Table Of ContentMiller/Deecke/Keyser/von SperberlBurfeind (Hrsg.)
Familienunternehmer heute
MillerlDeecke/Keyser/von SperberlBurfeind (Hrsg.)
Familienunternehmer
heute
Herausforderungen,
Strategien, Erfahrungen
GABLER
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme
Familienunternehmer heute : Herausforderungen, Strategien,
Erfahrungen / Miller ... (Hrsg.). - Wiesbaden : Gabler, 1998
ISBN-13: 978-3-409-18976-7 e-ISBN-13: 978-3-322-84694-5
DOl: 10.1007/978-3-322-84694-5
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© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1998
Lektorat: Margit HiibnerlUlrike M. Vetter
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ISBN-13: 978-3-409-18976-7
Vorwort
Mit dem ersten KongreB fur Familienunternehmer am 7./8. November 1997 schuf die
Fakultat fUr Wirtschaftswissenschaft der Universitat WittenlHerdecke eine Plattform fUr
die besonderen Herausforderungen der Familienunternehmer. Der Einladung der Uni
versitat Witten/Herdecke zum "KongreB fUr Familienunternehmer" folgten tiber 150
Teilnehmer aus ganz Deutschland sowie aus Holland, Osterreich und der Schweiz. Fa
milienunternehmer, aber auch Professoren und Berater nutzten die Gelegenheit, an den
zwei KongreBtagen einen intensiven Diskurs tiber die besonderen Herausforderungen
von Familienunternehmern zu fuhren. Besonders freuten wir uns dariiber, daB wir auch
Studenten anderer Universitaten begriiBen konnten, deren Studienschwerpunkt das The
rna Familienunternehmen bildet.
Den Rahmen der Auseinandersetzung mit der Thematik bildeten funf Vortrage von
Referenten aus Wirtschaft und Politik. In den Vortragen wurden aufgrund der unter
schiedlichen Beztige der einzelnen Vortragenden zur Thematik unterschiedliche Per
spektiven tiber die Besonderheiten von Familienunternehmern skizziert. So wurde eine
gemeinsame Diskussionsgrundlage unter den Teilnehmern geschaffen, die einen Know
how-Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis ermoglichte. Als Herzsttick des Kon
gresses sind zwei Runden von Diskussionsforen zu nennen, in denen im klein en Kreis
spezielle Themen von dazu fachlich pradestinierten Referenten aus Wissenschaft und
Praxis eingeleitet wurden. Mit diesen insgesamt zwolf Diskussionsforen wurde das vie 1-
faitige Problemspektrum, das sich Familienunternehmem bietet, umfaBt. Die Teilnehmer
bekamen die Moglichkeit, sich ihren Interessenschwerpunkten entsprechend fur zwei
Foren zu entscheiden. Eine Besonderheit bestand darin, daB diese Foren jeweils von
zwei Studenten der Fakultat fur Wirtschaftswissenschaft geleitet wurden. Der Vorteil der
Diskussionsforen lag darin, daB man nicht nur Informationen von Experten aus erster
Hand erhielt, sondern auch mit anderen Familienuntemehmern in kleinen Gruppen einen
konstruktiven Gedankenaustausch fuhren konnte.
In verschiedenen Diskussionsforen und Vortragen bildete die Nachfolgeproblematik
einen thematischen Schwerpunkt. Die Auswertung der FragebOgen, in denen die Kon
greBteilnehmer zum KongreB befragt wurden, ergab, daB die Nachfolgeregelung bei den
Themen, die auf einem KongreB fUr Familienunternehmer behandelt werden sollten,
oberste Prioritat hat. Neben der strategischen Grundsatzentscheidung einer Nachfolge
innerhalb oder auBerhalb der Familie und dem eventuell damit verbundenen Manage
ment-Buyout oder Management-Buyin aus der Beraterperspektive, wurden auch sehr
personliche Erfahrungen mit der Unternehmensnachfolge aus der Perspektive von Fa
milienunternehmern diskutiert. Ais weitere wichtige Themen kristallisierten sich das
Kontliktmanagement im Familienuntemehmen, die Besetzung von Beiraten und Kon
trollgremien, die Ftihrung und Organisation in Familienunternehmen, die Rolle der Ban
ken, gesellschaftsrechtliche Fragestellungen und schlieBlich psychologische Aspekte
hinsichtlich Unternehmen und Familie heraus.
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Die Vortrage und das Engagement der einzelnen Vortragenden wurde von den im Fra
gebogen zum KongreB befragten Teilnehmem (auf einer Skala von sehr gut bis mangel
haft) zu einem tiberwiegenden Teil als gut, von einem Drittel sogar als sehr gut beurteilt.
95 Prozent der befragten Teilnehmer schatzten die Inhalte des Kongresses als "wichtig"
bis "sehr wichtig" hinsichtlich ihrer beruflichen und untemehmerischen Tlitigkeit ein.
Diese Zahl bestatigt den groBen Bedarf der Familienuntemehmer, ihre speziellen Her
ausforderungen und Probleme zu diskutieren. Des weiteren bot der KongreB thematisch
auch v5llig neue Perspektiven. So schreibt ein Teilnehmer im Nachblick: " ... .Ich war
vorher der Auffassung, daB ich tiber die Probleme der Familienuntemehmen fast alles
aus eigener Erfahrung oder Recherche weiB, muBte aber feststelIen, daB es doch viele
neue und interessante Aspekte fUr mich gab ... ".
Der KongreB fUr Familienuntemehmer war ein studentisches Projekt. Ftir das fiinfk5pfi
ge studentische Organisationsteam ergab sich die Chance, ein Projekt von der ersten
Idee an v5lIig eigenverantwortlich in die Tat umzusetzen. Besonders hervorzuheben ist
der Anteil, den Studierende an der Durchfuhrung des Kongresses hatten. Studierende
haben nicht nur als Organisatoren und Moderatoren, sondem auch als Fahrer, am Emp
fang, beim Catering, als Photographen und als Musiker maBgeblich zum Gelingen bei
getragen. Insgesamt waren tiber 50 Studierende an der DurchfUhrung beteiligt. Die Or
ganisation der Veranstaltung wurde (auf einer Skala von sehr bis mangelhaft) von 71
Prozent der Familienuntemehmer mit dem Prlidikat "sehr gut" versehen, 29 Prozent
fanden die Organisation "gut". Keiner der befragten Teilnehmer hat sein Kommen be
reut. AIle wtirden sich, wenn sie nochmals vor der Entscheidung stilnden, wieder anmel
den. Deshalb will die Universitat WittenlHerdecke auch zuktinftig den Familienunter
nehmem eine solche Plattform fUr intensive Gesprliche bieten.
Der II. KongreB fUr Familienuntemehmer fmdet am 6,/7. November 1998 statt und wird
von einem neuen studentischen Team organisiert. Die Organisatoren wollen beim nlich
sten KongreB insbesondere dem groBen Diskussionsbedarf der Familienuntemehmer
Rechnung tragen, indem noch mehr Diskussionsforen angeboten werden. Dabei solI
auch dem mehrfach geauBerten Wunsch entsprochen werden, tiber Themen zu diskutie
ren, die speziell Familienuntemehmerinnen betreffen. Die Universitlit WittenlHerdecke
wiirde sich freuen, 1998 nicht nur zahlreiche Familienuntemehmer, sondem auch Unter
nehmerfamilien begriiBen zu k5nnen.
Das Buch dokumentiert die Ergebnisse des Kongresses und leistet damit einen Beitrag,
die Belange der Familienuntemehmer in Offentlichkeit, Politik, Wissenschaft und vor
aHem in der Praxis fundiert diskutieren zu k5nnen. Es werden praxisorientiert L5sungs
ansatze dargesteHt, die von 150 Familienuntemehmem in Zusammenarbeit mit renom
mierten Praktikem und Wissenschaftlem generiert wurden. An den Ergebnissen kann
der interessierte Leser dieses Buches teilhaben. Genauso wie der KongreB als ein Kon
greB for Familienuntemehmer konzipiert wurde, so ist dieses Buch als Buch for Famili
enuntemehmer gedacht.
Witten, im Marz 1998 Jan Deecke, Christian Keyser
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Inhalt
Vorwort ......................................................................................................................... 5
Birger P. Priddat
Familien & Untemehmen: zwei konfligierende Welten ............................................. 11
Familienuntemehmen - eine Standortbestimmung
(Vortrage)
Mark Wossner
Familienuntemehmen -Charakteristika und typische Problemfelder ......................... 19
Paul K. Friedhoff
ArbeitspHitze durch marktwirtschaftliche Emeuerung -
Die besondere Rolle der Familienuntemehmen .......................................................... 25
Peter May
Die Geschichte vom Aufstieg und Fall der Familie Max MUller -
Nachdenkliches und Nachdenkenswertes zum Thema Familienuntemehmen ........... 31
Gunther Berg
Banken und mittelstandische Untemehmen ................................................................ 43
Klaus Steilmann
Durch Leistung zum Erfolg im Familienuntemehmen ............................................... 53
Chancen, Risiken und Strategien
(Diskussionsforen)
Eric Kaleja, Andreas Pollner
Rudolf Wimmer: Besondere Untemehmenskultur von Familienuntemehmen -
Erfolgsfaktor oder BUrde? .......................................................................................... 59
Sandra Godden, Susanne Wortmann
JOrg Mittelsten Scheid: Der Familienuntemehmer heute:
Manager oder Untemehmer? ...................................................................................... 65
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Gunther Koseck, Christian Butt
Cuno Pumpin: Die Eignerstrategie -der Weg ist das Ziel .......................................... 73
Sven Zimmermann, Katja Volcker
Alexander Hemmelrath: Gesellschafts-und steuerrechtliche Strategien
fUr Familienunternehmen ............................................................................................ 79
Sven Raderschatt, Kai Pika
Joachim Schwass: Das Konfliktmanagement des Familienunternehmens .................. 89
Johannes Steegmann, Marion Flototto
Leopold Schoeller sen.: Personliche Erfahrungen mit der Unternehmensnachfolge 99
Sandra Prinzenberg, Jorg Gunther
Andreas Odefey: Going Concern des Familienunternehmens -
die Nachfolgeregelung .............................................................................................. 103
Marc Viebahn, Tobias Buttner
Paul Achleitner: Ende oder Fortgang des Familienunternehmens -
das Management-Buyout oder -Buyin ...................................................................... III
Niko Pohlmann, Stephan A. Jansen
Bernd Wieczorek: Beirate in mittelstiindi~chen Familienunternehmen:
Instrument zur Zukunftssicherung ............................................................................ 117
Hergen Frerichs, Aslak Petersen
Carl L. von Boehm-Bezing, Alexander von Tippelskirch:
Banken -Freund oder Feind der Familienunternehmen? .......................................... 143
Jule Martin, Ulrich Neider
Gunter F. Gross: Der Unternehmer: Profi im Geschaft -Amateur in der Familie? 151
Karsten Schwarz, Timo Kamp
Werner-Michael Bahlsen: FOhrung und Organisation in Familienunternehmen-
Lernende Organisation versus Tradition? ................................................................. 155
Christina Erdmann
Die Herausforderungen fur Familienunternehmer zur Jahrtausendwende -
eine Podiumsdiskussion, moderiert von Carsten Prudent ......................................... 161
8
Perspektiven fUr die Zukunft
(Gedanken aus der Praxis und Universitat)
Andre von Moos
Familienunternehmen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert ................................... 167
Andreas Odefey
Unternehmensnachfolge im Mittelstand ................................................................... 175
Mark Miller, Oliver von Sperber
Der Familienunternehmer heute -Meinungen und Tendenzen ................................. 187
Dirk Baecker
Das Handwerk des Unternehmers: Oberlegungen zur Unternehmerausbildung ....... 199
Frank Dievernich
Die Idee des "Familienunternehmer-Centers" -
warum Familienunternehmen Familienunternehmer hervorbringen sollten ............. 231
Die Referenten und Autoren ..................................................................................... 245
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Familien & Unternehmen: zwei konfligierende Welten
Birger P. Priddat
Familienunternehmen sind schmetterlingsartige Gebilde: ihr einer Fliigel ist das Un
ternehmen, ihr anderer die Familie. Beide sind verschiedene gesellschaftliche Systeme.
1m Unternehmen gelten wirtschaftliche Regeln, in Familien normalerweise nicht, son
dern personliche Regeln der Zuneigung (oder Abneigung) - zwei unterschiedliche
Handlungsmuster: "task system (the business)" und "sentiment system (the family)". Die
Sympathie, die in der Familie gilt, kann im Unternehmen, das der Familie gehort, nicht
durchgehalten werden (wenn es auch dort solche Sympathie- und Treue-lVertrau
ensverhaltnisse geben mag, z. B. wenn der Familienunternehmer aile seine Mitarbeiter
personlich eingestellt hat).
Urn es zu pointieren: scheinbar gelten im Unternehmensfliigel des Familienunterneh
mens wirtschaftliche GesetzmaBigkeiten, im Familienfliigel liebes- und verantwor
tungsethische Regeln. Doch ist diese Sortierung nicht von vornherein klar: wenn die
beiden Systeme nicht klar getrennt sind, gelten im Unternehmensfliigel auch ethische
Regeln und im Familienfliigel wirtschaftliche. Beide Systeme lassen sich nicht immer
trennen; der Geschaftsftihrer, der zugleich Vater der Familie ist, muB mit zwei See len
jonglieren: einer geschaftlichen und einer familiaren. Nicht immer gelingt der richtige
Wechsel seiner "doppelten" Personlichkeit. Dann wird in der Familie geschaftlich, im
Unternehmen familiar argumentiert; beides ist konfliktreich.
Zugleich wird klar, daB Familienunternehmen immer mit besonderen ethischen Fragen
konfrontiert sind, z. B. der Frage, wieviel familiare Sentimentalitat eine Rolle spielen
darf, wenn es urn den Unternehmenserhalt geht (z. B. bei Vermogensentnahme, bei der
Auswahl des Nachfolgers aus der Familie etc.). Aus der Sicht von Nicht-Familien
mitgliedern sind solche Fragen unsachlich, da es nicht mehr nur nach Kompetenz, son
dern nach FamilienzugehOrigkeit geht. Beides stimmt oft nicht iiberein. Familienunter
nehmen haben besondere Konfliktpotentiale (wie sie ebenso besondere Chancen haben).
Wir haben es bei den Familienunternehmen an schein end mit einer empfindlichen Unter
nehmensform zu tun.
Friiher brauchte die Differenz zwischen dem System "Familie" und dem System "Un
ternehmen" nicht sichtbar werden. Friiher waren die (Familien-)Unternehmen ebenso
patriarchalisch/hierarchisch geflihrt wie die Familie selbst. Beide Systeme: Unternehmen
wie Familien, waren ahnlich strukturiert. Das stimmte natiirlich immer schon nicht so
ganz, da spatestens dann, wenn die Ubergabe des Unternehmens an den Sohn (an wel
chen?) stattfand, sentimentale Griinde ausschlaggebend waren. Wenn der Sohn der ein
zige war, muBte ihm das Geschaft iibergeben werden, gleichgiiltig, wie gut er darin war,
urn die Familientradition und das Vermogen in der Familie zu halten. Hier dominierte
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das Familienprinzip aile guten Griinde, die daftir spraehen, vielleieht den Sohn wegen
siehtbarer Unfahigkeit erst gar nieht ins Gesehaft zu lassen. In dem Dilemma, entweder
einem nieht so geeigneten Sohn zu iibergeben, oder aber die Familienuntemehmenstra
dition abzubreehen, iiberwogen oft die Familiengriinde, gegen besseres wirtsehaftliehes
Wissen. In der 2. oder 3. Generation zerfielen dann die Familienuntemehmen. Man
legitimierte die Obergabe mit Blutgriinden: irgendwie wiirde im Blut des Kindes eine
Qualitat enthalten sein, die die Obergabe reehtfertige. Heute redet man von den Genen,
die in den Naehkommen irgendwie enthalten sein miiBten.
Eigentiimlieherweise wird von den "untemehmerisehen Genen" nur dann gesproehen,
wenn man sieh im Grunde nieht ganz sieher ist, ob der Naehfolger geeignet sei. Man
setzt dann auf ein, noeh nieht siehtbares, Potential, das auf eine, sehwaeh begriindete,
"abstrakte" Theorie baut. Erstaunlieh ist dabei der plOtzliehe Verzieht auf praktisehe
Klugheit und Erfahrung, der sonst fur Familienuntemehmen so herausragend ist. (Ne
benbei: Gene werden nieht einfaeh iibertragen. Rezente Gene konnen dominieren. Aueh
sind die Misehungen komplex.) Das heiBt man iiberredet sieh selbst, aus sentimentalen
Griinden.
Das mogliehe Dilemma wird heute groBer, weil die friihere Strukturahnliehkeit von
Familie und Untemehmen nieht mehr selbstverstandlieh gegeben ist. Die Familien sind
nieht mehr hierarehiseh organisiert; der Vater ist nieht mehr der Patriarch. Oft glaubt der
Vater, dies noeh zu sein; aber die Kinder lehren ihn eines besseren. Sie wollen gar nieht
mehr das Gesehaft iibemehmen. Sie sehen, welche Miihe und Arbeit der Vater (und die
Mutter zudem) hineinsteekt. Die Kinder haben andere Lebensvorstellungen. Sie wollen
das Gesehaft lieber verkaufen und sieh ein sehones Leben machen, oder ganz woanders
investieren.
Die Kinder denken dann nieht mehr in der Tradition der Obergabe des Untemehmens,
die fur die Vater hingegen ein Hauptgrund ihrer Arbeit darstellte. Ein seharfer Konflikt
entsteht, heute haufiger und seharfer als fruher. Die Vater sehen ihre Kinder nieht nur als
respektlos an, sondem deren Haltung als personliehen Angriff auf ihr Lebenswerk. Da
bei meinen die Kinder das haufig gar nieht respektlos; sie haben nur eine andere Orien
tierung, die identiseh ist mit der, die die Gesellsehaft heute anbietet. Ihnen ist mogli
eherweise die Familie als Familie gleiehgiiltig. Sie denken "modem", das heiBt nieht
mehr in Gesehleehter- oder Generationenfolgen und in Sippsehaftskategorien, sondem
sehr viel starker individuell, personliehkeitszentriert. Viele Kinder wollen heute gar
keine Kinder mehr haben. Man muB dies wissen: denn wer keine eigenen Kinder mehr
haben will, ftihrt aueh kein Untemehmen mehr, urn es den Kindem, die es gar nieht
geben wird, zu iibergeben.
Zudem kommt noeh eine weitere Komplikation hinzu. Familien sind heute keine in
takten Gebilde mehr. Sie zerbreehen. Die Seheidungsraten sind hoeh. Die Ehemann-I
Ehefrau-Konflikte nehmen zu; die Eltem/Kinder-Konflikte zudem. Selbst dort, wo die
Familien noeh intakt sind, sind sie labil. 1m Familienuntemehmen entsteht zudem ein
Druck, die eigene Familie fur intakt zu halten, und die tatsaehliehen Verhaltnisse zu
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