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44 Arachnologische Mitteilungen 41 (2011) Diversa
DieGemeine Labyrinthspinne,Agelenalabyrinthica(Araneae:Agelenidae),SpinnedesJahres201
Thecommon labyrinth spider,Agelenalabyrinthica(Araneae:Agelenidae),spideroftheyear201
doi:10.5431/aramit4109
Nachdem2008mitderGattungTegenariazumersten sich zudem ein weiträumiges Raumnetz aus feinen
MalmehrereArtenderTrichternetzspinnen(Familie Stolperfäden (BELLMANN 2006).
Agelenidae)gekürtwurden(JÄGER2007),wurdenun GeräteinInsektaufdieNetzdecke,eiltdieSpinne
imJahre2011 eineweitereVertreterindieserFamilie aus der Röhrenmündung hervor, um es durch Bisse
zur Spinne des Jahres gewählt: Agelena labyrinthica zu betäuben oder zu töten. Sie orientiert sich dabei
(Clerck, 1757), die Gemeine Labyrinthspinne. an den von der Beute ausgehenden Schwingungen.
Die Gemeine Labyrinthspinne ist eine von 1146 Kleinere Insekten, die sich in den Labyrinthfäden
bekanntenTrichternetzspinnen weltweit; in Europa oberhalb des Netzesverfangen, aberkeinen Kontakt
kennt man 180, in Mitteleuropa ungefähr 30 Arten mit dem Netz selbst haben, können ebenso von der
(Blick et al. 2004, Helsdingen 2010,
Platnick2011).
Einwichtiges Familienmerkmalsind
die immer deutlich zweigliedrigen hin-
teren Spinnwarzen. Bei der Labyrinth-
spinne sind sie zudem stark verlängert
-fastdoppeltsolangwiedasGrundglied.
Für Spinnenkundler sind auch noch die
mindestens vier dorsalen Becherhaare
(Trichobothrien)aufdemEndglied(Tar-
sus) des ersten Beinpaares ein wichtiges
UnterscheidungsmerkmalzuanderenFa-
milien.ImGrößenvergleichmitanderen
SpinnenkönntemanTrichternetzspinnen
alsmittelgroßbezeichnen:dasMännchen
erreichtinderRegel8-12,dasWeibchen
10-14 mm Körperlänge (HEIMER &c
NENTWIG 1991). DerVorderkörper der MabA:Agelenalabyrinthica(Clerck,1757)imTrichternetz
GemeinenLabyrinthspinneistgelbbraun Fig.1:Agelenalabyrinthica(Clerck,1757)withinthefunnel-web
und trägt aufder Oberseite zwei breite, (©C.Hörweg,NHMWien)
dunkle Längsbinden, die sich nach vor-
ne stark verschmälern. Die Grundfarbe
des Hinterkörpers ist graubraun; über
seine Rückenmitte verläuft ein graues
LängsbandmiteinerReiheweißerWin-
kelflecke - dadurch entsteht eine Art
„Fischgrätenmuster“. Geschlechtsreife
Tiere findet man vornehmlich im Juli
undAugust (FOELIX 1992, BELLMANN
2006).
Die Trichterspinnen bauen charakteris-
tische Netze; diese befinden sich häufig
zwischenGrasundniedrigenSträuchern,
meist dicht über dem Boden, seltener in
bis zu 1 Meter Höhe im Gebüsch. Eine
ebeneNetzfläche mündettrichterförmig
in eine hinten offene Wohn- bzw. auch Abb.2:Agelenalabyrinthica(Clerck,1757)inderWohnröhre
Fluchtröhre. Über diesem Netz erhebt Fig.2:Agelenalabyrinthica(Clerck,1757) inthetubularretreat
(©H.Bellmann,Ulm)
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Abb.3:NetzevonAgelenalabyrinthica(Clerck,1757)
Fig.3:WebsofAgelenalabyrinthica(Clerck,1757)(©C.Komposch,ÖkoteamGraz)
Spinne lokalisiert werden, und zwar mit Hilfe von Rand durch mehrere radiäre Seidenbänder gestrafft
Becherhaaren auf den Beinen, die gleichsam als und an der Nestwand frei und elastisch aufgehängt.
Ferntastsinnesorgan fungieren. Vermutlich können Die Wand des Einestes besteht aus einem dichten
sogarlangsamfliegendeInsektenergriffenwerden,da zähenGewebeundwirdzudemnochgetarnt(z.B.mit
die Spinne eine sehr kurze Reaktionszeit (im Mittel Laub). Noch im selbenJahrschlüpfen dieJungspin-
160 msec) hat. Für die Orientierungim Netzhaben nenundüberwinternimNest,wobeisiesichvondem
auch die Augen eine große Bedeutung. Die Spinne im Hinterleib gespeicherten Dottervorrat ernähren.
richtet sich nach hellen oder dunklen, auffälligen Diejungen Spinnenverlassendas schützende Einest
Objekten in der Umgebung. Außerdem wird mit erst im kommenden Frühjahr (PFLETSCHINGER
den vorderen Mittelaugen die Schwingungsebene 1976, Bellmann 2006).
des polarisierten Tageslichtes wahrgenommen und DieGemeineLabyrinthspinnebewohntsonnige,
zur Richtungsweisung ausgenutzt (GÖRNER 1962, trockeneOrtemitniedrigerVegetationoderlockerem
&
Görner Andrews 1969). Gebüsch, kommt aber auch anWald- undWegrän-
Zur Paarungszeit, meist MitteJuli, beklopft das dern und ebenso aufTrockenrasen vor (HÄNGGI et
MännchenderGemeinenLabyrinthspinnezunächst al.1995).InMitteleuropaistdieGemeineLabyrinth-
das Netz des Weibchens mit den Kiefertastern (Pe- spinneweitverbreitetundwirdauchhäufiggefunden
dipalpen), um sich als Geschlechtspartner erkennen (STAUDT2011).Verwechslungsgefahrbestehteven-
zu geben. Ist dasWeibchen paarungsbereit,verharrt tuell mit der nächsten einheimischen Verwandten,
es ruhig in der Gespinströhre, wo dann auch die nämlich Allagelenagracilens (C.L. Koch, 1841), die
Begattungstattfindet.UngefähreinenMonatspäter, ZarteLabyrinthspinne.Sieistallerdingsmit5-10mm
etwaAnfangbisMitteAugust,fertigtdasWeibchen Körperlängedeutlichkleinerundbautihrekleine(re)n
einen großen, weißen Eikokon. Der innere Kokon TrichternetzeinhöhererVegetation,meistindichten
(dieeigentlicheEikammermit50-130Eiern)wirdam Sträuchern (NENTWIG et al. 2011).
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ZusammensetzungderJury • Naturdata-Biodiversidadeonline.http://www.naturdata.
Mittlerweile wählen 84 Arachnologinnen und com
Arachnologen aus 24 Ländern (Albanien, Belgien, Verbreitungskarten
Bulgarien,Dänemark,Deutschland,Finnland,Frank- •Deutschland:
reich,Großbritannien,Irland,Italien,Liechtenstein, http://spiderling.de/arages/Verbreitungskarten/species.
php?name=agelab
Niederlande,Norwegen,Österreich,Polen,Portugal,
• Europa:
Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien,
http://spiderling.de/arages/OverviewEurope/euro_spe-
Spanien, Tschechische Republik, Ungarn) die Eu-
cies.php?name=agelab
ropäische Spinne desJahres. Gegenüberdemletzten http://web72.pluto.ibone.ch/frontend_new/Agelena_la-
JahrkonntenVertreterausdreiweiterenLändernfür byrinthica-data-637.html
dieJurygewonnenwerden, nämlich BlerinaVrenozi http://www.faunaeur.org/Maps/display_map.phpPmap_
für Albanien, Holger Frick für Liechtenstein und name=euro&map_language=en&taxonl=348079
GordanaGrbicfürSerbien.Ihnensowieallenanderen •Benelux:
Jury-Mitgliedern sei herzlich für die Bemühungen http://www.tuite.nl/iwg/Araneae/SpiBenelux/
?species=Agelena%201abyrinthica
gedankt.
•Großbritannien:
EingroßesDankeschönauchheuerwiederandie
http://data.nbn.org.uk/gridMap/gridMap.jsp?allDs=l&
Übersetzer (Jason Dunlop sei stellvertretend für die srchSpKey=NBNSYS0000008834
englischeÜbersetzungerwähnt),andie Betreuerder •Tschechische Republik:
Internetseiten,FrankLepperbzw. SamuelZschokke http://www.pavouci-cz.eu/Pavouci.php?str=Agelena_la-
sowie Aloysius Staudt für seine Verbreitungskarten byrinthica
und an alle, die Fotos zurVerfügung stellen.
Fotogalerien
•http://spiderling.de/arages/Fotogalerie/Galerie_Agelena.
WarumfieldieWahlauf/Igelenalabyrinthica? htm
AuchheuerwardieWahlnichtganzeindeutig,esgab •http://commons.wikimedia.org/wiki/Agelena_labyrinthi-
nur einen knappen Sieg. ca
HiereinAuszugderArgumente:häufigvorkom-
Wikides Spinnen-Forums
mend, leicht zu finden (auch für den Laien), dichte
PopulationeninMenschennähe(Hecken,Parksetc.), •http://wiki.spinnen-forum.de/index.php?title=Agelena_
labyrinthica
interessanterNetztyp, um nureinige zu nennen.
Eswirdnichtschwerfallen,beieinemSpaziergang
Literatur
im Sommer2011, die Gemeine Labyrinthspinne zu
entdecken - lauernd in der Wohnröhre ihres faszi- BELLMANNH.(2006):Kosmos-AtlasSpinnentiereEuro-
pas.3.Auflage. Kosmos, Stuttgart.304 S.
nierendenTrichternetzes, mitgeschickten schnellen
BlickT,R.Bosmans, Buchar,RGajdos,A.Häng-
Bewegungen die Beute überwältigend — freuen wir gi,P.vanHelsdingJe.n,V.Rüzicka,W.Star^ga&
uns gemeinsam überihre Anwesenheit! K.THALER(2004):ChecklistederSpinnenMitteleuro-
pas.ChecklistofthespidersofCentralEurope.(Arach-
nida:Araneae).Version 1. Dezember2004.-Internet:
Unterstützende Gesellschaften http://www.arages.de/checklist.html#2004_Araneae
• Arachnologische Gesellschaft, AraGes. http://www. (27.4.2011)
arages.de FOELIX R.F. (1992): Biologie der Spinnen. 2. Auflage,
• BelgischeArachnologischeVereniging/SocieteArachno- GeorgThiemeVerlag, Stuttgart. 331 S.
logiquedeBelgique,ARABEL.http://www.arabel.ugent. GÖRNER P. (1962): Die Orientierung derTrichterspinne
be nachpolarisiertemLicht.-Zeitschriftfürvergleichende
• The British Arachnological Society, BAS. http://www. Physiologie45: 307-314-doi: 10.1007/BF00302327
britishspiders.org.uk GÖRNER P. & P. ANDREWS (1969): Trichobothrien,
• EuropeanInvertebrate Survey-Nederland,Section SPI-
NED. ein Ferntastsinnesorgan bei Webespinnen (Araneen).
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molögica Aragonesa, SEA. http://gia.sea-entomologia. räume mitteleuropäischer Spinnen. Charakterisierung
org der Lebensräume derhäufigsten SpinnenartenMittel-
Diversa Arachnologische Mitteilungen 41 (2011) 47
europas und der mit diesen vergesellschafteten Arten. PLATNICKN.I. (2011):Theworld spidercatalog,version
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dieGattungTegenaria.-ArachnologischeMitteilungen tungskarten/species.php?name=agelab (27.4.2011)
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Nentwig W, T. Blick, D. Gloor, A. Hänggi & C. Christoph Hörweg
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-Internet: http://www.araneae.unibe.ch (26.4.2011) 3. ZoologischeAbteilung
Burgring7, 1010Wien,Österreich
PFLETSCHINGER H. (1976): Einheimische Spinnen: Die E-Mail: [email protected]
Webespinnen-ArtenundVerhaltenmit120Farbfotos.
Kosmos,Stuttgart.71 S.
26th European Congress ofArachnology
doi:10.5431/aramit4110
The 26th European Congress of Arachnology
(ECA) will take place on 4-8 September 2011
at the Sede Boqer Campus of Ben-Gurion
University ofthe Negev, Israel. The campus is
locatedonthe edge ofthe dramatic Zin Canyon
in the Negev desert highlands, in the village of
Midreshet Ben-Gurion.The meeting is hosted
by the Blaustein Institutes for Desert Research
of Ben-Gurion University and offers keynote
speakers, several symposia and regular contri-
butions in all fields of arachnology (taxonomy, For information please visit our website http://
systematics, behaviour, physiology, ecology, bidr.bgu.ac.il/26eca/26_european_congress_
biodiversity). In addition, several excursions in of_arachnology/welcome.html or contact us at
the area are planned during the congress. [email protected].
&
Yael Lubin organizing committee