Table Of ContentFestschrift Heinz Duddeck
Festschrift
Professor Dr.-Ing.
Heinz Duddeck
zu seinem sechzigsten Geburtstag
Mai 1988
Herausgegeben von
Prof. Dr.-Ing. 1. Scheer Prof. Dr.-Ing. H. Ahrens
Dipl.-Ing. H.-1. BargsHidt
Institut fUr Stahlbau Institut fUr Statik
Technische Universitat Braunschweig
Beethovenstra13e 51
3300 Braunschweig
ISBN 978-3-926031-60-0 ISBN 978-3-662-28742-2 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-662-28742-2
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Aile Rechte vorbehalten
Heinz Duddeck 60 Jahre
Professor Dr.-lng. Heinz Duddeck wurde am 14. Mai 1928 im ost
preuBischen Sensburg, inmitten der an Naturschonheiten reichen
Masurischen Seenp1atte geboren. Er verbrachte dort seine Ju
gendzeit, wurde schon a1s Sechzehnjahriger 1944 zum Wehrdienst
verpf1ichtet und muBte um die Jahreswende 1944/45 wegen des
iibergreifens der Kriegshandlungen auf ostpreuBisches Gebiet
seine Heimat ver1assen. Nachdem er aus der Kriegsgefangen
schaft freigekommen war und eine handwerk1iche Lehre a1s Mau
rer begonnen hatte, 1egte er 1947 in Oldenburg i.o. das Abitur
abo Mit dem Gesellenbrief in der Tasche nahm er 1949 an der
Technischen Hochschule Hannover das Studium des Bauingenieur
wesens auf und schloB es 1955 abo Ein kurzer Aufenthalt als
Austauschstudent an der Universitat Bristol rundete seine stu
dien abo Vom Oktober 1956 bis Juli 1959 war er wissenschaftli
cher Assistent von Professor Pfannmuller am Lehrstuhl fur
Stahlbau der Technischen Hochschule Hannover, nachdem er zuvor
ein Jahr lang in dessen Buro mit baupraktischen Aufgaben des
Stahlbaus und des Stahlbetonbaus befaBt gewesen war. Schon da
mals ruhmte Pfannmuller die aUBergewohnliche Begabung und die
breite Allgemeinbildung seines Mitarbeiters und sagte ihm eine
glanzende akademische Laufbahn voraus.
Angeregt durch seine Lehrer, die Professoren Pfluger und Zer
na, widmete sich Duddeck dem Studium der schalentheorie, einer
Aufgabe, die auch heute noch zu den Schwerpunkten seiner wis
senschaftlichen Arbeit gehort. Das Ergebnis seiner Bemuhungen
waren seine Dissertation von 1959 uber das Randstorungsproblem
der technischen Biegetheorie dunner Schalen und seine wahrend
eines Forschungsaufenthaltes bei Professor Flugge an der Uni
versitat Stanford in Kalifornien begonnene und Ende 1961 in
Hannover abgeschlossene Habilitationsschrift uber die asympto
tische Biegetheorie der allgemeinen Rotationsschalen.
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Duddecks Streben, sich nach mehrjahriger wissenschaftlicher
Arbeit wieder starker den Aufgaben der Baupraxis zuzuwenden,
fuhrte ihn 1961 zunachst in das Ingenieurburo Bach und Berger
nach Bern, spater zur Beton- und Monierbau AG nach Dusseldorf.
Gleichzeitig hielt er seit 1963 als Privatdozent fur das Fach
gebiet Ingenieurmechanik Vorlesungen an der Technischen Hoch
schule Hannover, darunter erstmals uber Traglastverfahren.
Anfang 1966 folgte Duddeck einem Ruf an die Technische Hoch
schule Braunschweig und ubernahm als Nachfolger von Professor
Kohl das aus dem fruheren Lehrstuhl fur statik und Stahlbau
hervorgegangene Institut fur Statik. In den zuruckliegenden 22
Jahren entfaltete er eine uberaus vielseitige und erfolgreiche
wissenschaftliche Tatigkeit. Seine Forschungsarbeiten erfassen
nahezu alle Teilbereiche des konstruktiven Ingenieurbaus. Ziel
ist stets die Bereitstellung der statischen Grundlagen zur Er
mittlung des Kraftespiels und des Formanderungsverhaltens von
Bauwerken aus Stahl, Beton und Stahlbeton sowie von untertage
bauten. Sein besonderes Anliegen war es von Anfang an, das
wirkliche Bauwerk zur Erklarung der Phanomene des Tragverhal
tens in einem Forschungsmodell abzubilden und daraus durch
Idealisierung und Reduktion auf die wesentlichen Parameter ein
technisches Modell als Ersatz fur die Wirklichkeit zu ent
wickeln, dieses an praktischen Beispielen zu erproben und im
mer weiter zu vervollkommnen. Dabei kommt der Berucksichtigung
geometrischer und stofflicher Nichtlinearitaten entscheidende
Bedeutung zu. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Weiterent
wicklung allgemeiner Berechnungsverfahren bei nichtlinearem
Verhalten der Tragwerke, die Ermittlung der Grenztragfahigkeit
von Platten und Schalen im elastischen und plastischen Beulzu
stand und die wirklichkeitsnahe Erfassung der Spannungs- und
Verformungszustande in Grundbauten, insbesondere in Tunnel
und Hohlraumbauten im Fels, im Lockergestein und im Salzgebir
ge.
Gerade auf dem zuletzt genannten Gebiet wurden seine Beitrage
zur Geotechnik und Geomechanik, insbesondere zur statischen
Berechnung der Tunnel und Tunnelauskleidungen, seit Anfang der
siebziger Jahre in Fachkreisen des Grundbaus mit groBer Auf
merksamkeit verfolgt, war ihnen doch Duddeck, wie man ruck
blickend feststellen kann, gedanklich weit voraus. Auch bezug-
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1ich der standsicherheitsuntersuchung von untertagebauten wie
sen seine Gedanken in eine damals fur den Grundbau weit vor
ausliegende Zukunft. Ganz selbstverstandlich arbeitete er be
reits mit Tei1sicherheitsbeiwerten, gab Versagensmechanismen
an und hob die fur die Standsicherheitsberechnung im Tunnelbau
unerlaBlichen Gelandemessungen hervor. Seitdem finden diese
Gedanken nach und nach Geh6r in den fur die Grundbaunormen zu
standigen Gremien. Ohne Zweifel ist Duddeck ein Pionier auf
dem Gebiet des Entwurfs neuzeitlicher Tunnel. Wenn herausra
gende Verfechter der sogenannten Neuen 6sterreichischen Tun
nelbauweise auf der einen und Vertreter der Finite-Element
Methoden auf der anderen seite einander nun nicht mehr unver
s6hnlich gegenuberstehen, sondern in vielen praktischen Fallen
gedeihlich zusammenarbeiten, ist dies vor allem Duddecks di
p10matischem Geschick zu verdanken. lm Rahmen eines von ihm in
die Wege geleiteten Forschungsprogramms der Deutschen For
schungsgemeinschaft konnten die interessierten Grundbauinsti
tute der deutschen wissenschaft1ichen Hochschu1en immerhin An
schluB an die Braunschweiger Schule gewinnen oder zumindest
Duddecks und seiner Mitarbeiter Vorsprung zur Kenntnis nehmen.
Als subtilem Kenner elasto-plastischer Stoffgesetze ist es ihm
zusammen mit Doktoranden gelungen, die auf Mroz zuruckgehenden
Theorien in eine anwendungsreife Form zu uberfuhren und damit
wiederum fur die Bodenmechanik ein gutes Beispiel zu geben.
Von Duddecks wissenschaft1icher Tatigkeit kunden uber 90 Ver-
6ffentlichungen und seine zahlreichen fachlichen Vortrage,
ferner an die 50 lnstitutsberichte, die seit 1972 in zwanglo
ser Folge erscheinen und die in seinem lnstitut entstandenen
Arbeiten in ihrer ganzen Breite widerspiegeln. Bei uber 90
Promotions- und Habilitationsverfahren, von den en nahezu die
Halfte Mitarbeiter seines lnstituts betrafen, war er Berich
ter. Aus seiner Schule sind viele lngenieure hervorgegangen,
die in der Wissenschaft und in der Baupraxis auf verantwor
tungsvollen Posten stehen. Etliche seiner ehemaligen Mitarbei
ter sind in zwischen als Professoren an Hochschulen berufen
worden.
Die enge Verbindung zur Baupraxis, aus der er immer wieder
neue Anregungen fur seine Forschung gewinnt, zeigt sich in
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seiner Tatigkeit als Sachverstandiger und Gutachter, als Bera
tender Ingenieur und prftfingenieur fur Baustatik. Zahlreiche
Tunnel- und Untertagebauten im nord- und nordwestdeutschen
Raum und irn deutschen Mittelgebirge, hier uberwiegend im Zuge
der Neubaustrecke der Deutschen Bundesbahn von Hannover nach
Wurzburg, sowie andere herausragende Bauwerke, bei den en bis
weilen technisches Neuland betreten werden muSte, hat. er als
Entwurfsberater, als Gutachter oder Prufingenieur maSgeblich
mitgestaltet.
sein erfolgreiches wissenschaftliches Wirken wurde schon 1971
durch Berufung in die Braunschweigische Wissenschaftliche Ge
sellschaft gewUrdigt. In den Jahren 1978 bis 1984 gehorte er
dem Senat und dem HauptausschuS der Deutschen Forschungsge
meinschaft an, seit 1986 ist er deren Vertrauensmann fur die
Technische Universitat Braunschweig.
Das hohe fachliche Ansehen, das Duddeck im In- und Ausland ge
nieSt, seine jahrelange Erfahrung als Hochschullehrer, For
scher und Ingenieur und seine Bereitschaft, neue Ideen aufzu
greifen und Wege zu ihrer Verwirklichung zu suchen, trugen ihrn
die Mitgliedschaft in zahlreichen national en und internationa
len technisch-wissenschaftlichen Vereinigungen und Ausschussen
ein. Nur einige konnen hier genannt werden, so der Deutsche
Beton-Verein, die Deutschen Ausschusse fur Stahlbau und fur
Stahlbetonbau, der Deutsche AusschuS fur unterirdisches Bauen,
deren Vorsitzender er zeitweise war, die Deutsche Gesellschaft
fur Erd- und Grundbau, die Studiengesellschaft fur unterirdi
sches Bauen, die Internationalen Vereinigungen fur Brftckenbau
und Hochbau, fur Schalen und Raumtragwerke und fur Tunnelbau,
schlieSlich noch das Comite Euro-International du Beton und
die osterereichische Gesellschaft fur Geornechanik.
Bereitwillig stellt sich OUddeck fur die Obernahme von Aufga
ben zur Verfuqung, wenn es sich urn allgemeine Hochschulangele
genheiten oder um Belange der akademischen Selbstverwaltung
handelt oder, wenn es gilt, Standesfragen des Ingenieurs, etwa
in bezug auf dessen Stellung in der Gesellschaft oder in Hin
sicht auf die Verantwortung gegenUber der Allgemeinheit, zu
vertreten. So war er im Studienjahr 1972/73 Leiter der Abtei-
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lung Bauingenieur- und Vermessungswesen seiner Universitat. In
den Jahren 1971/72 und 1986/87 versah er das Amt des Vorsit
zenden des Fakultatentags fur Bauingenieur- und Vermessungswe
sen. Er erledigte seine Aufgabe in brillanter Weise und ver
trat nachdrucklich die Interessen der beteiligten Fakultaten.
In bester Erinnerung ist sein Wirken an der spitze der Nieder
sachsischen und Oberregionalen Studienreformkommission in den
Jahren 1979/82 und 1983/87. In beiden Gremien verstand er es,
durch souverane Verhandlungsfuhrung die an fangs weit auseinan
der liegenden Auffassungen der einzelnen Gruppen auszugleichen
und schlieBlich Reformvorschlage zu unterbreiten, die bei den
Beteiligten weitgehende Zustimmung fanden.
Man wurde der Personlichkeit des Jubilars nicht gerecht, wenn
man nur seine Leistungen als Wissenschaftler und Ingenieur
wUrdigte, nicht aber zugleich auch seine menschlichen Qualita
ten hervorheben woll te: seine FursoFge fur die Mi tarbei ter,
seine GroBzugigkeit und Weltoffenheit.
Ein ungewohnliches zeichen haben Herr Duddeck und seine Frau
vor zwei Jahren durch die Einrichtung einer stiftung gesetzt,
durch die alljahrlich der beste Absolvent des Fachbereichs
Bauingenieur- und Vermessungswesen der Technischen Universitat
Braunschweig mit Vertiefung im konstruktiven Ingenieurbau mit
einem ansehnlichen Geldbetrag ausgezeichnet wird.
Den notwendigen Ausgleich zur starken beruflichen Anspannung
bot ihm in all den Jahren die Geborgenheit in der Familie.
Seine besondere Vorliebe gilt der Musik, der Malerei und der
bildenden Kunst.
Die zahlreichen Kollegen, Mitarbeiter und ehemaligen Schuler
wunschen Herrn Professor Duddeck anlaBlich der Vollendung des
sechzigsten Lebensjahres Gluck und Gesundheit in reichem MaBe,
damit er auch in Zukunft so erfolgreich wie in den vergangenen
Jahren seinem ihn ganz ausfullenden Beruf als Hochschullehrer
und Ingenieur nachgehen kann.
G. Knittel unter Mitwirkung von G.Gudehus