Table Of ContentDIE VERSICHERUNGSAUSBILDUNG
Als Dr. Max Gehlens Versicherungslehrwerk
begründet von Prof. Dr. H. L. Müller-Lutz
Allgemeine Versicherungslehre
DIE VERSICHERUNGSAUSBILDUNG
Als Dr. Max Gehlens Versicherungslehrwerk
begründet von Prof. Dr. H. L. Müller-Lutz
Herausgegeben
vom Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft
Verantwortlicher Redakteur:
Prof. Dieter Voigt, Köln
Erster Band
Versicherungslehre
- Versicherungszweige -
Zweiter Band
Statistik und elektronische Datenverarbeitung
im Versicherungsbetrieb
Dritter Band
Rechnen im Versicherungsbetrieb
Vierter Band
Buchführung im Versicherungsbetrieb
Fünfter Band
Recht im Versicherungsbetrieb
Sechster Band
Allgemeine Versicherungslehre
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
DIE VERSICHERUNGSAUSBILDUNG
Als Dr. Max Gehlens Versicherungslehrwerk
begründet von Prof. Dr. H. L. Müller-Lutz
SECHSTER BAND
Allgemeine
Versicherungslehre
Von Versicherungsfachwirt
Dr. rer. pol. H. L. Müller-Lutz
Honorarprofessor an der Universität München
198 1
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
ISBN 978-3-322-96081-8 ISBN 978-3-322-96215-7 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-322-96215-7
Abbildungen: Werbeatelier Boese, Bad Homburg vor der Höhe
© Springer Fachmedien Wiesbaden 1981
Herstellung: Buchdruckerei Dr. Alexander Krebs Bad Homburg vor der Höhe
Vorwort
Der vorliegende Band der Reihe "Die Versicherungsausbildung" gibt eine allgemeine
Einführung in die Versicherungslehre unter besonderer Berücksichtigung der volks-und
betriebswirtschaftlichen Grundlagen. Er setzt die Tradition der "Versicherungslehre
Teil I" von Dr. Max Gehlens Versicherungslehrwerk fort, die in 18 Auflagen erschienen
ist und von dem Unterzeichnenden mit Unterstützung der Herren Hammes, Koch und
Lukarsch zusammengestellt wurde. Zeitlose Teile des Buches sind in das neue Werk
übernommen worden.
Es wurde Wert darauf gelegt, die inzwischen erschienenen Rahmenlehrpläne für V ersi
cherungsfachklassen für den betrieblichen und zwischenbetrieblichen Unterricht sowic
für den Blockunterricht zu berücksichtigen, außerdem die Leitlinien für die lernziel
orientierte betriebliche Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Schließlich wurde die
Verbindung zu dem graphischen Tabellenwerk "Die Aus-und Weiterbildung in der Ver
sicherungswirtschaft" , herausgegeben vom Berufsbildungswerk, dadurch hergestellt,
daß eine Reihe von Angaben und Darstellungen übernommen wurde.
München, im Sommer 1981
Der Verfasser
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Inhaltsverzeichnis
Volkswirtschaftliche Grundlagen der Versicherung 9
1.1 Grundlagen des Wirtschaftens .............................................. 9
1.2 Sicherung des Wirtschaftens ................................................ 10
1.3 Die Versicherung ......................................................... 11
1.3.1 Der Versicherungs begriff .................................................. 11
1.3.2 Die Gliederung des Versicherungswesens ..................................... 12
1.3.2.1 Sozialversicherung ...................................................... " 13
1.3.2.2 Individualversicherung .................................................... 14
1.3.3 Die Gliederung der Versicherungszweige derIndividualversicherung .............. 15
1.3.3.1 Gliederung nach dem Gegenstand der Versicherung ............................ 15
1.3.3.2 Gliederung nach der angewandten Versicherungstechnik ........................ 16
1.3.3.3 Gliederung nach dem Grund des Vertragsabschlusses ........................... 17
1.3.3.4 Gliederung nach der Art der Versicherungsinteressenten ....................... " 19
1.3.3.5 Erst-, Rück-und Mitversicherung ........................................... 19
1.4 Die Versicherung als Faktor des Wirtschaftslebens .............................. 20
1.4.1 Die geschichtliche Entwicklung des Versicherungswesens ....................... 20
1.4.2 Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Versicherungswesens .. . . . . . . . . . . . . . . . .. 21
1.4.3 Die Bedeutung des Versicherungswesens für die Einzelwirtschaften ............... 22
1.4.4 Der Versicherungsmarkt .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 23
1.4.5 Die Partner des Versicherungsmarktes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 23
1.4.5.1 Angebotsseite ............................................................ 24
1.4.5.2 Nachfrageseite ........................................................... 24
1.5 Die Organe der Versicherungswirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 24
1.5.1 Die Unternehmensformen der Versicherer .................................... 24
1.5.1.1 Versicherungsaktiengesellschaft .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 25
1.5.1.2 Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit ..................................... 26
1.5.1.3 Offentlich-rechtliche Versicherungen ........................................ 28
1.5.2 Die Versicherungsaufsicht ................................................. 29
1.5.3 Das Verband wesen ....................................................... 31
2 Betriebswirtschaftliche Grundlagen des Versicherungswesens . . . . . . . . . . .. 34
2.1 Die Organisation des Versicherungsbetriebes .................................. 34
2.1.1 Personelle und funktionelle Arbeitsgliederung ................................. 34
2.1.1.1 Außen-und Innendienst ................................................... 34
2.1.1.2 Dienstleistungs-und Zentralarbeiten ......................................... 35
2.1.1.3 Die Auswirkungen der Arbeitsgliederung auf den Versicherungsbetrieb ............ 36
2.1.2 Die Arbeitsabläufe im Versicherungs betrieb ................................... 36
2.1.2.1 Erstbearbeitung .......................................................... 36
2.1.2.2 Folgebearbeitung ............................................ '. . . . . . . . . . . .. 39
2.1.2.3 Bearbeitung des Versicherungsfalles ......................................... 40
2.1.2.4 Aufhebung des Vertragsverhältnisses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 40
2.1.2.5 Schriftwechsel ........................................................... 40
2.1.3 Die Gliederung in Arbeitsgruppen ........................................... 40
2.1.3.1 Außendienst ... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 40
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2.1.3.2 Geschäftsstellen .......................................................... 42
2.1.3.3 Innendienst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 44
2.1.4 Zusammenfassung ........................................................ 52
2.2 Das Rechnungswesen des Versicherungsbetriebes .............................. 55
2.2.1 Buchführung ............................................................ 56
2.2.2 Kostenrechnung (Kalkulation der Versicherungsprämie) ........................ 56
2.2.2.1 Risikoprämie (Risikokosten) ............................................... 56
2.2.2.2 Verwaltungskosten (Betriebskosten) ......................................... 57
2.2.2.3 Gesamtprämie (Bruttoprämie) .............................................. 57
2.2.3 Betriebswirtschaftliche Statistik ............................................. 58
2.2.4 Planungsberechnung ...................................................... 58
2.2.5 Zusammenfassung ........................................................ 59
2.3 Die betriebstechnischen Hilfsmittel ... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 59
2.3.1 Vordrucke .............................................................. 59
2.3.2 Mechanisierte Hilfsgeräte .................................................. 59
2.3.3 Elektronische Datenverarbeitung (EDV) ..................................... 62
2.3.4 Kommunikationsmittel .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 62
Schrifttum ...................................................................... 63
Sachwortverzeichnis ............................................................ 64
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1 Volkswirtschaftliche Grundlagen der Versicherung
1.1 Grundlagen des Wirtschaftens
Die Notwendigkeit wirtschaftlichen Handelns ergibt sich aus der Tatsache, daß die Gü
ter, die der Mensch zum Leben braucht, von Natur aus nicht in unbeschränkter Menge
zur Verfügung stehen. Der Umgang mit knappen Mitteln zum Zwecke der Bedürfnisbe
friedigung bezeichnet man als Wirtschaften.
Die zur Bedürfnisbefriedigung notwendigen Güter bestehen aus den Produktionsfakto
ren Natur (Boden, Bodenschätze), menschlicher Arbeit und Kapital (Werkzeuge, Ma
schinen usw.). Die Güter berühren zum Teil Zwischenstufen, bevor sie dem Endver
brauch zugeführt werden.
Grundsätzlich kann man Produktionsgüter (Gütererstellung) und Konsumgüter (Güter
verbrauch) unterscheiden.
Den Verbrauchssektor teilt man ein in:
1. Privathaushalte
2. öffentliche Haushalte des Bundes, der Länder und Gemeinden, die Aufgaben im In
teresse der Gesamtheit wahrnehmen (Gesundheitspflege, Schulwesen usw.).
Man unterscheidet folgende Gruppen der Güterproduktion:
1. Urproduktion (Landwirtschaft, Bergbau)
2. Gewerbliche Produktion (Produktionsgüterindustrie und Konsumgüterindustrie).
3. Handel (räumliche und zeitliche Verteilung der Waren).
4. Dienstleistungen (Banken, Verkehrs- und Transportbetriebe, Versicherungen).
Der Wirtschaftsablauf, d. h. das Ineinandergreifen der einzelnen Sektoren läßt sich gra
phisch wie folgt darstellen:
Natur Kultur
Das Schaubild zeigt, daß die Wirtschaftseinheiten des Handels die Wirtschaftseinheiten
der Urproduktion mit denen der Produktion und des Konsums verbinden und daß der
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Dienstleistungssektor für die Wirtschaftseinheiten aller Stufen des arbeitsteiligen Wirt
schaftsablaufes tätig ist.
Die Zusammenarbeit der Wirtschaftseinheiten ist entweder dem freien Ermessen überlas
sen oder geplant möglich. Es lassen sich zwei Wirtschaftsordnungen unterscheiden:
1. Die freie Verkehrs- oder Marktwirtschaft
2. Die zentralgelenkte Verwaltungs- oder Planwirtschaft.
In der freien Verkehrswirtschaft kann jede Wirtschaftseinheit Dispositionen nach eige
nen überlegungen treffen. Es besteht keine die Entscheidung betreffende Gesamtrege
lung. Der Wirtschaftsablauf ergibt sich aus der Verbindung zwischen den einzelnen Wirt
schaftseinheiten. Den Ort des Austausches nennt man Markt.
In der zentralgeleiteten Verwaltungswirtschaft, die dem Wirtschafts ablauf einheitliche
Pläne zugrunde legt, wird die Gesamtheit der Wirtschaftsvorgänge von der Urproduk
tion bis zum Konsum zentral gelenkt. Der Gesamtplan setzt sich aus Teil-und Einzelplä
nen für alle Wirtschaftsstufen und Wirtschaftseinheiten zusammen. Grundsätzlich wird
die Gesamtheit aller Wirtschaftsvorgänge erfaßt.
Beide Systeme finden sich in der Praxis nicht in ihrer Idealform. Die Wirtschaftsordnun
gen der einzelnen Staaten bevorzugen allerdings das eine oder andere Prinzip. Die Wirt
schaftsordnung in der Bundesrepublik Deutschland geht von der freien Verkehrswirt
schaft aus, wobei die Sozialverpflichtung des Staates besonders betont wird. Man spricht
von einer sozialen Marktwirtschaft und deutet damit die notwendigen staatlichen Ein
griffe zur Korrektur von Schwierigkeiten an, die sich im Zuge der freien Verkehrswirt
schaft unter Umständen ergeben können.
1.2 Sicherung des Wirtschaftens
Die Wirtschaftspläne der verschiedenen Wirtschaftseinheiten (Unternehmungen, Haus
halte) sind ebenso wie die menschliche Existenz einer ständigen Gefährdung ausgesetzt.
Daraus entsteht ein starkes Sicherheits bedürfnis. Das menschliche Handeln richtet sich
danach und versucht, die Gefahren, die die Möglichkeit von schädlichen Einwirkungen
mit sich bringen, abzuwehren. Wenn der Schaden eintritt, ergibt sich eine nachteilige
Einwirkung für die betroffene Person oder Wirtschaftseinheit bzw. auf die ihnen zur
Verfügung stehenden Güter.
Im Zeitalter der Geldwirtschaft kann der Geldaufwand gemessen werden, der notwendig
ist, den eingetretenen unmittelbaren oder realen Schaden im Rahmen des Möglichen aus
zugleichen. In Geld nicht meßbar sind die oft schwerwiegenden seelischen (immateriel
len) Auswirkungen von Schäden.
Man muß unterscheiden zwischen Gefahren und Schäden, die in Geld meßbar sind, und
solchen, die sich einer quantitativen Erfassung entziehen.
Die Sicherungsmaßnahmen des Menschen gegen die ihn selbst und seine Güter bedro
hende Gefahren kann man in drei Gruppen einteilen:
1. Die Schadenverhütung, d. h. die Abwendung oder Vermeidung der Gefahr und damit
die Verhütung des Schadeneintritts.
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