Table Of ContentDie "Monographien aus dem Gesamtgebiet der Neurologie und Psychiatrie" steDen
eine Sammlung solcher Arbeiten dar, die einen Einzelgegenstand diesas Gebietes
in wissenschaftlich-methodischer Weise behandeln. Jede Arbeit solI ein in sich
abgeschlossenes Gauzes bilden. Diese Vorbedingung lliJlt die Aufnahme von
Originalarbeiten, auch solOOen gro.Beren Umfanges, nioot zu.
Die Sammlung mochte damit die Zeitschriften "Archiv ffir Psychiatrie und Nerven
krankheiten vereinigt mit Zeitschrift ffir die gesamte Neurologie und Psychiatrie"
und "Deutsche Zeitschrift ffir Nervenheilkunde" ergii.nzen. Sie wird deshalb deren
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Manuskripte nehmen entgegen
aus dem Gebiete der Psychiatrie: Prof. Dr. H. W. GXUBLE,
Bonn, Nervenklinik,
aus dem Gebiete der Anatomie: Prof. Dr. H. SPA.TZ,
GieBen, Friedrichstr. 24,
aus dem Gebiete der Neurologie: Prof. Dr. P. VOGEL,
Heidelberg, Vo.Bstr. 2.
UBER WECKAMINE
MONOGRAPHIEN AUS OEM GESAMTGEBIETE OER NEUROLOGIE UNO
PSYCHIATRIE
HERAUSGEGEBEN VON
H. W. GRUHLE-BONN . H. SPATZ-GIESSEN . P. VOGEL-HEIDELBERG
HEFT 77
UBER WECKAMINE
(PERVITIN UND BENZEDRIN)
VON
GERHARD BONHOFF HERBERT LEWRENZ
UNO
SPRINGER-VERLAG
BERLIN· GOTTINGEN· HEIDELBERG
1954
AVS DER rSYCHIATRISCHEN UND NERVENKLINIK DER UNIVERSITAT HAMBURG
DIREKTOR: PROF. BURGER-PRINZ
ISBN-\3: 978-3-540-0\83\-5 e-ISBN-\3: 978-3-642-88547-\
DOl: 10.1007/978-3-642-88547-\
ALLE RECHTE, INSBESONDERE DAS DER UBERSETZUNG
IN FREMDE SPRACHEN, VORBEHALTEN
OlINE AUSDRUCKLICHE GENEHMIGUNG DES VERLAGES 1ST ES AUCll NICHT
GESTATTET, DIESES BUCll ODER TEILE DARAUS AUF PHOTOMECllANISCHEM
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COPYRIGHT 1954 BY SPRINGER-VERLAG OHG.
BERLIN· GOTTINGEN . HEIDELBERG
BRUHLSCHE UNIVERSITATSDRUCKEREI GIESSEN
Inhaltsverzeichnis.
Erstes Kapitel.
Historisches
a) Das Kat ........................ .
b) Die Entdeckung der Phenylalkylamine Pervitin und Benzedrin . 2
Zweites Kapitel.
Korperliche Wirkungen
1. Kreislau fo . . . 5
Therapeutische Moglichkeiten durch Kreislaufwirkung I)
2. Nieren ............ . !l
Behandlung von DiuresestOrungen . 10
a.
Atmung .......... . 11
4. Obere Luftwege und Bronchien . 12
5. Darm ........... . 13
6. Magen ........... . 13
a) Anwendung bei Entfettungskuren. 14
b) Anwendung als Roborans . . . . 14
7. Weitere Wirkungen auf Organe mit glatter Muskulatur. 16
H. Blut .... 17
!l. Stoffwechscl . 17
In
10. Sexualitat . .
11. Sinnesorgane . 21
a) Sehen, Horen, Riechen 21
b) EinfluB auf die Schmerzempfindung . 22
12. Wirkung auf das Zentralnervensystem . 24
Drittes Kapitel.
Psychische Wirkungen. . . . . . 2H
1. Schlaf und Ermiidung. . . . . . . . . . . 30
a) Die schlafhemmende Wirkung . . . . . . 30
h) Behanrllung der Narkolepsie und "Ubermiidungsinsomnic" . :H
c) Die crmiidungshemmende Wirkung . . . . . . . . . . . :1:1
d) Behandlung der Enuresis nocturna . . . . . . . . . . . 34
e) Die schlafaufhebende Wirkung und Behandlung del' Barbitursaureintoxikatioll
und anderer Vergiftullgen . . . . :15
2. Hemmullg und Steuerungsfahigkeit . 3(1
Veranderung del' BewuBtseinsstruktur 43
3. Antrieb . . . . . . . . . . . . . 44
a) Veranderungen der Produktivitat, des Denkens und Vorstellens. 45
b) Veranderung von Stimmung und Interesse. . . . . . . 46
c) Verallderung del' Konzentrationsfahigkeit . . . . . . . 47
d) Behandlung der Rekonvaleszellz und des Rontgenkaters . 4H
e) Behandlullg psychotischer ZustandsbiIder . . . . . . . 49
Viertes Kapitel.
1 ntoxikationserscheinullgel1. . . . . . . . . . 5:3
a) Letaldosis . . . . . . . . . . . . . 5:1
b) Todliche und schwere Vergiftungsfalle . 54
c) Choreatisches Syndrom ... 58
d) Vorherige Hirnerkrankungen . 60
e) Zusammenfassung ..... . 61
Inhaltsverzeichnis.
Fiinftes Kapitel.
Pervitin-Sucht . . . . . . . . . 62
a) Kasuistische Literatur. . 63
b) Quantitative Bedeutung. 65
Definitorische Bemerkungen . 65
c) Eigene Kasuistik . 68
~) Fall 1. H. R. M. 69
fJ) Fall 2. G. F. N. 69
y) Fall 3. H. H. 70
0) Fall 4. H. L .. 70
e) Fall 5. H. P. 71
C) Fall 6. G. S .. 72
d) Zusammenfassung. 72
Abgrenzung zur Psychose 72
Sechstes Kapitel.
Pervitin-Psychosen .... 73
1. Kasuistik . . . . . 73
a) Literaturiiberblick 73
b) Eigene Kasuistik . 74
~) Fall 7. Dr. F. M. . 74
fJ) Fall 8. Dr. A. A .. 76
y) Fall 9. Dr. K. N .. 77
0) Fall 10. Dr. H. B. 81
2. Charakterologische und andere Vorbedingungen. 83
a) GeschlechtsverhiUtnis,· Berufsstand, Alter 83
b) Personlichkeitstyp . . . . . . . . . 83
c) Kombination mit anderen Suchtformell 84
d) Vergleich mit den einfachen SuchtfaIlen 84
e) SuchtanlaB ........... . 85
f) Zusammenfassullg. . . . . . . . . M6
3. Forensische Bedeutung der Weckamine 87
Fall 11. H. E. V. . . . . . . . . . . 88
4. Symptomatologie der Pervitin-Psychosell. 9:J
a) Bisherige Anschauungen ...... . 93
b) Angstsyndrom mit paranoid-halluzinatorischelll Ausbau 95
c) Paranoid-mikrohalluzinatorisches Syndrom ..... . 96
d) Syndrom der ekstatisch gesteigerten Wahrnehrnungell . 99
e) Dysphorisch- depressives Zwangssyndrom 104
f) Sexualneurotische Uberformung 106
g) Zur Frage der Dammerzustiinde 107
h) "Psycho-organische Symptome" 108
i) Situativ-reaktive Momente. III
k) Zusammenfassung ..... . 112
Siebentes Kapitel.
Die Entziehung. . . . . . . . 113
a) Schlafsucht . . . . . 114
b) Antriebsverminderullg . 114
c) Appetitsteigerung und andere Erscheillungen . 115
d) Ubergangsphase .. 116
Weckamin-Nachweis .......... . 117
Tn haltsver:r.eichnis.
Achtes Kapitel.
Amphetamin-(Benzedrin-)Sucht und -Psychosen im Ausland lli
a) Allgemeine Stellungnahmen zur Sucht-bzw. Psychosegefahr lIS
b) Kasuistische Beispiele . 120
c) Zusammenfassung. . . . . _ . . . . . _ . _ . . . _ . 122
Neuntcs Kapitel.
AuBermedizinische Verwendung der Weckamine und das Problem der Leistungssteigerung 123
Literatur. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . . _ • . . . . . 126
Einleitungs- und SchluBkapitel sowie die Abschnitte liber
korperliche und psychische Wirkungen sind von H. LEWRENZ,
die Kapitel liber Intoxikationserscheinungen, Sucht, Psy
chosen, Entziehungssymptome und die VerhliJtnisse 1m
Ausland sind von G. BONHOF]' bearbeitet wordell.
Erstes Kapitel.
Historisches.
a) Das Kat.
In seinem Buche iiber die Phantastika zitiert der Toxikologe LEWIN den
deutschen Afrikareisenden Schweinfurth: "Wenn ich auf meinen Reisen durch
Yemen spat am Abend die hohen vielstockigen Hauser der Gebirgsdorfer hell
erleuchtet sah und fragte, was aIle diese Bewohner so spat veranstalteten, da
wurde mir gesagt, es sitzen die Bekannten stundenlang vor dem Kohlenbecken
zusammen und trinken eine Schale urn die andere von ihrem Schalenkaffee und
kauen dazu ihr Kat, daB sie wach erhalt und freundliches Plauschen miteinander
fordert. Es macht dem Katesser Vergniigen, jeden im Kreise reden zu horen, und
er gibt sich Miihe, seinerseits zu dieser Unterhaltungsgeselligkeit beizutragen.
Die Stunden fliegen ihm hierbei schnell und angenehm dahin. Das Kat ver
ursacht eine erfreuliche Erregung und Aufheiterung, Fernhaltung des Schlaf
bediirfnisses, Auffrischung der Energie in den heiBen Stunden des Tages und
ebenso auf langen Marschen und Nichtaufkommenlassen des HungergefUhls. So
benutzen Boten und Krieger Kat, da es Nahrungsaufnahme wahrend mehrerer
Tage unnotig macht."
Dieser Bericht bestatigt auch fUr das synthetische Praparat Pervitin die
Erfahrung, daB es wohl kaum ein modernes Mittel zur Leistungssteigerung und
zum GenuB gibt, welches nicht zu irgendeiner Zeit von einer Gruppe Menschen
im natiirlichen Vorkommen aufgefunden, in seiner Wirkung erkannt und zu
GenuBzwecken ausgenutzt worden ware.
Die AusfUhrungen LEWINs erscheinen heute fast wie ein erstes Streiflicht auf
die psychische Wirkung der Weckamine Pervitin und Benzedrin. Der Natur
forscher ERNST Frh. v. BIBRA beschreibt, daB die Araber die jungen Zweigspitzen
des Baumes Catha edulis zur Teebereitung und zum Kauen benutzten, lange
bevor der Kaffee als GenuBmittel Verbreitung fand. Der Gebrauch des Kat
Strauches hat zwar nicht ein fiinftausendjahriges Alter, wie der chinesische
Mah-Huang mit seinem Wirkstoff Ephedrin, doch wird das Kat bereits im Jahre
1332 erwahnt (zit. n. v. BRUCKE). Wissenschaftliches Interesse gewann die Droge
etwa urn 1750, sie wurde urn diese Zeit zum ersten Male beschrieben. 1890 beob
achtete dann LELouP, daB ein Tee aus einigen Gramm des frischen Strauches
bei einer Naherin das Schlafbediirfnis in zwei aufeinanderfolgenden Nachten
vollig beseitigte. Auch bei einem Medizinstudenten soIl ein AufguB die gleiche
Wirkung gehabt haben, und von einer 74jahrigen Kranken heiBt es, daB sie nach
Einnahme des Tees eine Landpartie unternehmen konnte. Noch im gleichen
Jahre bestimmte BEIDNER den Alkaloidgehalt der getrockneten Droge. Der
italienische Physiologe Mosso machte Tierversuche und berichtete iiber die
erregende Wirkung des Extraktes bei Tieren. R. STOCKMANN gewann aus dem
Bonhoff u. Lewrenz, Weckamine. 1
2 Historisches.
Kat 1912 zwei kristallisierte Alkaloide unbekannter chemischer Konstitution, die
er Cathin und Catherin nannte. Die Wirkung beider war im Tierversuch identisch
und v. BRUCKE bezweifelt, daB es sich wirklich um zwei getrennte Wirkstoffe
handelte. 1m Tierversuch wandte R. STOCKMANN die Stoffe in riesigen Dosen
an, indem er Katzen 0,1 bis 0,5 g der kristallisierten Substanz injizierte. Die
auBerordentlich starke Wirkung des Stoffes zeigte sich in stundenlang anhaltender
Pupillenerweiterung und einer nach kurzer Latenzzeit auftretenden machtigen
Erregung, erhOhter Reflexerregbarkeit, groBer Unruhe und SpeichelfluB. Die
chemische Natur der Stoffe blieb aber unklar. Wenn auch wegen des Speichel
flusses nicht an einen atropinartigen Korper zu denken war, so vermutete man
doch, daB es sich um eine cocainartige oder evtl. coffeinartige Substanz hatte
handeln konnen. Erst die Untersuchungen O. WOLFES im Jahre 1927 machten
es fast zur GewiBheit, daB das wirksame Prinzip des Kat dem Benzedrin nahe
steht.
WOLFE fand fiir das Alkaloid des Kat (isoliert aus der getrockneten Droge),
daB es in seinem chemisch-physikalischen Verhalten u. a. seinem Schmelzpunkt
von 77° mit dem d-Nor-isoephedrin identisch war.
Es unterscheidet sich demnach das Cathin yom Benzedrin nur durch das Vor
handensein einer OH-Gruppe am C-Atom. Nach den spateren Untersuchungen
HAUSCHILDs muBte hierdurch der psychisch-stimulierende Effekt gegeniiber dem
Benzedrin erheblich verringert werden, was wiederum nach den Beschreibungen
LELOUPs nicht anzunehmen war.
V. BRUCKE untersuchte vergleichend die Wirkung von Ephedrin und Cathin
und fand die zentralanaleptische Wirkung des Cathins der des Ephedrins nicht
iiberlegen. Darum war zu vermuten, daB der Wirkstoff der getrockneten Droge
nicht dem der frischen Droge entsprach. Den Arabern war auch bereits bekannt,
daB die Wirkung der Droge beim Trocknen nachlieB, und sie wurde von ihnen
darum in Palmenblatter gehiillt auf den Markt gebracht. Bei der frischen Droge
konnte es sich demnach also um einen Stoff handeln, der sich beim Trocknen in
das d-Nor-isoephedrin umwandelte, oder um eine neben dem d-Nor-isoephedrin
vorhandene fliichtige Substanz.
b) Die Entdeckung der Phenylalkylamine Pervitin und Benzedrin.
Riicklaufig betrachtet verlor bald die Gewinnung des wirksamen Katprinzips
an Bedeutung. Eine zweite Entwicklungsreihe, die endgiiltig zur Entdeckung
der Phenylalkylamine Pervitin und Benzedrin und ihrer spezifischen Wirkung
fiihren sollte, lief dem lsolierungsbemiihen des Wirkstoffes aus dem Kat parallel:
Das Benzedrin ist als chemische Substanz seit 1887 bekannt. Es wurde zuerst
von dem Chemiker EDELEANO hergestellt. Er interessierte sich jedoch nicht fUr
seine pharmakologische Wirkung. Sie wurde erst durch die englischen Physiologen
BARGER und DALE 1910 untersucht. Da diese Untersuchungen an narkotisierten
Die Entdeckung der Phenylalkylamine Pervitin und Benzedrin. 3
Tieren vorgenommen wurden, blieb das AusmaI3 des zentralanaleptischen Effektes
verborgen. Die erwartete Wirkung des Stoffes auf die Kreislaufperipherie war
fUr die Untersucher enttauschend. Das heiI3t, man unterschiitzte wohl die gegen
iiber der bekannten Adrenalinwirkung nur sehr milde einsetzende Kreislauf
wirkung des Benzedrin. Das wissenschaftliche Interesse richtete sich daher in den
folgenden Jahren auch weniger auf das Benzedrin als vorwiegend auf die, wie
man annahm, kreislaufwirksameren Derivate des Grundstoffes Adrenalin. 1m
Zuge dieser Entwicklung gelang es K. K. CHEN und D. SCHMIDT 1924, das alte
chinesische Heilmittel Ephedrin fiir die Klinik wieder zu entdecken1• Seine Wir
kung auf die geschwollene Schleimhaut des Nasen·Rachen-Raumes machte es zu
einem wichtigen Therapeuticum der amerikanischen Hals-Nasen-Ohren-Arzte.
Mit der Entdeckung dieses Stoffes gewann das Interesse fUr die Wirkungsweise
der Adrenalinreihe zwei Richtungen. Neben der Kreislaufwirkung galt es nun,
auch von anderen Adrenalinabkommlingen den sympathicomimetischen Effekt
auf die Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raumes zu studieren. Das Benzedrin
wurde wieder in die Untersuchungsreihe einbezogen und gewann sofort erheblich
an Bedeutung. Seine sympathicomimetische Wirkung war stark, und gegeniiber
anderen Stoffen nahm es insofern eine Sonderstellung ein, als es fliissig und
fliichtig war. Die Technik zur Behandlung der Nasenschleimhaut vereinfachte
sich dadurch, daB man das Benzedrin in Dampfform in die Nase einblasen konnte.
Nachdem darauf um 1930 vorgeschlagen wurde, das Benzedrin anstelle des Ephe
drin zu benutzen, wurde auch sein psychisch-stimulierender Effekt bald bekannt:
Patienten, die nachmittags behandelt wurden, fUhlten sich hinterher besonders
frisch, leistungsfahig, unternehmend und konnten haufig in der auf die Behand
lung folgenden Nacht nicht schlafen. Noch im gleichen Jahr stellten zuerst
PINES und spater auch andere Forscher Tierversuche an und fanden den aus
gesprochenen zentralbedingten Wirkungseffekt. Sie nannten das Benzedrin darum
"cephalotropes Amin". Als G. A. ALLES 1930 die erste groBere wissenschaftliche
Untersuchung iiber die Wirkung des Benzedrin verOffentlichte, war der EinfluB
des Mittels auf die geistige Leistungsfahigkeit in weiten Kreisen der amerikanischen
Bevolkerung bereits so bekannt geworden, daI3 sein Verbrauch ganz unerwartet
anstieg. Die groBe Nachfrage alarmierte die pharmazeutische Industrie, und sie
verbreitete das Mittel durch ihre Reklameschlagworte in groBem StH. PRINZMETAL
und BLOMBERG warnten 1935 in einer groBen klinischen Untersuchung vor
ungerechtfertigtem und iibermaBigem BenzedringenuB. Sie beschrieben als Folge
erscheinung bei chronischem MiBbrauch Schlafstorungen, Herzsensationen und
Erregbarkeit. Etwa zur gleichen Zeit wurden auch die therapeutischen Richt
linien zur Nutzung des zentralanaleptischen Effektes, z. B. fiir die Narkolepsie,
ausgearbeitet.
Der Run auf das Mittel, vor allem auch von seiten der Studentenschaft, die
ihre erprobten Stimulantien Kaffee, Tee und reines Coffein nicht mehr nahmen,
sondern nur noch "Bep-Pillen" forderten, wurde in den Jahren 1936-1937 f'lir die
verantwortlichen Stellen beunruhigend. Die Universitatslehrer warnten in den
1 Aus der Ephedra vulgaris wurde das Ephedrin 1887, im gleichen Jahre also wie das
Benzedrin, von NAGAI und 2 Jahre spater als kristallisiertes Ephedrin von MERCK dargestellt.
1913-1915 wurde es von AVILA und MORITA als Analepticum erkannt, gewann aher ffir die
Klinik noch keine wesentliche Bedeutung (zitiert nach EICHHOLTZ).
1*