Table Of ContentDIE KLINIK
DER ARTERIELLEN THROMBOSEN
1M BECKENBEREICH
PATH 0 G ENE S E, U NT E R S U C HUN G S M ET H ODE N
DIAGNOSTIK UNO THERAPIE
VON
DR. MED. ERNST-AUGUST SCHRADER
EHEM. WISSENSCHAFTL. ASSISTENT AN OER II.MEDIZIN. UNIV.·KLINIK
UNO POLIKLINIK HAMBURG·EPPENOORF
MIT 51 ABBILDUNGEN
SPRINGER-VERLAG
BERLIN· GOTTINGEN' HEIDELBERG
1955
ISBN-13: 978-3-642-49011-8 e-ISBN-13: 978-3-642-92656-3
DOl: 10.1007/978-3-642-92656-3
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COPYRIGHT 1955 BY SPRINGER-VERLAG OHG.
SOF1'COVER REPRINT OF THE HARDCOVER 1ST EDITION 1955
BERLIN' GOTTINGEN . HEIDELBERG
JlRGHLSCHE UNI\"ERSITATSDRUCKEREI (HESSEN
Geleitwort.
Die Thrombose der groBen GefiWe der Extremitaten ist ein Gebiet, das der
Internist noch wenig kennt, da er es, wie Herr SCHRADER in seinem Vorwort sagt,
z. T. als in den Bereich des Chirurgen gehOrig betrachtet, z. T. aber deswegen,
weil man es erst durch die seit einigen Jahren in die Klinik eingefiihrten Darstel
lungsmethoden der Aorta und der groBen GefaBe kennengelernt hat. Die Bilder,
die uns insbesondere die Aorthographie vermittelte, haben wohl jeden alteren
Internisten in Erstaunen versetzt, da man derartig ausgedehnte und hoch
sitzende Thrombosen friiher nicht kannte. Herr Schrader hat sich mit dies em
Grenzgebiet seit einer Reihe von Jahren sehr eingehend beschaftigt und sich vor
allen Dingen um eine klinische Diagnostik bemiiht. Er konnte eine ganze Reihe
von Symptomen herausarbeiten, die friiher der Aufmerksamkeit entgangen
waren, heute jedoch auch ohne Aortographie eine Diagnose ermoglichen. Bei
systematischen Untersuchungen stellte sich weiter heraus, daB Haufigkeit und
Umfang der Erkrankung betrachtlich sind, und daB sie keineswegs zu den
Raritaten gehort. So habe ich die Absicht von Herrn SCHRADER, einmal die Klinik
der Thrombose im Beckenbereich zusammenfassend darzustellen, sehr begriiBt und
glaube, daB das hier von ihm vorgelegte Werk einem wirklichen Bediirfnis ent
spricht, da es ein in den letzten Jahren erst entdecktes Neuland der inner en
Medizin betrifft.
Hamburg, Mai 1955 A. JORES
.Vorwort.
Die Thrombosen der Hirn- und Herzarterien zahlen zu den Erkrankungen, die
man ohne weiteres dem Ressort des Internisten zurechnet, da ihre Folgezustande
bis heute - von wenigen Versuchen abgesehen - durch chirurgische Eingriffe
nicht gebessert oder beseitigt werden konnen. Demgegeniiber stellen die Throm
bosen der Becken- und Extremitaten-Arterien Erkrankungen dar, denen vor
wiegend von chirurgischer Seite Interesse entgegengebracht wird, da die End
zustande dieser arteriellen Thrombosen sehr haufig nur chirurgischen Eingriffen
zugangig sind. So spielen die Beckenarterien-Thrombosen bis heute noch fUr
eine Medizinische Klinik die Rolle eines Grenzgebietes. Ich bin deshalb meinem
hochverehrten Lehrer und Chef, Herrn Prof. Dr. A. J ORES, zu ganz besonderem
Dank verpflichtet, daB er es mir gestattete, dieses "Grenzgebiet" an seiner Klinik
zu bearbeiten und auszubauen. Seine GroBziigigkeit und seine vorurteilsfreie
Betrachtungsweise wissenschaftlichen Problemstellungen gegeniiber ermoglichten
es mir, mich den Untersuchungen zu widmen, deren Ergebnis in diesem Buch
zusammengefaBt ist. Seine Fiihrung und sein Interesse forderten die vorliegende
Darstellung in maBgeblicher Weise.
Die ersten Anregungen, mich mit dem Gebiet der peripheren Durchblutungs
storungen zu beschaftigen, erhielt ich wahrend meiner Assistentenzeit an der
Neurolog. Univ. Klinik und Poliklinik Hamburg-Eppendorf durch Herrn Prof.
Dr. H. PETTE und durch den Leiter der Neurochirurg. Abteilung, Herrn Oberarzt
Doz. Dr. R. KAUTZKY, denen ich dafUr an dieser Stelle meinen herzlichen Dank
aussprechen mochte. Herr Doz. Dr. R. KAUTZKY iiberlieB mir in groBziigiger
Weise die Daten der von ihm operierten Patienten und gestattete mir, die Aorto
gramme, die ich bei den Patienten vor bzw. nach der Operation auf der Rontgen
Abteilung der Neurolog. Univ. Klinik Hamburg-Eppendorf anfertigte, fUr diese
Arbeit zu verwenden. Ich fUhle mich deshalb ihm gegeniiber zu groBtem Dank
verpflichtet.
Herr Prof. R. LERICHE, Paris, gab mir die Moglichkeit, mich an seinem Institut
mit der Technik der Aortographie sowie mit den neueren wiederherstellenden
GefaB-Operationen vertraut zu machen. Ihm wie seinem Oberarzt Herrn Dr. J.
KUNLIN mochte ich an dieser Stelle nochmals meinen herzlichen Dank sagen.
Gemeinsam mit Herrn Doz. Dr. E. GADERMANN (Leiter der Rontgen-Abteilung
der II. Medizin. Univ. Klinik u. Poliklinik Hamburg-Eppendorf) wurde die trans
lumbale Aortographie in unserer Klinik eingefiihrt. Ein GroBteil der in diesem
Buch abgebildeten Aortogramme entstand in unmittelbarer Zusammenarbeit mit
ihm. Fiir die groBziigige Uberlassung der Filme mochte ich ihm auch an dieser
Stelle meinen herzlichen Dank aussprechen.
Vorwort. v
Dem Oberarzt unserer Klinik, Herrn Doz. Dr. H. GOLDECK, verdanke ich zahl
reiche, fiir die Entstehung dieser Arbeit ausschlaggebende Anregungen.
Fur die Uberlassung der Ergebnisse physiologisch-chemischer Untersuchungen,
die im Rahmen gemeinsamer Fragestellungen durchgefiihrt wurden, danke ich
Herrn Dr. K. D. VOIGT auch an dieser Stelle.
Die photographischen Reproduktionen der Arterio- und Aortograamme fiihrte
Herr KNABE an der Photograph. Abteilung unserer Klinik durch. Ich bin ihm fiir
sein Interesse und seine Muhe zu Dank verpflichtet.
Meiner Frau und meinem Freunde, Herrn Dr. med. W. HEINEMANN, danke ich
fur ihre verstandnisvolle Mithilfe bei der Abfassung und Korrektur des Manu
skriptes.
Das Buch ist dem Gedachtnis meiner Mutter gewidmet.
Hamburg, 9. Mai 1954. DR. E. A. SCHRADER
Luruper-Hauptstr. 225 Facharzt f. innere Krankheiten
Inhaltsverzeichnis.
Einleitung . . . . . . . . . 1
I. Anatomie 2
II. Pathologische Anatomie 5
III. ~erlegungen zur Pathogenese der Arteriosklerose und Thrombose 13
IV. Untersuchungsmethoden . 16
1. Die Oscillometrie . .'. . . . 16
2. Die Oscillographie . . . . . 19
3. Die translumbale Aortographie 20
a) Technisches ZubehOr .... 20
b) Rontgen-Technik, Rontgenschutz 21
c) Anaesthesie . . . . . . 21
d) Aorten-Punktion ....... . 22
e) Kontrastmittel-Injektion . . . . 23
f) Modifikationen der translumbalen Aortographie 24
g) Weitere Methoden zur Darstellung der Aorta abdominalis und ihrer
Beckenaste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
h) Gefahren der translumbalen Aortographie und deren Vermeidung 27
V. Die Stenosen der Aorta lumbalis und der Beckenarterien 34
VI. Die Thrombosen der Aa. ilicae . . . . 42
1. Vorbemerkungen ....... . 42
2. Die Thrombose der A. ilica communis 43
3. Die Thrombose der A. ilica externa . 51
VII. Die Thrombosen der Aorta abdominalis 57
1. Vorbemerkungen ....... . 57
2. Pathogenese der Aorten-Thrombose 59
3. Symptomatik der Aorten-Thrombose 61
VIII. Der Kollateral-Kreislauf . . . . . . . 74
IX. Die Prognose der Aorten- und Beckenarterien-Thrombosen . 80
1. Die Prognose der isolierten Beckenarterienverschliisse 80
a) Die Erhaltung der Extremitat .......... 80
b) Die Lebenserwartung .............. 82
2. Die Prognose der Beckenarterien-Thrombosen, die mit weiteren Manifestationen
der obliterierenden Arteriosklerose kombiniert sind 82
a) Die Erhaltung der Extremitat ................... 82
b) Die Lebenserwartung ....................... 85
3. Prognose der Beckenarterien-Thrombosen bei Kombination mit andersartigen
OrgaIi-Prozessen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
X. Differentialdiagnose des bei Beckenarterien·Thrombosen vorkommenden
Beschwerdetyps ....................... 90
XI. Die Differentialdiagnose der arteriellen Verschliisse im Beckengebiet 91
XII. Die Therapie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
1. Allgemeine Vorbemerkungen zur Beurteilung einer Behandlungsmethode 97
2. Die konservative Behandlung der Beckenarterien-Thrombosen und ihrer Folgen 100
3. Die orthopadischen u. chirurgischen Behandlungsverfahren 105
XIII. Die Begutachtung der Beckenarterien-Thrombosen 116
XIV. Kasuistik 121
Literaturverzeichnis 152
N amen verzeichnis 164
Sachverzeichnis 167
Einleitung.
Unsere Kenntnisse auf dem Gebiet der GefaBerkrankungen sind in den letzten
10-15 Jahren in einem Umfang bereichert worden, der als echter Fortschritt auf
gefaBt werden kann. Mit der Ausweitung dieses aIle medizinischen Disziplinen
interessierenden Faches ist es fiir den einzelnen schwieriger geworden, sich einen
Gesamt-Dberblick zu bewahren. Zwar vermitteln Darstellungen wie M. RAT
SCHOWS Monographie "Die peripheren DurchblutungsstOrungen" einen ausge
zeichneten Querschnitt durch das groBe Gebiet der funktionellen und organischen
DurchblutungsstOrungen, doch muB man aus dem Erscheinen weiterer Einzel
darstellungen iiber die Pathologie und die Klinik spezieller arterieller GefaB
provinzen den SchluB ziehen, daB offen bar ein Bediirfnis nach detaillierter
Beschreibung der jeder GefaBprovinz eigenen Charakteristika vorliegt. Wir
denken an die Monographien von SUNDER-PLASSMANN, BLOCK, BUMM u. a. iiber
die peripheren arterielIenDurchblutungsstorungen, an das Buch vOnHOCHREIN ii ber
den Herzinfarkt und an die Monographie LLA VEROS' iiber die cerebralen arteriellen
Durchblutungsstorungen. RATSCHOW selbst hat zum Ausdruck gebracht, daB er
bei Beriicksichtigung alIer neueren Untersuchungsmethoden und neueren Erkennt
nisse, die nicht unmittelbar auf die peripheren Durchblutungsstorungen zu be
ziehen waren, sein Buch in einer Weise ausweiten wiirde, daB seine primare
Struktur zur Auflosung kommen und einem Nachschlagewerk ahnlich werden
konnte. Dadurch muBten - wie auch in der eindrucksvolIen Monographie von
PASSLER - die Stenosen und Thrombosen der Beckenarterien in ihrer Darstellung
auf das Notigste beschrankt werden. Gemessen an ihrer Haufigkeit - ihr Vor
kommen kann mit der Zahl der obliterierenden Coronarsklerosen verglichen
werden - und gemessen an ihrer Bedeutung scheint jedoch diese "Zuriicksetzung"
nicht gerechtfertigt zu sein. Wir haben daher den Eindruck, daB eine spezielle
Abhandlung der Beckenarterien-Thrombosen diese Liicke fiillen konnte.
Die von DOS SANTOS schon vor fast 25 Jahren entwickelte translumbale Aorto
graphie stellt die methodische Briicke dar, auf der die Klinik dem pathologisch
anatomischen Substrat - der Beckenarterienthrombose - naherkam. Durch den
Vergleich des pathologisch-anatomischen Bildes, das uns die Aortographie ver
mittelt, mit den durch einfachere Mittel nachweisbaren klinischen Anhaltspunkten
haben sich Syndrome entwickeln lassen, deren Kenntnis schon heute die Not
wendigkeit der Aortographie zur DiagnosenstelIung einschrankt. Ein Beispiel ist
das LERICHE-Syndrom, unter dem die Symptomatik der totalen Aortenthrombose
zusammengefaBt wird. Ein weiteres sind die Stenosen der Beckenarterien. Die
Beobachtung, daB ein ohne Kompression horbares systolisches Gerausch iiber
einer pulsatorisch abgeschwachten Leistenarterie bei bestimmtem Beschwerdetyp
und bestimmten Oscillometerwerten regelmaBig mit einer aortographisch nach
weisbaren Stenose der Aa. ilicae vorkommt, hat uns bereits gelehrt, das Stenosen
Syndrom auch ohne Aortographie wiederzuerkennen. Wir halten es fiir
Schrader, Arter. Thrombosen. 1
2 Anatomie.
wahrscheinlich, daB weitere Verfeinerungen der klinischen Diagnostik die An
wendung der Aortographie auf jene FaIle einengen werden, bei denen chirurgische
Eingriffe erfolgversprechend erscheinen. Denn fUr die GefaBchirurgie ist die exakte
Lokalisierung des Prozesses unentbehrlich.
Es ist unsere Absicht, den Kollegen, die aus auBeren Grunden die Kontrast
darstellung der Aorta nicht durchfUhren konnen, ein Bild von den Moglichkeiten
der Arterien-Pathologie im Beckenbereich zu vermitteln und daruber hinaus die
einfachen Untersuchungsmethoden aufzuzeigen, durch die bereits am Krankenbett
die Diagnose gestellt werden kann. Da sich aus ihr heutzutage wichtige therapeu
tische Konsequenzen ergeben konnen, durfte die Kenntnis der Beckenarterien
Thrombosen fUr den praktisch tatigen Arzt von Bedeutung sein.
I. Anatomie.
Mehrere Grunde lassen es erforderlich erscheinen, naher auf die normalen
anatomischen Verhaltnisse der Arterien im Beckengebiet einzugehen:
Ad 1) ist die Variationsbreite hinsichtlich des Abgangs einiger Arterien so groB,
daB ohne ihre Kenntnis die exakte Deutung der Aortogramme sehr erschwert sein
wurde;
Ad 2) bildet sich gerade aus diesen Arterien, die so sehr wechselndenUrsprungs
sind, der Kollateralkreislauf bei Obliterationen der Hauptstamme. Die Kenntnis
der Kollateralbildungs-Moglichkeiten gibt z. B. dem Operateur vor dem Eingriff
genaue Anhaltspunkte dafUr, welche Anastomosen unbedingt geschont werden
mussen. Letzteres spielt eine Rolle bei der noch gelegentlich geubten Resektion
verschlossener Arteriena bschnitte.
1m Rahmen dieser Betrachtung interessieren die anatomischen Gegebenheiten
yom Abgang der Nierenarterien bis zum Ursprung der A. profunda femoris.
Throm botische Verschlusse der Aorta a bdominalis u ber die Aa. renales nach
proximal sind mit dem Leben nicht vereinbar und werden somit in der Klinik nicht
zur Beobachtung kommen. Die Grenze nach distal bis zur A. profunda femoris
wird durch unsere Thematik bedingt.
Die N ierenarterien entspringen der Aorta in Hiihe der Bandscheibe zwischen 1. und 2.
Lendenwirbel, die rechte haufiger kranialer als die linke. Bei Lumbal-Dystopie einer oder
beider Nieren kiinnen die Aa. renales aus distaleren Partien der Aorta oder aus der A. ilica
communis entstammen. Wichtig ist auch die Beobachtung, daB trotz regularen Abgangs der
Aa. renales die A. ilica communis und sogar die A. ilica interna einen Ast zu den Nieren
entsenden kiinnen.
Etwas kaudal von den Aa. renales gehen die Aa. spermaticae (= testiculares) von der
ventralen Wand der Aorta ab; sie kiinnen in einem gemeinsamen Stamm beginnen, kiinnen
auch einseitig - meist rechts - der A. renalis entstammen. Die A. spermatica zieht mit dem
Ductus deferens in das Scrotum. Sie anastomosiert im Leistenkanal mit der A. musculi
cremasteris, die wiederum ein Ast der A. epigastrica caudalis ist. Da letztere aus der A. ilica
externa entspringt, ware also einer Kollateralbildung zwischen A. spermatica und A. ·ilica externa
moglich.
In Hiihe des 3. Lendenwirbels nimmt die A. mesenterica caudalis ihren Ursprung aus der
ventralen Wand der Aorta. Ihre 3 Aste heWen A. colica sinistra, Aa. sigmoideae und A. rectalis
cranialis. Letztere anastomosiert mit den Aa. analis, rectalis caudalis und vesicalis caudalis,
die aIle der A. ilica interna entstammen. Kollateralbildung zwischen A. mesenterica caudalis und
A. ilica interna aut diesem Wege moglich.
Die Aa. lumbales entspringen an der dorsalen Seite der Aorta; es sind gewiihnlich auf jeder
Seite 4. Sie anastomosieren zwischen den Bauchmuskeln mit den Asten der Aa. epigastricae
Anatomie. 3
caudales (entstammen den Aa. ilicae externae), kranial mit den Aa. intercostales und kaudal
mit den Aa. iliolumbales und Aa. circumflexae ilium.
Die Aorta teilt sich in Rohe des 4. Lendenwirbels (etwa 2 Querfinger unterhalb des Nabels)
in die reo und Ii. A. ilica communis. Nach RAUBER-KoPSCH Iiegt die Bifurkation unter etwa
9 Fallen 1 mal mehr kaudal, unter etwa 11 Fallen 1 mal mehr kranial als gewohnIich; bei aIten
Menschen Iiegt sie oft kaudaler, was wohl durch die bei Arteriosklerose eintretende GefaB
verlangerung bedingt ist. Das
seltene Vorkommnis der Teilung
in Rohe des 2. Lendenwirbels
sei der Vollstandigkeit halber
erwahnt.
1m Bifurkationsbereich fin
det sich der Ubergang vom , ,ela
stischen" zum "muskularen"
Typ des GefaBwandbaues. ROT
TER und ROTTMANN stellten
bei Untersuchungen an 47 Men
schen im Alter von 5 Monaten
bis zu 69 Jahren bei zahlen
maBig gleichem Verhaltnis der
Geschlechter fest, daB der tTber
gang der GefaBstrecke vom ela
stischen Typ zum muskularen
stufenweise erfolgt. Die distale
Aorta - unmittelbar vor der
Bifurkation - weist einen noch
rein elastisch, spater iiberwie
gend muskular und schlieBlich
rein muskularen Bautyp auf. 1m
allgemeinen Iiegt der Umschlag
vom elastischen zum muskula
ren Bautyp in der A. ilica com
munis. "Eine starkere Verlage
rung der elastischen Strukturen
in die muskularen Abschnitte
der Strombahn mit zunehmen
dem Alter war nicht nachweis
bar" (ROTTER u. ROTTMANN)_
Abb. 1.
Die Aa. ilicae communes
setzen sich in einem Winkel
von 65-75° auseinanderweichend von der Aorta abo Zwischen ihnen liegt die Fortsetzung
der Aorta abdominalis, die Aorta caudalis; letztere ist ein kleiner Ast, der gelegentlich aus
der A. ilica communis entspringen kann. Die Aa. ilicae communes geben im allgemeinen nur
unbedeutende Astchen ab, hin und wieder kann aus ihnen die A. iliolumbalis entspringen.
Sie teilen sich nach einem Verlauf von 4-6 cm in Rohe des Sacroili-cal-Gelenkes in die
Aa. ilicae internae und externae.
Die A. ilica interna gibt im wesentlichen 3 Rauptaste ab: Die A. glutaea cranialis,
A. glutaea caudalis und die A. pudendalis interna. Nach den Untersuchungen von B. ADACHI
an Japanern ergeben sich aus dem wechselnden Abgang dieser 3 Arterien 5 Rauptmoglichkeiten,
die ADACHI in weitere 3 Untergruppen (Teilung im Becken oder auBerhalb des Beckens) teilte.
Letztere werden hier unberiicksichtigt gelassen.
Gruppe I; Die A. glutaea eranialis entspringt getrennt aus der A. iliea interna, wahrend
die A. glutaea caudalis und A. pudendalis interna in einem gemeinsamen Stamm aus der A. ilica
internahervorgehen.
Gruppe II; Die Aa. glutaeae eranialis und eaudalis nehmen ihren Ursprung in einem
gemeinsamen Stamm aus der A. ilica interna, dagegen entspringt die A. pudendalis interna
separat aus der A. ilica interna.
1*
4 Anatomie.
Gruppe III: Aile 3 Aste entspringen getrennt aus der A. ilica interna.
Gruppe IV: AIle 3 Arterien haben einen gemeinsamen Stamm, der von der A. iliea
interna abgeht.
Gruppe V: Die A. pudendalis interna und A. glutaea eranialis entspringen einem gemein
samen Stamm, wahrend die A. glutaea caudalis getrennt von der A. ilica interna abgeht.
J. L. BRAITHWAITE fand folgende Haufigkeitsverteilung bei 169 anatomischen Praparaten
(lOS mannliehen u. 61 weiblichen) in England:
Gruppe I = in 58,5%
Gruppe II = in 15,3%
Gruppe III = in 22,5%
Gruppe IV = in 3,6%
In diesem Material wurde ein seitengleiches Verhalten der Gruppen in 52,7% nachgewiesen.
Nach F. VILLEMIN, A. RIGAUD und A. GOUAZE fanden sich bei 100 Praparaten (50 Cjl, 503)
folgende Teilungsmoglichkeiten der A. ilica interna:
1. Gruppe J = in 72%
2. Gruppe II = in 21 %
3. Gruppe III = in 7 %
Zusammenfassend kann gesagt werden, daB man in der Halfte aller FaIle den
Abgang der A. glutaea cranialis isoliert findet und daB die Aa. glutaea caudalis
und pudendalis interna in einem gemeinsamen Stamm aus der A. ilica interna ent
springen. Mit 50%iger Wahrscheinlichkeit nur kann bei Kenntnis dieser anato
mischen Verhaltnisse der einen Seite geschlossen werden, daB sich die Gegenseite
gleich verhalt. Diese Feststellungen sind insofern von Bedeutung, als man bei ein
seitigen Verschliissen nur bedingt von der Anatomie der gesunden dargestellten
Seite auf die kranke schlieBen kann; welche Schwierigkeiten der Deutung von
Aortogrammen sich somit in pathologischen Fallen ergeben, liegt auf der Hand.
Urn so empfehlenswerter ist die Vorsicht, die
man bei der Namensgebung von Kollateral
Arterien walten lassen solI.
Ein bei der Kollateralbildung wichtiger Ast der
A. ilica interna ist die A. iliolumbalis, die allerdings
auch von der A. ilica communis abgehen kann. Ihr
Ramus ilicus anastomosiert caudal von der Crista ilica
mit einem Aste der A. circumflexa ilium profunda;
letztere entspringt der A. ilica externa in Leistenband
Hohe. Dadurch ist ein Kollateralkreislauf zwischen
A. ilica interna, evtl. auch A. ilica communis mit A. ilica
externa moglich.
Die A.obturatoria (Abb.2) entspringt nach J. L.
BRAITHWAITE in 41,4 % aus dem Anfangsteil der A. ilica
interna. R. QUAIN gibt in 400 Fallen den Ursprungsort
Abb. 2. Die }Ii.iglichkeiten des Ursprungs
der A. obturatoria. ~ 1. in 41,4% vom der A. obturatoria aus der A. ilica interna 270mal, aus
Anfangsteil der A. i1icaintema 2. in 19.5% der A. epigastrica caudalis 120mal und aus beiden Ge·
von der A. epigastriea caudalis. 3. in 10%
von der A. glutaea cranialis. 4.in 10% vom faBen zugleich mit 5mal an. In den letzten 5 Fallen
gemeinsamen Stamm der A. glutaea cau ging die A. obturatoria von der A. ilica externa abo
dalis und A. pudendalis interna. 5. ill 4,7%
von der A. glutaea caudalis. U. in 3,8 % von Nach S. JASTSCHINSKI kommt ein Abgang der Obtura
cler A. pudendalis intertla. 7. in IJ % von toria aus der A. femoralis in 0,4% vor. Abb.2 zeigt die
der A. ilica externa. (Abb. und Zahlen nach
J. L. BRAITHWAITE, .J. Anat., Vol. S6, Moglichkeiten des Obturatoria-Ursprungs. J. L. BRAITH
Part. 4, Oct. 1952.) WAITE gibt die Haufigkeit von 2 aus versehiedenen
Arterien sich ableitenden Stammen, die sich dann zur
Obturatoria vereinigen, mit 6,4% an. In nur 23% fand er ein seitengleiches Verhalten hin
sichtlich des Obturatoria-Ursprungs. Die zahllosen Moglichkeiten fur die Anastomosierung
der A. obturatoria mit anderen GefaBen werden schon durch ihre inkonstante Abstammung