Table Of ContentWEIMARER MONOGRAPHIEN ZUR UR- UND FRÜHGESCH ICHTE
WEIMARER MONOGRAPHIEN ZUR UR- UND FRÜHGESCHICHTE
BAN D 28
HERAUSGEGEBEN VOM
TH ÜRINGISCHEN LANDESAMT FÜR ARCHÄOLOGISCHE DENKMALPFLEGE
DURCH SIGRID DUSEK
1992
KOMM ISSIONSVERLAG . KONRAD THEISS VERLAG· STUTTGART
THÜRINGISCHES LANDESAMT FÜR ARCHÄOLOGISCHE DENKMALPFLEGE
Beiträge zur keltisch-germanischen
Besiedlung im Mittelgebirgsraum
Internationales Kolloquium
15. bis 17. Mai 1990 in Weimar
1992
KOMM ISSIONSVERLAG . KONRAD THEISS VERLAG· STUTTGART
HERAUSGEIlER: THÜRINGISCHES LANDESAI.. . IT FÜR ARCHÄOLOGISCHE DENKMALPFLEGE
HUMBOLDTSTRASSE II 0 -5300 WEIMAR
REDAKTJON: EVA SPEITEL
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheiu3ufnahme
Beitriige wr keltisch-germanischen Besiedlung im
Miuelgebirgsraum: Incern:uiona1t."s Kolloquium 15. bis 17. ,\<bi
1990 in \'(/(,"imar I Thüringisches Landesamt filr Archäologi~che
Denkmalpfl.:ge. - Swngart: Theiss, 1992
(Weimarer ",'1Qnographil'n zur Ur- und Friihgeschich!<': 28)
ISBN 3-8062-1072-1
NE: Thüringen f LJlldesJI11! für Arch:iolof.ischt, DCllkll1:,lptlcgl': CT
© Thüringisches Landesamt Hir Archäologische Denkmalpflege Weimar.
Alle Rechte vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung einschließlich photomechanischer Wiedergabe
nur mit ausdrücklicher Genehmigung d(:s 'rhüringischen L11l(!esamtes,
Satz und Druck: Gutenhcrg Buchdruckerei Weimar GmbH
Buchbinderische Verarbeitung: Buchbindcrl,j Hesse, Weirmf
Prinlcd in German}'
ISBN 3-8062-I 072-I
11·81. 91
Vorwort
Ethnische Zuweisungen archäologischer Funde sind in regelmäßigen Ahsdnden The~
mcn wissenschaftlicher Veranstaltungen. Das gilt in besonderem Maße für die Ab
grenzung Germanen und Kelten und ist für den Miuclgebirgsraum von bleibender
AktualitäL 1983 vereinte die Fachgruppe Ur- und Frühgeschichte der Historiker-Ge
sellschaft der DDR Fachvenrercr aus beiden Teilen Deutschlands lind einigen osteu
ropäischen Ländern in Meiningen LU einer Konferenz. die größtenteils auch diesem
Thema gewidmet war.
Vom IS. bis 17. Mai 1990 fand auf Einladung des Museums für Ur- und Frühge
schichte Thüringens in Weimar ein internationales Kolloquium stau, das die Proble
matik .,Kellen und Germanen im Mittclgebirgsraum" bch:mdehc.
Ers!nlalig konnten sich ohne trennende Staatsgrenzen Experten der Bundesrepublik
und der damals noch bestehenden DDR sowie aus der CSSR zu einem Gedanken
austausch treffen. Die meisten der hier gehaltenen Referate werden in dem vorlie
genden Band 28 der "Weimarer Monographien zur Ur- lind Frühgeschichte" der
Fachwelt präsentiert.
Die Vorträge lassen sich im wesentlichen in zwei große Themenkreise gliedern, das
sind einmal Fundvorlagen als Ausgangsbasis für hislOrische Interpretationen und an
dererseits Vorträge, die den Beziehungen bestimmter Regionen innerhalb der Kon
tak,wnen gewidmet waren. Nicht alle dieser Arbeiten konmen in den vorliegenden
Band aufgenommen werden. statt dessen wurde er durch nach der Tagung enrstan
dene ßeilfäge von Th. Grassclt/\Xleimar und K. Peschcll Jena erweitert.
Dem ersten Themenkreis ist der Vortrag von SI. GerlachI Würzburg zuzuordnen, der
durch die Analyse der Höhensiedlung bei Mittclstrell auf Be-Liehungen zwischen
Rhön und Thliringer Wald aufmerksam machte. R. Spehr / Dresden referierte über
die Pflugschargeräte der Steinsburg; R. Müller I Halle analysierte die kulturgeschicht
liche Bedeutung des Brandgrabes von Waltershausen, Kreis RhÖn-Grabfdd. Th. Völ
ling I München berührte durch seinen Vortrag über das Gräberfeld von Aubstadt im
Grabfddgau stark Probleme auch der südthüringischen Spädatenezeit und legte neue
Erkenntnisse zum Beginn der clbgermanischen Besiedlung im Grabfcld dar.
Ebenfalls Erörterungen w den Beziehungen Mainfranken-Thüringen enthielten die
Vorträge von L. Wamser/Würzburg zur Problematik der jüngeren vorrämischen
Eisenzeit in Mainfranken, auch auch von D. RosenslOck/Würzburg bei seiner Ana
lyse der kaiserzcidichen Fibeln.
Th. GrasseItlWeimar und N. Volkmann/Freiberg legten naturwissenschaftliche
Analysen an thüringischen Sapropelirarmringen vor und vermuteten neben der
böhmischen auch eine südwestliche Herkunft dieses Schmuckes.
Im zweiten Themenkreis war der Vortrag von H. GriinertI Berlin der Vielf':iltigkeil
der Beziehungen lind Kontakte zwischen Kelten und Germanen im sächsischen Mit
tclgebirgsraum gewidmct, verbunden mit methodologischen und fheoretischen Über
legungen 1.lI diesem Problemkreis. Sächsisches Flindmaterial, nämlich Duxer Fibeln,
bchandeltc auch H. Kaufmann I Dresden. Mit dem nördlichcn Mittclgebirgsvorland
während der L:uencstufcn B2 und C beschäftigte sich K. Peschcll Jena bei seinen Be
trachtungen über die historischen ZUge der Belgen, ßaSlarnen lind Sueben.
Ausgehend von unterschiedlichem Material waren die engen Beziehungen zwischen
Böhmen und Sachsen-Thüringen Gegenstand der Vorträge VOll V. Salat lind J. Wald
hauser Ibeide Prag.
O.-H. Freytrvlarburg rlickte die Kontakte zwischen Thüringen und Hessen in der
Spädatene- lind frühen Kaiserzeit in den Mittelpunkt seiner ßelrachulIlgen.
Regionallibergrcifend war der Vortrag von F. Schiene/Halle, der eine ZU.hlrllmen
slClIung bildlicher Darstellungen, vor allem von Plastiken. darbot. Er gab einen
Überblick über einen Teilbereich d(·s künstlerischen Schaffens im keltischen frühen
Barbaricum Mittc!europas.
Die Org:lI1isation des Weimarer Kolloquiums wird Herrn Dr. Th. Grassdt vom d,l
maligen MUSetlill für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in \'{feirnar. dem heutigen
Thüringisdl(·n Landesamt für Archäologische Denkmalpflege. verdankt. DJnk ge
bührt ihm auch für sein Engagement und die Hilf(' bei der Drucklegung. dil' h:lUpt
verantwortlich von Frau Dr. E. Speitd dankenswert belreut wurde.
Weimar, im Juli 1992 Sigrid Dukk
Inhaltsverzeichnis
vorwort .......................................................................... .............................. . 5
STEFAN GERLACH. Die vorgeschichtliche Abschnimbcfcstigung auf dem
Eiersberg bei Miuclmeu - ein Beitrag zur ßesicdlungsgeschichtc des
Minelgebirgsr:tumes in der vorrömischen Eisenzeit .............................. 8
HANS KAUFMANN, Varianlen der Fibel vom Duxer Typ an Eibe lind Pleiße ... 31
THOMAS GRASSELT, Zur Fibelchronologie der vorrölllischen Eisenzeit in
Südthüringen ........................................................................................... 34
RE1Nl"IARD SPHIR, L:HcnC'lcirliche Pflugschargcrätc im Minclgebirgsraum 53
VU,OIMiR SALAt. Die Aussagen der Keramik zu Kontakten zwischen
Böhmen und Mitteldeutschland in der Latenezeit ................................ 69
KARL PESCHEL. Zu Bewegungen im Minelgebirgsraum vor den Kimbern
(Belgen- Bastarnen-Sueben) ........................................................................... 113
KARL PESCHEL, Zum Beginn der mittleren L'Hcnezeit an der Thüringischen
Saale-Neufunde von Beutnirl. Kreis Jena ...................... ............................... 129
HEtNZ GRÜNERT, Keltisch-germanische Kontakte im s;ichsisch-thiiringischen
Minelgebirgsraum und ihre Bedeurung für die ökonomisch-soziale
Ennvicklung der Germanen ............................................................ .............. 140
THOMAS VÖI.UNt;, Frühgc:rlllanischc Exp:1llsion und einheimische
Bevölkerung - Überlegungen am Beispiel des großromstcdrreidichcn
Gräberfeldes von Aubstadt im Grabfe1dgau..................................................... 153
JIRf WAI.J)HAU5ER, Zum Bevölkerungswechsel von Kelten und Elbgermanen
in Böhmen nach SiedlungsstTukturveränderungen in der Mikro-, Mezzo- und
Makroebene während der Endlatene- und frlihell Kaiserzeit ... ...................... 162
DtRK ROSENSTOCK, Kulturverbindungen Mainfrankens während der
römischen Kaiserreit im Spiegel der Fibelfunde .................................... 184
FRIEDRICH SCHLOTE, Bildliehe Darstellungen im frühen Barbaricum
Mineleuropas ............................................................... ................................. 200
Rezension
BERTHOLD SCHMIOT/WALDEMAR NtTZSCHKE: Ein Gräberfeld der Spät
latenezeit und der frührämischen Kaiserleir bei Schkopall, Kr. Merseburg
Besprochen von KARI. rESCHEI. ............... ............................................ 211
STEFAN GERU.Cti
Die vorgeschichtliche Abschninsbefesrigung auf dem Eiersberg
bei Mittelstrell - ein Beitrag zur Besiedlungsgeschichte
des Miuelgebirgsraumes in der vorrömischen Eisenzeit!
Der Bergsporn des Eiersberges wird durch den nach im anstehenden Fels. unmittelbar umer dem inneren
Südosten gerichtclen, steilen Prallhang der Streu und Fuß des heutigen sichtbaren \'(talk's. Eine sicherlich
eine im Nord('n liegende, schmale Schlucht gebildet, vorhandene Palisade oder einl' Holz-Erde-Mauer hin
die im spitzen \Xlinkcl wm Prallhang verl:iuft. 220 m ter diesem Graben wurde in den darauffolgenden Sied
westlich der Spornspirze quert ein 130 m langer, 8 m lungsphascn spurlos beseitigt. Auch in der Innenfläche
breiter und heute noch 2 m hoher Abschninswall den zeigen zahlreiche Funde in den unteren, leider zum
Berg. Die Fläche der auf diese Weise geschützten vor Teil verlagerten Schichten e!m' d,H1erhafte Sied
geschichtlichen Höhensiedlung beträgt ca. 1,3 ha. Der lungstätigkeit an. Nachweisb'lr war iiberraschender
Zugang lag wahrscheinlich im Ben'ich des heutigen weise auch Eisenverarbeitung. Oi('sem Zeitabschnitt
Weges nördlich des Walles, der an dieser Stelle ein zuzuweisen ist vermurlich die ältest{' Phase der [('kon
wäns zieht (Abb. I), struierten Hausgrundrisse in der Innenfläche (Abb. 3),
Im Jahre 1981 konmen Mitglieder der Archäologi Gleichzeitig mit der Anlage ,\('s ersten Abschnimw,ll
schen Arbeitsgruppe Rhön-Grabfcld an der Innenseite les oder kurL danach wurde auch die NordflInke des
des \Xlalles am Rande der Ackerfläche einen der weni Bergspornes gesichert. Eine Holzpalisade wurde in
gen bek:lllnten ßronzedepotfunde der jüngeren Hall einem schmalen, in den Fels eingetieften Graben er
stameit (Hallstau 03), bestehend aus Schmuckobjek richtel. Ihr vorgelagert W,lr eine Steinmauer unbe
ten und Metallbruchstücken, bergen. Dieser Fund kannter Höhe. Zusiitz!ich wurde dcr Hang knapp un
führte 1982 zur Aufnahme arclüologischer Untersu terh:llb von Palisade und Mauer grabcn;mig venil·ft
chungen durch das Bayerische Landesarllt für Denk und abgesteilt. Noch in der sp;iten Hallstattzeit wurde
malpflege im Bereich des Walles. 1985 wurden die der Abschnimw;ll1 erneuen und ('in Sti.ick nach \X/e
Gr..lbungen am \Xlallund in der Innenfläche gemein sten verlagen. Der ahe Gr;lben wurde verfüllt. Die
sam mit dem Institut für Vor- und Frühgeschichte der Mauer bestand aus Holz und Erde mit einer Stein
Universität \X/ünburg und der Archäologischen Ar fronl. Ihr vorgelagert w;lr ein in den Felsen eingctidter
beitsgruppe fongeser1t. Gr;.bclI (Abb. 2, Phase 2). Vermutlich nach einer Zer
Funde von Mikrolithen zeigen, daß der Berg schon Störung dieser Mauer errichtete m;\Il (bhinter ei!ll'
von den Jiigern lind Sammlern des Mesolithikums auf weitere Befestigung mit einer Steinfront (Abu. 2,
gesucht wurde. Die folgenden Kulturen des älteren Phase 3). Als Vorbefestigung dienteIl ihr die \Xlallruinc
Neolithikums hilllerließen nur wenige Spuren in und der Graben der Phase 2. 1\·lil diesen zwei W:lI1-
Form von geschlilTenen Steinbeilen mit O-förmigem phasen ist ein(' jüngere Bebauung in der [nnenfliiche in
Querschnitt. Erst für die Michclsberger Kultur l;ißt Verbindung 7.lL bringen (Abb. 3). Auch im feuer:lflllen
sich konkret anhand von Steinbeilen und einer gcrin Raum der Wälle fanden sich Siedlungsreste. In einelll
gen Menge an Keramik eine dauerhafte Sied der dortigen Holzh;iuser befanden sich wahrscheinlich
lungstäfigkeit nachweisen. Einige Bronzeobjekte und in einem Behälter :lUS nicht mehr nachweisbarem or
Gefäßreste der Urnenfelderkultur fanden sich verlagert ganischem Material die Bronzcobjekte, die 1981 zum
in jüngeren Kultufschichten, doch zeTSlörte die nach Vorschein karnen. Die Lage dt'r Sti.icke und Brandspu
folgende Anlage der eisenzeitlichen Siedlung alle ren lassen darauf schließen, daß sie nicht absichtlich
primären Befunde dieser älteren Phasen. deponiert wurden, sondern während eines Brandes,
Erst für den Übergang von der älteren zur jüngeren dem die Gebäude lind wohl auch der \Xlall Will Opfer
HalisfatlZeit (2. Hälfte 7. Jh. v.Chr.) läßt sich auf dem fielen, verlorengingen.
Eiersberg eine il1lensive Siedlungstätigkeit und die An In der frühen L,tcnezeit wurde der zerstörte \Xlall wie
lage einer Befestigung nachweisen. Die Ausgrabungen der aufgebaut. Es handelte sich um eine 4 m breite
zeigten als älteste Ph;lse (Abb. 2, Phase 1) einen Graben Pfostenschlit7.Jllauer vom Typ Altkönig-Prl'isl aus
Erde mit hölzernen Querankern, die mit senkrechtcn
Pfosten in ;msgesparten, CI. 3 m voneinander ('I1(rern
Di"'.:r VOr!r.l~ .!dlt ,·ille s!.Irk g.:kür/.l<· Fa.slIlIg da I ?8B ,111
,kr Unin'rsil:il \'(fiirt.burg .lIIg':lIomll"·II~1I Disser.llioll ,I.-s ten Schlilzen in der steinerm'n Vorder- und Rückfront
Vnf. mil 1J<."SOmkr.-rI!.;·riicksich!igulI!: .In si«ill1ngsgl'M:hidllli. verbunden waren. Die urspriingliche Höhe der MaU('r
eh.:n ASIJ<.-kl" ,tu. ,\n Vorl,.:richll·!\ ist 1.U n,'nll,',,: L \V".\I,rll.. bctrug ca. 2.50 m. Der zugehörige Grauen war ca.
Da. areh:iul. Jahr in Ib~'(rn 1?82. S. 6<) tT. - S·\". Gf.1I1 .... CI1. DJS 10 m breit lind 1.50 m in den Felsen eingeliert. An der
arch~ol. Jal .. in lhYl·rn 19 R5. S. R6 Ir. Di,· IIng,·kürfl'· l'ul>lib·
Mauerriickrront f:.lIlden sich de\ltlichc Spuren von
lion wir,1 in dn R(·ih.: ,\1'lIai;llhdll' ",-ur h:l.'"(·risc1l<"11 Vorg'"
schichl(' cr(ulgcn. \Xlohnbauten im feucrarrnell Raum. Auch in dl'f [n-
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