Table Of ContentMaximilian Soeser
Allgemeine
Baubetriebslehre
ALLGEMEINE
BAUBETRIEBSLEHRE
VON
MAXIMILIAN SOESER
ZlVILINGENIEUR, DOZENT FÜR BAUBETRIEBSLEHRE AN DER
TECHNISCHEN HOCHSCHULE IN WIF:N, ÖFFENTLICHER GESELLSCHAFTER
DER BAUUNTER:-IEHMUNG H. RELLA & CO., WIEN
MIT 89 TEXTABBILDUNGEN
Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH
ISBN 978-3-7091-3122-0 ISBN 978-3-7091-3129-9 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-7091-3129-9
AnE RECHTE, INSfiESONDERE DAS ΟΕΗ ϋΒΕRSΕΤΖUΝG
ΙΝ 1<-HE~ιnE SI>HACHEN, νΟΗΗΕΗΑΙΤΕΝ
"Ergreift das Werkzeug. Sch,wfei riihrt und Spaten'
Das Abgesteckte muj3 sogieich geraten.
Allf strenges Ordnen. raschen F1eij3
Er/oigt der allerschonste Preis;
Daj3 sich da. groj3te Werk vollende,
Geniig! e i n Geist fiir iausend Hiinde."
Faust, If. Tei!.
Vorwort
Dieses Bueh beruht auf einer siebenundzwanzigjahrigen Praxis,
da von ein Vierteljahrhundert an leitender Stelle del' Bauunternehmung
H. Rella & Co., Wien. Dennoch ware es ungeschrieben geblieben
ohne meine Berufung an die Technisehe Hochschule in Wien zur
Dozierung des hier vor zwei Jahren neugeschaffenen Faches: Bau
betriebslehre. Die hierdurch erzwungene Befassung mit dem ungeahnt
ausgebreiteten Stoffe, seine Sammlung, Sichtung und Siebung zwecks
einer nach praktischen und padagogischen Gesichtspunkten zu erfol
genden Darlegung in Form eines Lehrgegenstandes, dies ergab mir
erst die M6glichkeit, dem Wunsche des Verlegers nach Herausgabe
eines diesem Stoffe gewidmeten, dabei aber in knappem Rahmen ge
haltenen Buches zu entsprechen. Es ist trotzdem nicht bloB fur den
Studierenden, nicht bloB fur den am Anfange seineI' Praxis stehenden
jungen Ingenieur geschrieben, wo es dcr allzuvielen Befassung mit
konstruktiver, auch eine solchc mit betrieblicher Technik anreihen solI,
denn "Technik als Arbeitskunst ist Lehre und Betatigung, Kenntni"
unt! K6nncn zugleieh". Del' Umfang des Bauingenienrwesens ist ein
del' art gro13er geworden, daB del' Mann der, Praxis zumeist und j e
langer je mehr gen6tigt wird, sich auf ein Sondergebiet zu beschranken.
Auch ihm hofft dieses Buch trotz odeI' eben wegen seineI' Knappheit
ubersichtliche Anregung, zusammenfassende Belehrung bieten zu k6nnen.
E" will ein Stuckehen Weges sein nach dem noch weit entfernten
Zicle mcthodischer Betriebsfuhrung im Bauwesen.
Meiner Mutter, meiner einstigen Lehrer, ~amentlich del' Pro
fessoren De ch ant, Br y k und S c h 6 n, sei in Dankbarkeit gedacht.
Herrn Oberbaurat h. c. Ing. R. Nemetschke als meinem Fuhrer
in die Praxis, Herrn Prof. Dr. L. Oerley-"\Vien als Anreger meiner
lehramtlichen Berufung, del' 6sterreichischen Unterrichtsverwaltung, den
Professoren Janssen-Berlin und lVIayer-Weimar als Wegbereitern,
allen im Text und in den Anmerkungen genannten Autoren unci
Firmen, schlieBlich dem Verleger sei warmster Dank gesagt. Endlich
soll die ungezahlte Menge jener ungenannten Faktoren - Sachen,
l:"mstande, Personen und Ideen - nicht vergessen sein, die, selbst
als Summanden mit negativem Vorzeiehen, stets nul' zur lVIehrung
jener Summe dienen, die man Erfahrung nennt.
Wien, am 30. Januar 1930.
Ing. Soeser
Inhaltsverzeichnis
Scite
1. Technik und 'Yirtschaft .......................... . 1-18
Dcr Ingenieur und das wirtschaftliche, soziaIe und kulturelle
Prohlcm der Technik 1 - Das heutige Wirtschaftssystcm 4
--Die Bauwirtschaft im Rahmen der Volkswirtsehaft 12-
DeI' Ingenieur als vVirtschaftsfiihrer 14.
n.
Dcr Betriebsingenieur und seine Mitarbeiter ..... 18--46
SoziaIpolitik und ihr V{erdrgang 18 - Sozialfiirsorge 21 -
Sozialversicherung 23 - Krankenversicherung 25 --Unfall
versicherung 26 - Lnfallverhiitung 27 - T:nfallursachcn :~:{
-- Arbeitslosenversicherung 36 -- ArbcitsyermittIung 37 -
Angestelltcnversicherung 38 - Arbeitsrecht :{8 - Betriehs
vertretungcn 40 - SchIichtungsausschiissc 41 - Kollektiv
(Tarif-) Vertriigc 42.
Ill. Der ::Uenseh im Baubetriebc ...................... . 46-5;)
Betriebswissenschaft 46 - Der }Iensch als Betriebsglied 48
-- Die Betriebsgemeinschaft 48 - Der Lolm der Arbeit 48
-- Der Arbeitslohn, Lohnverreehnung, Lohnzahlung,
Akkorde, Pramien 50 - Tavlors wissenschaftliche Bctriebs-
fiihrung 54. •
I\". Die }Iasehine im Baubetriebe ..................... 55--105
Allgemeines 55 - Die Betricbskosten dcr Baumaschinen 58
-- Verzinsung des Anlagekapitals 60 - Abschreibung
des Anlagewertes (Amortisation) 61-Versicherungen 64-
Lagerhaltung, Instandhaltung und Instandsetzung
(Reparaturen) 66 - Transport und "Montage 72 -- Gehaltc
und Lohne fiir die 'Vartung 73 -- Betriebsstoffe 75 -
Rechnerische Ermittlung dn Betriebskostcn 80 -- Erzeu-
gung und Verwendung von PreBluft 86 - PreBluftwerk-
zeuge; PreBluftstampfer 94 - PreBluftbolll'hiimmcr 97.
V. Die Forderung von }[asscn, insbesondere yon
Bodenarten; Erdarbeiten .......................... 105--132
Das Liisen und Laden 105 - Bodenforderung 107 - Ft;r-
derung auf Schienenbahnen III - Masehinclle Zugfiir-
derung 115 - Losung yon Gesteinsarten 128.
'-I. Gesteinszerkleinerung und Sortierung ............ 1:32-149
Steinbrechmaschincn; Backenbrecher 132 -- Hund- oder
KrciseIbrecher 138 -- (Klassier-) Sortiermaschinen 142 --
"T
alzwerke 146 - Fahrbare Steinbrcchcr und Sortier-
anlagen 148.
VII. Die Betonbereitung ................................ 14~)-211
Einleitung; Handmischung 149 -- }Iaschinelle Mischung
durch Freifallmischer; Mischtrommel; X ennfiillung. Dreh-
zahl 151 - Absatzlose Mischer 151 - Chargenmischer 15:3
- Spieldauer 153 - ~Iischdauer; Mischvorgang; Yersuehs-
ergebnisse 154 - Beschickung 156 - Abmcssung der
Inhaltsyerzeichllis v
:\Iischhcstandteile 157 ~ Die Entleerung 161 -- Zwang~
(Wihr-) :\Iischer 168 ---Wirtschaftlichkeit 1 71 ~ Der Reigen
b(-irn Betonerzeugen; Zufiihren, J\fischen, Abfiihren 172 -
.\llgemeine Regeln. Leistungen 174 ~ Betriebstcchnik
deI' Betonbereitung 175 ~ Kostenbeispiele 178 ~ Meeha
nisclHl BetonfiircieI'einrichtungen; Ziige, Aufziige, Krane,
Kabelkrane, PI'ef3111ftfiirderung 184 -- Die Gu13betonierung
192 ~ Gief.lrnasto 194- Gief.ltiirrne HHl --- Leistung und
Kosten 201 ~ Bandfiinlerung 202 ~ Eisensclmeide- uull
Bicgprnaschill("n 204 ~ Schalung und lllistung 205 ~ Be
stiIllJllUnW'Il, N ormen, Baukolltrolle, LiteI'aturhinweise 209.
\-IlI. ])("1' Baugrllncl und der Ballplatz ....... __ ..... _ ... 211 n.>
Gr0130 und Lago 211 -- Bodenheschaffenheit 212 -- }{ccht-
liche Eigenschaften; Grunclbuchsrccht, Grundbllch 212 -
(iffentliche Anreehte 214 ~ Enteignullg 215 ~ Besitz-
~t0rung 215.
IX. Haustoffbesclulffung un<1 Baustoffgebarung 216-22G
~dbstbesrhaffung 216 --\Varenkunde, IIandelslehre 216 ~
Die \Vare irn Handelsroeht 217 ~ Dor IIandelskauf, Geschiift
217 -- Die Baustoffgobarung. Der Einkauf 219 ~ Lager-
haltung und Instandhaltung 223 ~ Bauwerkstatten 225.
X. Die Baukosten ............................. " ...... 227 --243
Kostenreehnung im allgemeinen 227 -- Kostcllerfassung
dureh Buehlmltung 228 --- Kostellzcrglie(lerung <lu1'eh Bau
beriehtcrstattung 2:~:~ --Zwischen- und X achkaikulation 235
-- Die Kalkulatioll. Yorreelmung, Veranschlagung 237 --
Riskell und Preisbildung 243.
XL Der Bau\'ertrag ......................... _ .......... 244--258
Der Bau- ein IVc rkvortrag 244 ~ Allgcmeine Vertrags
bedingungeu 248 --Arten der Vergiitllng 248 ~ AlIgemeine
Bestimmungen fUr die Vergebung von Bauleistungen 250
-- Allgemeines. Din. 1960 250 ~ 'Cnterlagen der Ver-
gebung 251 ~ Technische Vorsehriften hlr Bauleistungen
2.52 - - A usfiihrungsfristen, Zeitenplan 253 ~ Die Aus
sehl'eihung 255 -- Vas Angebot; das annehmbarste Angebot
256 - Z:uschlag uwl Yertrag 2;"iS.
XII. Die Bau<lurehhihrung und ihre Rationalisierung. 259---268
Die Bauleitung 259 ~ Baupolizei; Bauordnung 259 ~
Verteilung der Verantwortlichkeit 260 ~ Die Rationali-
sierung 262 ~ Normung 262 ~ Typisierung 262 ~ Arbeits-
form 263 ~ ~littelbare Bedingungen der Rationalisierung
264 -- Der Betriebsingenieur als Leiter der unmittelbaren
Hationalisierung 265 -- Organisationstalent 265 ~ Fiihrer
eigensehaften 2(Hl ~ Die :\Iechanisierung 266 ~ 'Cnmittel·
bare Bedingungcn der Rationalisierung 267.
Literaturverzeichnis ........................................ 268
~amen- und Sachregistel' .......... ___ ....... _ . _ . __ . . . . . . . . . 2i1
I. Technik und Wirtschaft
Der Ingenieur und das wirtschaftliche, soziale und kulturelle
Problem der Technik
,kgliche Wi"sensehaft hat zum Zwecke die Erforschung del' Wahrheit.
Auf die Pilatusfrage: \Vas ist \Vahrheit? gibt es ebenso viele als unbe
fricdigcnde Antworten. rug. WaIter Biittnerl) nennt die beste jene
yon Gocthe: "Was fruchtbar ist, allein ist wahr." Schon auf demGebiete
del' "reinen" Naturwisscnschaften gilt eine Hypothese als wahr, wenn
sie sich fruchtbar erweist. end Leibniz sagt: "Der Zweck allcr \Vissen
sehaft iHt die Anwendung; nicht Kuriositiit sondern Utilitiit bestimmt
den \Vert jeder Erkenntnis, und zwar Niitzlichkeit auch in dem alIer
niichsten Sinn." lch brauche sonach zwischen den reinen und den ange
wamlten Naturwissenschaften hier nicht zu unterscheiden und libel'
die Begriffe: Fruchtbarkeit, Utilitiit, Niitzlichkeit, sind wir raschestem;
,-on del' rein en zur angewandten \Vissemlchaft, Yon der Teehnik zur
Wil'tschaft gelangt.
"Technik ist cinc Arbeitskunst, die ZweckmiiBigkeit in sich schlieBt,
Lehre und Retiitigung zugleich. \Yirtschaft ist eine Organisation zum
Beschaffen und Verwalten von Giitern, Technik Kenntnis wie Konnen
del' tatsiichlichen Herstellung, Erwerbung, Verwaltung von Sachen
bzw. Vollfiihrung von Leistungen, aut welche die Wirtschaft abzielt 2)."
Teehrllk und Wirtschaft stehen nach einem dort angefiihrten W orte
im Verhiiltnis wie del' Ruderer zum Steuermann, weil libel' dem technischen
del' wirtschaftliche Erfolg steht, weil die Wirtschaft die Richtung weist,
naeh der sich die Technik hinarbeitet.
Wenn wir ,,\Virtschaft" sagen, so mcinen wir in der l\1ehrzahl
alIer FiiJlc eigentlich "Wirtschaftlichkeit". Del' Geist, del' unsere ab end
landische Wirtschaft leitet, ist derart gerichtet, daB wir von vornherein
mit dem Begriffe "Wirtschaft" das nach moglichster Sparsamkeit strebende
Ziel verbinden.
\Vir bezeichnen mit "wirtschaften" das auf moglichst sparsamen
Verbrauch und moglichst glinstiges Ergebnis eingestellte Schalten und
Walten und nennen das Gegenteil "verwirtschaften". Es ist eine Binsen
wahrheit: Unsere heutige W irtschaft ist ohne die moderne Technik
nicht moglich, aber wir lngenieure miissen die Umkchrung dieses Satzes
besondcrs beachten: Unsere Technik muB zugleich Wirtschaft sein,
d. h. sie ist unvollkommen, wenn sie nicht wirtschaftlich ist. Die moderne
Technik erstrebt die Erreichung des gewollten Zweckes mit den geringsten
Mitteln und hat zum Leitspruch Ostwalds energetischen lmperativ:
Vergeude keine Energie, veredle und verwerte sie! Diesel' ist zugleich
im Sinne Kants ein sittlicher lmperativ.
So eA er, Baubetriebslchrc
2 Tt'chnik und \Virtsehaft
Wir beruhren hiermit das Grenzgebiet der Philosophie der Technik,
heute von Friedrich Dessa uer3) am besten dargestellt, Dieser geht
von einer allgemeinen Metaphysik des menschlichen Schaffens aus,
insoferne er dieses als eine Forb;etzung der gottlichen Urtat des
Schopfungswerkes betrachtet, Seine Philosophie gipfelt in dem Hinweis,
daB die Technik ein "Bote Gottes", Erfullung des Auftrages sei: Machet
die Erde euch untertan! Und der Ingenieur erfiihrt eine Apotheose
wie nie zuvor in dem Satze: "In der Seele des Technikers wirkt etwas
von der gottlichen Allmacht, der ::\lensch als Techniker setzt die Schopfung
fort."
Dieser verkliirenden Anschauung stellt Prof. Dr. Wnst (Koln a. Hh.)
die "Diirnonie der modernen Technik" gegenuber, weil durch sic, d. i.
durch die ::\laschine, "das eiserne Tier", die Einschiebnng eines kunstlichen
Gebildes zwischen die Natur und den Menschen geschehe. Nach ihm
ist die Maschine die denkbar stiirkste Ablosung des lVIenschen von der
Natur, die gleichzeitig auch die Losung der Naturelemente se/ber aus
ihrer natiirlichen Gebundenheit bedeutet, eine Aufweckung und Ent
fesselung der Diimonie der Naturkriifte.
Fur die mod erne Technik gilt sonach aus wirtschaftlichen uncl
sittlichen Grunden die Befolgung des energetischen Imperativs als Gebot,
dessen Erfullung die weise Natur a priori genugt, so daB die moderne
Technik als "Organisierung cler Natur" deren eigenes "natiirJiches"
Verfahren mit ihren kunstlichen, d. h. teehniflchel1 l\fitteln nachzll
ahrnen hat_
Wir Heutigen erkennen, daB das vVirtschaftsdenken unser ganzes
Leben beherrscht, jenes ,,\Yirtschaftsdenken, das den Acker bestellt,
das Vieh ziihrnt, die Dinge verwalldelt, veredelt, tauscht unt! tausend
Mittel und Methoden erfindet, urn die Lebenshaltung zu erhohen und
die Abhiingigkeit von der Umwelt in eine Herrschaft uber sie zu ver
wandeln. Dies ist die Unterlage t111er Kulturen" 4).
Seit der "Verliingerung des Armes", die der Urmensch durch den
zur Ht1nd genornmenen Kniittel sieh erschuf, bis in ihre feinsten, letzten,
heutigen Grade ist die Technik die Bedingnng aller Kultur und
mit den wirtschaftlichen und knlturellen Belangen dcr l\Iem;ehheit
anfs innigste und unauflosbar verbnnden. "Kultur ist Selbstentfaltung
und Beherrsehung der Umwelt·" sagt Schwiedland, und es ist klar,
daB die Technik als "Organisation der Natur" die Grundlagc jeglicher
Kultur sein muB. Die Technik ist sonach nieht bloB ein wirtfichaftliches,
flondern auch ein kulturelles Problem.
In der Tat dienen unsere Verkehrsanlagen, unsere Wohn-, SicrlIungs-,
Stiidte-, Kunst- und Kultbauten kulturellen und sozialcn Forderungen
in erster Linie, wahrend die Wirtsehaftlichkeit erst in zweitcr Linie,
und, soweit sic eille Grundforderung alle::; teehnii:lchcn Schaffens se in soIl,
in Frage kommt.
Die Verbundenheit gesellschaftlicher, wirtschaftlicher uncl kulturcller
Momente in der Teehnik bil'gt in sich die hohe Gefahr, daB llf'i nieht
entsprechender Einordnung derselben im Leben der Valker wie des
na~ wirtH('haftlie/w, soziale und kulturelle Problem del' 'rechllik 3
einzclnen, bei Uberwuchern des materielIen Egoismus die Technik
zur bloBen Dienerin des WilIens zur JVIaeht wird, die Kultur entgeistigt
wird und zur Zivilisation herabsinkt.
Wir stehen' an del' SehwelIe einer neuen Zeit und am Ende einer
vieltausendjiihrigen Entwicklung, in del' del' Ackerbau, modern ge
sprochen: die Betriebsform des Feldes, alIein entscheidend fUr den
~lenschen war. Die moderne Technik gab mit del' Fa brik die bestimmende
Betriebsform unserer heutigen, tatsiichlich neuen Zeit. "An die StelIe
del' langsam Hchwingenden langen, natiirIichen vVelIe des Lebens del'
Feldzeit trat die schnell schwingende, kurze technische vVelle des LebenH
der Fabrikszeit. Diese Andeutung gelliige hier zum Nachweis del' dimen
sionalen Verschiedenheit del' beiden Zeitabschnitte, die in unserer Zeit
ineinander laufen. Wiihrend jedoch die Feldzeit !angst ihr Gleichgewicht
gefllnden hat, sncht es dic Fabrikszeit noch - das ist das scheinbare
Chao,; unserer Zeit5)."
Diese neue, werdende Zeit bedarf auch nener Flihrer, die das Leben
selbst in del' Form des 1ngenieurs den bisherigen Fiihrern, dem Priester,
Krieger, Politiker, Hechtsgelehrten, Wissensehafter an-, etwa aueh Yor
reihen wird. Die Vorbereitung zu den vielen und sehweren Aufgaben,
die des Ingenieurs del' neuen Zeit harren, wird er finden miissen an wahrhaft
polyteehnischen Hoehsehulen, die in ihren LehrpIiinen neben
den technisch-kom,tTuktiven WisRenschaften auch die Betriebs- umI
die WirtschafhnviHsellscJmften mehr werden pflegen miissen aIs bisher.
Del' jetzige l'riiHidcnt del' Vereinigten Staaten von Amerika, Herbert
Hoover, del' Organisator del' Bedarfswirtschaft Amerikas im Kriege,
del' Retter aus del' \Virtsehaftskrise im Jahre 1921, del' ::\lann, del' den
Kampf gegen die Vergeudung gefiihrt, dessen Name die Flagge del'
Rationalisierung bedeutet, nunmehr Prasident des miiehtigsten Reiehes
del' Erde, ist 1ngenieur. 1st dies ein Zufall ~
Deutsehe, naeh Amerika entsendete Beobachter del' Verhiiltnisse
nach clem Kriege. Klingenberg, Probst6). Liiddccke7), berichten
iibereinstirnnWlld nm del' uuvergleiehIieh wiehtigeren RoUe, die del'
1ngenieur im \\'irtschaftsleben Amerikas spielt. Trotzdem lautet das
Resultat del' im Zuge del' Hooversehen Aktion gegen die Vergeudung
auf weitester Basis angesteUten Untersuehungen, "daB sehleehte Vertrage,
sehlechte Arbeitsvorbereitungen, sehleehte Arbeitskontrolle und ein
ylangeI an Normen die Lohne oft verdoppeln, daB, kurz zusammengefaBt,
irn Baugewerbe eille sehleehte Betriebsfiihrung die Regel ist"8).
Liiddeeke sagt auf Seite 70: "Praktisehe Kenntnis von Teehnik
und vVirtsehaft bei den Angehorigen del' Nation - das bedeutet waeh
senden Nationalreiehturn, Mobilisierung neuer Wirtsehaftsenergien."
.Fiir unser Gchiet lautet diese Entwieklungsforderung: Wir mliRsen
weniger Konstruktionsingenieure, wir miissen mehr Betriebsingenieure
ausbilden.
Aber sehon bei del' Sehulung des Konstruktionsingenieurs muB
beaehtet werden, da13 es sieh nieht nur darum handelt, konstruktiv
riehtig, sonclern aueh wirtsehaftlieh preiswert Zll konstruieren. Geheimrat
1*
T('dlllik ulld V\' irt~(' Iwft
Prof. Dr. Ing. Klingcnbcrg sagte anliiI3Jich eHlPr Amli.;prachc des
"Deutschen Verbandcs technisch-wissenschaftlicher Vcreine": "In
Deutschland entfiillt del' gro13te Teil geistig-techniHeher Tiitigkeit auf
die Konstruktion, ein viel kleinerer, manchmal sogar cin versehwindend
kleiner, auf die technische Entwicklung del' Erzeugung. In Amerika
ist gerade das Umgekehrte del' Fall. Das gibt zu denken und fiihrt ZIl
dem Sehlu13, daB auch wir in Deutschland viel mehr Gewicht auf die
Entwicklung rationeller Herstellungsweisen als auf die ::\Tannigfaltigkeit
cler Konstruktion legen soUten." Neben dem Kom;truktionsingenieur
rnu13 del' Betriebsingenieur mehr und rnehr an Bedeutung gcwinnen.
lng. 'Walter Buttner sagt in seinem bercits crwiihnten Buehe: "Der
Konstruktionsingenieur untersucht das "Was ?", dcr Betriebsingenieur
das "Wie ?". Und in bezug auf dieses "Wie?" sei verwiesen auf das
Vorwort cines Buches von lng. Rode: "Die Arbeit ist das crste, das die
\Virtsehaftlichkeit vor allem beeinfll113t, nicht die Konstruktion. Und
die Hohe del' Arbeitsform bedingt die Art del' Konstruktiol1 unci im
weiteren Verlaufe die Hohe einer Kultur9)."
Technik und Wirtschaft gingen im verflossenen Halbjahrhllndert
au13erster Spezialisierung eigene Wege; unscre heutigc Aufgabc isL
sie wieder enger zu yerbinden, denn dies liegt im Wesen unserer kultu
reUen Entwicklung.
lm Hahrnen del' "Il. Deutschen Bauwoche in Leipzig" im August
1927 beklagte Prof. Dr. Georg Garbotz, Berlin, daB die Ausbildung
des Baupraktikers yornehmlich auf das rein Technisehe sich bcsehrankt,
wirtschaftliche Gedankengiinge in den Hintergrund treten. Er steUt
die Forderung: Beschiiftigung des angehenden Baufachmannes schon
auf del' Baugewerk- und Hochschule nieht Jlur mit "tatisehcn und kon
struktiven Dingen, sondern auch mit den technischen und wirtsehaftliehcn
Fragen des Baubetriebes.
Prof. Karl Seidel del' Hochschulc fur Welthandel in Wien steUt
die Fragen 10): ,,\Vas fiingt der jllnge Tngenieur mit seincm (iibrigens
zuniiehst rein theoretisehen) Fachwissen an, werm er nieht wirtsehaftliche
Schulung au13erdem besitzt? Wie ist es moglieh, daB so viele ansonsten
tuchtige Teehniker mit akademischer Bildung am Konstruktionstisch
bei kargem Gehalt alt werden?"
Wenn nach dem bereits angefiihrten Worte Technik und Wirtschaft
im Verhiiltnis stehen wie der Ruderer zum Steuermann, so wircl der
lngenieur wirtschaftliche Orientierung lernen mussen, werm er nicht
ewig bloB Ruderer bleiben will.
Das beutige Wirtscbaftssystem
\Viehtig fur das Verstiindnis sind die Grundbegriffp: W crt, l'reis,
Ueld, Kapital. vVertundPreissindan GuterirnwcitpSLPn Sinnegebund(m .
.J pde Saehp, gepignpt, einern mensehliehen Bediirfllisse zu diPIlPIl, jprlps
Gut hat pillPIl Gebrauchswprt, dpr Aufwalld all Gutern ZIl seiuoT Pro
duktion prgibt den Kostenwert; demgegeniiber steht der Leistungs
wert, d. i. del' ihrn innewolmende Effekt und del' "CbersdlUD d('~ Lf"i~t,ungs-