Table Of ContentALLERGISCHE DIATHESE
UND ALLERGISCHE
ERKRANKUNGEN
vox
DR. HUGO KAMMERER
PROFESSOR DER UNIVERSITAT MUNCHEN
LEITENDEM ARZT DER INNEREN ABTEILUNG
DES NYMPHENBURGER KRANKENHAUSES ZU MUNCHEN
ZWEITE VERMEHRTE UND VERBESSERTE AUFLAGE
MIT 4 ABBILDUNGEN
I
MUNCHEN
V E R LAG VON J. F. B ERG MAN N
1934
ALLE REOHTE, INSBESONDERE DAS DER DBERSETZUNG
IN FREMDE SPRAOHEN, VORBEHALTEN
ISBN-13: 978-3-642-89925-6 e-ISBN-13: 978-3-642-91782-0
DOl: 10.1007/978-3-642-91782-0
OOPYRIGHT 1934 BY J. F. BERGMANN IN MUNIOH
Softcover reprint of the hardcover 2nd edition 1934
V orwort zur erste n Auflage.
Nach AbschluB dieses Buches und im Begriff, es der bffentlichkeit zu iiber
geben, habe ich fast ein wenig das GefUhl jenes Reiters vom Bodensee aus der
bekannten Ballade. Ein Gefiihl nachtra,glichen Schreckens bei dem Gedanken,
auf dem schwankenden Boden eines vielfach noch so ungeklarten und problemati
schen Gebietes einen vielleicht zu kiihnen Ritt gewagt zu haben. Erst die Ver
tiefung in den Stoff lieB mich die Schwierigkeiten erkennen, die auf Schritt
und Tritt einer abschlieBenden Urteilsfallung noch entgegenstehen. Allerdings
sah ich den Reiz meiner Aufgabe von Anfang an nicht etwa nur darin, dem Un
kundigen oder Halbkundigen ein neues Wissensgebiet darzustellen und zusammen
zufassen, ihm die diagnostischen und therapeutischen Wege eines noch jungen
Forschungszweiges zu zeigen. Ansporn fUr meine Arbeit waren mir schlieBlich
gerade das Problematische, die fast zwischen jeder Zeile auftauchende offene
wissenschaftliche Frage, die bisherige Mangclhaftigkeit experimenteller Durch
forschung. Sie waren mir Ansporn und Reiz, weil ich hoffen durfte durch eine
Zusammenfassung auch der Probleme den forschenden und experimentierenden
Arzt zu Versuchen und eigenem Nachdenken iiber den Stoff anregen zu konnen.
Fast ein Jahr nach Beginn meiner Vorarbeiten erschien das Buch STORM VAN
LEEUWENs "Allergische Erkrankungen", das mir bei der ersten fliichtigen
Betrachtung mein eigenes iiberfliissig zu machen schien. Der Einblick in das
kleine Werk des verdienten Autors zeigte mir jedoch bald, daB wegen der vollig
anderen Anlage und Bearbeitungsweise meines eigenen Buches dieses Bedenken
keine Berechtigung hat. - Als Grundlage fUr das Verstandnis des ganzen
Stoffgebietes wurde ein Kapitel iiber die experimentelle Anaphylaxie - auf
die Bediirfnisse dieses Buches zugeschnitten - fUr unerlaBlich gehalten. lnner
halb dieses Kapitels verdienten meines Erachtens die Shockgifte, vor allem das
Histamin, eine breitere Bearbeitung. lch habe mich bemiiht, die mehr praktischen
Teile so zu gestalten, daB der Praktiker ohne weiteres an Hand der Angaben
auch diagnostische und therapeutische Technizismen auszufiihren vermag. Der
relativ breite Raum der in den Einzelnkapiteln pathogenetischen Erorterungen
gewidmet ist, wird den nicht verdrieBen, der nicht nur Ergebnis sondern auch
Verstandnis sucht. Wenn ich auch an geeigneter Stelle mit der eigenen Meinung
nie zuriickhielt, glaubte ich, diese doch nicht ungebiihrlich in den Vordergrund
stellen zu sollen und zog vor, auf strittigem Gebiet verschiedenen Ansichten das
Wort zu geben. - Die Literatur iiber allergisch-anaphylaktische Vorgange in
der menschlichen Pathologie, besonders die nicht deutsche, ist derart an
geschwollen, daB mich die Sorge nicht los laBt, vielleicht wichtige Arbeiten
iibersehen oder nicht geniigend beriicksichtigt zu haben. Auch sind ja jedem
Buch im Interesse seiner "Obersichtlichkeit und seines Umfanges Grenzen gezogen.
lch bitte Autoren, die sich vernachlassigt fiihlen, Verstandnis ffir die Grenzen
meiner Leistungskraft zu zeigen und mir ihre Sonderdrucke zu iibersenden.
Die Literatur des Jahres 1925 konnte iibrigens nicht mehr ganz vollstandig
beriicksichtigt werden.
IV Vorwort zur zweiten Auflage.
So hoffe ich, daB das Buch seinen Leserkreis finden und vielleicht auch Inter
esse fiir ein Gebiet wecken wird, das bis jetzt in Deutschland weit weniger als
im Ausland Forscher und Praktiker beschiiJtigte.
SchlieBlich mochte ich nicht verfehlen, auch an dieser Stelle meiner tech
nischen Assistentin Fraulein HILDE ROSSBACH fiir ihre unermiidliche, treue
und opferfreudige Hilfe meinen herzlichsten Dank auszusprechen.
M iin chen, im Friihjahr 1926.
HUGO KAMMERER.
V orwort zur zweiten Auflage.
Seit der ersten Auflage dieses Buches ist das Schrifttum iiber Allergie von
einem lichten Geholz zu einem uniibersehbaren Urwald angewachsen mit viel
Gestriipp und Schlinggewachsen zwischen hochragenden Baumen. Wer sich,
wie Verfasser, durcharbeiten muB, braucht, figiirlich gesprochen, Beil und Sage,
ist auch dann noch zu mancherlei Um- und Irrwegen genotigt, kann leicht an
Wesentlichem voriiberlaufen. Ich muB daher urn Nachsicht bitten, wenn mir
dieser Versuch einer Synthese de.s schwierigen und noch ganz im FluB befindlichen
Themas nicht restlos gegliickt sein soUte. Zwei Gesichtspunkte leiteten mich
vor aUem bei der Bearbeitung dieser Auflage. Zunachst die Bediirfnisse des
Klinikers und Arztes. Er sollte aUes finden, was ihm die praktische Durch
fiihrung eigener klinischer Beobachtungen, eigener DiagnosesteUung und Therapie
ermoglicht. Dann die Bediirfnisse des Forschers: er soUte sich iiber das noch
Ungeklarte, das Begonnene, noch Strittige, iiber heuristisch wertvoUe Theorien
unterrichten konnen. Ich hege den innigen Wunsch, daB das Buch mithelfen
moge, die Forschung und die klinischen Erfahrungen iiber die in den letzten
Jahren fiir die gesamte Pathologie so wichtig gewordenen Fragen der Allergie
zu beleben und anzuregen. So ist in der zweiten Auflage viel Neues hinzu
gekommen und der Umfang des Buches muBte notgedrungen anwachsen. Krank
heitsbilder, an deren Beziehungen zur Allergie man vor einigen Jahren noch
nicht im entferntesten dachte, bedurften einer Erorterung. Die Diatetik, die
zur Zeit in der gesamten Medizin einer Bliiteperiode entgegengeht, bedurfte
auch fUr den vorliegenden Gegenstand einer breiteren DarsteUung.
Ich habe mit Kritik und eigener Ansicht nicht gespart, glaubte aber im
Interesse der Forschung und des in jugendlichem Wachstum stehenden Gebietes
auch so manches noch nicht voUig Ausgereifte ohne aUzu strengen MaBstab
anfiihren zu sollen. Ich werde zufrieden sein, wenn die Kritik die zweite Auflage
mit dem gleichen WohlwoUen aufnimmt wie die erste, urn deren Verbesserung
ich mich nach bestem Konnen bemiihte.
Miinchen, im August 1934.
HUGO KAMMERER.
Inhaltsverzeichnis.
Seite
Vorwort ........ . . III
A. Allgemeiner Teil.
I. Begriff der Allergie und der allergischen Erkrankungen . I
Hyperergie, Pathergie, Parallergie . 5
Allergischer Symptomenkomplex . 6
II. Die experimentelle Anaphylaxie 8
Natur der Antigene ....... . 9
Chemische und physikalische Beschaffenheit der Antigene 10
MengenverhiiJtnisse fiir Injektion und Reinjektion 13
Der anaphylaktische Antikorper . . . . . . . 13
Symptome und Kennzeichen der Anaphylaxie. . 14
Tabelle der Shocksymptome. . . . . . . . . . 14
Wesen und Sitz der anaphylaktischen Reaktion. 18
Capillarendothelien . . . . . . . . . . ... . . 19
Shockorgane . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Physikalische oder chemische Vorgange bei der anaphylaktischen Reaktion? 25
Sogenannte Shockgifte (von anaphylaktischer. Sensibilisierung unabhangig) 26
Histamin .......... . 28
a) Wirkungen auf die GefaBe 31
b) Wirkung auf das Herz .. 32
c) Beziehungen zu inneren Driisen 32
d) Wirkung auf die Lungen . . . 32
e) Beziehungen zur Leber .... 33
f) Beziehungen zu Magen und Darm 33
g) Nachweis im Urin .. 34
h) Wirkung auf das Blut. . . . . . 34
i) Wirkung auf die Haut . . . . . 35
k) Wirkung auf das vegetative Nervensystem 35
Andere biogene Amine, besonders Cholin . . . 35
Die sogenannten Serotoxine . . . . . . . . . 36
Beziehung der Anaphylaxie zur Blutgerinnung 37
Antianaphylaxie . . . . . . . . . . . . . . 38
Bakterien und echte Anaphylaxie . . . . . . 39
Tuberkulin und echte experimentelle Anaphylaxie . 40
Gibt es eine echte Anaphylaxie beim Menschen? . 41
Vererbbarkeit der echten experimentellen Anaphylaxie? 43
III. Allergische Diathese (Konstitution) und allergische Disposition 44
Begriffliches und Ansichten der Autoren 44
Angeborene spezifische Allergie . 45
Psychisch.nervose Einfliisse .51,61
Hereditat ......... . 52
Alter ........... . 56
Rassen und Konstitutionstypen 56
Unspezifische Hauterregbarkeit und allgemeine allergische Diathese 59
Zerfallsprodukte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
Zeit und Jahreszeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
Vegetatives Nervensystem, Capillarsystem, Reticuloendothel . . . 61
Haut- und Schleimhautladierbarkeit, lymphatisch-exsudative Diathese . 63
Darm und Leber. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .'. 64
VI Inhaltsverzeichnis.
Seite
Innersekretorische Driisen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 65
Allergische Disposition, Anderung allergischer Bereitschaft durch Infektionen 70
Mineralstoffwoohsel . . . . . 72
IV. Idiosynkrasien. . . . . . . . . . . . . 74
Begriffliches und Allgemeines . . . . . . . 74
Isotoxische und allergische Idiosynkrasien 75
Angeboren, durch Sensibilisierung erworben . 76
Vegetatives Nervensystem . 78
Psyche . . . . . . . . 79
Hereditat ....... . 80
Einzelne Idiosynkrasien. . 81
Pflanzen und Pflanzenstoffe . 81
Tierische Stoffe . . . . . 85
Insekten und Raupen. 85
Muscheln und Krebse 87
Fische ...... . 88
Kroten, Frosche usw .. 89
Eier ..... . 89
Serumkrankheit . 90
Ii'leisch usw. . . . 92
Arzneimittel, Insulin 93
Metalle ...... . 101
Sogenannte physikalische Anergie 103
V. Die Allergene und die diagnostische Priifung auf Allergie . 104
Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
Die haufigsten Allergene . . . . . . . . . . . . . . 106
no
Bedeutung der Hautreaktionen, Technik, Registrierung.
Bakterielle Allergene . . . . . . . . . . . . . . . . 121
Expositionsversuch, Erkennung des allergischen Zustandes im allgemeinen 126
Methoden der Extraktbereitung 128
Nahrungsmittel .. 129-137
Tierhaare ..... 129-137
Pflanzliche Proteine 129-137
Tierische Proteine . 129-137
Extraktbereitung aus Fleisch . 130-i37
Extraktbereitung aus Eiern. . 130
Bakterienextrakte (Vaccinen) . 138
Methode von PRAUSNITZ-KuSTNER 139
VI. Die Eosinophilie ..... . 142
Eosinophile Diathese, konstitutionelle Hypereosinophilie 144
Nervus vagus .................. . 144
Arthritismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145
Eosinophilie bei Allergien und anderen Krankheitszustanden 145
EiweiBspaltprodukte . . . . . . . . . . . . . . . . 14.8
VII. Die WIDALsche hamoklasische Krise. . . . . . . 150
Pathognomonischer Wert von Leukocytenschwankungen 151
Nervose Reflexwirkung ............. . 152
Erythrocytensenkungsbeschleunigung . . . . . . . . . 153
Vegetatives Nervensystem und Verteilungsleukopenie .. 153
VIII. Allgemeine Therapie der allergischen Erkrankungen 154
Adrenalin, Ephedrin, Ephetonin usw. 154
Atropin ........... . 155
Calcium ........... . 155
Innere Sekrete (auBer Adrenalin) 157
Diat ............. . 157
Unspezifische desensibilisierende Therapie . 162
Inhaltsverzeichnis. VII
Selte
Skeptophylaxie . . . . . . . . . . . 162
Pepton .............. . 163
Eigenserum- und Eigenblutbehandlung. 165
Unspezifische Proteinkorpertherapie 165
Tuberkulin .......... . 168
Schwefel, Magnesiumthiosulfat usw. 169
Rontgenbestrahlung ..... 170
Hohensonne, Hormonpraparate 172
Spezifische Therapie . . . . . 173
A. Durch Desensibilisierung 173
Nahrungsmittel. 174
In Pillenform 175
Subcutan .. . 176
eutan .... . 176
Epidermisbestandteile . 176
Bakterien ..... . 177
Autogene Vaccinen .. 178
Methoden von W. THOMAS 178
DANYSZsche Mischvaccine aus der Intestinalflora 181
Stauballergene, Schimmelpilze . . . . 181
B. Raumlicher Schutz vor dem Allergen. 182
Klimawechsel 183
Miasmenfreie Zimmer. . . . . 183
B. Allergische Erkrankungen.
IX. Die Nesselsucht 184
N ahrungsmittel . 185
Leberfunktion . 186
Arzneimittel . . 186
Infektionsherde . 187
Lichtwirkung 187
Innere Sekrete . 187
Vegetatives Nervensystem . 188
Histopathologische Genese. 188
Angioneurose oder Entziindung 189
Urticaria factitia und Histaminquaddel . 190
Therapie ......... . 190
X. Asthma bronchiale ... . 193
Begriffliches und Allgemeines 193
Pathologisch-Anatomisches 194
Krankheitseinheit . 194
Neurose .. . 196
Vagotonie ... . 197
Reflexasthma 197
Vererbung, Arthritismus 198
Rein paratypisch erwerbbar? 200
Einteilungsschemen . 200
Eigenes Schema . 201
Nutritives Asthma . 202
Staubasthma 204
Epidermisbestandteile als Allergene 207
Milben ............ . 208
Schimmelpilze . . . . . . . . . . 208
Bakterienwirkung, Bedeutung akuter Infektionen der Respirationsorgane. 209
Bakterienprodukte, Pollenproteine 209
Asthma und Tuberkulose . . 214
Klimaallergene, Miasmen. . . 216
VIII Inhaltsverzeichnis.
Seite
Regionare Einfliisse . . . . . . . 216
STORM VAN LEUWENS Forschungen 216
Miasmenfreies Zimmer . . . 218
Echinococcus, Bleiasthma u. a. 222
Arzneimittelasthma. . . 222
Fellfarberasthma . . . . 223
Shockgifte des Darmes? 223
Psychische Einfliisse . . 224
Asthma und Hautkrankheiten 224
Asthma und innere Driisen . 225
Therapie ......... . 226
Akuter Anfall und Dauerbehandlung . 226
Physikalische Behandlung, Fieberbehandlung . 228
Antiallergische Behandlung (siehe Kapitel VIII) 228
Operative Behandlung . . . . . 229
XI. Eosinophiler Bronchialkatarrh 231
XII. Das Heufie ber 232
Erblichkeit 233
Pflanzentabellen 235-237
Diagnostische Priifungen mit Pollenextrakt 238
Atypische Verlaufsarten. . . . . . . . . 242
Therapie ............... . 243
Desensibilisierungsmethoden, Polleneinheit 245
Passive Immunisierung, unspezifische Therapie 251
Diatversuche. . . . . . 252
Heufieherbund ........... . 254
XIII. Rhinitis vasomotoria ...... . 254
XIV. Angioneurotisches Odem (QUINCKE) 257
Hereditat ........ . 258
Beispiele ........ . 259
Allergisch-alimentare Genese 261
Bakterienstoffe . . . . . . 262
XV. Allergisch-anaphylaktische Magen-Darmstorungen 264
Enteritis anaphylactica 264
Eosinophile Darmkatarrhe, Gallenblase . . . . . . . . . . 264
Isoliertes periodisches Erbrechen . . . . . . . . . . . 266
Colica mucosa, spastische Obstipation, Ulcus ventriculi usw .. 268
XVI. Die Migrane . . . . . . . . 271
Konstitutionstypen, Harnsaure. 272
Beziehungen zur Epilepsie. 272
Vasospasmus? . . 274
Erhohter Liquordruck 275
Endokrines System 276
Toxische Stoffwechselprodukte . 276
Allergie und Anaphylaxie . . . 277
Therapie ........ . 280
Schwindelzustande, Meniere. 282
XVII. Epilepsie. . . . . . . . . . 283
Vererbbarkeit, Migrane, Harnsaure . .283, 284
Toxikose? Stoffwechseluntersuchungen 285
Oxydationsstorung. Autointoxikation . 285
Intervallare Schwankungen, Alkalose, Azidose 286
Allergie, Anaphylaxie 288
Eosinophilie . . . . 289
Inhaltsverzeichnis. IX
Seite
XVIll. Schwangerschaftstoxikosen (besonders Eklampsie) 291
PlacentaeiweiB blutfremd . . . 291
Placentapre13saft im Experiment. . . . . . . . . . . 292
Azidose .................... . 292
Toxische Placentafermente? Adrenalinartige Substanzen 293
Darmfaulnis. Hypophysen und Nebennieren 293
Peptonvermehrung im Blut .. . . . . . . . . 294
Keine einheitliche Giftwirkung. Allergische Diathese 295
Therapie .................. . 295
XIX. Die SCHONLEIN-HENOCHsche Purpura (hamorrhagische Capillar.
toxikose) . . . . . . . . 296
Hauptsymptome und Beispiel . . . 296
Provokationsversuch, Capillarschadigung . 297
Verwandtschaft mit allergischen Zustanden 297
SANARELLI-SHWARTZMANNsches Phanomen. 299
Konstitution. . . . . . . . . . 299
Allergene und Shockgifte. . . . . . . 300
Anhang: Paroxysmale Hamoglobinurie. . 301
XX. Beziehungen zum Harnsaurestoffwechsel. Intermittierende Ge-
lenkschwellungen, Gicht . 302
Entziindungsvorgange, Zellzerfall 302
Storung des Purinstoffwechsels? . 303
Arthritismus . . . . . . . 304
Gicht und intermittierende Gelenkschwellungen. 304
XXI. Gelenkrheumatismus und Allergie 310
Sensibilisierung und hyperergische Entziindung . . 310
Frage der Streptokokken, Tierversuche. . . . . . 311
XXII. Andere Infektionskrankheiten und Allergie 313
XXIII. Einiges iiber Hautkrankheiten, besonders Ekzem 315
Die Haut als degeneratives Organ . . . . . . . . . . . 316
Epithel oder Subcutis . . . . . . . . . . . . . . . . 316
Priifungsmethode der Ekzembereitschaft, Lappchenprobe . 316
Mannigfaltigkeit der Ekzemgenese . . . 317
,Tahreszeitliche Schwankungen . . . . . 318
Alimentare, chemische, arzneiliche Allergene. 319
Ekzema infantum (MORO). . . . . 320
Spatexsudatives Ekzematoid (RasT) 320
XXIV. Nieren und Allergie ..... . 322
Hamatogene Nierenerkrankungen 323
Erkrankungen der ableitenden Harnwege 323
Enuresis nocturna . . . . . . . . . 324
XXV. Herz- und Gefa13storungen durch Allergie 324
Essentielle Hypertension 324
Thromboangitis obliterans. . . . . 325
Angina pectoris . . . . . . . . . 325
Rhythmus- und Leitungsstorungen . 326
Paroxysmale Tachykardie . . 326
XXVI. Operationen und Allergie 327
Schlu13 . . . . . . . . 327
Anhang: Fragebogen 328
Weiter zum Teil im Text nicht angefiihrte neuere Literatur 331
N amen verzeichnis 336
Sachverzeichnis 345
A. Allgemeiner Tell.
I. Begrifl' der Allergie und der allergischen
Erkranknngen.
Bei dem Versuch, den Erscheinungsbereich richtig zu umfassen, der heut
zutage durch das Wort Allergie ausgedriickt wird, oder besser klar zu umreiJ3en,
welchen Erscheinungsbereich ich hier mit dem Ausdruck Allergie zusammen
fassen mochte - ist es durchaus notwendig auf den Vater des W ortes, v. PIRQUET,
zuriickzugehen und seine erste Definition uns vor Augen zu halten. Wir miissen
dabei priifen, ob wir nach unserem heutigen Denken, unseren jetzigen Erlah
rungen diese Definition noch in allen Stiicken beibehalten wollen. Als v. PIRQUET1
das Wort erland, dessen Pragung damals zur Bezeichnung so vieler neu beob
achteter Erscheinungen eine Notwendigkeit war, schwebten ihm in der Haupt
sache Infektions- und Immunitatsvorgange vor, er setzte stets eine "Vorbehand
lung" voraus2• Er sagt: Allergie ist die veranderte Reaktionsfahigkeit, welche
der menschliche oder tierische Organismus durch das Dberstehen einer Krank
heit oder durch Vorbehandlung mit korperfremden Substanzen erwirbt.
Wie auJ3ert sich diese Reaktionsanderung ~
1. In einer zeitlichen Anderung der Reaktionsgeschwindigkeit. Man denke
an die Tuberkulose, Pocken, Serumreinjektion. Spritzt man einem gesunden
Meerschweinchen zum erstenmal Tuberkelbacillen ein, so verheilt die Impf
stelle zunachst, nach 10-14 Tagen entsteht ein Knotchen, das spater zerfallt.
Spritzt man die Tuberkelbacillen einem tuberku16sen Meerschweinchen ein,
so tritt schon in den ersten Tagen eine umschriebene Hautnekrose auf. Erst
impflinge der Schutzpockenimpfung reagieren nach 8-11 Tagen, Revaccinierte
schon viel friiher. Die Serumkrankheit eines nie mit Serum Behandelten setzt
nach 8-11 Tagen ein, bei Wiederholung der Serumeinspritzung, je nach der Zeit
des Intervalls, sofort oder nach 4 Tagen.
2. In einer quantitativen Anderung der Reaktionsgrof3e. Der Organismus
kann gegen den betreffenden Stoff iiber-, unter- und unempfindlich werden.
3. Schlief3lich in einer qualitativen Anderung der Reaktionsart. In seiner
Monographie iiber Allergie und Anaphylaxie hebt DOERR3 mit Recht hervor,
daJ3 dieser von PIRQUET zunachst fUr Immunitatsvorgange gepragte Zustand
weiterer Deutung zuganglich sei. Alle die Stoffe, die imstande sind, Immunitats
reaktionen auszu16sen, Antikorper zu erzeugen, nennen wir Antigene. Wir sehen
nun taglich und DOERR weist in der erwahnten Abhandlung darauf hin, daJ3
1 v. PIRQUET: Erg. inn. Med. 1 (1904).
2 Spater nahm v. PIRQUET das Wort Allergie iifters in einem weiteren Sinn, z. B. wenn
er von einer Allergie gegen biisartige GeschwUlste je nach Alter, Geschlecht usw. spricht.
Vgl. sein Buch: Allergie des Lebensalters. Die biisartigen GeschwUlste. Leipzig: Georg
Thieme 1930.
3 DOERR: Handbuch der pathogenenMikroorganismen v. KOLLE -WASSERMANN,
2. Aufl., Bd. 2.
Kammerer, Diatbese. 2. Auf!.