Table Of ContentF.H. Kemper
H. Schmid-Sch6nbein (Hrsg.)
Rokan
Ginkgo biloba EGb 761
Band 1
Pharmakologie
Chemie und Pharmakokinetik
Rheologie und GefaBe
Membranprotektion
BIut -Hirn-Schranke
Antiodematose Effekte
Neurotransmitter und Hirnstoffwechsel
Neuronale Plastizitat
Mit 73 Abbildungen
und 14 Tabellen
Springer-Verlag
Berlin Heidelberg New York
London Paris Tokyo
Hong Kong Barcelona
Budapest
Prof. Dr. Fritz H. Kemper
Institut fur Pharmakologie
undToxikologie
DomagkstraBe 12
4000 Munster
Prof. Dr. med. Holger Schmid-Schonbein
Institut fUr Physiologie der RWTH
5100 Aachen
Ubersetzungen und Redaktion:
Christian Ebenezer, Arzt
DreisamstraBe 16
7500 Karlsruhe
ISBN-13: 978-3-540-53648-2
CIP·TItelaufnahme der Deutschen Bibliothek
R6kan: Ginkgo biloba/E H. Kemper; H. Schmid-SchOnbein (Hrsg.) -Berlin; Heidelberg; New York; London;
Paris;Tokyo; Hong Kong; Barcelona; Budapest: Springer.
NE: Kemper, Fritz H. [Hrsg.]
Bd. 1. Pharmakologie. -1991
Enth. u. a.: Chemie u. Pharmakokinetik. Rheologie u. Gemsse
ISBN-13: 978-3-540-53648-2 e-ISBN-13: 978-3-642-76407-3
DOl: 10.1007/978-3-642-76407-3
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© Springer-Verlag' Heidelberg 1991
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Vorwort
Un sere Vorstellungen iiber die Pathogenese der chronis chen arteriellen VerschluB
krankheit haben sich in den vergangenen fiinfzehn Jahren gewandelt. Dies muBte
auch unsere Konzepte iiber die Wirkungen von Substanzen fUr die Therapie dieses
komplexen Krankheitsprozesses beriihren. Gegeniiber den bisher bekannten Re
zeptor-Wechselwirkungen und muskulotropen Effekten treten in der jiingsten Zeit
Wirkungen auf Membranen in den Vordergrund. Angriffspunkte dieser Art kon
nen mit neuenTestsystemen aufgezeigt werden.
In der hier vorliegenden Dokumentation zur Pharmakologie von Ginkgo
biloba sind erste Untersuchungen in dieser Richtung beschrieben. Sie werfen Licht
auf das differenzierte pharmakologische Wirkprofil einer Substanz, die in den ver
schiedenen Fachrichtungen bei der Therapie der chronischen arteriellen Ver
schluBkrankheit breite Anwendung gefunden hat. Das iiberraschende Ergebnis
dieser Experimente war, daB das Verhalten der Zellen in StreBsituationen, die fUr
die aktive Atherosklerose charakteristisch sind wie Storungen des Ionen- und
pH-Gleichgewichts, Einwirkung reaktiver Sauerstoff-Radikale sowie Austausch
von Mediatoren zwischen Blutzellen untereinander und mit Endothelzellen, unter
Ginkgo biloba in beeindruckenderWeise verbessert wurde. Diese Beobachtungen
fiihrten zu dem SchluB, daB ginkgospezifische Terpenoide und Flavonoide in die
Lipidphase von Membranen inkorporiert werden und dadurch die mechanischen
und biochemischen Eigenschaften der Membran positiv beeinflussen. Neuere
rheologische Befunde deuten darauf hin, daB die Inkorporation von Ginkgo biloba
in Membranen ein ProzeB ist, der sich iiber einen langeren Zeitraum vollzieht.
Moglicherweise werden die Komponenten bereits im Rahmen der Membranbio
synthese eingebaut. Die Beobachtungen zeigen auch, daB kiinftig neue Langzeit
strategien bei der Erforschung derWirkung von Phytopharmaka eingesetzt werden
miissen. In diesem Zusammenhang kann die Entdeckung der antagonistischen
Wirkung der Ginkgolide gegeniiber dem pliittchenaktivierenden Faktor, von dem
eine Vielzahl biologischer Wirkungen in der gestOrten Mikrozirkulation ausgehen,
nicht hoch genug eingeschatzt werden.
Bei der Fiihrung von Patienten, fUr deren Grundleiden keine kausale Therapie
zur Verfiigung steht, gilt es "rekompensierend" zu behandeln. Ganz im Vorder
grund so1cher Strategien miissen Substanzen stehen, die ein Dauertraining des
Patienten unterstiitzen, d. h. diejenige MaBnahme, die allein zu einer langfristigen
funktionellen Verbesserung durch Wachstum von Kollateralen als wichtigster Kom
pensations-Mechanismus fUhrt. DaB hierzu pflanzliche Wirkstoffe aus Ginkgo
biloba beitragen, ist durch zahlreiche klinische Befunde gesichert, fiir die jetzt
- wie so oft in der Vergangenheit - die Grundlagenforschung nachtraglich eine
rationale Erkliirung liefert.
Miinster undAachen, Sommer 1991 F. H. Kemper
H. Schmid-SchOnbein
Inhaltsverzeichnis
I. Chemie und Pharmakokinetik
Herstellung und Definition von Rokan . . . . . . . 13
Drieu K.
Resorption, Verteilung und Elimination von Rokan . 19
MoreauJ. P., Eek C. R, Me Cabe J., Skinner S.
II. Rbeologie und Gefa6e
Hoehauflosende mikrorheologisehe Methoden zum Studium
pharmakodynamischer Wirkungen von Ginkgo-biloba-Extrakt
an menschlichen Erythrocyten ....................... 31
Grebe R., Artmann G., Wolff H., Degenhardt R., Schmid-Schonbein H.
Pilotstudie tiber membranpharmakologische Wirkungen von
Ginkgo-biloba-Extrakt: Parameter-Exploration in vitro und Reduplikation
der Effekte nach enteraler und parenteraler Zugabe von Rokan ...... 47
Artmann G., Degenhardt R., Wolff H., Grebe R, Schmid-Schonbein H.
Inhibition der PAF-induziertenThrombocyten-Aggregation durch Rokan 63
Guinot P., Caffrey E., Lambe R., DarraghA.
Wirkung von Rokan auf den Arteriolenspasmus beim Kaninchen . . . . .. 69
Reuse-Blom S. , Drieu K.
III. Membranprotektion
ToxiziHit von Sauerstoff und freien Radikalen . . . . . . . . . . . . . . .. 77
Deby C., Pincemail J.
RadikaWinger-Eigenschaften von Rokan . . . . . . . . . . . . . . . . .. 91
PincemailJ., Deby C.
In-vitro-Nachweis der Radikal-Fanger-Effekte von Ginkgo-biloba
Extrakt durch das System der photometrischen Viskoelastometrie
humaner Erythrocyten ........................... 103
Schmid-Schonbein H., Artmann G., Degenhardt R
8 Inhaltsverzeichnis
Wirkung von Rokan auf die Elektrophysiologie der isolierten Retina . .. 113
Doly M., Droy-Lefaix M. T., Bonhomme B., Braquet P.
Antilipoperoxidative Effekte von Rokan am Modell der isolierten Retina 121
Braquet P., Doly M., Bonhomme B., Meyniel G.
Protektive Wirkung von Rokan auf das vestibulare sensorische Epithel,
morphologische Untersuchungen an der Maus . . . . . . . . . . . . . 129
RaymondJ.
Wirkungen von Rokan in zwei Modellen zur Myokardischamie . . . . . . . 137
Guillon J. M., Rochette L., Baranes J.
IV. Blut-Hirn-Schranke und antiodematose Effekte
Protektive Effekte von Rokan bei Storungen der Blut-Hirn-Schranke 147
Grosdemouge c., Le Poncin-Lafitte M., Rapin J. R.
Rokan beim experimentellen Hirnodem ..... 155
Etienne A. , Hecquet F., Clostre F.
Rokan bei der cerebralen Ischamie der Springmaus . . . . . . . . . . . . . 163
Spinnewyn B., Blavet N. , Clostre F.
V. Neurotransmitter und Hirnstoffwechsel
Wirkung von Rokan auf Neurotransmitter beim cerebralen
AlterungsprozeB .................... . . . . . . . . . . 173
Racagni G., Brunello N., Paoletti R.
Wirkung von Rokan auf die spezifische Neurotransmitter
Receptorbindung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177
Taylor J. E.
Wirkung von Rokan auf die cerebrale Glucose-Utilisation 183
Rapin J. R., Le Poncin-Lafitte M.
VI. Neuronale Plastizitat
Wirkung von Rokan auf die zentrale Kompensation beim unilateralen
peripheren Vestibularisausfall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 193
Denise P., Bustany P.
Wirkung von Rokan auf die Restitution der neuronalen Funktion ..... 199
Ez-Zaher L., Lacour M.
Sachverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209
Autorenverzeichnis
Artmann G., Abteilung fur Biomedizinische Physik der Fachhochschule Julich
Baranes J., Centre de Recherche I.H.B.-I.P.S.E.N., Les Ulis, France
Blavet N., Centre de Recherche I.H.B.-I.P.S.E.N., Les Ulis, France
Bonhomme B., Laboratoire de Biophysique, Facultes de Medecine et de
Pharmacie, Clermont-Ferrand, France
Braquet p., Centre de Recherche I.H.B.-I.P.S.E.N., Le Plessis-Robinson, France
Brunello N., Instituto di Farmacologia et Farmacognosia, Centro di
Neurofarmacologia Universita di Milano, Italia
Bustany P., Service de Pharmacologie, CHRU Cote de Nacre, Caen, France
Caffrey E., Institute of Clinical Pharmacology, Sir Patrick Dun's Hospital,
Dublin, Ireland
Clostre F., Centre de Recherche I.H.B.-I.P.S.E.N., Les Ulis, France
Darragh A. , Institute of Clinical Pharmacology, Sir Patrick Dun's Hospital,
Dublin, Ireland
Deby C., Laboratoire de Biochimie Appliquee, Unite de Biologie de l'Oxygene,
Universite de Liege, Belgique
Degenhardt R., Institut fUr Physiologie der RWTH Aachen
Denise P., Service d'Explorations Fonctionnelles Neurologiques, CHRU Cote
de Nacre, Caen, France
Doly M., Laboratoire de Biophysique, Facultes de Medecine et de Pharmacie,
Clermont-Ferrand, France
Drieu K., Centre de Recherche I.H.B.-I.P.S.E.N., Le Plessis-Robinson, France
Droy-Lefaix M. T., I.P.S.E.N., Paris, France
Eck C. R., Biomeasure, Hopkinton, Mass., USA
EtienneA., Centre de Recherche I.H.B.-I.P.S.E.N., Les UIis, France
Ez-Zaher L., Departement de Psychophysiologie, Universite de Provence,
Marseille, France
Grebe R., Institut fUr Physiologie der RWTH Aachen
Grosdemouge C., Groupe de Neurophysiologie Cerebrovasculaire,
C.H.U. St. Antoine, Paris, France
GuillonJ. M., Centre de Recherche I.H.B.-I.P.S.E.N., Les Ulis, France
Guinot P., Ipsen International, London, UK
Hecquet F., Centre de Recherche I.H.B.-I.P.S.E.N., Les Ulis, France
Lacour M., Departement de Psychophysiologie, Universite de Provence,
Marseille, France
10 Autorenverzeichnis
Lambe R., Institute of Clinical Pharmacology, Sir Patrick Dun's Hospital,
Dublin, Ireland
Le Poncin-Lafitte M., Hopital Bid!tre, Le Kremlin Bicetre, France
McCabe J., Biomeasure, Hopkinton, Mass., USA
Meyniel G., Laboratoire de Biophysique, Facultes de Medecine et de Pharmacie,
Clermont-Ferrand, France
Moreau J. P., Biomeasure, Hopkinton, Mass., USA
Paoletti R., Instituto di Farmacologia et Farmacognosia, Centro di
Neurofarmacologia Universita di Milano, Italia
Pincemail J., Laboratoire de Biochimie Appliquee, Unite de Biologie
de l'Oxygene, Universite de Liege, Belgique
Racagni G., Instituto di Farmacologia et Farmacognosia, Centro di
Neurofarmacologia Universita di Milano, Italia
Rapin J. R., Hopital Bicetre, Le Kremlin Bicetre, France
Raymond J., Laboratoire de Neurophysiologie Sensorielle U.S. T.M.,
Montpellier, France
Reuse-Blom S., Laboratoire de Physiologie, Faculte des Sciences psychologiques
et pedagogiques. Universite libre de Bruxelles, Belgique
Rochette L., Laboratoire de Pharmacodynamie et Physiologie pharmaceutique,
Faculte de Medecine et Pharmacie, Dijon, France
Schmid-Schonbein H., Institut fur Physiologie der RWTHAachen
Skinner S., Biomeasure, Hopkinton, Mass., USA
Spinnewyn B., Centre de Recherche I.H.B.-I.P.S.E.N., Les Ulis, France
Taylor J. E., Biomeasure, Hopkinton, Mass., USA
Wolff H. , Institut fur Physiologie der RWTH Aachen
I. Chemie und Pharmakokinetik
Herstellung und Definition von R6kan
DRIEUK.
Zusammenfassung
R6kan, der Ginkgo-biloba-Extrakt mit der Extraktspezifikation EGb 761, wird
nach einem standardisierten Verfahren aus den griinen BHittern des Ginkgo
biloba-Baumes hergestellt. Die Blatter werden von Baumen geerntet, die auf Plan
tagen in Siidkorea, Japan, Frankreich und den USAwachsen. Kulturbedingungen,
Ernte und Herstellung sind genauestens standardisiert und kontrolliert. In einem
Analyseverfahren werden die Eliminierung unerwiinschter Komponenten verifi
ziert und die aktiven Substanzen quantitativ bestimmt. Die Hauptwirkstoffe sind
Flavonoide, insbesondere Ginkgoflavonglycoside, und Ginkgo-spezifischeTerpe
noide, Ginkgolide und Bilobalid, die eine einzigartige Struktur aufweisen.
SchlUsselworter: R6kan, EGb 761, Extraktionsverfahren, Flavonoide, Ginkgolide,
Bilobalid, QualiHitskontrolle.
Kultur und Ernte
Die noch griinen Blatter des Ginkgo biloba werden in Japan und Siidkorea in spe
ziellen Plantagen geerntet. Seit einigen Jahren werden die Blatter auch in Planta
gen in der Nahe von Bordeaux sowie in South CarolinalUSA gewonnen. Die Be
pflanzung, die Ernte, dasTrockenverfahren und die Herstellung derTransportbal
len werden von einemAgraringenieur standig kontrolliert. Er iiberwacht den Diin
gereinsatz und sorgt dafiir, daB die Pflanzen nicht chemisch behandelt werden. Die
Blatter werden noch griin geerntet. Dies ist der giinstigste Zeitpunkt, der auf den
Gehalt der Blatter an den wichtigsten Wirksubstanzen abgestimmt ist. Nach der
Ernte werden sie in einem speziellen Verfahren bei geregelterTemperatur getrock
net und verlieren so dreiviertel ihresWassergehaltes. Dann werden die Blatter zu
Ballen gepreBt, urn sie vor Feuchtigkeit zu schiitzen und Garungsprozesse zu ver
meiden.