieh elnig geworden sind. Wle es haufig unmorallsch ware. statt zum Han
deln zu kommen. belm Moralisleren zu verbleiben. so ware es haufig unmorallseh.
statt zu konkreten morallschen Problemen zu kommen. bel den abstrakten zu verbleI
ben. so wiehtig letztere aueh sein mOgen.
Zweitens lehrt dIe Erfahrung in der philosophischen Ethik. d~ insgesamt erstaunllch
wenige Grundsatzdifferenzen auf dIe Ebene der Beschiiftigtmg mit konkreten morall
schen Problemen durchscWagen. Der Kantianer. der Intuitionist. der Aristotellker und
der Emotlvist konnen Praktische Ethik gemeinsam betreiben. Ibre verschiedenen Be
grundungsstrategten jedenfalls miissen sie nieht daran hindern.
Und drittens leistet die Praktische Ethik immer aueh BeitrAge zur ethischen Grundla
genforschung. Zurn einen stO;3t sie in der ethisehen Praxis auf ungeloste Grundsatz
probleme. die sie der Grundlagenforschung als Desiderate namhaft machen kann.
Zum anderen bemU3t sieh die AdAquatheit einer ethischen Theorte nicht selten auch
daran. ob sie unseren konkreten morallschen Uberzeugungen gerecht wird. So sind
die Ergebnisse der Praktischen Ethik selbst wiederum Priifsteine fUr Ergebnisse der
Theoretischen Ethik.
Aber ist Praktische Ethik nicht gefiihrlich? Ja. vielleicht gefiihrlichjilr existierende Mo
ralvorstellungen. Doch entweder sind die angeblich bedrohten MOralvorstellungen
auch dann haltbar. wenn man sie iiberdenkt: dann hAtten sie von der Praktischen
Ethik nichts zu fiirchten. Oder sie halten der Uberpriifung durch kritisches Denken
nicht stand; dann ist ihre Verwerfung ja gerade nicht morallsch schlimm. sondern
morallsch geboten.
Gefahren kOnnten aueh dort gesehen werden. wo es nicht urn die InhaUe morallscher
Urteile. sondern die empirischen Konsequenzen ihres Aussprechens geht: allein d~ sie
bestimmte morallsche Probleme zur Sprache bringt oder fUr bestlmmte morallsche
Urteile argumentiert. die fiir sich genommen vielleicht korrekt sind. kOnnte de facto
verheerende Konsequenzen haben. Ein Blick auf die Geschichte gtbt jedoch eher zu
der Vermutung Ani~. d~ Gedankenlostgkeit geflihrlicher ist. als Gedanken es sind.
Urn die rationale Auseinandersetzung mit praxisrelevanten morallschen Fragen be
muhen sich 1m deutschsprachigen Raurn einzelne Philosophen und Wissenschaftler.
aber auch Expertengruppen und Ethikkommissionen. berufsinterne Gremien und
Vereine. interdisziplinar zusammengesetzte Akademien sowie verschiedene Institute.
Sie vermogen den Bedarf an Praktischer Ethik nicht zu decken. Aber nur ein Ten des
Problems besteht darin. daJ3 es zu wenig Praktische Ethik gibt. Der andere Ten besteht
Efnleitung 12
In der mangelnden Kommunlka.tion dessen, was es gtbt. Oieser Kommunikatlonsman
gel 1st In erster Llnie eln forschungsextemer: DaJS die gesellschaftl1che Nutzung prak
tlsch-ethischer Forschung auf mOgllchst vielen Ebenen (Flrmen, Parlamente, Gewerk
schaften 0.4.) hinter dem mOgllchen und wUnschenswerten MaJS zunlckblelbt, l1egt
unter anderem daran, daJS es den Verantwortllchen (den Rundfi.mkredakteuren, Kir
chentagsorgarusatoren, Veranstaltem von Kongressen, Tagungen und Podlumsdls
kusslonen, etc.) an lelcht zug4ngl1chen lnformationen danlber fehlt, wer In Deutsch
land gerade wozu forscht oder geforscht hat und damit eln kompetenter Gespmch
spartner oder Vortragender 1st. Der Almanach zur Prakttschen Ethtk solI helfen, diese
Kommunikationsliicke zu schl1e.6en.l
Teilen der Elnleltung lIegl Matertal aus Christoph Fehlge und Georg Meggle: 'Vorschlag zur Elnrtchtung eln. . In
sUtuts fi1r Praktische EthJk" zugrunde, VgI, Fehige/Meggle In Stelgieder. Klaus. & Mleth, Dletmar (Hrsg,)' EtIUk In
den Wissenschajten, Tl1blngen 1990, sowte Kurzfassungen In lriforrnatton Phtio<;oph1e 3/1989 und In UnlversUas
11/1989,